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Der Israelit · 1924-02-07 · Heft 6 (7.2.1924) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 6 (7.2.1924)
Date
1924-02-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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7. Februar 1924 Der Israel i t Nr. 6 Seite S ZrvaMäufig in das ganzL System ethfaäi geführt. das den Gegensatz zwischen Orthodoxie einerseits und Neologie und Zionismus auf der anderen Seite auf die kurze Formel bringt: Hie Typismus, dort Individualismus: hier Eefamtheitswille der Nation zum Gesetz, dort Souveränität der nationalen Verbände. Aber in dieser nüchternen Schärfe der Antithese liegt auch ihre Schwäche, ihre Ängrifflichkeit. Es ist denn doch ein ganz und gar Anderes, ob es um die immanente Logik eines Rechtssystems, um die deskriptive Aneinanderreihung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse geht: oder aber, ob seelische, mit ihren Wurzeln im Ueherwie im Unterbewutztsein verankerte Funktionen in Worte, in ein System gezwängt werden sollen! Und nun gar, wo nicht dem Einzelsubjekt, sondern einer buntscheckigen Vielheit von Individuen und Individualitäten, die zudem in ihrer Verteilung über das ganze Lulturgebiet der Menschheit zahllosen äußeren, fremden Einflußnahmen auf ihre Seelenprovinz unterliegt, ihr Verhältnis zur Religion abgefragt werden soll! Die Feststellung, daß „weil das Gesetz in Israel Herr war, es dort keine Individuen, sondern nur Typen gab", kann zweifellos von verhängnisschwerer Bedeutung für die Werteinschätzung dieses Gesetzes im Inneren und draußen werden. Und nicht minder groß ist die Gefahr einer Aushöhlung der Basis des Gesetzes durch die These, daß seine ewige, nationale Verbindlichkeit auf dem in einem bestimmten Augenblick widerspruchslos geäußerten Gesamtwillen Israels beruht. Iede Revolution ist Bruch eines bis dahin unbestrittenen Rechts und schafft im Falle des Erfolgs dennoch neues Recht: liegt es denn allzufern, diesen Grundsatz auch auf ein Religionsgesetz zu übertragen, dessen von dem Eesamtwillen der Nation geschaffene Souveränität doch nicht höher als feierlich beschworenes Verfassungsrecht gelten und daher durch einen geglückten Umsturz beseitigt werden kann?! Aber trotz der Größe der angedeuteten Gefahrenmöglichkeiten dürften diese Thesen dennoch micht.allein, sondern mußten sogar ausgesprochen werden — wenn sie richtig wären! Sie sind es aber ganz und gar nicht. Es will fast so scheinen, als wäre der Blick Breuers bei seiner Behauptung, daß *5 in Israel nur Typen gab, gerade an der Zeit haften geblieben, in die er die Renaissance der Individualität verlegt: an den letzten Jahrzehnten unserer Zeitgeschichte: während gerade die Iahrhunderte und Iahrtausende, die hinter uns liegen, eine überreiche Fülle von Individualitäten in Israel erstehen ließen! Oder — um die jüdische Geschichte in großen Sprüngen zu durcheilen! — waren etwa Moscheh und! Aharon, Iesajah und Iirmijahu, Hille! undI Schamai, der Rambam und der Rabed, der Ehawes und R. Atcha Eger Typen eines und desselben Setzerkastens? Scheiden nicht unmeßbare Weiten die religiöse Einstellung der Schüler des Wilnaer Gaons von der Gedankenwelt eines gläubigen Chosid? Darf man also einem Gesetz Nivellierungstendenzen nachsagen, das innerhalb seines Schoßes so zahlreichen Verschiedenartigkeiten der religiösen Nuance zwanglos Raum gewährt und allen Subjektivitäten verstattet, sich in