Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 7 (14.2.1924)
- Date
- 1924-02-14
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nr. 7 v •:: -jv ' i/' ,r-,, '?■ ' if: I r * | iO '. ' •r Ä f I fr V: ■S f. Der Israelit 14. Februar 1924 wo de Na.ion ncht Herrchen kann, da flüchtet sie sich nicht in cine bescheidene Frak ion, sondern kehrt, in ihrer Majestät verletzt, grollend den Rücken. So ist es die Orthodoxie allein, in deren itreis das na ionale Judentum lebend'g ist. Nationales Gesetz und Lehre, durch Gesetz zur Lehre ist ihre Devise. So wird sie die Lehre des Juden ums. w e ehedem, E.bMt aller kommeirden Generationen werden lassen." Hl. M't diesen seinen Worten scheiden wir von dem ersten Vreuerschen Aufsatz, der, weil er ein so überaus ernstes, ein so viele ringende Seelen bis in d e Tiefe aufwühlendes Problem behandelt. eine ausführ iche Wü.digung beansp.uchen durfte. Ncht ebenso an weite K.else wenden sich die folgenden Aussätze, die darum, und nicht, weil es ihr Inhalt weniger verdiente, kürzer abgehandelt werden mögen. Worin besteht das Wunder? D ese in alle, oft aufgeworfene und oft beantwortete Frage un'e.w rst Breuer neuer P.üfung, we l die bisher gegebenen Lösungen ihn samt und sonders nicht befriedigen. Er läßt veisch edene Theorien, nicht alle, über Wesen und Qualität des Wunders an dem Leser vorüberz ehen und weist mit großem Scharfsinn ihre Schwächen auf; um dann in geistvoller Gedankenfolge die großen metaphysischen Prrbieme, näm ich das Wunder, die Prophetie und die Schöpfung in den Brennpunkt einer Linse zu sammeln und ihre innere Zusammengel,ö nleit aus ihrer Unterordnung unter den O.fenbarungsgedanken und -glauben herzuleiten. „Nicht die Störung der normalen Erkenntn'smi tel, erscheint im Judentum als Voraussetzung des Wunders sowohl wie der Prophetie" . . . „Jedes Wunder ist wie Offenbarung" . . . „Die Verte hung schauender Erkenntnis gütlichen Schaffens ist das Wunder und gerade in der Verleihung dieferErkenntnis bestehtsein eigentliches Wesen. Als ein Schöpfungsakt stell sich uns das Wunder dar,- aber die Mittel menschlicher E.kenntnis reichen nicht aus, um eine Schöpfung zu erkennen." . . . Bride (Prophetie und Wunder) beruhen auf der Be leihung originaler Erkenntnisk aft, die nicht mehr mühsam am Leitfaden zusammengeraff er Begriffe den Gegenstand des Erkennens schematisch aufbaut, sondern ihn unmi.telbar in göttlicher Klarheit schauend erkennt und erkennend schaut." Aus diesen eigenen Worten des Verfassers dü fie s ch seine Auffassung des Wunders wohl erkennen kaffen. Sie zu kritisieren, ist hier nicht der Raum. Aber eine Frage, die sich vor allen -aufdrängt, sei hier doch nicht unterdrückt. Wie verträgt sich mit der Vorstellung einer von Gott selbst verl ebenen E.kenntni Kraft die Feststellung. daß recht zweifelhafte und minderwertige Kreaturen dessen gewü.d'gt werden, daß an ihnen, und also durch sie das Wunder sich vollzog? Und noch ems: Was hat dem Verfasser das Purimwunder getan, daß er ihm die Wunderqual fika.ion, zu Unrecht, bestreiten zu müssen glaubt? Immer ste'ler steigt der Weg hinan, an dessen Se ien Breuers Weiser stehen. Der letz e seiner Aufsätze behandelt ein P.obiem, das a lgeme'nsten Interesses sicher sein darf: die Diskrepanz. die im F aaenr.cht, Sklavenrecht und Fremdenrecht zwischen modernen sittlichen Anschauungen und den Vorschr sten der Thora bestehen und auf den ersten Blick diese jenen gegenüber mit dem Vorwurf kultureller Rückständigkeit zu belasten drohen. Ncht aber jedermanns Sache dürfte es se'n, den an scharfsinniger Dialek.ik