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Der Israelit · 1924-02-21 · Heft 8 (21.2.1924) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 8 (21.2.1924)
Date
1924-02-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
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©eite 2 Nr. 8 Der Israelit 21. Februar 1324 Wochen rundschan. Der Schlag gegen die litauischen Jeschiwos. Wie ein Blitz aus heiterm Himmel drang die Kunde in die Well, datz das Privileg der litauischen Ieschiroos arf Militärfreiheit vom Ministerium kurzer Hand ausgehoben wurde und die Thorajünger ihrem Lebensstudium entrissen und in die Kasernen gesteckt wurden. Der Ukas kam auch für die führenden Persönlichkeiten in Litauen so überraschend, datz ihnen gar keine Zeit blieb, über Abwehr dieses Schlages nachzufinnen. Es schwebten gerade Verhandlungen zwischen den Ieschiwoleitungen auf der einen und dem Bildungs- und Kriegsministerium auf der anderen Seite über ein neues Reglement für Alter, Vorbildung und Studiendauer der Jeschiwozöglinge. Eine -Kommission unter Mitwirkung der kompetenten jüdischen Instanzen war mit der Vorberei ung des Materials betraut. Ohne letztere anzuhören, wurde nun plötzlich besagter Beschiutz vom Ministerium gefaßt und auch sofort zu seiner Ausführung geschritten. Was das für die Thorazentren Litauens, ja für das Judentum der Welt bedeutet, be- <* darf keiner weiteren Erörterung. Litauen ist seit Jahrhunderten die geistige Kornkammer der jüdischen Diaspora. In Rußland wie in der Ukraine, im hohen Norden wie in den Westländern und. Amerika ist litauische Thoraintelligenz dominierend. Schon dieser Umstand allein sicherte Litauen vom ersten Augenblick seiner Reichsgründung an die Sympathien der auf dem Erdball zerst euten Juden, die Sympathien der Welt. Auch bewußt ist von jüdischer Seite viel für Litauens Prestige getan worden, und nicht zu wenigst war es der überaus großen litauisch-jüdischen Kolonie in Amerika zu verdanken, daß die Vereinigten Staaten im Sommer K22 zuerst die Litauische Republik de jure anerkannt hatten. Litauen hatte in letzterer Zeit durch den neuen politischen Kurs von den ersten Sympathien in der Welt ein wenig eingebüßt. Aber man war gerecht und optimist.sch genug, um diese Schwenkung zu den Uebergangsstörungen zu zählen und auf eine baldige Rückkehr zu den ersten Rechts- und Freiheitsgrundsätzen zu hoffen. Die neue Entrechtung wäre aber gerade dazu angetan, uns und die Welt um diese Hoffnung zu bringen. Man sollte in den leitenden Kreisen Litauens bedenkm, daß die Einberufung der Thojünger nichts anderes als eine Verstopfung der Quellen bedeutet, aus denen der gesamte üdische Osten, Amer ka und ein guter Xei. des West udentums ihre Kraft schöpfen. Das Recht der Militärfreiheit gehört zu den primitivsten Rechten der geist ichen Bildungsanstalten aller Konfessionen. Durch dieses Ausnahmegcsctz für die jüdische Konfession wird das litau.sche Judentum nicht allein in seiner Ehre tief gekränk, sondern in einer Zeit, da es sich gegen den Geist des Unglaubens und des Umsturzes schwer zu wehren hat, in seiner Kraft geschwächt, ja gelähmt. Nur eine kurzs'ch ige, auf den Augenblick berechnete Politik kann es übersehen, in welchem Mrße damit auch eine Schwächung Litauens für alle Zukunft verbunden ist. Wir zwelfeln nicht daran, datz von jüdischer Seite in Litauen a les aufgeboten wlrd, dle Maßnahme rückgängig zu machen. Freilich werden die thoratreuen Juden dabei