Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 8 (21.2.1924)
- Date
- 1924-02-21
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seile 2 Nr. 2 Blätter 21. Februar 1924 kauf von Tesillin. Durch einen Freund ii Cassel heben wir Koscher-Pergamcnt zu Mrsusau kostenlos erlangt. Man bemüht sich, zu den Iomim hanauroim infolge einer Anregung von Halberstadt junge Leute als Chasonim und Baale Kaure für Zwerggemeinden zu gewinnen. In Frankfurt wird unter Joel Sängers Lei'ung fleißig dle Stellenvermittlung betrieben. Mit dem Vorstaudsnritg ied de- G.u-ppenvrrbandes, Julius L öwenth al-Eschwege, zusammen wollen wir dle vom Gruppenverband schon vor Jahren aufgenommene Dertei ung von Konserven an Orten ohne Koscher-Rrstaurant gemeinsam mi dem Hamburger Vcr.in betre b.n. Die Vrzi kstagungen sind immer ha monisch und ergeb isreich verlaufen. Mt einem geistreichen Wort des Kle jokor bittet Leo Munk um allseittge Unterstützung der Jugendarbeit. (Lebhafter Beifall.) Keren Hatora. Aus Dr. Deutschländers Bericht über den Keren Hatora: Urber eine regelrech e Tätigkeit kann noch nicht Rechenschaft abgelegt, nur Nicht inien können vorerst gezeigt werden. Kein Beschütz der Kenessio Gedaulo ist so begeistert ausgenommen worden wie die Err chtung des Keren Hato a. Ist es a lenthalben bereits gelungen, die vom Krieg zurückgelessenen Runen wieder auszubauen, so konnte e.st ganz zuletzt in die Jesch wos das Leben wieder einziehen. Und es ist ein wundervo les Leben, das f'.ch an den Stätten en faltet, die unser Slolz s nd und unser E ück bedingen. M 1 Amerikas Hilfe ist in beisoie losem Umfang und Erfolg a ch für das Brot des Geistes gesorgt worden, 1^93- Der Zustrom materieller Mittel von Amerika wird jedoch bald versiegen. Da hat dle Kenessio Gedaulo an die Gesamtheit appelliert, und der Keren Hatora ist im En stehen. Vor einem Jahre kam ich in eine k.eine Mansche Stadt vor Tagesanbruch,- beim Vorübergehen sah ich Lichtschein im Hause des Rabbiner- und Ieschiwoleiters und trat ein, um nach dem Gründe zu fragen. Die Stunden früh von vler bis sechs, so erklärte er mir, seien die einzigen, die er dem Lkmud, dem Vorbereiten für die Schrurin in der Iesch'wo w dmen könnenach Schach, ris lasteten die gesam en ma.eriellen Sorgen des Ortes auf seiner Schulter. Angesichts der Tatsache nun. daß der Ezem vom Ezem unsere ' schiwos s.nd, frage ich: Eibls auf der Well. ie Akrdemie, deren Rektor reisen mutz, um d.n Unterhalt seiner Lehranstalt zu erraffen? Die Unhaltbarkeil der Zustände liegt auf der Hand. Es mutz die Agudo der Finanzminister werden für die Talmud-Hochschulen, die unser Schicksal s.nd, von denen unser Gcsch'.ck abhängt. Denn nur so viele orthodoxen Juden w'.rd es im Osten geben, wie es Jeschlwo-Bachurim gibt, weil es in L tauen und Polen nur zwei Extreme gibt in jüdisch re igiöser Gesinnung: orthodoxe Talmide Chachomim und—das Gegenteil. Für Deutschland gilt der Grundsatz, daß ein grober Teil der geworbenen Gelder im Lande selbst zu verwenden ist. Das ganze jüdische Schu.werk soll von einer Zentrale in Deu.schland befruchtet werden, die die jüdischen Schulen jüdischer zu machen hat. Letzten Endes ist die L ebe zur Tora das einigende Band, das alle Brüder zusammensiftren muh. Agudas Jisroel ist dafür dadurch legitimiert, daß 99 Proz. aller Icschiwos den orgauisator.schen Anschluß an Aguda- Ii.roel vollzogen haben. Auch von di.ser Tagung wird gehofft, daß eine Araei.skommisslon ihr prck.i che Vorschläge un erbrei en werde, um den großm Gedanken des Keren Hatora zu verwirklichen. (Beifall). Soziales Hllfswcrk. Ueber das Soziale H'lfswerk der Agudas Iisroel berichtet an dem Musterbus» iel Berlins Dr. Falk Schlesinger: Wr haben dem Wiener Vorbild mit seinen prach voll ausgebildeten Insti u ionen unendlich viel zu verdanken. Unsere bcr mische Anstalt heißt n.cht einfach Jüdisches Hr.fswerk, sondern Hilfswerk der Agudas Iisroel. Da in liegt ein Kiddusch Haschem, den wir auch den anderen Gruppen empfehlen. Dagegen richten wir uns bei den zu bedenkenden Notleidenden niemals danach, ob iie Agudisten sind oder nicht, ob sie fromm sind oder nicht — lwiw!? ppna fttt.