Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 8 (21.2.1924)
- Date
- 1924-02-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2450286-2450294--71054-2528333- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Der Israelit Nr. 8 Seite 8 21. Februar 1924 Brot für die Seinen abplagte. Wie härmten M unsere Väter noch vor Jahrzehnten, lange nach der Emanzipation, in der sogenannten „alten guten Zeit" die ganze Woche draußen bei W'nd und Wetter unter Entbehrung des Alle.nötigsten ab um Pfennigsverdienste! Aber nie ließ man es sich emfallen» aus der Lage einen Freibrief zu gewinnen für die Pflichten gegen die Gemeinschaft, sich der Gemeinde oder den Armen zu entziehen. Das Salz, so sagte man sich, entz'eht dem Fleisch das Blut, macht es geringer an Gewicht, aber reicher an innerem Wert und edler an G.eschmack. Die „Zdoko" ist dem Vermögen, was das Salz für das Fleisch ist ... Oder durfte man gar daran denken, mit der Lage eine andere, le'ch'ere Moral zu rechtfertigen? Das Judentum kennt ke ne zweierlei Moral, hat auch keine eigene Kriegsmoral. Der König, so lehrt der Talmud, hatte zwei Thorarollen, die eine für seine Schatzkammer, die andere, die er mit in den Krieg hinausnahm, aber es stand in der einen genau das, was in der anderen stand. Es gibt keine Thora für Krieg und eine andere für den Frieden. Das aiwn kV und iivlm kV das 'idi ddwm Visr kV gilt immer, doppelt in schweren Zeiten, in Zeiten der Erregung und Erbitterung, da das leidende Volk nach einem Schuldopfer, nach einem Sündenbock geradezu ausspäht und erfahrungsgemäß die Augen nach der Judengasse rich et, um die Schuld des Juden der gesamten Judenheil in die Schuhe zu schieben. Das schlimmste des Schlimmen, Was §in Jude in solchen Zeiten begehen kann, die Sünde aller Sünden, ist „Chillul Ha schein". Nach Maimonides soll und muß ein Schädling in der jüdischen Gemeinde, nach vorangehender wiederholter Warnung und Vermahnung, den nichtjüdischen Behörden ausgeliefert werden, damit seine Tat nicht Schmach und Unheil häufe aus die ganze Gemeinde. „Fluch über die, die die Frucht zurückbehalten, Geld gegen hohen Zins verleihen und Preiswucher treiben! Wer ist ein Lebensmittelwucherer? Beispielsweise Sabbatai Ozer Peri!" So lesen wir im Talmud-Traktat Baba Batra, Seite 90 a. Der Name wird genannt, der Mann an den Pranger gestellt für ewige Zeiten, daß fünfzehn Jahrhunderte, so lange ist es seit Abschluß des Talmuds bis heute her, mit Fingern auf ihn hindeuten. So sah der Mann aus, und so hieß er, der in einer Zeit schwerer Not Lebensmittel zurückbehielt und Preiswucher tried, die Armen und Hungrigen bedrückte und damit den Namen Israels in Kot zer.te: Sabbatai Ozer Peri.... Bedenken wir, welche Mahnung in dieser Namensnennung liegt! Schlechte Zeiten. „Es hat sich gebessert." hört man auf der anderen Seite. Wir wollen nicht bestreiten, daß diese sogenannte Stabilisierung auf Grund -des wertbeständigen Geldes für große Sch ich en der Bevölkerung ein stabiles, wertbeständiges Elend bedeute!