Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 10 (6.3.1924)
- Date
- 1924-03-06
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Der Israelit Lette 8 a Nr. 10_ Lei! der Gemeinde davon abbringen, freilich unter der Bedingung, daß keinerlei Propaganda zu feinen Gunsten entfallet werde. Die Gegenseite führte aber einen stampf auf Leben und Tod gegen Aguda wie ihren Kandidaten, umsomehr, als Schapiro erklärte, Pieterkow zu einem Zentrum der Thora machen zu wollen. Es nötztc ihr nicht, und der bedeutende Rabbi erhielt den ehrenvollen Ruf. £iiauett. Die Thora-Lehranstalt in Telsch. Kowno, 3. März. Entgegen anderweitigen Ausstreuungen wird in einem Rundschreiben von den Rabbinern Schapiro- Kowno, Rubin- Wilkomir, Bloch- Telsch, Atlas- Schawel und Kahnemann-Poniewesch bestätigt, dah die Thoralehranstalt in Telsch zu den bedeutend st en der Welt gehört, deren weiteres Fortbestehen eine Lebenssrage für das jüdische Volk ist. Die Zahl der Jünger beträgt zurzeit 300, worunter sich solche befinden, die bereits eine ansehnliche Kenntnis des Talmud besitzen und Großes für die Zukunft versprechen. Der „Joint" hat seine Unterstützungen bekanntlich eingestellt, so daß die Jeschiwaus in Litauen auf sich angewiesen sind. Es wird eine Ehrensache der litauischen Judenheit, ober darüber hinaus auch des gesamten thoratreuen Judentums sein, diese bedeutsame Pflanzstätte des jüdischen Geistes zu erhallen. Tsshechs-Slswakei. Die Wahlen im tfchecho-flovakischen Karpatenland. Bratislava, 29. Fehl. Zu den bevorstehenden Parlamentswahlen in Karpatho-Rußland am 16. März haben die Zionisten eine eigene Wahlliste mit Dr. Ludwig Singer und Oberrabbiner Brody aus Prag ausgestellt, während die ,jüdische Partei", in der sich Orthodoxe an der Spitze befinden, die Herren Dr. Alexander Kroo und Emanuel Gutmann kandidiert. Eine Einigung war unmöglich, weil die Zionisten ihre eigenen Führer der Gesamtheit oktroyieren wollten. Italien* Ern Dekret Mussolinis zugunsten der ausländischen Studenten. Rom, 17. Febr. Der Premierminister Mussolini hat ein Dekret veröffentlicht. nach welchem sämtliche Ausländer an den italienischen Universitäten von jeder Art Gebühren befreit sein sollen. Dieses Dekret, das besonders den Bemühungen der Professoren Enriques-Padua, Limontani- Florenz und Magrani-Florenz zu danken ist, wird in italienisch-jüdischen Kreisen als ein besonderes Freundschaftszeichen der italienischen Negierung gegenüber der großen Zahl der an italienischen Hochschulen inskribierten Studenten aus Osteuropa, die in ihren Heimatländern infolge der Einführung des Numerus clausus vom Studium ausgeschlossen sind, aufgefaßt. (I. T. A.) Lettlo«-. Die jüdische Autonomie in Lettland. Riga, 15. Febr. Das Gesetz über Schulautonomie der Minoritäten Lettlands bestimmte die Assignierung bedeutender Summen vom Staatsbudget für die Gründung und Erhaltung jüdischer Schulen. Doch der Unorganisiertheit der Orthodoxie in unserem Lande wegen gelangen diese Geldmittel (ebenso wie früher die Zoint-Gelder) in Hände der antireligiösen und areligiösen Kreise, welche das Land mit einem Netze weltlicher jüdischiftischer und hebräischistischer Schulen bedeckten. Die Chedarim verschwanden. 90 «/<> der jüdischen Schuljugend sind Opfer eines Erziehungssystems, das auf Am-Haarazus und Kfiro nufgebaut ist. Nur hie und da sind Reste der Ehedarim und Ueberbleibsel von Melamdim vorhanden, nur hie und da sind ein Paar Neugründungen (Jeschiwa in Riga, Thora wederech erez-Schulen in den Großstädten) zu vermerken. Und das hat nrit ihrem Gelbe die Schulautonomie besorgt oder richtiger gesagt, die Orthodoxie mit ihrer Gelühmthett. Nun stehen wir vor einem zweiten Stadium der Autonomiegesetzgebung. Das Gefetzesprojekt über die nationale Autonomie wird nach ein paar Tagen d^n Sejm vorgelegt werden. Es enthält Bestimmungen über lokale und zentrale Autonomie, Organe, Zwangsbesteuerung und Aufgabenkreis