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Der Israelit · 1924-01-31 · Heft 5 (31.1.1924) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 5 (31.1.1924)
Date
1924-01-31
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Veite 4 Nr. 5 Not in Deutschland' gebildet worden, um durch groß- Algige Aktionen Geld, Lebensmittel und Kleidungsstücke «ufzubringen und unterernährten Kindern Erholungs- Aufenthalt zü gewähren. Alle diese ausländischen Hilfstömitees haben den direkten Wunsch geäußert, daß die Verteilung der im Auslände aufgebrachten Mittel m Deutschland straff zentralisiert durchgeführt wird, d. h. Baß eine verantwortliche Stelle als Vertreterin der jüdischen Wohlfahrtspflege in Deutschland dem Ausland gegenüber in Erscheinung tritt, Vorschläge unterbreitet und Verteilungen durchführt. Diese Stelle besteht bereits seit ca. einem Jahre und zwar in dem Reichsausschuß jüdischer Gemeinden Deutschlands zur Verteilung von Auslandsspenden; Geschäftsstelle Berlin G. 2. Rosenstr. 2/4, dessen Aufgabe es ist, Spenden Bes Auslandes in Empfang zu nehmen und die Verteilung derselben in unparteiischster Weise durchzuführen. Dem Reichsausschuß jüdischer Gemeinden Deutschlauds gehören Vertreter aller Großgemeinden an sowie des Preußischen und Bayerischen Landesverbandes, des Bundes gesetzestreuer jüdischer Gemeinden und Organifftttonen (Agudas Jisroel), der Zionistischen Vereinigung Wr Deutschland, der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden und des Arbeiterfürsorgeamtes jüdischer Organisationen Deutschlands. Neuwahl de* Präsidiums Ser peprZzentanten Verrammlung Ser Berliner jüdischen gemeinde. Berlin, 25. Jan. Die Repräsentanten-Derfammlung wählte in ihrer letzten Sitzung ihr Präsidium für das Kalenderjahr 1924. Zum Vorsitzenden wurde der der liberalen Fraktion Angehörige Rechtsanwalt Dr. Stern gewählt. Vizepräsidenten sind die Herren Rechtsanwalt Dr. Klee von der jüdischen Volkspartei und Lewinski, der Vorsitzende der konservativen Fraktion. Der Mekgaug derfremdcnoerSfbrs in den sildvaverlrcven Kurorten und der Antisemitismus. München, 25. Jan. In einer am 16. Januar 1924 stattgehabten außerordentlichen Mitgliederversammlung des Münchener Fremdenverkehrsvereins entspann sich eine lebhafte Aussprache über die Ursachen des katastrophalen Rückgangs des Fremdenverkehrs, wie dieser in den jüngsten Monaten in der Besucherzahl der bekannten Wintersportplätze des bayerischen Hochlandes besonders auffällig in die Erscheinung trat. Unser Gesinnungsgenosse, Herr Kommerzienrat Sigmund Fraenkel, Vizepräsident der Handelskammer München, dessen Persönlichkeit unseren Lesern ohnedies durch das auf denselben im Juni v. Js. verübte Hitler-Attentat hinlänglich bekannt ist und der «ts Gast in jener Mitgliederversammlung anwesend war, bemerkte in der Aussprache, daß er das Herumraten und Herumkurieren an den Symptomen, die diesen Verkehrsrückgang verschulden, nicht mitmachen könne; wenn man ihn um seine offene Ansicht über die Gründe dieser bedauerlichen Entwicklung befrage, so müsse er diese Gründe auf eine ganz kurze Formel bringen; „der bayerische und vor allem der Münchener Fremdenverkehr müsse setzt die Rechnung über die Fensterscheiben bezahlen, die« in den letzten Monaten durch die Münchener und Miesdacher Hakenkreuzfahnen eingeschlagen wurden." Es war vorauszusehen, daß diese offene Aeußerung aus dem Munde einer Persönlichkeit, die in Bayern allenthalben als Autorität in Verkehrsfragen gilt, großes Aufsehen machen und es war weiter anzunehmen, daß dieselbe das bekannte Miesbacher Hakenkreuzorgan, den Miesbacher Anzeiger, in gewaltige Aufregung versetzen würde. Der Miesbacher Anzeiger quittiert in der Tat diesen Ausspruch in einer seiner jüngsten Nummern durch folgenden Wutausbruch: Die beste Reklame. Der jüngere Fraenkel hat im Fremdenverkehrsverein, eingedenk erhaltener Schläge, gemeint, der Fremdenverkehr in Bayern sei zurückgegangen «egen der mit Miesbacher und Münchener Hakenkreuzfahnen eingeschlagenen Fenster. Gott, wie talentvoll sin unsere Lait und wie gewählt sie sich ausdricke! Wir