-, und die Kaufmannschaft hat bei der Neueinstellung eine harte Uebergangszeit zu überwinden. Die einen wie die anderen sollten die bezeichnende Mischnah im Trak at „Berachoth" lernen 'vr iiaun mzns V22 T»:dV nrprm und daraus lernen, wie man auch alles Ilebergangsnöte Gott anheimstelle. Auf alle Fülle aus ihnen kein Recht ableite, den Namen Gottes und seines Volkes zu entehren. *rw ’pim, das find Arbeitgeber, die unter Berufung auf die Lage Lohndrückereien begehen, werden vom Propheten (Maleachi 3) in einem Aiem mit v'SKi» und ipfrV O’irnfri genannt. (Siehe Talmud Chagiga F. 6.) Und noch eines: Die Mahnung Jaakobs an seine Söhne iK*inn naV gilt immer noch und sei besonders in diesen schweren Zeiten der absoluten Beherzigung empfohlen. Es ist nicht so gemeint, daß wir sofort beschämt und erschrocken im K'.ddusch, im Benschen und in den Semiraus einhaten, wenn das Dienstmädchen mit den Tellern im Zimmer erscheint, auch nicht, daß wir die Gebetszeit in der Eisenbahn verstreichen lassen, aus Angst vor den Mitreisenden — man handle in mögl.chst unauffälliger Weise. Es ist aber nicht nötig, daß Juden überall bei Premieren und auf Rennplätzen die ersten Plätze einnehmen, in politischen Versammlungen das erste Wort führen; es ist nicht nötig, daß sie in St. Moritz und anderswo auffällig und pelzbehangen den Anderen mit ihren Ski den Rang abla fen. Mit dem Vergrößerungsglase des Hasses gesehen, wachsen sie zur unheimlichen Fülle an, wenn es auch nur einige wenige sind. Es ist vieles andere nicht nötig, was heute in Räten, Parlamenten, politischen Parteien von Juden zu unserem Schaden und unserer Schande geschieht . . . Befragen wir uns über die Art, wie wir gegen die schlechten Zeiten ankämpfen sollen bei der Notgemeinschaft der Genera ionen, so ist die Antwort kurz und klar: Stark und stolz nach innen, bescheiden und zurückhaltend nach .außen, hilfsbereit nach allen Seiten, nach innen wie nach außen. den Worten jener Agada sagen: nino kVk ttk; denn anstatt die Schwierigkeit zu heben, wird sie noch mehr erweitert: Wie in aller Welt könnte man Salomo einen Vorwurf daraus machen, daß eine exotische Fürstin ihn besucht, um seine Größe und Weisheit zu bewundern?! Und welcher Makel haftete der sabäischen Königin an, daß deswegen eine historische Tatsache und, mas noch mehr, ein ganzes Kapitel aus der heiligen Schrift einfach gestrichen werden dürfe? Denn den biblischen Bericht im Sinne von „Reaierung" zu deuten, ist ja. wie bereits k"unnn mit Recht bemerkt, ganz unmöglich! Und das Alles sollte unternommen werden, „weil die Gemeinschaft mit ihr nicht angemessen erscheint." Ist doch solches nicht einmal der Gemeinschaft mit der Tochter Pharaos gegenüber versucht worden! Ueberhaupt vermag ich durchaus nicht einzusehen, welche Schmierigkeit denn meine aus keinerlei Aenderung des Talmudtextes beruhende Erklärung zurückließe, daß noch nach anderen gesucht werden müßte. Schließlich sei auch noch bemerkt, daß die Wendung la'K — naiKH Vd NAIV kVk nicht allein jmi’ *tk '2VN2 *n Vkw n eigen ist; sie wird auch von pnv> Y'K rwn 12 12 .121 gebraucht, in K2'pA n i2vv kV ykö 'D iviKN Vd 'k p-rnno 'Nviv kVk to Der Rasseforscher Pros.Lnschan. Im Alter von 69 Jahren ist am 9. Februar in Berlin Geheimrat Dr. Felix v. Luschan, Professor an der Berliner Universität und Direktor des Museums für Völkerkunde, gestorben. Der Tod des weit über die Grenzen Deutschlands bekannten Gelehrten hat in wissenschaftlichen Kreisen Deutschlands starken Eindruck gemacht. Professor v. Luschans eigentliches Gebiet war die Anthrovologie. Sein Hauptwerk ist..Völker, Rassen, Sprachen". Der Hauptgedanke dieses Werkes ist, daß eine „weiße" Rasse wissenschaftlich nicht feststellbar ist. In einem weiteren Werke, das seinerzeit viel Aussehen erregt hat, „Die anthropologische Stellung der Juden', führte er die ganzen Theorien der deutsch-arischen Rassenanbeter ad absurdum und wies nach, daß es eine reine arische Rasse gar nicht gibt. Wegen dieser seiner Stellung war