Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 8 (21.2.1924)
- Date
- 1924-02-21
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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21. Februar 1924_ Rabbiner Tr. Pinchas Kohn hat die Herausgabe des R. G.-Protokolles, das wegen der Eigenheit, ja Einzigartigkeit der Vorhand ungsfo men nicht so einfach herzustellen sei, wie ein Pa:lamentsprotokoll, für nicht so wich ig für die Auswertung der Kenessio Gedaulo-Eindrücke, wie die LLi lenswärme der Teilnehmer. Ueb.igens sei in hebräischer Sprache bereits ein ku.zos Protoko.l von Wien ausgesandt. Jnbetrcff des Sozialen Hi.frwerks schlägt Redner die Wahl von Vertre.ern vor, die mit Herren von Wien und Warschau Zusammenkommen so Itcn, um Eindrücke und Lrfah.ungen aurzutauschon und voneinander zu lernen. Wenn von abgeschickten 80000 Palelen wirk ich eine kleine Anzahl an Empfänger gelangte. die manchen Delegierten nlcht würdig genug erscheinen, so sei zu erinnern, daß manche Geldspender oorsch ieben, wer aus ihrer Spende bedacht werden soll. Gerate weil der den sche Eru.penvcrband der Nolrv.nri^koit entheb n .st. sich K al-Auf^aben zuzuwenden, die die anderen orthodoxen Organisa icnen Deu'sch'and berei s betreuen, sollte er seine Aufmerksamkeit mehr darauf konzont.i.ron, wie er der groß.n Aguda- 2dee innerhalb der Gesamtorganisa.ion dienen kann, und da'ür die Bereitste.! mg der einzelnen Kräfte erwirken. — Dr. Meier Hildesheimer registriert mit Bewunderung den Umfang der Wi.ner LiebeKat für Deu sch and und wünscht, daß der Vorort die auswärts wohnenden Vorstandsmitg.ieder häufig zu S tzungon einlade. — Louis Lahn-Frankfurt a. M. schide.t die Tätigkeit und einzs.no zufällig s chrbar gewordene Erfolge der Freien Vereinigung und ruft freiwillige Helfer aus dcr Agudo zur M tarbelt auf dem Lande auf. — Leo Munk-Kö.n bittet namens der Jugendorganisation, keine Uebcrempfindllichkeit in der Aufnahme jugendl ch-frischer Briefe an den Tag zu legen. — Saul Vo d mer- Franksurt weist auf die Notwendigkeit h n, Mlkwoaus an k einen Orten zu erhalten und zu erbauen. — Rabb. Dr. B atz freund -Efchwege klagt über zu geringe Verbindung zwischen der Lander zmtrale und kleinen Ortsgruppen. Man müsse Vertrauensleute für Gruppenbszi.ke bestellen. — Rabbiner Dr. Klein-Nürnberg begründet seinen Antrag betreff Thorastudiums neben dem schulmäßigen Religionsunterricht in den einzelnen Orten (Resolution 1). Der Voror. ruft die auswärtigen Kollegen zu wenig zusammen. Die Ber chterstattung von Wien ist mangelhaft. In Nürnberg sind Zirkel zum Lernen eingerichtet, wodurch gerade Ferne stehende herangezogen werden; empfiehlt Aussprachen innerhalb der Ortsgruppen über die jüdischen Tagesfragen; die Ortsgruppen müssen die Stoßtrupps für die Tauroh, müssen das Gewissen der Gemeinde sein. Leistungen auf ge.st gem Gebiet allein tun's nicht, auch nach praktischen, sozialen Werken fragen besonders die Männer des tä igen Lebens. Die Bemängelung unzureichender Tätigkeit des Vo.orts und n edrigcn Niveaus der „B ätter" wiederholen Wolf S. Jacobson-Hamburg» Semmi Hesse-Hamburg, Dr. Mar Cohen-Eön. — William Möller t.itt dafür ein. daß aus dem Keren hataaro andere Länder erst gespeist werden sollten, wenn die Bedürfnisse in Deutsch and erfüll, sind; empsieh.t die Vcr.egung des Vororts nach Hamburg, wo Kräfte und Arbei.sberei.schüft genug seien, um allen Anforde.ungen zu entsprcchen. die man an eine Landeszrntrale stellen lönne. — Dr. M.ier Hildesheimer spricht für Belassung der Leitung bei Halberstadl. — Rosenheim: Von rrchtswegen müßlen dir sämtlichen Gelder des Ke en halauro an ein und derselben Stel e in der Gesamt-Aguda gesammelt werden: denn es war nicht an so vie.e Fonds gedrcht, wie es Länder gibt, sonde.n an ein großes Gesamthei s-2nst.umcnd Von der einen zentralen S eile soll en ursp ünglich die Bedü fnisse der einzelnen Länder gestillt werden. Wenn jetzt der deutschen Landesorganisa ion 50 °/o ihrer Einnahmen für den Keren hatora von vorne herein verbleiben, so ist das elne statlliche Quote. Die übrigen 50 müssen in d.e Gesamtheitskassc Blätter fließen, womit jedoch nicht gesagt ist, daß e n Teil davon nicht an Deutschland zurücksließen könnte. In Wien ist jetzt ein gu er Informationsdienst einger chtet; ec beda.f indessen der Nechrichtenertei ung von allen Gruppen. Einer Bel egung der Gruppenve.bandsleitung von Halberstadl ist aus wlch igen G.