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Der Israelit · 1924-02-28 · Heft 9 (28.2.1924) · page 15

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 9 (28.2.1924)
Date
1924-02-28
Page
– (sequence 15)
Language
German
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28. Februar 1924 Blätter Nr. 3 Seite 3 andenAgudagedanken, von „Fanatismus" für den Agudagedanken aufbrmgen, das erforderlich ist, um die unsäglichen Mühen und Schwierigkeiten der obersten Führung in unserer Organisation.zu ertragen und zu überwinden. Ich möchte den gerecht denkenden Mlsrachisten sehen, der es wagen wollte, die Wahrheit und Vernünftigkeit dieses Gedankenganges zu bestreiten. Nicht weil wir sie für weniger w ü r d i g erachten, sondern weil es eine seelische Unmöglichkeit ist, zwei so anspruchsvollen Herren zu dienen, wie MIsrachi und Aguda, schließen wir die Angehörigen gegnerischer Organisationen von der obersten Spitze unserer Leitung aus. Noch ein weiteres Moment kommt hinzu, dessen es zwar zur Begründung dieser Bestimmung garnicht mehr bedürfte, das ich aber der Vollständigkeit halber ebenfalls erwähnen möchte. „ Die Lebensgrundlage der Agudas Iisroel ist die Rücksichtnahme der einzelnen Länder mit ihren verschiedenartigen Verhältnissen aufeinander. Diejenigen Organe» die einem Lande allein gehören, kann dieses Land nach seinem eigenen Ermessen und nach seinen eigenen Bedürfnissen im Rahmen der Gesamtheitssatzung gestalten. Die zentralen Verwaltungsorgane dagegen, die der Gesamtheit gehören, in denen nicht nur Deutschland und Holland, sondern auch Polen, Ungarn, Slooakei, Litauen usw. ihre Führer erblicken, müssen selbstverständlich so beschaffen sein, daß sie keinem dieser großen Länder ein allzu starkes saoriklcium intellectus, ein Opfer des Gewissens zumuten. Auch diese Rücksicht wird jeder billigen müssen, der Sein und Gedeihen der Agudas Iisroel in heißer Liebe will und in ihrem Bestände eine Bürgschaft der Erlösung des jüdischen Volkes erblickt. Gestatten Sie mir nun endlich an der Hand des hier entwickelten Gedankenganges ein kurzes Wort zu den uns vorliegenden Anträgen und Resolutionen. Ich bin an der Abfassung keiner dieser Resolutionen beteiligt gewesen, glaube ihnen also objektiv gegenüberzustehen. Der Antrag Levy enthält seinem Wortlaute nach nichts, was wir nicht billigen können, denn es steht fest, daß in der deutschen Landesorganisation alle gesetzestreuen Persönlichkeiten, welcher Organisation sie auch angehören mögen, aufnahmefähig und zu allen Aemtern wählbar sind. Einer etwas genaueren Betrachtung bedarf die Resolution des Herrn Rabb. Dr. Klein. Meine Herren, alles, was ich mir vorhin über die Notwendigkeit auszuführen erlaubte, inmitten der die deutsche Orthodoxie leider zerklüftenden Gegensätze bei der sittlichreligiösen Bewertung der Persönlichkeiten gerecht und liebevoll zu bleiben, trifft auf die Gemeindeorthodorie und trifft auf Achduth zu. Ließe der erste Satz der Resolution Dr. Klein auch nur im entferntesten die Deutung zu» daß den führenden Männern der „Achduth" die bewußte Absicht einer Anerkennung der Neologie als gleichberechtigtes Judentum unterstellt werde, so würde ich gegen diese Resolution stimmen. Allein von einer solchen Unterstellung ist in der Resolution keine Rede. Sie bedauert die Gründung der neuen Organisation, weil sie geeignet (keineswegs darauf berechnet) ist, die Eleichwertung der Neologie mit der Orthodoxie zu stärken. An der Richtigkeit dieser Behauptung ist zu unserem großen Schmerze nicht zu zweifeln. Indem „Achduth." mit dem besonderen Vorsatz ins Leben tritt, in offenbarem Gegensatz zu den vorhandenen orthodoxen Organisationen, die „Einheit der jüdischen Gemeinschaft starkzu betonen", muß sie naturgemäß in unseren liberalen Stammesgenossen die Vorstellung nähren und stärken, daß ihr Abfall vom Judentum keineswegs