Prof. Luschan, obwohl Nichtjude und konservativ gesinnt, Gegenstand von Angriffen seitens der deutschen Rasse-Antisemiten; diele konnten aber sehr wenig gegen die überragende Stellung des Gelehrten ausrichten. (Die Ausgrabungen in der Davidstadt.) Die Palästina-Forschungs-Eesellschaft teilt in ihrem soeben erschienenen Bericht mit, dag die Ausgrabungen in der Davidstadt im neuen Jahre fortgesetzt werden. Die Leitung wird anstelle des auf seinen Posten nach Dublin zurücklehrenden Professors Macallster Reo. Earrow Duncan übernehmen, der durch seine Mitarbeit bet den Ausgrabungen Sir Flinders Petries in Aegypten große Erfahrungen auf diesem Erbiet besitzt und der auch schon als Prof. Macalisters Assistent tätig war. Ihm werden der stellvertretende Sekretär Mr. Ooenden und wahrscheinlich auch noch ein bekannter junger jüdischer Archäologe zur Seite stehen. Der Bericht weist noch ausdrücklich daraus hin, daß sich die Ausgrabungsarbeiten dem Hügel „Ophel" noch im ersten Stadium befinden. Korrespondenzen « Nachrichten. Deutsch«« Reich. Von den Thüringischen Landtagswahlen. Berlin, 15. Febr. Von den Ergebnissen der am 10. Februar in Thüringen stattgesundenen Landtagswahlen steht bisher fest, daß der ertreme Flügel der „Deutschvölkischen Freiheitspartei" unter Führung des bekannten antisemitischen Schriftstellers Dr. Arthur Dinier, die zum ersten Male in den Wahlkampf getreten ist, sechs Mandate erobert hat. Ein siebentes Mandat steht der Partei in Aussicht. Dinier selbst ist gewählt und wird Fraktionsführer sein. Da es dem „Ordnungsblock" in welchem alle bürgerlichen Parteien von den Demokraten bis zu den gemäßigten Völkischen vertreten sind, nicht gelungen ist, die absolute Mehrheit der Sitze zu erlangen, ist eine bürgerliche Regierung ohne Unterstützung der extremen Völkischen nicht möglich. Somit ist es wahrscheinlich, daß die extremen Völkischen einen Einfluß aus die zukünftige Regierung haben werden. Allerdings würden dann die Demokraten, deren Spitzenkandidat, der Jude Professor Dr. Rosenthal, ebenfalls gewählt ist, sich an der Regierungsbildung nicht beteiligen. Die osteuropäische Emigration und die deutsche Schifffahrt. Hamburg, 17. Febr. In den Kreisen der deutschen Reeder wird die Tatsache mit Sorge betrachtet, daß die wahrscheinliche Annahme der Johnson-Bill durch den Kongreß der Vereinigten Staaten, wodurch die Einwanderung au» den osteuropäischen Saaten, besonders aus Rußland und Polen, stark beschränkt wird, auf das Reederei-Geschäft das von Hamburg ausgeht, seine nachhaltige Wirkung üben wird. Bisher mußten die deutschen Reedereien ,'ür die östliche Auswanderung allein 40 0/0 Vorpassage verwenden, nun aber, nachdem z. B. von den bisher jährlich zugelassenen 24 000 Russen in Zukunft nur noch 2000 Familienoberhäupter in Frage kommen, würde ein solches Manko durch die zu erwartende stärkere Auswanderung aus Deutschland nicht wettgemacht werden können. (I. T. A.) Sabbat-Anfang und -Ansgang. «wn row Ort: Ansarg Uhr >Miu. Wo 1921 t u m 5684 :Hu Uhr sg. Min. Frankfurt a. M. 5 25 23 18. 6 40 Berlin .... 5 25 Feb. Adar I 6 14 München . . . 5 30 6 23 Köln. 5 30 6 48 Stuttgart . . . 5 45 6 38 Breslau.... 5 30 6 — Nürnberg . . . 5 25 6 27 Hamburg . . . 5 35 6 31 Wochenkalender. 23.— Februar bis 1. März 1924 / 18.-25. Adar I 5884 Samstag Febr. 23 RWn '3 18 Y7K Sonntag 24 19 K Frankfurter Fasttag Montag 25 20 Frankfurter Purim Dienstag 26 21 Mittwoch 27 22 Donnerstag 28 23 Freitag 29 24 Samstag Mär, 1 bnp-n 25 Rofch-Chaudefch-Benfche» tnbpv ntf'ia