Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1924-02-21 · Heft 8 (21.2.1924) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 8 (21.2.1924)
Date
1924-02-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2450286-2450294--71056-2528335
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

21 Februar 1924 Der Israelit Nr. 8 Seite 5 Pogrom in Posen auf 'üd.sche Ka^fleute ans Lodz. Lodz, 17. Febr. Soeben aus Posen eingetroffene jüdische Kaufleute erzählen, daß sie in der Nacht von Freitag auf Sonnabend in Posen, wo sie Geschäfte halber weilten, von dortigen Faszisten unter Führung des berüchtigten Jan Sekreta czik und des Pofener Stadtverordneten Notkovicz furchtbar mißhandelt worden sind. Insgesamt wurden 10 Juden durch schwere Hiebe mit Holzknütteln verletzt. Der Lodzer jüdische Fabrikant Glückstein mutzte ins Spital überführt werden, wo man ihm die schweren Kopfwunden zunähte. Die Polizei verhielt sich vollkommen passsiv. Als einer der Mißhandelten im Polizeikominifffariat anfragte, weshalb die Juden keinen Schutz erhalten, wurde ihm erwidert: „Wir sind gegen Sekretarczik machtlos. So oft wir ihn verhaften, müssen wir ihn auf höheren Befehl sreilassen." lleberall in Posen prangen judenhetzerische Plakate, in denen zu Morden an Juden aufgefordert wird. Sogar an den Mauern der Posener Synagoge waren solche Plakate angeklebt. (J.T.A.) Mitglied des Rabbi.rischen Rates der „Agudas Jisroel", verstorben ist. Verhaftungen in L'tauen. K o w n o , 15. Febr. Die Kownoer Polizei verhaftete mehrere Mitglieder jüdischer Arbeiter-Organisationen, ebenso auch sämtliche Tir orthodore P last nadcUga ion. Jerusalem, 10. Febr. Die orthodore Reisegesellschaft unter Führung des Eerrer Rebbe hat das jüdische Leben der heiligen Stadt im höchsten Grade beeinslutzt. Schon in den ersten Tagen seines Hierseins hatte der" Eerrer Rebbe längere Aussprachen mit den Rabbinern Sonnenfeld, Distin und Kuck, die ihn einzeln besuchten und denen er den Besuch erwiderte. Die Bemühungen der Rebbes, einen friedlichen Ausgleich zwischen den widerstreitenden Parteien zu finden, nehmen einen befriedigenden Verlauf. In der Wohnung des Sokolower Rebbe soll eine Konferenz von beiden Parteien stattfinden. Es ist zu hoffen, daß ein dauernder und für beide Seiten ehrenvoller Frieden zustande kommt. Muss Kazim Pascha über se ne Unterredungen mit Kön g Hussein. Jerusalem, 15. Febr. Der I. T. A.-Vertreter in Jerusalem hatte ein Interview mit dem Präsidenten der palästinensischarabischen Exekutive Musa Kazim Pascha il Hussein:, in desssen Verlauf sich dieser über die Ergebnisse seines Besuches bei König Hussein' in Amman sehr zufrieden äußerte. Er habe mit König Hussein über die Lage m Palästina gesprochen. Der von gewisser arabischer gierung in Palästina mit einem repräsentativen Rat, bestehend aus Mohammedanern, Christen und Juden. Ich meine jedoch nur diefenigen Juden, die in Palästina geboren sind, und nicht die landfremden Zionisten. damer Pekidin neugegründeten Thora-Lehranstalt „Jeschiwas Zion" berufen. Hier war es ihm gegönnt durch 15 Jahre, seinen großen Fähigkeiten entsprechend, r»mn min zu sein. Und als vor 6 Jahren eine obere Abteilung unter dem Namen „Avi.jon", dieser Anstalt angeglicdert und von PeDim subventioniert wurde, gab es in Jerusalem keinen glücklicheren Mann, als Rabbi Katzenellbogen. Das äußerlich unfchrinbare Männchen mit den inmer glänzenden Augen und großen Idealen für min nxmn. hatte sein Ziel erreicht. Eine Anzahl Jünger von den begabtesten Kindern Jerusalems, scharten sich um den verehrten Meister mit seinen 5 Dozenten, lauter gediegene Thoragelehrte, und erzielten große Erfolge. Auch das große Waisenhaus Diskin hat die für Thoralernen besonders begabten Zöglinge dieser Jeschiwa anvertraut. Jünger im Alter von 16—19 Jahren hatten 4—5 Traktate gründlich ausgelernt und erhielten nimn mnn auf den ersten Teil Jore Dea. Die examrnrrrenden Eedaulim waren von den scharfsinnigen und umfassenden Antworten der Zöglinge — unter düsen waren auch Sefardim und Jemeniten — in Staunen verseht. Nach Beendigung des Krieges hatte der Verewigte schwere Zeiten e übt. Deutsche Thorafreunde. welche mit großem Verständnis durch erhebliche ständige Monatsbeiträge diese Anstalt stützten, haben mit einemMale versagt. Teilweise berief man sich sogar aus den zionistischen " Waad Hazirim, von dem man zu Unrecht behauptete, daß er auch für die Bedürfnisse der Thoraanstalten auseichend sorge. Amsterdamer Pekidim waren in der Hauptsache nunmehr aus Holland allein angewiesen. Das Schlimmste war zu be.ürchten. Es war im Kislev 5632. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich in Jerusalem die Nach ich!, Peimm könnten das Budget nicht mehr tragen. „Jeschi vas Zion" mit „Apirjon" müßten geschlossen werden. Dir Leh er hatten schon drei Monate kein Erhalt bekommen. Eine dringliche Versammlung wurde zu Oberrabbi rer Sonnenfeld einberusen. „Es müssen enerrifche Schutte unternommen werden" — sagte Rabbi Chain Sonnenfeld — „um diese Katastrophe zu verhülen." Ungeheuren Eindruck machte es auf die Anwesenden, als der verewigte Jeschiwaleiter in größter Erregung ihnen zuries: „Unter keinen Umständen verlasse ich meinen Platz. Solange noch ein Schüler da ist, bleibe ich. Schützet die Lehrer vor Hunger! Rettet unsere Jugend vor Leugnung und Untergang." Sichtlich ergm fen sagte hierauf Oberrabbiner Sonnenfeld: „Ich gelobe hierdurch zwei ägyptische Pfund monatlich für vier Monate. Mehr besitze ich nicht. Hätte ich mehr, so würde ich all mein Hab und Gut hingeben. In einer solchen Zeit darf eine Thoraanstalt in der heiligen Stabt nicht geschlossen werden. Eine Jeschiwah, deren Zöglinge die Eignung in sich tragen, Eedaule Thauro und Männer der Tat zu werden, darf nicht zu Grunde gehen." Es wurden sofort erhebliche Beiträge für einige Monate gezeichnet. Das amerikani chr H lfskomitee hat eile Subvention bewilligt. Pekidim haben ihren Beschluß revidiert und die Erhaltungskosten, allerdings in reduziertem Umfange, neuerdings übernommen. Seit drei Monaten ist jedoch die Situation wieder äußerst kritisch geworden. Die amerikanische Hilse ist ausgeblieben. Die Lehrer bekommen nicht die Hälfte ihres ohnehin sehr kärglich bemessenen Erhaltes. Und in dieser sch'cksalsschweren Zeit wurde der Schirmer und Hüter der heiligen Bundeslabe, mitten in . seiner segensreichen Lebensarbeit, jäh und plötzlich al berufen. Diese Thora-Lehranstalt war s.'ine Seele. Es war