— Auf drei Gebiete erstreckt slch unsere Tä igkeit. Wir haben, erstens eine Lebensmittelfürsorge, l efcrn Brot, Kartoffeln (5000 Zen ner wa en es bis etzt), täglich 50 Pake e, dle nach Größe des Hausha tfür eine bis zehn Personen Inhal haben, geben Zu.azen für Kinder und Zulagen für alte Leute. Es werden aso allmona.lich 1500 Fami len regelmäßig bedacht. Ferner gib es eine diskrete L ste für Leute, die nicht erfahren, woher die Pakete kommen: diese anonyme Zusendung durch Sonderboten, die auch auf Anfrage der Empfänger nach dem Sender keinerlei Ausk rnft geben, ist wich ig. Jetzt ist e'nc Mzzos-Aktion im Gange. In diesem Mona wird den Paketen eine Anfrage aufgestempelt, ob die Empfänger der April-Pakete aus Pessach-Waren r f cktieren. Auch Arba Kausaur werden 1500 Fami.ien empfangen, nach dem Din, wonach sogar der Aermste, ib'vrr *n»nn seine vier Becher Weines zu den Sederabenden haben soll. — Zweitens un erhallen wir eine groß angelegte Krankenfürsorge durch unentgel liche Abgabe von Medlkamen en. Krankenhaus-Behandlung und Ve abr ichung von Krankenkost. Die Medikamenten-Abgabe vollzieht s ch auf die denkbar einfachste Art und *mt dadurch die freudige Unterstützung aller Aerzte: ohne Abstempe ung durch die Organisation kann jeder uns namhaft gemachte Aftzt seinen Namen und da- Zeichen A. I. (Agudas Iirroe) mit einer angefüg en Zahl un er da? Rezept setzen, und mit den Apotheken ist abemrcht, daß sie ein solches Rezept honorieren. Mit dem Krankenherm der Adaß Iisroel ist vereinbart. daß jeder von uns angemelde's Patient ohne die (sonst allgemein bedungene) Anzahlung ausgenommen wird: und in zahlreichen Fä len werden auch die gesamten Kosten der Krankenhaus-Behandlung von un? ganz getragen. Inbetreff der Krankenkost baben wir vorgedruckte Formulare, in die der Arzt nur Ziffern neben den Vordruck zu setzen hat, und danach werden die Pakete gepackt. Auch für Tag- und Nachtschwestern sorgen wir, für orthopädische Behandlung. Entbindungs-Fürsorge etc. — Als drittes unterhalten w'r für die Bekleidungs - Fürsorge große Räume mit Kle'der-Aleliers. tüch igen Schneidern und Schneiderinnen. Jedes ausgehende Stück wird sorgfä'tig auf Schaa'ne? geprüft. In der Nähstube ber-scht lebhafter Bettieb. V'ele Anzüge und Kleider, neue und passend gemachte alte, werden immerfort ausgegeben. Geld für unsere Leistungen haben verständnisvolle Mrnfchcnfreunde uns ausreichend zur Ve süzung gestellt. Schon hat unser Büro allein zehn Angestellte. (Lebhafter Beifatt.) Am Abend hielt Dr. Deittsch^änder einen großen Vortrag über die Richtlinien des Keren Hatora und fand ein großes und überaus dankbares Publikum. Montrgssttzung. Am Montag Morien wurden zunächst Begrüßungen verlesen. Telegraphische und büefiche Begrüßungen lagen vor aus Kowno, Warschau. Bratislava, Wien. Schweizer Plätzen, Lugano. Ansbach, Mannheim, Kar sruhe, Beuthen, Hamburg, München, Frauklurt a. M., A tona, Leipzig, Brr in, Köln, Wiesbaden. Den Vorsitz übernimmt Iu ms Holländer. Die algemeine Aussprache eröffnet Dr. Meier Hildesheimer über die Organisierung des Keren hatora. belont die Notwendigkeit, daß wir zunächst innerhalb Deutsch'auds für haromas keren tatauro sorgen, besonders die Lehrersrage für die ost üdischen Kindcr hierzu'ande bearbeiten und zwar gelrennt von der sonstigen deutsch-lüdischen Un er icht-srage. — Leopold Oppenheimer- Frankfurt bedauert, daß zuoiele deutsche Klal-Aüsgaben von der Aguda anderen Organisationen. wie Freie