wollen aber sämtlichen Fraenkeln sagen, »arum der Fremdenverkehr in Bayern nachgelassen hat: Weil andere Leute den Anblick der vielen Juden nicht ertragen können, die unsere bayrischen Sommerfrischen verschandeln, die dort herumwatscheln und die unsere bayerischen Seen zu stinkigen Ger Israelit_ . JMnaPlariN mäHm, statt M in PAästmL ß erholen und gleich dort zü bttiben. Aber sie fürchten sich vor dem Roten Meer und meinen, es könne feine Welle auch einmal zur ÄbwechslünZ über den Kindern Israels zusammenschlägen. O, käme doch das bayerische Hochland in den Ruf der Judenreinheit! Das wäre die beste Reklame! lleber Motive wird bekanntlich nicht abgestimmt. Wir stellen aber fest, daß wir mit dem Miesbacher Anzeiger bezüglich der Tatsache von dem starken Rückgang des Fremdenverkehrs in den südbayerischen Winterkurorten und Sommerfrischen völlig einig gehen. Mir gehen sogar noch einen Schritt weiter und schließen uns dem Wunsche des Miesbacher Anzeiger gerne an, daß unsere norddeutschen und süddeutschen Glaubensgenossen fortab so viel Selbstachtung und Selbstwürde aufbringen, um den Antisemiten im kommenden Sommer keinen Anlaß mehr zu der Klage zu geben, daß die israelitischen Badegäste „die oberbayerischen Seen zu stinkigen Judenaquarien verschandeln." Wir hoffen, daß die Folgerungen aus diesen unflätigen Beschimpfungen von all' unseren Lesern im Laufe der kommenden Sommermonate im weitesten Umfange gezogen werden. An unsere Münchener und Nürnberger Glaubensgenossen 'ergeht aber die besondere Mahnung, den Wünschen des Miesbacher Anzeiger sofort entschieden Rechnung zu tragen und dafür zu sorgen, daß die Winterkurorte Oberbayerns vom „Anblick der vielen Juden noch im Januar und Februar verschont bleiben." Wenn es zutrifft, was uns von gut informierter Seite berichtet wird, daß der einzige Sohn eines bekannten oberbayrischen Hotelbesitzers, dessen Hotel von Juden mit Vorliebe aufgesucht wird, am 9. November eigens von daheim nach München gefahren ist, um sich der Hitlerischen Sturmtruppe anzuschließen und daß trotz dieses Vorgehens zu Weihnachten 90 Prozent der Gäste dieses Hotels sich aus Israeliten zusammensetzte, so zeigt diese Tatsache ein so erschreckendes und bedauerliches Manko von jüdischem Gemeinsamkeitsgesühl und jüdischer Selbstachtung, daß es sich verlohnte, jene Glaubensgenossen durch Nennung ihrer Namen in der jüdischen Oeffentlichkeit zu brandmarken. €!» jüdischer Kongress? Budapest, 24. Jan. In Kreisen der ungarischen Regierung wird jetzt der Plan erwogen, einen Kongreß der Juden Ungarns einzuberufen, in welchem Orthodoxe und Neologen zusammen verhandeln sollten. Die ungarische Regierung strebt eine Revision der Beschlüsse des jüdischen Kongresses vom Jahre 1667 und 1868 an und sie wünscht die Schaffung einheitlicher jüdischer Gemeinden. In Kreisen der Neologen steht man diesen Regierungsbestrebungen ablehnend gegenüber, indem eine Einmischung in die inneren jüdischen Angelegenheiten nicht gewünscht wird. Aus orthodoxen Kreisen liegt bis jetzt noch keine Aeußerung vor. (Diese I. T. A.-Meldung ist sicherlich ein Fühler von liberaler Sekte, die ihre Hoffnungen auf zwangsweise Unifikation noch nicht aufgegeben hat. Red.). Bas SonntagsrulKflesm In zweiter Lesung. Kowno, 23. Jan. In zweiter Lesung wurde im Sejm das Sonntagsruhegesetz mit den von der jüdischen Fraktion beantragten Aenderungen angenommen. Es steht noch aus, was die dritte Lesung bringen wird. Für den günstigen Ausgang der zweiten Lesung war eine Stimme von rechtsstehender Seite entscheidend. Der jüdische Minister und zionistische Sejmdeputierte Rosenb a um hat es für gut gehalten, sich vor der Verhandlung ins Ausland zu begeben, um der ganzen Sache aus dem Wege zu gehen. Ohne die rettende nichtjüdische Stimme hätte die zweite Lesung das Gesetz glatt angenommen, was aber den Minister für jüdische Angelegenheiten vollkommen kalt läßt. Revision des Beilis-Prozesses. Moskau, 24. Jan. Der berühmte russische Rechtsanwalt A. S. Sarudnij, der dem Verteidigerkollegium im Beilis-Prozeß ange- _ Hört HMe) richtete an die SorojettWerung