auf sich allein gestellt sein. Die linke Seile wird keinen F'.nger für die Jeschiwaus rühren, und nach den Erfahrungen, die man im harten Kampfe um den Sabbat gegen das Sonntagsruhegesetz gemacht hat, kann auch vom Min'ster Rosenbaum und seinem Anhang in dieser Richtung nichts erwar el werden. Umso eifriger und energischer sollten sich a le jüdischen Juden Lltauens zur Wahrung ihrer hei igsten Rechte zusammentun und nicht eher ruhen, als bis Regierung und Sejm zur Eins cht dessen kommen, was hier für uns und für sie selbst auf dem Spiele steht. Die Naumannsche Einheitsfront. Die „Berl. Volksztg." berichtet über eine Rede Mar Naumanns in einer Versammung des „Verbandes nationaldeutscher Juden", daß sie „mit allerlei Phrasen und dem studentischen Komment entnommenen Redewendungen und Gedankengängen" die deutsche E nhei'sfront" predigte. Als der Redner schließlich di.' Einheitsfront mit Waffen forderte und den „deutschen Gott" anrief, erhob slch großer Jubel. Dann erhob sich Herr Major- Anker, der (mehr naiv als freimütig) bekannte, daß er vom Vorstand hergebeten sei, er erklärte seinen schroff monarchischen und nationalen Standpunkt und sagte, daß ihm die Rede Dr. Naumanns zu Herzen gegangen sei, daß er und seine Freunde von der schwarz--ötesten Couleur in den nat'onalen Juden, die sich auch für den Revanchek'ieg zur Verfügung stellten, nur ihre deutschen Brüder sehen würden. Würde Major Anker im Namen und im Sinne seiner Partei vom b'auesten D'ute und der schwarzrötesten Couleur gesprochen haben, diese Anbiederung der Naumannschen bliebe doch im höchsten Grade anwldernd. Wie schlimm muß es aber erst um das Ehr- und Schamgefühl dieser nationaldeutschen Juden bestellt sein, wenn sie alle Fußtritte von neuen Annäherungsversuchen nicht zurückhalten. Wlrd doch jetzt in der deutschnationa en Presse von offizlöser deutschnaliona^er Seite erk.ärt, der Major stehe „mit diesem Standpunkt in Widerspruch zu den Auffassungen der Deutschnationalen Volkspartei, die fii; Gründung des Nation« verbandes deutscher Juden keinen Zweifel darüber gelassen hat. daß sie diesen Bestrebungen aus grundsätzlichen Bedenken ablehnend gegenüber steht." Die radikalsten der Rechtsparteien, die Deutschoö kischen, schwören seit einiger Zeit auf i.ren alten Wotan. Mit Recht,- denn der Gott im Himmel, der Gott der Liebe und Gerechtigkeit, zu dem sich die Menschheit in einer Kulturentwicklung von Jahrtausenden, in der Idee wenigstens, emporgeschwungen hat, hat mit der Haß- und Hetzarbeit dieser Leute nichts gemein. * Und nun kommt Mar Naumann und ruft auch seinerseits den „deutschen Gott" an. Es nützt ihm nichts! „Geeint in Wotan" heißt: auch gegen Naumann und seine kriecherischen Mitläufer! ... Bon der Notgemeinschaft der Generationen. Eine historische Studie für die Gegenwart. (Schluß.) Nun die wirtschaftliche Lage. Schlechter Geschäftsgang, Teuerung usw. Glauben wir j«r nicht, daß die Zeiten hierin je besser gewesen sind. Man lese Hahn nach, der in seinem „Jossef Omez" seine lieben Frankfurter entschuldigt, daß sie „so kleine Sabbatbrote backen", bei der ungeheuren Mehlteuerung nämlich . . Und wenn der Verfasser des gleichen herrlichen Frankfurter Ritual- und Mora buches w ederholt von der Frankfurter Messe spricht, die manchen Frankfurter ganz in Anspruch nehme, so denke man beileibe nicht an die herrliche Festhalle draußen, in der die Frankfurter Großfirmen ihre Warenfchätze ausstellen, sondern gemeint ist die B u d e