ünden zu widerra en. — Es folgt die Verlesung der eingegangenen Anträge, worauf um 1.30 Uhr Mittagspause gemacht wird. Montag Nachmittag 3.30 Uhr übernimmt Dr. Meier Hildesheimer den Vo s tz. W ldelm R o s e n - Frankfurt bittet um Förderung der in Frankfurt neuorganisierten S.e lenvermittlung der Jugendorganisa ion und sprlcht kurz zur Keren hatora-Organisierung. — S. Boley- Emden schi.derl die Verhältnisse in den Landgemeinden Emslands, wo er oft von Haus zu Haus gehen maß. um ein Mm.an zustande zu bringen und um Kinder zum Rsügion mnterr'cht den E.tern abzuringen. — Rabb. Dr. Fcankl- Halberstadt ve.teioigt die angegr f.ene Gruppenverbands. eitung und betagt die mangelnde Unterstützung du ch die Ortsgruppen, die zum größten Teil nicht einmal dle elnfachste Aufgabe. die Einziehung der Jqhresbe.träge, erfüllt haben. Auf eine Anfrage Semmi H e s s e s. wie sich der Delegiertentag zu der neuen Achduth-Vrr.i..igung verhalte, beantragtDr.Bres* lauer, aus zonükonomischen Gründen von einer Besprechung dieser Fruge vore.st abzusehen. — Wer auf der Kenesjio Gedaulo war, weiß, daß Agudas Jisroel kein Verein ist, sondern der üdifche Zibbur; demgemäß muß auch die Tätigkeit immer mehr zibbu.mäßig aufgebaut we den; berührt das Prob.em der E.fassung der Ost- ,uden in Deutsch.and; die gemeindepolit sche Tätigkeit der Ortsgruppen muß gesö.dert werden; stellt dementsprechenden Antrag. — Der Antrag auf llebergang zur Tagesordnung betreffend die Achouth-Vereinigung wird abge ehnt. — Dr. Rat.,an Birnbaum ist der Ansicht, dcß Gemeinde-Orthodorie und Misrachi unterschiedlich zu bewerten seien. .Während dieser abzilehnen sei, müsse man die Gemelndekonservativen freund icher behandeln, sonst treibe man sie in das Lager des Misrach'. — Zwecks Gewinnung von Müssen müsse man immer ihre geistig Führenden gewinnen. D e O.thodorie habe es bis jetzt infolge der Ueberfülle ihrer Aufgaben nicht genügend verstanden, sich im europäischen Geistes eben nach ihrem tiefsten Geha.te in würdiger Form rep.äsentieren zu lassen und auf diese Weise unter der geistigen Elite Baale Teschuwo zu schaffen. Das müsse setzt durch eine geistig hochstehende Presse und Literatur nachgeholt werden. — James P els -- Hamburg vermutet, daß die dem De legierten lag vor legenden Fragen bereits von der Leitung vorbesprochen und vieles davon bereits von ihr vorweg entschieden worden sei, wogegen er P otest erhebt. — Jacob Leoy-Ber.in wünscht die Gleichstellung aller Jereim in der deutschen Aguda, so wie siede jure feststehe, auch de facto durchgeführt zu sehen und begründet einen darauf zielenden Antrag. — Rabbiner Dr. P. Kohn erkennt an, daß einzelne von uns im Streit der Mein ngen gegenüber Andersgesinnten durch Schärfe des Worts verletzend gewesen sein mögen. Doch nicht das lat zur G undung des neuen Der'ins geführt. R cht fehlende „Liebenswürdigkeit" auf unserer Sei.e schuf die Achdulh. Hier ringen vielmehr zwei Ideen um Geltung. Die eine identifrziert Judenheit und Judentum, die andere sprengt diesen Ideenk.eis und äßt in einer Judenheit mehrere Juden ümer zu. Uns geht der Arewus - Gedanke keinen Augenblick aus dem Sinn; doch unsere Anschauung von der Einheit von Juden um und Iudenheit ist kruflvoll genug. Redner widerrät jeg- .icher Resolution des Delegiertentages betreffend Achduth. Unsere Aufgabe ist es, die Idee der Agudas Jisroel, ihre Achdus-Jdee reinzuhalten und zu vertrelen in stlllem, Hetzern Werben. Tiefste Ächtung für jeden, der um eine Idee ringt, tiefste Achtung darum auch Nr. 2 Seite 3 vor uns selbst! — Rabbiner Dr. Lichtig erk.