Vereinigung. Bund gesrtzestreuer Gemeinden überlassen werden und wünscht, daß der Gruppenverband sein Sonderaugenmerk dem Re igion-unterricht auf dem Lande zuwende: fragt, ob aus den Mitteln des Keren hato.a auch Lehranstal'en un e.stützt werden können, die neben min »SB TTctt auch profane Fächer lehren. — Dr. Max Eohen-Eöln bemänge t, daß da- Proloko.l der Keneffio Gedaulo noch nicht erschienen ist: wenigstens eine Sammlung der Beschlüsse müßte man längst haben. Bei Versendung der Lebensmitielpakele von Wien seien inbezug auf die Adressaten einige Fehler begangen worden. Der Bericht über die Tätigkeit des Gruppenverbands lasse an Dürftigkeit nichts zu wünschen übrig. Von den Ortsgruppen hätte der Vorort genügend Anregungen zur Tätigkeit bekommen, wenn er sich darum bemüht hätte. Daganze agud.stische Leben habe vielmehr in den Händen der Iugendgruxpen gelegen. Die Spalte „Blätter", dle neuerdings der Gruppenverband a's sein „Organ" im „Israelit" besitze,- sei von beschämendem Eindruck. Eln Generalsekretär ist nach immer nicht angestell.! Un er solchen Umständen sei Halberstadt ncht geeignet, denAgudo- Aufgaden in Deutsch and und der Stellung der deutschen Agudo in der Gesamtorganisa ion gerecht zu werden.— Richard Neufeld-Dortmund bespricht die Frage der Gewinnung von Osftuden im Zusammenhang mit dem Keren hatora. An den Industrie-Zentren müsse die Agudo zur E.richtung von min nnobn-Schulen für Ostludenkinder helfen. Auch Redner seien da! in zu senden.— Rabb. Dr. Breslau er- Fürth: Es hat nur Sinn, Besch üsse zu fassen, die realisierbar sind. Der Vorort sollte den Ortsgruppen me r Richtlinien geben. Die ostüdischen Kreise sind zur Unterstützung der Ieschiwos in Litauen und Polen mehr hermnzuziehen. Rabb. Dr. Singer mann-Bcr in wünscht das Hauptaugenmerk auf den Keren hatora gelegt zu sehen und auf die Verbreilung der Aguda-Idee; praltiichs Leist rngen kommen dann von selbst. — Rosenheim schildert d e Organisation des Keren hatora, wie sie sich aus seinem demnächst her aur kommenden Statut ergibt» und beantwortet Leopold Oppenheimers Frage dahin, daß der Rabbinische Rat des Landes, in dem die betreffende Anstalt sich befindet, zu befinden hat, ob sie sei lens des Keren ha ora zu unterstützen ist.— Wir müssen uns damit abfinden, daß die Organisationen, die in Deutschland vor uns bestanden und ihren fest umrissenen Aufgabenkreis haben, diesen behalten, auch wenn die Agudo ihn wahrnehmen könnte, und wir sollten diese Schwrster-O.ganiiationen unterstützen, sie aber n'cht elwa als Luft betrachten. — Die Kodifizierung der Begebenheiten der Kenessio gedaulo ist ein ungeheures Werk, dessen Leistung erst begonnen werden konnte, nachdem genügend hauptamt.ich tälige Kräfte in W en zur Ve.fügung stehen. — Auch der deutsche Gruppenv.rband kann erst Leist, ngen auiwe sen. sobald er in Halberstadt über eine hauptamt- .iche Krrst verfüzt. Für die O'tsgruppcn gibt es trotz des Bestehens der Freien Vereinigung und des gesetzestreuen Gemeindebundes genug zu arbeiten, und zwar gemeinsam mit diesen.— Nach der Markstabil s'erung können dle „Blätter" wieder regelmäßig fortan erscheinen. — Julius Löwenthal-Efchrege glaubt, daß die Iugendgr ppen sich nicht immer hlnre'chend ihres Der ä tnisfes zum Gruppeno.rband bewußt gewesen sind, und wünscht prrk.ische Vorschläge zum Fortsch.itt, statt einfache Bemängelung: bringt einen Antrag ein (Resolution 8) und bitttet um Unterstützung des den Agudabest ebungen adäquaten Hamburger Vereins zur Förderung ritue l.r Speisehäuser durch alle Agudalreise.— Rabb. Dr. Ben.amin Cohen-Bertin bespricht die Notwendigkeit, dle Lehrpläne der üdischen Schu'en jüdischer zu gestalten und dementspr.chcnd bei den Regierungen einz.kommen, und befürwo.tet dir B.'g ündung eines Sabbat- Fonds für durch Subbaihut Geschädigte. —