eine Sprengung der jüdischen Einheit bedeute, sondern lediglich eine Parteinuance im Judentum darstellt, ähnlich wie auch die „Orthodoxe Partei". Man braucht nur den Widerhall zu beachten, den die Gründung der „Achduth" beim radikalsten Liberalismus in der „Jüdisch-liberalen Zeitung" gefunden hat, um die Probe auf das Erempel dieser psychologischen Feststellung zu machen. Dies vor der Oeffentlichkeit auszusprechen, sind wir der Wahrheit und unserem Gewissen schuldig. Mag sein, daß manche Fehler, die in unserem eignen Lager begangen worden sind, zum Teil mit die äußere Veranlassung, wenn auch nicht die Ursache der bedauerlichen Neugründung bilden — das sind Dinge, die wir unter uns auszumachen haben und die die Außenwelt nichts angehn. Man macht nicht auf offenem Markte Toilette. Der Kampf der Ideen kann jedenfalls nicht ausgeschaltet werden, und ich finde, daß die Resolution Klein den ideellen Gegensatz, in dem wir uns zu „Achduth" befinden, in der mildesten Form ausdrückt. Das „Achduth" auf praktischem Gebiete überflüssig ist, daß sie, wie es weiter heißt, scharfe Kämpfe entfesseln muß und den Frieden unter den Eesetzestreuen auf eine harte Probe stellt, ist eine Tatsache, die bereits jetzt von den Ereignissen bewiesen und, wie ich fürchte, noch weiter bewiesen werden wird. Wenn demgegenüber der Delegiertentag nochmals die Kreise, die hinter der „Achduth" stehen, zur brüderlichen Mitarbeit innerhalb der Agudas Iisroel aufruft, wenn er die Möglichkeit feststellt, daß die ideellen Auseinandersetzungen auch innerhalb des organisatorischen Rahmens der Aguda bei einträchtiger Arbeit auf praktischem Gebiet ausgetragen werden könnten, so genügt er einer Pflicht vor.Y'ap’fT und darf die stille Hoffnung hegen, daß seinem ehrlichen Werben eines Tages die Erfüllung nicht fehlen wird: «2' ntn dsrn *?2 dai Die erste Landeskonferenz der „Agudas Iisroel" in Litauen. Montag den 13. Adar abends 3 Uhr wurde die erste Konferenz der litauischem Agudas Iisroel unter Beteiligung von 40 Delegierten aus 30 verschiedenen Städten eröffnet. Unter den Ehrengästen sind die Kownoer Rabbiner unter Führung des Oberrabbiner Schapiro anwesend. Viele Gäste füllen den Hörerraum. Den Vorsitz führt Rabbiner Hurwitz, Alersot. Er eröffnet die Konferenz mit einer längeren Ansprache, anknüpfend an den Wochenabschnitt und schließend mit einem flammenden Appell zur gemeinsamen Arbeit für Gott und seine Thora. In das Präsidium werden gewählt die Rabbiner Ferwelsohn, Kupischki: Kahnemann, Poniwesch,- Hurwitz, Alexsot: Bloch, Telsch; Schapiro. Memel; Bischko, Wilkomir. Die Herren Sirik und Most, Kowno, werden als Sekretäre gewählt. Rabbiner Feiwellohn übernimmt den Vorsitz und hält eine feurige Rede, in der er, von den Gesamtausgaben der Agudaweltorganisation ausgehend, die speziellen Aufgaben der litauischen Landesorganisation im einzelnen erörtert. Er schließt: „Wir führen keinen Kampf, aber allen, die noch einen Funken Iüdischkeit im Herzen haben, rufen wir zu: vereinigt Euch mit uns, um am Bau des jüdischen Hauses im Golus und in Erez Iisrael auf den Grundlagen von Thora und Emuna weiterzubauen!" Oberrabbiner Schapiro, Kowno, begrüßt nun in einer längeren warmen Rede die Versammlung und Rabbiner Feiwelsohn entbietet den Gruß der „Agudas Harab o n i m ". Für die Zentrale der „ Z e i r e i Iisroel" spricht Herr I. Kopelowitz und verspricht die intensive Mitarbeit der gesetzestreuen Jugend. Herr Schmulowitz spricht im Namen der Iabne-Organisation und wünscht den Arbeiten der Konferenz gutes Gelingen. Darauf ergreift der hier anwesende Herr Dr. Ehr mann als Delegierter des G. A. der Zentrale der Agudas Iisroel das Wort, um im Namen derselben die Konferenz aufs herzlichste zu begrüßen. Er verliest auch ein Begrützungstelegramm der Wiener Zentrale, in der u. a. eine Subvention für das gesetzestreue Organ das „Jüdische Leben" versprochen wird. Er sagt im weiteren: „Die Scheidewand zwischen Ost und West ist seit der Kenessio Gedaulo gefallen. Daß man einen Westiuden zur Konferenz der litauischen Landesorganisation delegiert hat, ist mit ein Beweis dafür." Es werden sodann eine große Anzahl von Begrüßungen aus verschiedenen Städten, vieler Gemeinden, Verbände und Institutionen verlesen, u. a. auch ein Schreiben des Waad Hoaschkenasim und der Zeirim in Jerusalem. Nach kurzer Pause erstattet Herr Dr. Ehrmann den Bericht im Namen der Zentrale. Die Sitzung dauerte bis zur Mitternacht. Der Dienstag war mit Sitzungen und Beratungen der einzelnen Konzmissionen ausgefüllt. Abends hielten Referate: Rabbiner Kahnmann über „Chisuk Hadatz" und Rabbiner Heller über „Ehinnuch". Beiden Referaten schloß sich eine ausgiebige Diskussion an. Mittwoch Vormittag fanden wieder Kommissionssitzungen statt. Der Abend brachte Referate des Sejmdeputierten Harzberg, des Herrn Schmulowitz über die Tätigkeit des Iabne und schloß mit einem grobangelegten Bortrag des Herrn Dr. Ehr mann über die Palästina-Arbeit, der mit großem Beifall aufgenommen wurde. Eine Anzahl von Delegierten und Gästen zeichnete für Bodeneinkauf in Palästina von 300 Dunam. Die Konferenz kam am Donnerstag abend zum Abschluß. Ein weiterer ausführlicher Bericht folgt. Normalstatut für die Ortsgruppen. 8 i. Die Agudas Jlsroel-Ortsgruppe ist Mitglied der Landesorganisation der „Agudas Iisroel" in Deutschland (Gruppenverband) und umfaßt die am Orte wohnenden Mitglieder der Agudas Iisroel. 8 2. Agudas Iisroel erstrebt die Lösung der jeweiligen Ausgaben des durch die Thora konstituierten jüdischen Volkes im Geiste der Thora. Zweck der Ortsgruppe ist, nach ihren Kräften diese Bestrebungen zu fördern. 8 3. Mitglied der Ortsgruppe kann jeder Jude und jede Jüdin werden, der (die) die Verbindlichkeit der Thora iür sich und das jüdische Volk anerkennt. Der Landesorganisation steht das Recht zu, unter Zustimmung des Rabbinischen Landesrats einschränkende Bestimmungen über die Aufnahme von Mitgliedern für eine begrenzte Zeitdauer zu treffen, (§ 2 der Satzung der Gesamt-Organisation.) 8 4. Die Geschäfte der Ortsgruppe leitet ihr Vorstand. Dieser wird alljährlich in der ordentlichen Mitglieder-« Versammlung (8 6) gewählt. Seine Ausgaben sind: a) die Vertretung der Ortsgruppe innerhalb der Landesorganisation, sowie gerichtlich und außergerichtlich; b) die Propaganda für die Idee und für die Organisation der Agudas Iisroel innerhalb der Ortsgruppe; e) die Förderung kleiner benachbarten Gruppen und die Heranziehung vereinzelt wohnender Aguda-Mitglied er der Umgebung. Der Vorstand hat ein genaues Verzeichnis der ein-. zelnen Mitglieder der Ortsgruppe zu führen und über Zu- und Abgänge die Londesorganisation laufend unterrichtet zu halten. Er hat ferner für den regelmäßigen Eingang der Mitgliedsbeiträge zu sorgen (§ 5) und die Zentralsonds mit allen Mitteln zu stärken. Der Vorstand besteht aus mindestens drei, höchstens neun Personen. Er regelt sein» Geschäftsführung selbständig. Rechtsverbindlich zeichnen in Gemeinsamkeit Vorsitzender und Schriftführer oder ihre Stellvertreter. § 5. Jedes Mitglied zahlt für die Gesamtorganisation einen Jahresbeitrag, dessen Mindesthöhe von Jahr zu Jahr die Landesorganisation sestsetzt. Außerdem kann die Ortsgruppe Zuschläge für ihre örtliche Betätigung und für Sonderzwecke erheben. 8 6. Allsährlich findet die ordentliche Mitgliederversammlung statt. Ihre Ausgaben sind in der Hauptsache: a) P.ü.ung des vom Vorstand zu erstattenden Rechen- . fchastsberichtes, ' l>) Beratung von Anträgen, e) Wahl des Vorstandes. 8 7. Anträge, die sich nicht unmittelbar au» den Bereitungen der Mi'gUeder-srsammlung ergeben, sowie Anträge auf Arndrruug der Satzung müssen dem Vorstand

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