ein geistiger Hochgenuß, zu sehen, wie ihn tagsüber nach Beendigung des Hauptschiur die Jünger umgaben und schwere Fragen an ihn richteten. Der eine ein Tosaphot in Dvnn npm der andere einen Rosch in Chnlin, der dritte eine schwere Stelle in nininv usw. und der immer ernste und zugleich heitere und liebreiche Meister hat alle Schwierigkeiten sofort und nacheinander auswendig beantwortet. Und mit welcher vorbildlicher Gewissenhaftigkeit hat er die Nrschomohtich'er angezündet und die von den Pelirim überantworteten Schiurim abhalten lassen! In dieser Thora-Lehranstalt haben deutsche Zionsfreunde verschiedentlich die Namen ihrer Lieben durch Sch u i--St ftungen verevizt. Di: Betinmungen werden zünltlch ei gehalten. Wird aber die'e Jeschiwa auch weiter Bestand haben? Wäre es nicht an der Zeit, daß auch die deutschen Zionssreunde wieder tatkrä.tlg cirsprinzen, um durch Zeich .u g von Monatsbeiträgen diese einzige Jeschiwa der Pelioim vor dem Zusammenbruch zu retten? Seit mehr als 2 Jahren haben Pekidim auf Deutschland, das sonst ca. ,80°/b zu den Pe.i.i n-Eingängen brigetragen, wegen der Markentwertung, fast ganz verzichten müssen. Wäre es nicht an der Zeit, daß die deutschen Gabaim, indem sie die übliche Sammel ä igkeit für Pekidin wieder aufnehmen, mit opferfreudiger Hingabe ihre Fürsorge auch der Erhaltung von Jeschiwas Zion zuwenden? Der Verewigte hatte eine Freiwohnung auf dem deutschen Platz. In der Synagoge war er immer einer der ersten, die Tom nrr'ip genau mit Sonnenaufgang beteten. Seine lleie rnvr crp hatte er immer bei der Hand und in jeder freien Minute, auch bei nump rninn während der gimv -v-Pa s:n, lernte er seinen Schi nr. Außer seinen tiefgründigen Schiurim mit den Schülern hat er wohl für sich jedes zweite Jahr mp beendet. Es ist nicht übertrieben, wenn von ihm behanp et w'rd, dag erg"in u d mp ausveidig beherrschte. Trotz seines lebhaften Wesens, gepaart mit Sanftmut, Güte, Liebe und verständnisvollem Interesse für die Vorkommnisse der Zeit, hat er sich an Unterhaltungen Mitglieder des Zentralkomitees der jüdischen Kulturliga in Litauen. D'.e Mehrzahl der Mitglieder der jüdischen Kulturliga (Pd.ischisteii) gehören den jü risch-sozialistischen Parteien an. Seit einiger Zeit haben die litauischen Behörden die Tä.igkeit der Kulturliga scharf überwacht und ihre Arbeit gestört. (I. T. A.) Tie Einwanderung russischer Juden nach England. London, 17. Febr. Die Föderation ukrainischer Juden in London hat eine Aktion eingeleitet, um russische Juden, die Verwandte in England haben, nach England zu bringen. Dem ukrainischen Verband ist es bis jetzt gelungen, zahlreichen solcher Verwandten, oft mehrköpsigen Familien die Einreise nach England zu verschaffen. Allerdings find es nur gewiffe Kategorien von Verwandten, denen die Einreise nach England erlaubt ist. Der Verband hat einen Aufruf an alle in England wohnenden Juden erlassen, ihre Verwandten aus Rußland durch Vermitttung des Verbandes nach England kommen zu lassen. (I T. A.) Eine Rschttgstellnng. London, 5. Febr. Die vom I. E. B. verbreitete, offenbar aus zionistischer Quelle stammende Nachricht, Prof. Dr. de Haan in Jerusalem sei Korrespondent des hiesigen „Daily Erpreß" ist unrichtig. Türkei