sich selbst überireffenden Ausführungen des Verfassers folgen zu können und die scharf zugesp tzie An.ithese, in die er dir Ausgangsgründe dieses Gegensatzes kleidet, mit Nutzen auf sich einwirken zu lassen. Für die erforderlich erscheinende Popularisierung dieser Gedanken-eihe gebrcht es hier an Raum: nur der Schlußgedanke sei daher in aller Kürze folgendermaßen skzziert: das moderne Recht hat sich von der Eih k ge rennt und den Tagesnutzen zum Maßstabe gewählt. Es wurde dadu ch unheilig, und um das Rechtsobjekt vor se nen Answüchsen zu schützen, wurde, als anorganische Snbjidiarmacht. die autonome Eih.k in dem Begriff der „guten S't'en" eingeführt. Das Recht der Thora ist n cht unheilig geworden, denn es dient nicht dem Jnleressenausgle'ch, sondern der Pf.ich enverteilung: darum verlor d e Ethik nie ihren Zusammenhang mit dem Recht, wurde nie autonom, brarchte das Recht nicht vor Machtmißbrauch zu bewahren und zu bewachen, denn „beide zielen auf dasselbe hin, sie wollen beide Gehorsam!" „Wie der Autonomie der modernen Ethik die Heteronomie des modernen Rechts, so entspricht der Heteronomie der jüdischen Ethik die Autonomie des jüdischen Rechts!" Achawoh, die Verwirklichung der Idee der Menschheit und Awdutz, die Pfl chtenübernahme vor Gott, ba: sind die beiden Grundpfeiler, auf denen das Recht der Thora, auf denen Israels Eristenz, Israels Beruf un'er den Völkern der Erde beruht. — Wie bereits erwähnt: es ist hier nicht der Ort, den Gedankengang dieser Ausführungen auf ihrem Wege zur Schlußformulierung wie sie es verdienten, zu verfolgen. Aber auch die dürf ige Sk zze dürfte genügen, dem Leser eine Vorstellung von der mit hohem sittlichen Pathos s.ch paarenden Eleganz und scharfgeschliffenen Dialektik dieser Ausführungen ru geben. Mancherlei Zeichen stehen an den Wegen, die die Menschen auf ihrem Erdenwallen beschreiten,' als da sind: Meilensteine, Weguxiser und Wegzechen. Meilensteine und Wegweiser mag jeder erstellen, auch vermag jeder sie zu deuten. Wegze chen aber darf nur der erstellen, der in sich einen reichen Besitz selbstgeschaffener Anschauungen und rich'unggebender Gedanken trägt. B.euer besitzt diese Gaben. Möge er einen Leserkreis fnden, der seine Wegzeichen richtig zu deuten, richtig zu werten weiß! Korrespondenzen « Nacdrtcbte». AM Deutscher Reich. Ein arrtisem tijcher Sozialdemokrat. Berlin, 5. Febr. Der sozialdemokratische „Vorwärts" setzt sich mit dem bishenzen Redakteur der sozialdemokratischen Wochenschrift „Firn", Arno Franke, auseinander,, von dem dieser Tage eine Broschüre erscheinen soll, die einen „na'ionalantisemi ischen Sozialismus" verkündet. In der Broschüre versichert Franke: „Das Marr'jche System ist echt jüdisch; dieses System konnte nur dem Hirn eines Juden entspringen." Arno Franke ist noch immer Mitglied der sozialdemokratischen Partei. (I. T. A.) Die Wissenschaft und der Numerus clausus. Budapest, 7. Febr. Unter der Führung des Grasen Albert Apponyi wurde hier ein Komitee zur Förderung der Wissenschaft lichen Forschung in Ungarn gegründet. Führende Persönlichkeiten der Budapester jüdischen Gemeinde, die eingeladen wurden, diesem Komitee beizutreten, erwiderten, sie würden solange keinen Anteil an den Arbeiten des Komitees nehmen, als nicht der Numerus clausus durch den die ungarischen Universitäten dem größte» Teil der jüdischen Studenten verschlossen sind, abgv- ,'chasft ist. Mode geworden zu sein, weil er dem Volke Moab und nicht dem ech.jüdijchen Kreise entstammt und dürfte wohl kaum jemals als wirklich jüdischer Name betrachtet worden sein. — Es gibt