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Der Israelit · 1924-02-28 · Heft 9 (28.2.1924) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 9 (28.2.1924)
Date
1924-02-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Korrespondenzen « Nachrichten Zur Frage der Berufswahl. Frankfurt a. M., 24. Febr. Die Erkenntnis, wie wichtig es ist, junge Leute dem Lehrerberus zuzuführen und sie für ihr verantwortungsvolles Ami gut vorzubereiten, scheint sich schnell zil verbreiten. Hier hat sich bereits ein Lokal-Komitee gebildet, das sich die Aufgabe gestellt hat, für die Unterstützung der Präparanden- und Bürgerschule „Talmud Thora" in Burgpreppach zu werben. Von dem seligen Rabbiner Abr. Hirsch begründet, hat diese Anstalt in den Jahrzehnten ihres Bestehens eine große Anzahl von Lehrern vorgebildet. Da Burgpreppach fUnterfranken) der Sitz eines Distriktsrabbiners ist und es bisher stets glückte, religionswissenschaftlich hervorragende Gelehrte für diesen Posten und den damit verbundenen des Anstaltsleiters zu gewinnen, so konnte den Religionsfächern eine besonders sorgsame Pflege zugewandt werden. Die Schule erfreut sich eines so guten Rufes, daß ihr Kinder von allen Teilen Deutschlands zugewiesen werden. Die hiermit im Widerspruch stehende Stelle des Artikels aus Würzburg in Nr. 6 war irrig in Flüchtlingslagern unterzubringen und zur Verdienung ihres Lebensunterhaltes mit Landarbeit zu beschäftigen. 5. Die freiwerdenden Wohnungen sind in erster Linie den vertriebenen Deutschen aus den verlorenen und den besetzten Gebieten zuzuweisen, insbesondere den Ostmärkern, die seit Jahren in den Flüchtlingslagern leben mußten. 6. Die Staatsregierung zu ersuchen, darauf hinzuwirken, daß, soweit zur Durchführung der vorstehenden Maßnahmen rechtsgesetzliche Vorschriften erforderlich sind, diese mit tunlichster Beschleunigung erlassen werden." Der demagogische Charakter dieses Antrages, dessen ernsthafte Behandlung Deutschland wieder einmal in der ganzen Welt Schmach und Schande einbringen würde, wird namentlich durch Ziffer 5 gekennzeichnet. So sollen die Massen gegen die wenigen Ostjuden mobil gemacht werden! Ein Ausweisungsantraa gegen Ostjuden im preußischen Landtag. Berlin 23. Febr. Die deutschnationale Fraktion des preußischen Landtags hat folgenden Antrag zur Beratung im Plenum -es Landtages eingebracht. „Der Landtag wolle beschließen: 1. Die Ostgrenzen sind sofort gegen jede weitere jüdische Zuwanderung zu schließen. Die Verleihung des Staatsbürgerrechts an Juden hat nicht mehr stattzufinden. 2. Sämtliche seit 1. August 1914 eingewanderten Ostjuden haben sich bis zum 15. April 1924 zum Zwecke einer Bestandsaufnahme bei den Polizeibehörden zu melden. Wir sich bis zu diesem Termin nicht freiwillig gemeldet hat, wird mit sofortiger Ausweisung unter Einbehaltung seines Vermögens bestraft. 3. Sämtliche seit dem 1. August 1914 zugewanderten Ostjuden haben bis zum 1. Juli 1924 das preußische Staatsgebiet zu verlassen. 4. Diejenigen Ostjuden, die bis zum gesetzten Termin das preußische Staatsgebiet nicht verlassen haben, sind Völkischer Sieg in Mecklenburg. Berlin, 17. Febr. Die am 17. Februar in Mecklenburg-Schwerin stattgefundenen Landtagswahlen haben einen Sieg der rechten Parteien erbracht. Die zum erstenmal als selbständige Wahlgruppe aufgetretene deutschvölkische Freiheitspartei, deren Oberhaupt der in Mecklenburg begüterte Antisemit von Graefe-Goldebee ist, hat — so weit sich das Resultat bisher übersehen läßt — neun Sitze errungen. Das Endergebnis steht noch aus. Bundeskanzler Seipel über die Optionsfrage. Wien, 17. Febr. Kürzlich sprach eine Abordnung der „Union österreichischer Juden", bestehend aus dem Präsidenten Dr. Ornstein und dem Präsidial-Sekretär Fleischer, beim Bundeskanzler vor. Die Audienz diente in