Der Dampfer ohne Laudungshafcn. Saloniki, 15. Febr. Der General von Saloniki, General L ambro s, erhielt ein Telegramm aus Konstantinopel, daß ein Dampfer mit 1000 russischen Flüchtlingen aus Neworossilsk, der in Konstantinopel nicht landen durfte, sich auf dem Wege nach Saloniki befindet. Eeneral Lambros telegraphierte an die Athener Regierung, er sei aus Mangel an Wohnungen nicht tn der Lage, die Ausschiffung im Salonikier Hafen zu gestatten. Das Schiff wurde dann nach Athen diri- Zlipcl, wo aber die Landung ebenfalls ungewiß ist. Wie es heißt, soll die Mehrheit dies« Flüchtlinge aus Juden bestehen. (J.T.A.) Die jüdische Delegation in Amman war eine zionistische und keine jüdische Delegation, da der Zionist Colonel Kisch Mitglied derselben war." Er sei mit dieser Delegation, die erst am Sonntag in Amman angekommen wäre, während er selbst schon am Donnerstag Amman verlassen hä.te, garnicht zusammengetrosfen. „Wir werden," sagte Musa Kazim Pascha, „unsere bisherige Arbeit fortsetzen. Wir verlangen die Realisierung der dem König Hussein während des Krieges durch Sir Henry Mac Mahon gegebenen Zusagen. Ohne das gehen wir keinen Vertrag ein. Wir wünschen eine nationale Regierung ohne jegliche Batsour-Deklaration. (J.T.A.) 2lmcri{a. 5 Dir Srbbatruhe im amerikanischen Judentum- Newyork, 10. Febr. Der Verband für die Beobachtung der Sabbatruhe ist nunmehr der Union der jüdisch-orthodoren Vereinigungen Amerikas angegliedert worden. Die orthodoxen Vereinigungen beabfich igen eine ausgedehnte Kampagne für die Beobachtung der Sabbatruhe einzuleiten. (J.T.A.) Rabbiner Benzion Hoffmann gestorben. Newyork, 10. Febr. Nach einer kurzen Krankheit ist Rabbiner Benzion Hoffmann in Philadelphia am 29. Januar im Alter von 50 Jahren verstorben. Rabbiner Hoffmann übte die Hauptsunktion des orthodoxen Rabbinats der Gemeinde Philadelphia aus, da der Hauptrattbiner Leventhal fast blind ist. Somit ist gegenwärtig die Gemeinde ohne orthodoxen Führer. Rabbiner Hoffmann war im Jahre 1904 aus Beßarabien nach Amerika gekommen. Personalien. Rabbi Abraham M. Katzenrklrnbogcn Leiter von „Jeschivas Zion" in Jerusalem. Frankfurt a. M., 4. Adar I. Die schmerzliche Kunde von dem Ableben des Rabbi Abraham M. Katzenellbogen hat die hei ige Stadt in tiefe Trauer verseht. Der Verewigte zählte zu den hervorragendsten Era„le Hatauro in Jerusalem. Umfassende Kenntnis von rnpoisi o"p, gehaart mi; seltenem Scharfsinn, wirkten 'harmonisch in diesem Manne, der wie selten einer auch pädagogische Methoden besaßt geistig bevorzugte Schüler (v'ii-v) zu gediegenen Thoragelehrten hrranzubüden. Nachdem ' er eine Reihe von Jahren als Dozent an der Jeschiwa Torath Ehaim Hervorragendes geleistet, wurde er als Leiter an der von den Ämster- Litauen« Der Rabbiner von M'nsk gestrrbcn. K o w n o , 13. Febr. Der Rabbiner von Kowno hat soeben eine telegraphische Nachricht aus Minsk erhalten, daß dort der Seite unterstützte Plan der Errichtung einer nationalen bekannte Rabbiner von Minsk, Elteser Rabbinowitsch, Regierung in Palästina bei gleichzeitiger Geltung der Balfour-Detlara.ion ist verworfen worden. „Wir wünschen", sagte Musa Kazim Pascha, „eine nationale Re-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.