Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1924-02-14 · Heft 7 (14.2.1924) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 7 (14.2.1924)
Date
1924-02-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2450286-2450293--71041-2528319
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

14. ftebnmr 1924 Der Israelit Nr. 7 Seite * Man glaubt, daß das Komitee infolge der Weigerung der Juden, mitzuwi.ken, seine Tätigkeit wird auf- ^eben müssen. (I. T. A.) Aufklärung des Bomvenattenta s auf den Budapester libera'en K.ub. Budapest, 9. Febr. Der Budapester Polizei ist es endlich gelungen, das Bombenattentat, das im Frühjahr 1922 gegen das Ekijabekhstädter Kasino verübt wurde, vollständig aufzuklären. Dieses Attentat, dem eine Anzahl führender Mitglieder des liberalen Klubs, in der Mehrzahl Juden, zum Opfer fiel, hat seinerzeit ungeheures Aufsehen erregt. Die Polizei hat nun festgestellt, daß mehrere Mitglieder des Vereins der „Erwachenden Mrgyaren" unter Führung des berüchtigten Josef Marffy, nachdem sie den Schließer des Klubs durch Bestechung und Drohung zum Schweigen verpflichtet hatten, die Höllenmaschine in den Klubsaal gebracht hatten. Die Höllenmaschine explodierte noch vor Eintreffen aller Gäste,- trotzdem wurden mehrere Klubmitgliedec getötet. Der Schließer des Klubs, Josef Nemeth, ist inzwischen verstorben. Jetzt befindet sich der Zollwächter Johann Radosf und einige andere Erwachende Magyaren in Hast, die auch schon ein Geständnis abgelegt haben. Ein-anderer Mitschuldiger namens Kasnyik wurde nach den? Bombenattentat von seinen Komplizen, die ihm mißtrauten, in die Donau geworfen und ist ertrunken. <J.T.A.) Die Judenverfolgungen in Posen vor dem poln.schen Sejm. - Warschau, 2. Febr. In der Sitzung des polnischen Sejm vom 39. Jan. führte der polnische Deputierte Zwiakowski (Thugutt- Partei) aus, die Annahme des Antrages der antisemitischen Deputierten Zaluska und Sasziowitz wegen Befreiung der Juden vom Militärdienst, eine Konzeption, die seitens des Kriegsministers unterstützt wird, würde sehr inkonsequent sein. Man müßte dann überhaupt die nationalen Minderheiten vom Militärdienst ausschließen. Hierauf gelangt der Dringl chieitsvorsch'ag des jüdischen Parlamentsklubs über die antijüdischen Exzesse im Posener Gebiet zur Verhandlung. Deputierter Farüstein führte in der Begründung des Antrages aus, seit längerer Zeit wird in der Provinz, hauptsächlich in Posen, antijüdische Hetze betrieben, die in ihrer Maßlosigkeit und Häßlichkeit an das Mittelalter erinnert. In Posen kommt es fast jeden Tag zu Blutvergießen an Juden, öfters in Verbindung mit Beraubungen jüdischen Hab und Guts. Die Juden Posens, die unter der preußischen Herrschaft in Ruhe gelebt haben, fürchten jetzt auch am hellen Tage die Straße zu betreten. Auch der jüdische Bürger aus Kongreßpolen, der zur Erledigung seiner Geschäfte nach Posen kommt, muß aus Beleidigungen und Mißhandlungen schwerster Art gefaßt sein. Bis zu welcher Bestialität die antijüdische Agitation führen kann, beweist die Tatsache, daß jüdische Leichenkondukte regelmäßig mit Steinen bombardiert werden. Polnische Jugend ist in die Posener Synagoge während des feierlichen Gottesdienstes eingedrungen und hat die Unterbrechung des Gottesdienstes erzwungen. Auf dem Pofener jüdischen F.iedhof wurden die G.absteine ehrwürdiger Rabbiner, sogar des weltberühmten Rabbi Akiba Eiger, demoliert. Brr den Uebersällen in den Straßen wurden Frauen, Kinder und Greise nicht geschont. Die Behörden sind untätig. Wenn schon ein Bandit arretiert wird, wird er — auch wenn er sich zynisch seiner Taten rühmt und weitere Judenmißhandlungen ankündigt — sofort aus freien Fuß gesetzt. Die jüdischen Bürger in der Provinz Posen, die aus Liebe zu ihrer Heimat nicht zugunsten Deutschlands optiert haben, sind jetzt ür einer so unglücklichen Lage, daß sie nicht einmal vor Gott ihre Klagen Vorbringen können, da die Gottesdienste regelmäßig gestört werden. In Rawitsch hat der dortige Bürgermeister einfach die Schlüssel zur Synagoge konfisziert. Der Redner weist ein Plakat vor, das an mehreren Synagogen