seine ratio einzufühlen, einzusenken?! Der Satz ist zweifellos richtig und seine Unterstreichung durch Breuer muß ihm hoch angerechnet werden, daß der Weg zur Lehre in Israel über das Gesetz führt und die religiöse Tat der religiösen Ueberzeugung voranzugehen hat. Denn die Erfüllung des Gesetzes ist keine erst noch zu begründende Forderung, sondern für den Iehudi eine jedes Wort ersparende Selbstverständlichkeit, ist die Voraussetzung seiner persönlichen wie seiner nationalen Existenz unter den Völkern der Erde, so unentbehrlich für seine sittlich-geistige Atmung wie der Sauerstoff der Luft für den Lebensprozeß! Die Lehre, die - daraus erfließt: Es mag m Israel ein Leben im Gesetz auch ohne und vor erworbener Ueberzeugung geben: aber niemals ein überzeugtes Judentum ohne die Bewährung durch die Tat. Auch von dem Kinde, dem Unmündigen, fordert ja der Vater, der' Lehrer Gehorsam gegen seine Anordnungen lange bevor er erwarten darf, auf deren Verständnis und richtige Würdigung zu stoßen. Mehr aber nicht! (Schluß folgt.) -... /Jgffygftgys— Jp Korresponflenzta « Nachrichten. D«r»tfehe» Rsietz. Der Verband natwnaldeutscher Juden und die Berliner jüdische Gemeinde. Grenze zu gehen. Dieser Befehl ist bereits zur Ausführung gelangt. Die Ausweisung von 14 deutschen Familien aus Posen ist eine Antwort auf die bereits vollzogene Ausweisung von 14 jüdischen Familien polnischer Staatsangehörigkeit aus Bayern. Berlin. (I. T. A.). Wie das Wolffsche Telegraphen-Büro aus Warschau mitteilt, ist der deutsche Botschafter in Warschau Ulrich Rauscher beim polnischen Staatspräsidenten wegen der Ausweisung deutscher Bürger aus Polen vorstellig geworden. Er sicherte zu, das; die deutsche Regierung Verluste, die polnische Bürger durch die Ausweisung aus Deutschland gehabt haben sollten, entschädigen werde und betonte, daß die Ausweisungen aus Deutschland nur infolge der Lebensmittelkrise erfolgt seien. Der Ministerpräsident sagte darum die Zurücknahme der Ausweisungsbefehle gegen Deutschland zu. (Es handelt sich bei dieser Intervention nicht etwa um die bayrischen Judenausweisungen, sondern um die Ausweisung mehrerer polnischer Saisonarbeiter aus Mecklenburg.) Berlin, 29. Jan. Der Verband nationaldeutscher Juden hat bei dem Vorstand der jüdischen Gemeinde darüber Beschwerde geführt, daß im Eemeindeblatt ein Werbeartikel für den Keren Hajessod enthalten sei. Der Gemeindevorstand erklärte in dem Antwortschreiben, daß es sich um ein Inserat des Keren Hajessod handle. Der Hinweis des Verbandes nationaldeutscher Juden, daß die Aufgabe der jüdischen Gemeinde ausschließlich auf dem Gebiete des Kultus liege, wurde in folgender Form beantwortet: „Im übrigen bemerken wir, daß wir Ihre Auffassung, die Aufgabe der jüdischen Gemeinde liege ausschließlich auf dem Gebiete des Kultus, nicht teilen, da nach Gesetz und Herkommen der Kreis ein werterer i st." Schwere Hetze gegen Abg. Oskar Cohn. Berlin, 30. Jan. Die gesamte deutschvölkische, deutschnationale, volksparteiliche und auch ein Teil der Zentrumspresse richtet schwere Angriffe gegen den Landtagsabgeordneten Dr. Oskar Cohn wegen seiner Aeußerungen auf der letzten Versammlung des Verbandes nationaldeutscher Juden, die bekanntlich Anlaß zu Sturmszenen gegeben haben. Ein Teil dieser Presse fordert, daß man Dr. Cohn wegen Hoch- und Landesverrats zur Verantwortung ziehe, ein anderer Teil möchte ihn der Rache der Öffentlichkeit preisgeben. Laut diesen Zeitungen