aber ohnedies eine genügende Anzahl ewig gültiger Frauennamen in Bibel und Talmuds sodaß wir nicht mehr genötigt sind, die kindischzierlichen und die uval ü-enhaft-krasistrotzenden Namen der deutschen Vorzeit weiter als Galuthabzeichen an uns zu schleppen. — Ich vermutete außerdem, daß unsere Väter in den Zeiten der Kreuzzüge und danach noch lange aus Sorge um die Sicherheit ihrer Frauen und Kinder ihnen deutsche Rufnamen gaben. Wurde aus einem geplünderten und seiner Männer verwaisten Hause eine „Jutter" fortgeschieppt, so dürfte diese eher aus Erbarmen ihrer Peiniger hoffen als eine Sara; man kennt ja den bitteren Hohn gerade der deutschen Gewaltverherrlicher aller Zeiten auf biblische Namen. — Zum Schlüsse möchte ich noch Herrn Rabb. Fisch, Birmingham für den freundlichen Sukkurs aus autoritativer Quelle meinen Dank im Namen der guten Sache aussprechen. Es ist also bewiesen und begründet, daß wir unseren Eltern und Voreltern keine größere Ehre erweisen können als indem wir mit ihrer Gesinnung auch ihre Rufnamen ewig in unseren Familien fortpflanzen. Und kann es verzeihlich, kann es mit Zierlichkeit und Eitelkeit entschuldigt werden, wenn wir diese Ehrung unserer'Vorfahren, die doch nur unsere eigene Ehre bedeutet, verabsäumen? — — unseren Ehrbegriff dem der leichtlebigen Gegenwart opfern? — Es ist, Gottseidank, auch mit dem Namen, in der deutschen orthodoren Judenheit hiermit anders geworden, zu der die jetzt entstehenden Äsen, Hänse, Horste und Günther meist nicht gehören. Keine Bestrebung des — auch mir völlig fernliegen- -en — Zionismus verdient so sehr unsere Aufmerksam-! kekt wie die auf den Namen des Juden bezügliche; nicht überzeugender können wir den Nationalismus der Zionisten widerlegen als dadurch, daß wir den Nationalismus der Thora in allen Beziehungen verwirklichen. Dr. B. E. Worin seine Größe besteht. Der Dubner Magqid wurde von einem eisersitchttgen und selbstgefälligen kleinen Rabbiner gefragt. worin eigentlich die Größe des Wilnaer Gaon bestände. Bewandert im Talmud und Halacha feien doch schließlich Andere — er meinte sich selbst — auch. Der Dubner Maggid sagte: ..Des Gaons Größe liegt in der Art, wie er Fragen beantwortet." ..Wie meint Ihr das?' ..Ich frage Euch zum Beispiel, warum die Mischna. die sonst, so oft sie von einer Mizwo, die innerhalb gewisser Tage geübt werden muß. spricht, das Wort ansügt: -mr» rr^i nins *6 (nicht früher und nicht später), warum sie dieses nicht auch bei den Erstlingen in »Bikkurlm* sagt? Auch hier werden doch verschiedene Termine genannt, wäre da nicht auch das übliche inr» kVi rnns angebracht?" Der kleine Rabbi geriet in Verlegenheit und fragte: ..Und was würde der Wilnaer Gaon daraus antworten?" .Der Wilnaer Gaon', erwiderte der Dubner in aller Ruhe, „der Wilner Gaon würde darauf einfach antworten: Bei Bikkurim steht wirklich ebenfalls /inv» kVi rvms xb # . Man fragte den Dubner Maggid in der Provinz, wovon er eigentlich lebe, nachdem er doch Aemter und Stellungen in der Gemeinde ausschlage und für seine Lehrtätigkeit kein Honorar annehme. .Ich habe zwei Küh'. sagte der Maggid. .Der Rabbi hat Küh? Habt Ihr einen Stall? Ir ..Sie stehen nicht im Stalle, die zwei Küh', fie stehen in Davids Psalmen, nämlich: nvv» 13 'S und 1ZNV3 ivlp VV3 ' 3' . . . . Sabbat-Anfang und -Ausgangs nran rap Ort: Äwaig Lo tu m Ausg. Uhr Min. 1924 5684 Uhr Mt». Frankfurt a. M. 5 15 16. 11. 6 30 Berlin .... 5 15 Feb. Adar I 6 01 München . . . 5 16 6 17 Köln. 5 30 6 3& Stuttgart . . . 8 30 6 27 Breslau.... 8 15 5 45 Nürnberg . . . 8 10 6 16 Hamburg . . . 8 25 6 IS.