der Provinz Posen angeklebt war, und in welchem es heißt: „Juden ist der Eintritt verboten!" Die Polizei in Thorn hat reifende Juden aus den Waggons geschleppt und sie zu stundenlanger Zwangsarbeit angehalten. Der Redner verliest einen Brief der jüdischen Gemeinde in Posen an den Stadtpräsidenten über die Exzesse im November 1923, bei welchen 15 Juden schwer verwundet worden sind. Die Maßnahme des Innenministers gegen die bayrischen Judenausweisungen — sagte der Redner — sind sehr anerkennenswert, allein sie verlieren an Wirkung, wenn die Exzesse in Posen ungestraft bleiben. Die Dringlichkeit des jüdischen Antrags wurde gegen die S Immen der Sozialdemok.aien, der Thugutt-Gruppe und der nationalen Minderheiten abgelehnt. Litauen. Ein harter Schlag. K o w n o, 10. Febr. Ein harter Schlag traf die hiesigen Ieschiwaus, der, wenn er nicht noch rechtzeitig pariert wird, das litauische Judentum in seinen Grundlagen gefährdet. Indes dis Verhandlungen mit dem Bildungsministerium, das einen bestimmien Bildungszensus für die Schüler der Jeschiwaus verlangt, noch schweben, (entgegen dem Abkommen wurden die Rabbiner und Jeschiwohleiter von der Kommission nicht zur Beratung herangezogen) sind durch Befehl der Slobotkoer und den anderen Jeschiwaus alle ihnen zustehenden Rechte kurzerhand entzogen worden und die Hörer sofort zum Militärdien st einberusen worden. Das Privileg der Militärfreiheit war ihnen bis dahin genau wie allen anderen theologischen Seminaren gewährt. Alle Proteste gegen diesen Gewaltakt waren bisher erfolglos, nichtsdestoweniger möchte man doch glauben und hoffen, daß die Gefahr noch in letzter Minute abgewendet wird. Wir wollen daher mit der weiteren Glossierung dieses ganz unerwarteten und unglaublichen Entrechtungsversuches noch abwarten. K o w n o , 6. Febr. Die oberste Militär-Musterungs-Kommission Li auens hat die den Zöglingen bei der jüdischen Jeschiwoth bisher gewährten Prolongierungen vom M litärdienst zurückgezogen. Auf G.und einer Intervention von jüdischer Seite beschäftigt sich nun das Bildungsmi.nsterium mit dieser Frage. Gegenüber einem Vertreter der litauischen Telegraphen-Agentur (Elta) sprach sich der Bildungsminister dahin aus. man könne die Jeschiwoth den Hochschulen deshalb nicht zuzählen, da das Alter der Zöglinge der Jeschiwoth beim Ein- und Austritt nicht begrenzt ist. Wenn man nun den Zöglingen der Jeschiwoth die bisherigen Militär-Privilegien entzieht, so liege das nicht an dem Bildungsministerium, sondern an der Verwaltung der Rabbinerschulen selbst. Ueber die Frage des Programms der Jeschiwoth werde der Bildungsminister nächstens mit dem Minister für jüdische Angelegenheiten in Kontakt treten. (I. T. A.) Auflösung des ukr^in.fch-jüd fchen HisfskomUees. Bukarest, 10. Febr. Vor einigen Tagen fand in Kischinew im Beisein von Vertretern der amerikanischen und europäisch-jüdischen Hiis.i.stitutionen dir letzte S.tzung des ukrainischen Hilfskomitees statt. Die Sitzung erklärte das Hilfskomitee iür aufgelöst und nahm folgende Resolution an: „Anläßlich der Liquidierung der Hilfstätigkeit fühlt sich das Komitee veranlaßt, im Namen der Flüch.linge dem König und der Regierung den innigsten Dank auszusprechen. Das jüdische Volk wird der Wohltaten, die ihm in einer schweren Zeit seiner Geschichte zuteil wurden, stets treu gedenken. (I. T. A.) Die gesetz liche Freitagsruhe in der Tiirkci in Kraft. Konstantinopel, 9. Febr. Die hirsigen polizei.ichen Hauptämter geben bekannt, daß der jüngst in der Angora-Versammlung angenommene Gesetzentwurf über die Festsetzung des Freitags als des gesetzlichen Ruhetags in der ganzen Türkei, schon in dieser Woche in Kraft treten wird . Alle Läden, Büros und Sch len, mohammedanische, wie nichtmohammedanische, müssen am Freitag geschlossen sein. Auf den von der jüdischen Gemeinde eingereichten Protest gegen das Gesetz, durch welches jüdische Schulen und Geschäfte in zwei Tagen der Woche, am Freitag und Sonnabend zu schließen gezwungen sind» ist noch keine Antwort erteilt worden. (I. T. A.) Palästina. Die Stadtratswahlen in Tel-Aw'w. Tel-Awiw, 7. Febr. Das