n m e s s e am Main, wo der Jude sich von früh bis spät um das karge r?r Bemerkungen znm Wochenabschnitt. Von Rabb. Dr. Winkler in Kopenhagen. I. ö.TTipsS Midrasch Tanchumo z. St.: „Der Heilige, gelobt sei Er. sagte zu Moses: Willst du die Zabl des Volkes genau wissen, so brauchst du nur die Anfangsbuchstaben seiner elf Stämme (der Stamm Levi wird'ja nich' mitaezählt) ihrem Zahlwerte nach zusammenzustellen, alsbald wird sich dir die Gesamtsumme seiner Tausende ergeben: ,-7 ,2 '■» 'T **1 K -z »3 also: 200,300,10,10,7,10,2,4, 50, 3, 1 zusammen — 597, d. t. 597,000, — 3000 sind beim goldnen Kalb umgekommen — im ganzen also 600,000. II. MT xb TBwn. »Der Reiche gebe nicht mehr." Diese Worte haben ym ruia als Tonzeichen, darin sei, so meint der Wilnaer Gaon, (nach Anderen: der Berditschewer Raw), die Anordnung unserer Lebrer enthalten, datz die Freigebiakeit nicht den fünften Teil des Besitzes übersteigen dürfe. ..Munach Reoia", vom vierten Teile an gerechnet, bleibe das Vermögen bei seinem Besitzer liegen. IH. nawn rix »»a-nawi. In '3 n"'p nat? 'oa heißt es: . Hätte Israel den ersten Schab bos gehütet, fo hätte keine Nation der Welt Gewalt gegen es ausüben können, und würde Israel nun zwei Sabbate nach Vorschrift heilig halten, so würde es sofort erlöst werden. — Warum dort nur einen Sabbat und hier zwei? Ich erkläre dies damit, datz retten bei Weitem schwerer ist. als schützen; daher wird für die Errettung auch ein größeres Maß von Verdienst erfordert, als für die Deschützung. IV. •jasra *]öx mrr fn naV. „Warum. 0 Gott, soll Dein Zorn entbrennen über Dein Volk?" — Mas soll diese Frage bedeuten? War die Sünde etwa nicht schwer genug, um Gottes Zorn zu rechtfertigen? Allein zieht man den Hinweis unserer Lehrer in Betracht, datz die eigentliche Sünde mit dem goldnen Kalb lediglich dem „Erew raw". dem Troß der fremden, der sict, Israel anschlotz, zuzuschreiben (vgl. auch die Worte '■»mw “pp^X nVx »Dies find deine Götter. Israel"), während diesem nur die Schuld der stillschweigenden Duldung auzurechnen wäre, so ist die Frage verständlich. Es ist hier nämlich von zwei verschiedenen Volksarten die Rede: Bon dem Volke Israel und von dem Volke der ihm und Mofrs angeschlossenen Fremden. Wenn Gott zu Moses spricht: „Geh steig hinab, denn dein Volk, das du aus Mizraim geführt, ist ausgeartet", so kann nur das letztere damit gemeint fein; Moses jedoch stagt: „Warum aber, 0 Gott» soll dein Zorn über dein Volk, also auch über Israel. entbrennen, das du aus Mizraim herausgeführt hast?" - In ähnlicher Weise ist aüch die Schwierigkeit im nächsten Kapitel (33) zu lösen: D. 4 nämlich berichtet: ..Sie trauerten und keiner legte seinen Schmuck an", und V. 5 spricht Gott: „Und nun legt euren Schmuck a J" Auch hier ist nicht anders zu verstehen, als datz in jenem Vers von dem gemeinenVolke und in diesem von „den S ö hn en Israels" die Rede ist. Jenes legte seinen Schmuck nicht an. diese aber taten es ja und mußten daher erst zum Ablegen aufgefordert werden. — Gewiß wirdman diese Auslegung auch bei „Malbim" wiederfinden; sie war aber unter meinen Schriften verzeichnet, lange bevor ich Malbims Kommentar zu Gesicht bekam. kleines Feuilleton. Eiile falsch verstandene Talmndstelle. Don Rabbiner Dr. Winkler in Kopenhagen. Auf die Bemerkung des Herrn Dr. Rosenthak in der letzten Nummer betreffend „die falsch verstandene Talmudstelle" kann ich nicht anders als mit

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