das Ersuchen. äuf (Storni) VK in BerbiiidMg mit dem Mord an dem Knadsn Jüschtschmski im Jahre 1911 gesänimelten Materials eine Revision des ProMes des feinest in Kischinew wegen Ritualmords verurteilten spätistHin freigelassenen Juden Beilis anzüördnen. Gr begründet sein Revisionsverlangen damit, daß die gegen die Juden in Verbindung mit dem Beilis-Prozeß erhobene Blütbeschuldigung für immer aus der Welt geschafft «erden müsse. Die Sowjetregierung ist daran, eine besondere Rechtsbehörde für die Frage der Revision dieses Prozesses zu schaffen. Die slowakische BeistliebReit. Prag, 20. J«m. Der bekannte Geistliche K l i n k 0 , Führer der slovakischen Volkspartei im tschechoflovakischen Parlamente gab einem Vertteter der „Wahrheit" folgende Erklärung ab: „Das slovakische Volk kennt keinen Hatz gegen die Juden, vielmehr schätzen wir die Juden ob ihres Verstandes und ihrer Geschicklichkeit und wissen, daß wir viel von ihnen zu lernen haben. . Wir wissen, welche große Rolle die Juden in der Welt spielen und wissen ihre Mitarbeit zum Wähle unseres Staates zu schätzen." Zitrung des Lenttalrals der polnischen Agudas Jisroel. Warschau, 26. I««. Sonntag und Montag fand -ine Plenarsitzung des Zentralrates der Landesorganisation der „Agudas Jisroel" unter dem Vorsitze des Ostrover Raw Rabb. P 10 tz k 1 statt. Nach der Begrüßung von seiten eines Vertreters der orthodoxen Arbeiterpartei, beginnt die Verhandlung über die politische Lage, zu der die Herren Krrschbraun, Münzberg und Stempel Referate halten, wobei sie Programm und Taktik der orthodoxen Politik im Jüdischen Klub genau bezeichnen. In der angeregten Diskussion bekamen die Deputierten auch viel Kritik zu hören. Es wurden dann folgende Resolutionen angenommen: 1. „Der Zentralrat spricht den orthodoxen Deputierten und Senatoren Dank und Anerkennung aus und fordert sie auf, auch ferner mit ungeschwächter Kraft für die jüdischen Interessen zu arbeiten. 2. Der Zenttalrat fordert die Sejmdeputierten auf, eine rein jüdische Politik^ zu führen, wie sie die realen jüdischen Interessen erfordern. Es darf keine Opposition um der Opposition willen getrieben werden, zum wenig st en aber sogenannte Na t i 0 - nalitätenpolitik. 3. Der Zentralrat bittet, in Anbettacht der Notwendigkeit der jüdischen Einigkeit, die orthodoxen Deputierten, sie mögen die jüdische Fraktion dahin beeinflussen, daß sie eine mäßige und nützliche Politik führe und ihre Leitung nicht in Hände von Hurrapolitikern gerate. Sollten die Orthodoxen in Fragen von religiösem Charakter oder von prinzipieller Bedeutung von den anderen jüdischen Parteien majoriskert werden, wie z. D. bezüglich eines engeren Blocks mit den anderen Nationalitäten, so dürfen die Orthodoxen nicht länger in der Fraktion bleiben, und die Verantwortung für die Trennung fiele dann samt und sonders denen zu, die den Austritt verursacht haben. 4. Der Zentralrat wünscht, daß der orthodoxe Klub die orthodoxe Richtung in der Fraktion mehr und für die Oeffentlichkeit erkennbarer betone und vertrete, schriftlich wie mündlich, durch Zeitungsartikel, Kommuniques und Versammlungen." Montag abend referierte der Gritzer Rabbiner über Organisation des Keren H a t h 0 r a, in Anbetracht der katastrophalen Lage der Jeschiwaus und Chedarim in Polen. In Vertretung des abwesenden Sanoker Raw berichtet Herr A. S. Friedmann über die Tätigkeit der Chinuch-Zentrale. Auf Grund einer ausgiebigen Diskussion wird dann folgende Resolution angenommen: 1. „Der Zentralrat beschließt im Zusammenhang mit den Beschlüssen der Kenessio Gedaulo, die Organisation des Keren Hathora zu gründen, als Instrument, um die Lehrinstitute zu finanzieren und neue Chedarhn und Jeschiwaus zu errichten. 2. Keren Hathora ist in seiner Verwaltung, autonom und hat ein selbständiges Direktorium, jedoch müssen die Agudaprinzipien in seiner Verwaltung statutarisch verbürgt sein. 3. Keren Hathora. organisiert ein eignes Arbeitsbüro. Die juristischen Rechte der Chedarim in Polen werden nach wie vor im Sejmklub der Aguda vertteten.

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