Wahlergebnis für den verei ngten Stadtrat von Jaffa und Tel-Awiw ist soeben bekanntgegeben worden. Danach entfallen auf das Tel-Awiw-Viertel 5 Mitglieder der Arbeiter-Partei, 5 Vertreter der Grundbesitzer und 7 Vertreter des Zentrums. In den anderen Vierteln stellt sich das Ergebnis folgendermaßen: 9 Mitglieder der Arbeiter-Partei und 15 Mitglieder anderer Parteien. Gewählt wurden u. a. Achad Haam, Dizengoff, Dr. Mofsinfohn, Dr. Bogratschosf, Piies, Metro, Etikman, Cloufz, Knuizi, Pachter, Rocah, Blumenfeld» Barsky, Bevi, Aornowitz, Jaoli, Dr. Weitzmann, Dr. Kohen, und Dr. Benyamiui. Die G fa i.t ahl der Stabt atsmi'cleder ist 41. Vierzehn derselben gehören der palästinensisch-jüdischen Arbeiter-Vereinigung an. (I. T. A.) Personalien. Louis Mittwoch Berlin NW., 5. Febr. In der Peripherie von Berlin hat das überliefert» Judentum einen seiner besten Bekenner, einer seiner begeistertsten Ausüber verloren: Louis Mittwoch ist in seinem 74. Lebensjahre dahi.igeqangen. Es mag angesichts des hohen Ak.ers des H.i ngegangenen unglaublich erscheinen, und doch verhält es sich so: die Nachricht von seinem Tode wiclte erschreckend und niederschmetternd. Aus dem großen Kreise seiner Bekannten und Freunde hatten sich riele mit dem Verstorbenen noch tags zuvor, vielleicht wenige Stunden vor seinem Ableben lebhaft unterhalten, denn er starb in der Nacht ganz plötzlich, indem er einen langen, tiefen Seufzer, ausstieß. Seine Freunde waren, als sich dir traurige Kunde verbreitete, erschüttert, und seine schnell herbeigerufenen Kinder fanden nur den toten Vater vor. Der Verstorbene hakte sich in den 14 Jahren, seitdem er in Berlin wohnte, zahlreiche Freunde und Verehrer erworben. Er stammte aus den ehemals deutschen Ostmarken unseres Vaterlandes, aus der Stadt Schrimm, die ehemals, obwohl kommunal nur eine kleine Stadt, eine große jüdische Gemeinde von 390 Mitgliedern in sich barg, eine d'“bidi rnvon ns?n i'v. In dieser Gemeinde hat er schon in j rügen Jahren das Amt eines Gemeindevorstehers bekleidet, und bis zu seinem Wegzuge aus Schrimm blieb er Armenoorsteher und verbreitete durch feine von dem wahren jüdischen np-tx* Geist erfüllte Menschlichkeit, besonders den zugereisten Armen und Bedrückten gegenüber großen Segen, einen Segen, dem die dankbare Anerkennung der von ihm Bedachten n'cht fehl e. In seinen Mußestunden widmete er sich iitenfio den bib'.i,chen und talmudischen Studien, die in Schrimm, der Stadt zahlreicher großer talmudischer Gelehrten, die, wir er selbst, dem Kaufmannsstande angehö.ten, zu Hause waren. Seine Lirbli rgsleschä tigung bildete Ttznach und Mischnajoth, und der mitteilungsfroy- Mann hat feine F'eunde und Strebensgenoffen durch feine ansprechenden exegetischen und talmudischen min mm häufig erfreut und angeregt. Wie konnte er sich dabei ereifern, ja in seiner unwiderstehlichen Lebendigkeit zuweilen erhitzen! Und diese Debattierlust und geistige Beweglichkeit blieb ihm erhalten, man kann sagen buchstäblich bis zu der letzten wachen Stunde seines Lebens. Sechzig Jahre alt zog ec mit feiner Gattin, einer Tochker des seinerzeit hochberühmt gewesenen Gaon Rabbi Meyer Weyl aus Rogafen (gestorben in Filehne) nach Berlin, um seinen Lebensabend im Kreise seiner Kinder zuzubringen. In der Synagoge Lessingstr. 19 war er eines der populärsten Mitglieder. In seiner Andacht und überhaupt in seiner begeisterten Frömmigkeit war er für viele auch in Berlin vorbildlich.. Seine Studien setzte er bis zu seinem Tode fort, und vielen wußte er a'ch hier mit seinen Bemerkungen freudig aufgenommene Anregungen zu geben. Der begeisterte Mann verstand es aver auch, sein Haus zu einer Stätte wahrer jüdischer Frömmigkeit zu gestalten, ein Erfolg, an dem seine gleichgesinnte Gattin einen ebenso großen Anteil hatte wie er selbst. Und so sind auch seine Kinder Wochenkalender. 16.-23. Februar 1924 / 11.-18. Adar 1 8634 Samstag §cb. 16 mxn 11 rm Sonntag 17 12 8 Montag 18 13 Dienstag 19 14 Purim kotou Mittwoch 20 15 Schuschan-Purrm koton Donnerstag 21 16 Freitag 22 17 Samstag 23 rwn 'v 18

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.