erster Linie der Aussprache über die Wahrung der staatsbürgerlichen Interessen der österreichischen Juden, insbesondere über die Auslegung des Artikels 80 des Friedensvertrages bezüglich des Optionsrechtes der Juden. Bundeskanzler Dr. Seipel erklärte, daß für ihn einzig und allein das persönliche Bekenntnis maßgebend sei, und daß die Rassentheorie seiner wissenschaftlichen Ueberzeugung widerspreche. Antrag auf Ausweisung der Ostjuden in der Berliner Stadtverordneten-Versammlung. Berlin, 21. Febr. Die außerordentliche Versammlung der Stadtverordneten Großberlins vom 19. Februar verhandelte über den Dringlichkeitsantrag der Deutschnationalen, bei der Regierung dahin vorstellig zu werden, alle seit dem 1. August eingewanderten Ausländer wieder anzuweisen, bezw. ihnen die Wohnungen zu nehmen oder, soweit sie nicht abzuschieben sind, diese Leute in Baracken unterzubringen. Den Antragstellern wurde entgegnet, daß solche allgemeine Maßnahmen nicht möglich seien und den übrigen Ländern zu Gegenmaßregeln gegenüber den dort ansässigen Deutschen Veranlassung geben würde. Stadtverordneter Koch ließ dann auch durchblicken, daß er nur die eingewanderten galkzischen Juden im Auge gehabt habe. (I. T. A.) Gießen, 19. Febr. Der Israelitischen Religionsgesellschast Gießen, welche seit 1873 die Rechte einer juristischen Person hat, wurde durch Beschluß des hessischen Gesamtministeriums vom 5. Dezember 1923 die Rechte einer ö ffentlichen Körperschaft verliehen. Konstituierung einer jüdischen Völkerbundliga in Oesterreich. Wien, 19. Febr. Am Sonnabend, den 16. Februar, fand die Gründung einer jüdischen Völkerbundsliga für Oesterreich statt, an deren Spitze Oberrabbiner Chajes steht. Das Referat erstattete Leo M o l z k i n von dem zionistischen „Komitee der Delegationen" in Paris. Die Liga dürfte als rein zionistische Gründung anzusehen sein. -pole«». Gefängnis wegen Einhaltung der Sahbatruhe. Warschau, 20. Febr. In der Warschauer Vorstadt Targowek wurden IM jüdische Männer und Frauen, deren Kinder an Sabbattagen der Volksschule ferngeblieben sind, zu je einem Tag Gefängnis verurteilt. (I. T. A.) Warschau 16. Febr. In der Sejmsitzung von Freitag, den 15. d. Mts., hielt bei Beratung der Todesstrafe der Deputierte, Rabbiner L e w i n aus Samber eine herrliche Rede gegen die Todes st rafe die den größten Eindruck machte. Es herrscht hier darüber Aufregung, daß in einer öffentlichen Schule, die von 150 jüdischen Kindern besucht wird, diese am Sabbat keinen Dispens erhalten. Vielmehr wurden die Eltern, die ihre Kinder am Sabbat daheim behielten, mit empfindlichen Strafen belegt. Dieses Vorgehen verstößt gegen das Gesetz und wird zum Gegenstand einer Intervention im Seym gemacht werden. Crtrazng für den Rabbi. S a n a k, 24. Febr. In Sanok verstarb plötzlich der bekannte „B ukowsker Rebb e". Deputierter Oberrabbiner S ch a p i r o weilte gerade in Lublin zum Zwecke der Wissenschaft ists ja, die das verneint. Alles Vorhandene in seiner Gesetzmäßigkeit und Zweckmäßigkeit bedingt einen höchsten, in seiner Macht und seinem Walten unbeschränkten Urheber, den Schöpfer, den Herrn, beweist durch Begriff, Urteil und Schluß nsmi rmnnn nasnn, daß cö einen Gott gibt, geben muß. Diesen Gott zu erkennen und anzuerkennen, ihm zu dienen, seinem Willen gemäß uns zu betätigen, das soll unsere Lebensaufgabe sein. Um den nun einmal am Irdischen, Sinnlichen, Sichtbaren hängender-' Menschen gleichsam in höhere Sphären zu erheben, ihm vorbildlich zu zeigen, wie das Sinnliche vergeistigt werden müsse, befahl der Herr, ihm eine Wohnung zu errichten, ein sichtbares, äußeres Zeichen der Gottesverehrung, ovsinu 'wDv mrcn: Die eigentliche Stätte des Herrn soll aber in uns selbst sein, indem wir selbst, unser ganzes Wesen durchdrungen und erfüllt seien vom Geiste