im ersten Teile, wiederholt die Paragraphen des Schulautonomiegesetzes im zweiten Teile und spricht über öffentlichen Sprachgebrauch im dritten. Wäre die Orthodoxie in diesem Lande, wo der Zionismus kein ernster Gegner ist, genug organisiert, sie könnte das Gesetz ruhig begrüßen, das ihren Kehillos und ihrem Nationalrat, ihren Schulen und ihrer Schulverwaltung öffentlich-politische Rechte zukommen läßt. Das ist aber nicht der Fall, wie oben gesagt, und wir müssen mit bangem Herzen erwarten, was diese Autonomie uns bringen wird, nachdem wir an den bitteren Früchten der Schulautonomie uns sattgegessen haben, und nicht genug Mut besitzen, um sagen zu können, wir wollen diese Autonomie nicht. Das Gesetzesprojekt ist von einer interparteiischen Kommission ausgearbeitet worden, in der paritätisch die Agudo, Zerre Agudo, Nationaldemokraten, Misrachi, Zionisten und Zeire-Zion teilgenommen haben. Die Frage der religiösen Bedürfnisse machte der Kommission schwere Sorgen. Wohl einigten sich alle Parteien (außer Zeire- Zion) darauf, daß die Gemeinde religiös fein muh und daß die Steuergelder auch für religiöse Bedürfnisse verwendet werden müssen, man war aber darüber nicht sicher, wie der Sejm das aufnehmen wird, nachdem er die Trennung von Kirche und Staat durchgeführt hat. Das Äutonomieprojekt kann nur auf Unterstützung der Sozialdemokraten und anderen linken Gruppierungen rechnen; die werden aber auf Wink des „Bundes" den Passus von religiösen Bedürfnissen streichen,. Infolgedessen venti.ierte man in orthodoxen Kreisen die Idee, in das Autonomieprojekt eine Klausel hineinzu bringen, die einem bestimmten Prozentsatz der jüdischen Bürger, die den Willen dazu äußern, das Recht gibt, einen separaten nationalen Kataster zu schaffen und eine separate Autonomie- Organisation zu gründen. Man ging schließlich darauf ein, daß man vorläufig davon Abstand nahm, meldet aber zur selben Zeit, daß diese Klausel als Amendement zum Gesetze dem Sejm und der öffentlich-rechtlichen Kommission desselben vorgebracht werden wird, wenn der Passus von den religiösen Bedürfnissen gestrichen wird und wir mit einer weltlichen Autonomie begnadigt werden, die wir für keinen Fall annehmen können. Seltsam Uang die Erklärung, die Herr M. Nurock im Namen des Misrächi abgegeben hat, daß er eine weltliche Autonomie notgeorungen akzeptieren wird. Die Kommission hat vorläu,ig ihre Arbeit zum Abschluß gebracht und der öffentlich-rechtlichen Kommission des Sejm das Ergebnis derselben übergeben. Die neue Regierung und die Juden. Riga, 17. Febr. Ms die neue Regierung, die vom antisemitisch gefärbten demokratischen Zentrum mit der Zustimmung der Sozialdemokraten gebildet wurde, sich dem Sejm vorstellte, beschloß die jüdische Fraktion, angesichts dessen, dah Premier W. Zamuel arger Judenfeind ist und daß den Minoritäten keine Versprechungen gemacht worden sind, ihre Summen nicht der neuen Regierung zu geben, sondern sich der Abstimmung zu enthalten. Entgegen diesem Beschlüsse stimmte Dep. M. Nurock (vom Misrachi) zusammen mit der Regierungspartei, wie es auch M. Lazerson von Zeire-Zion getan. Dieser Schritt erwies sich als unbegrünoet, denn der Premier ließ das vom I. T. A. wiedergegebene Gespräch dementieren und von Seilen des Bildungsministeriums sind neue Begrenzungen für die Minori.älenrechte angekündigt worden, wie Entlassung von Lehrern, Ausländern und stärkere Lettisierung des Unterrichts. Sogar das örtliche zionistische Organ ist mit diesem Verhalten der zionistischen Vertreter unzufrieden. Die Kalenderreform. London, 25. Febr. Die Kirchenversammlung von Pork behandelte in ihrer letzten Tagung die Anregung internationaler Wirtscha,tsorganisationen, das Osterfest auf ein festes Datum zu verlegen, um die wirtschaftlichen Unzuträglichkeiten zu beseitigen, die das wechselnde Feiertagsdatum mit sich bringt. Der Erzbischof von Pork teilte als Ergebnis einer Umfrage in den kirchlichen