ärt sich von Dr. Kohns Auffassung befriedigt. — Rabbiner Dr. Bondi - Mainz: In k.elniicher Weise wird an der Le.tung der Aguda herumkritisiert, es fehlt an der Achtung vor uns selbst. Was von den Ortsgruppen heute gefordert wurde,, ist geeignet, die Autonomle der jüdischen Gemeinde zu zerstören, und davor müsse gewarnt werden. Achduth ist in dem Augenblick gegründet worden, als die Aguda vor aller Weit als groß geworden und gefestigt dastand. Gerade nach der Kenessio Gedaulo ist es der Agudo möglich, alle Jereim zur gemeinsamen A.beit heranzuziehen: doch das mißgönnen ihr jene Leute. — Leo Munk-Eöln: Schlimmer denn ein Schaden an Menschen ist ein Schaden der Idee. Sch immer als dcr nvin ist der rr'vn» Dessen müssen wir in dieser Stunde eingedenk sein. — Eingegangen ist e.ne von versch cdenen Seiten gemeinsam rediglerte Resolution Klein (Besch uß 6), die der Vorsitzende verlesen läßt. — Dr. Jsak Breuer-F ankfurt geht auf Jacob Leoys Antrag ein, der ihm im zweiten Tei.e gut. im ersten Teile nicht klar genug und daher unannehmbar erscheint. Der Begriff der Einheit des Judentums ist auf der Kenessio Eedaulo klar ausgesprochen worden. Leider herrscht innerhalb der deutschen Je eim über diesen E nheitsbegriff keine Uebereinst mmung, umsomehr müsse Agudas Jisroel an dieser Klarheit festhalten. Es ist das ungeheure Verdienst der Kenessio Gedaulo, daß sie in ihrer Satzung die mit dem wahren Einheitsbegrlff des jüdischen Volkes innig verk nüpfte ninun rvnns mul voll gegen alle Verdunkelungsversuche der Zeit verteidigt hat. — Rosenheim: Wir kennen nur eine Einheit des jüdischen Volkes, nämlich die durch die Thora konstituierte Einheit. Eine Idee ist aber nicht vernichtet, wenn sich nicht alle il.re Vcrtreler sofort bis zur letz en Konsequenz ihrer bewrßt sind. Das kommt ach zum Ausdruck bezüg ich dcr Eignung zur Wahl für die einzelnen Organe der Agudas Jisroel. Der Sinn dieser Differenz erung ist keineswegs eine Differenzierung in der Bewertung der Einzelmenschen. In Wien war dabei lediglich vom Misrrchi die Rede. In die Letung der Ortsgruppen. der Landesorganisationen, sowie als De egierte zur Kenessio Gedaulo sind M'srachisten wählbar. Das Statut sei also der Meinung, daß die jira; schomajim eines Menschen nicht ohne weiteres bloß danach beurteilt werden kann, we cher Organisation er angehört. Der Ausschlrß gewisser Kategorien von Gesetzestreuen aus den zentraen Verwaltungsorganen hat andere Gründe. Hins chtiich Aufnahmefähigkeit der einzelnen Mitglieder besagt das Sta ut. daß wir alle um uns scharen wollen. Es war Herr Rabbiner Dr. Breuer-Frankfurt, der schon in Kattowitz die Aufnahmefähigkeit jedes zu ausstrebenden Juden verlangte, und der auch auf der Kenessio Gedau'o, gegen viele Stimmen aus dem Osten, wenigstens das durchsetzte, daß das Statut prinzlprell jeden Juden als mltgliedreif anerkennt, der die Verpfl chtungskraft der Thora für sich und das jüdische Volk bejaht. Redner bespricht den Antrag Jao b Levl), der ihm annehmbar erscheint, wie auch insbesondere den Antrag Klein in seinen elnzelnen Tellen. — Die Versamm ung, die dem Redner lebhaften Beifall zoll, beschließt, den Wortlaut der Rosenleimschen Ausführungen schriftlich von ihm zu erbitlen und zi veröffentlichen (folg ). — Julius Holländer begrüßt lebhaft die Roseuheimsche Begründung des Llntrages D". Klein, der einstimmig gebi l'gt werden sollte; dankt Ha berstadt für die bisherige verd enstvolle Tät gkeit und bittet, die Lei.ung der Landesorgan sation in den bizherigen Händen zu lassen, die Führung des deutschen Keren hatora indessen nach Hamburg zu legen. — Rabbiner Dukesz-Hamburg bedauert, daß dir erlösenden Ausführungen von Rabb. Dr. P.. Kohn und Rosenheim nicht gleich zu Anfang erfolgten. — Arch Jacob Levy segnet die S unde. in der Rosenheim sprach. — Semmi Hesse wendet sich gegen einze.ne Er-