Gottes, indem wir Gott stets vor Augen und im Herzen haben. Das können wir aber nur, wenn wir ewig unwandelbar treu halten an seiner geofsenbarten Lehre. Wie die Stiftshütte, letzten Endes die Hülle war für die in der hl. Lade ruhenden Symbole und Erinnerungszeichen an jenen bedeutsamsten Vorgang der Menschengeschichte, die Offenj barung am Sinai, so hat jeder einzelne eine Stätte zu sein, darin Thorageist lebendig wirkt. Auch an der historischen Offenbarung will sog. Wissenschaft rütteln, und wäre es auch nur, um mit spöttischem Achselzucken von veralteten Formen und nicht mehr zeitgemäßen Vorschriften zu sprechen. Mit Trugschlüssen aller Art sucht man die Thora ihrer Göttlichkeit zu entkleiden, ihre Gebote als unverbindlich hinzustellen; aber eben wieder nur mit Trugschlüssen! Kommt man mit der sog. bürgerlichen Moral allein aus? Und worauf gründet unsere Moral? Wenn wir nicht die göttliche Lehre als Grundlage anerkennen, wer dürfte dann behaupten, daß gerade unsere Lebensauffassung die richtige sei und nicht etwa jene der Kannibalen, die im Menschenopfer und Menschenfraß Ausfluß höchster Ethik erblicken? Die Weisheit und Güte des Herrn, die sich im ganzen Schöpsungsplane zeigte, finbet. ihren Ausfluß in der Lehre des Herrn. Die Sinaioffenbarung ist die Ergänzung und Vollendung der Naturoffenbarung, ist höchstes Geschenk Gottes an die Menschheit und besonders seinem Volke verliehen. Die Lehre ist göttlich und deshalb unwandelbar, sagt uns die nvvn, ihre Gebote sind gut und weise, urteilt nnan: halten wir sie fest und treu, ist der einzig richtige Schluß aus solchen Prämissen, die einzig richtige Erkenntnis: v'vDN p mm, der zweite Fundamentalsatz unserer Religion. L. A. (Schluß folgt.) Notiz. Zu der letzten Betrachtung des Rabbiner Dr. Winkler in No. 7 des Israelit erlaube ich mir auf zwei Ungenauigkeiten hinzuweisen, wodurch jedoch den schönen Gedanken kein Eintrag geschieht. Als in welcher der Name von nicht erwähnt wird, ist außer msn noch anzufügen die ganze Reihenfolge von nptf bis Klan '2 und — Als zweites ist zu bemerken, daß allerdings in den weitaus meisten Jahren tu* 'T, msn vorangeht; eine Ausnahme findet nur statt in dem n"l mspap, wo der siebente bereits auf den Freitag vor namn fällt. I. S. Uleines Feuilleton. Chassidismus und neuchassidische Romantik. Zur Jahrzeit von Ahron Marcus ^>„sj am 1. Adar II. Der Chassidismus ist in Mode gekommen. Horodezki, Berditfchewki und nicht zuletzt Martin Buber machten und machen nur noch in Chassidismus. Wohin dieses Werben zielt, ist nicht klar ersichtlich. Die Rationalisten werden sich von den hübschen Geschichten und Legenden des Baalschemtow und des Maggid von Meseritsch wenig überzeugen lassen und daran kaum die Kraft einer in jüdischen Tiefen wurzelnden Weltanschauung erkennen. Freunde des Chassidismus und gar dre Chassidim selbst werden aber nur zweifelhafte Freude empfinden an diesem Neuchassidismus, der die Legende zum Zentralpunkt erhebt und das bloße, von der lebendigen Tat gänzlich losgelöste Gefühl in allen Farben und Lichtern aufschillsrn läßt, bis es wie eine Feuerwerkkugel, mit festem Boden in Berührung gekommen, zerschellt und zerstiebt. Nie und nimmer wird diese platonische Liebe zum Chassidismus das Wesen dieser ethischen, tief im Sinaiboden wurzelnde Weltanschauung treffen und fassen. Dazu gehört mehr, es gehört dazu eine innere seelische Verbundenheit mit der Materie und eine Liebe, die, keine Opfer scheuend, in den Rahmen lebendiger Tatsreude eingesponnen ist, eine Intuition, wie wir sie immer gekannt und bei unseren Großen wahrnehmen konnten, bevor noch dieses Wort in aller Munde war. Der Mann, der von der Vorsehung nachgerade dazu berufen war, der Well den Chassidismus in seiner Schön-

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