hätte Dr. Cohn gejagt, wenn schon ein Volk sterben solle, warum denn gerade das jüdische? Deutschland sei nicht wert, daß uni seines Bestandes willen ein neuer Weltkrieg ' entbrennen solle. In einer Erklärung an die Presse stellt Abg. Dr. Cohn fest, er habe folgendes gesagt: Kein Volk der Welt, und sei es auch das deutsche Volk, könne einen Anspruch darauf erheben, daß sich um seinetwillen die Völker der Welt in einen neuen Weltkrieg mit allen seinen Grauen und Opfern stürzen solle. Auswanderung. Köln, 1. Febr. Der Hilfsausschuß für jüdische Durchwanderer, Köln, schreibt uns: Nach den von der I. C. A. erhaltenen Jnforniationen berichten die amtlichen Statistiken, daß im November 1923 25.025 Einwanderer in der argentinischen Republik angekommen sind. Man zählte darunter 1098 jüdische Einwanderer, die zum größten Teil aus Polen stammen. Von den letzteren ist eine bestinnnte Anzahl nach den Kolonien der I. C. A. geleitet worden, wo sie Feldarbeit, bezw. je nach ihrer Fähigkeit Beschäftigung im Handwerk gefunden haben. Polnische Repressalien wegen der bayrischen Judenauswersungen. Warschau, 30. Jan. Wie der I. T. A.-Vertreter erfährt, hat der Wojwode der Provinz Posen aus Grund der Bekanntmachung des polnischen Innenministers noch am 26. Januar an 14 Familien deutscher Staatsangehörigkeit die Anordnung ergehen lassen, binnen drei Tagen über die polnische Hüftlang. Die Moskauer Juden und Lenins Tod. Moskau, 30. Ja». Anläßlich des Todes Lenins wurde hier eine besondere jüdische Trauerfeier abgehalten, an der 1500 jüdische Arbeiter teilnahmen. Diejenigen, die keinen Zutritt mehr in den Saal erhalten konnten, hielten Versammlungen auf offener Straße ab, wo Nachrufe auf Lenin gehalten wurden. Jüdische Gemeinden aus allen Teilen Rußlands sandten Beileidstelegramme und veranstalteten Trauerkundgebungen. Die Moskauer jüdische Gemeinde hat in einer besonderen Sitzung die Form der Teilnahme an dem Begräbnis beraten. Der Rabbiner von Moskau, Jacob Masc, das jüdische Hilfskomitee in Moskau, sowie andere jüdische Körperschaften sandten der Familie Lenins sowie dem Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Beileidstelegramme. (I. T. A.). Anklage gegen einen Rabbiner wegen seines Kampfes gegen die jüdische Sektion. Kiew, 1. Febr. In dem Städtchen Buso Kreis Kerestin hat die jüdische Sektion vor einiger Zeit sämtliche Chedarim geschlossen und die Melanidim dem Gericht übergeben. Anstelle der Chedarim wurden Schulen neuen Typs geschaffen, in denen am Sabbat unterrichtet wurde, während der Dienstag als Ruhetag galt. Der vrtsrabbiner berief eine Protestversammlung ein, in welcher er sich in sehr heftiger Form gegen die jüdische Sektion ausließ. Nach einigen Tagen drang eine Gruppe fromnier Juden in die Schule ein und jagte die Kinder hinaus. Am nächsten Morgen wurden der Rabbiner und einige der frommen Juden dem Gericht übergeben. (I. T. A.). Sabbat-Anfang und -Ansgang. novin row Ort: Anfang Uhr iMin. Do 1924 -tum 5684 ÄU! Uhr sg. Min. Frankfurt a. M. 8 05 9. 4. 6 20 Berlin .... 5 — Feb. Adar I 6 49 München . . . 5 15 6 06 Köln. 5 20 6 20 Stuttgart . . . 5 15 6 16 Breslau.... 5 — 6 30 Nürnberg . . . 5 — 6 05 Hamburg . . . 5 10 6 06 Wochenkalender. 9.—16. Februar 1824 / 4—11. Adar I 5634 Samstag |,-£eb. 9 rmi'w 4 *V7H Sonntag | 10 5 8 Montag j 11 6 Dienstag * 12 7 Mittwoch j 13 8 i Donnerstag 14 9 Freitag 15 10 Samstag 1 16 man lll j

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