Kreisen mit, daß die anglikanische Kirche in die Festlegung einwrlligen 6. März 1924 würde, wenn die Mitwirkung der orthodoxen und der römischen Kirche gesichert wäre. Doch erscheint das nicht wahrscheinlich, weil die römische Kirche daran festhalte, daß Ostern stets unter der gleichen Stellung von Sonne und Mond stattfinden solle, die bei der Auferstehung vorhanden waren, und sich weigere, als religiöse Autorität sich den Forderungen des Handels unterzuordnen. Der englischen Auffassung über das Verhältnis von Religion und Wirtschaft gab demgegenüber der Bischof von Durham folgenden charakteristischen Ausdruck: „ . . . Die anglikanische Kirche wäre sehr erfreut, wenn die vorgeschlagene Aenderung getroffen werden könnte. Die Unzuträglichkeiten, die durch das wechselnde Datum verursacht werden, sind beträchtlich, und die darunter leidende kommerzielle Welt ist eine sehr wichtige Welt und sie mag ruhig ihre Schwierigkeit den Kirchen ans Herz legen . . ." Die Bischöfe beschlossen schließlich die Einsetzung eines Komitees. Die Regierung Macdonald und die Balfour- Deklaration. London, 29. Febr. Auf eine Anfrage des Mr. Eharleton in der Unterhaussitzung vom 25. Februar, ob die Regierung betreffs der Zukunft Palästinas zu irgend einem Entschluß gekommen ist, erteilte nunmehr der Staatssekretär für die Kolonien Mr. Thomas die folgende schriftliche Antwort: „Die Regierung hat nach sorgfältiger Erwägung aller Umstände beschlossen, an der Politik der Balsour- Deklaralion vom Jahre 1917, die zum Inhalt hat, daß Großbritanien die Errichtung einer nationalen Heimstätte für das jüdi.che Volk in Palästina fördert, und aus welcher klar heroorgeht, daß nichts getan werden soll, was gegen die bürgerlichen und religiösen Rechte der anderen Gemeinschaften in diesem Lande verstößt» festzuhalten. Wie dem Hause bekannt, ist diese Politik in dem vom Völkerbund genehmigten Palästina-Mandat festgelegt worden." Propaganda amerikanischer Rabbiner für die Mnftage-Woche. N e w y o r k, 24. Febr. Aus der hier abgehaltenen Konferenz der jüdischen Sabbatveremigung von Amerika, in welcher der Präsident Rabbiner Dr. Bernard Drachman den Vorsitz führte, wurde beschlossen, in Amerika für die Fünftagewoche Propaganda zu machen, Sonnabend und Sonntag sollen als Ruhetage gelten. Es wurde ein Propagandakomitee, bestehend aus Rabbiner Drachman, Rabbiner Bunin und Herrn Sawitzki, ernannt. (I. T. A-) Der Antrag der jüdischen Minorität gegen die Etuwanderungsbill. Washington 24. Febr. Die Kongreßabgeordneten Saoath und Dickstem haben ihren Minoritärenantrag gegen die Johnson-Einwanderungsbill eingebracht. Er betont, die Akte von 1917 genüge vollkommen, da sie alle geistig moralisch und körperlich Mi..derwertigen, die leicht der Oes.entlichreit zur Last lallen könnten, sowie Anarchisten und andere Gegner einer geregelten Ordnung ausschalten. In dem Berichte heißt es weiter, datz die in der jetzigen Bill vorgesehene 2 Prozentquote laut dem Eensus des Jahres 1890 eine abso.ure Ungerechtigkeit bedeutet und sich aus eine „unbegründete anthropologische Theorie stützt, laut der die bevorzugten Völker die Nachkommen sittioer, unverdäch.iger Ahnen sind, derentwegen andere Völker zurückgesetzt werden sollen. Zur Erhärtung dieser pseudowi.seitscha,tuchen Theorie wuroe keine einzige wissenschaftliche Tat,ache von Bedeutung angeführt." Der Bericht empfiehlt, daß eine wissenschaftliche Kommt, sion neue Ziffern und Tatsachen zusammensteltt, „anstelle von Vermutungen und unbewiesenen Feststellungen." Aus älltt Welt. Deutschlad. Das preußische Biloungsministerium hat auf vie Wünsche des ls.üoentenpaclameuts nach Vorbereitung des Numerus clausus erwioert, diese Bestrebungen seien ver.aßungSuiiüttg. — Die „U)eu.jche Zei.Ung" wuroe vom Schoffenge.icht zu 100.— Viack Geldftta.e verurteil, weil sie den O^erregieruugs.at Wech vom Posizei^räfl^inm, der Juoe als „der Jude Weiß" berechnet hat.