Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1924-01-31 · Heft 5 (31.1.1924) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 5 (31.1.1924)
Date
1924-01-31
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2450286-2450291--71007-2528283
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 5 Seite 3 31. Januar 1924 Erde der von Gott für alle geschaffenen Mevschenwelt, unter geruhigen Verhältn ssen ein wenig Erholung für Nerven und Muskeln, für Geist und Körper sucht.. Aber Erholung setzt R u h e voraus, Ruhe in jedem Sinne, vorab im Sinne stiller bescheidener Zurückhaltung, unter peinlicher Meidung alles dessen, was Aerger und Beunruhigung erweckt. Die wenigen unter uns, die draußen gegen diese Pflicht des Anstands, der Venrunft und Jever Liebe verstoßen, seien daran erinnert, daß die Schweiz von Bayern her durch Hitler und von Amerika aus durch F o r d mit R o h - stoffen des Antisemitismus genügend versehen wird. Es ist mithin nicht nö.ig, daß sich auch jüdische Hände an diesem unlauteren (kXport beteiligen. . . Die Fortbildung des jüdischen Lehrers. Mn Ruf an die jüdische Oeffentlichkeit. Won Seminaroberlehrer L. Anfänger in Würzbnrg. Die große Not der Zeit läßt es verständlich erscheinen, daß schon seit längerem hauptsächlich um die materielle Erhaltung des jüdischen Lehrerstandes gekämpft werden mußte. Auch der „Israelit" hat sich als ein wackerer Rufer im Sireite für die Lehrerinteressen betätigt. Wenn nun auch noch lange, lange nicht das materielle Ziel erreicht ist, möge doch zwischenhinein wieder einmal nach der ideellen Seite ein Blick geworfen werden im S nne obigen Themas, das ich sofort dahin einschränke, daß ich nur von unseren jüngeren, nach amtlicher Ausdrucksweise „sortbildungspsl'chiigen" Lehrern handeln will, also den Lehrern vor der zweiten Prüfung. (Für die moralische Pflicht der Fortbildung gibt es nalürlich keine Altersgrenze.) In Bayern ist seit zwei Iahren im Anschluß an die 2. Lehrerprüfung eine Sonderprüfung über das Lehiverfahren im Religionsunterrichte eingeführt, deren Ablegung eine freiwillige ist. auch für jüdische Kandidaten. Die jüdischen Schulamtskandidaten werden im Interesse der Religionsschulprüsung aus ganz Bayern nach Würzburg zugeteilt. Die Sonderkcmmission für die Prüfung aus dem Lehroerfahren im Religionsunterrichte für Israeliten bestand in den in Frage kommenden 2 Iahren nach Bestimmung der Regierungsstellen aus dem D stcikisrabb.ner Dr. Hanover, dem Seminaroberlehrer S oll und dem Verfasser. Die Prüfung, die schriftlich und mündlich erfolgt, erwies die Notwendigkeit Lieber die Biene, die aus fremden Blüten Honig macht, als die Spinne, die eig enes Gewebe liefert. Kleine Kinder schreien, wenn sie von der Mutter gewaschen werden — große, wenn sie Gott straft. Der Zweck ist der gleiche: die Reinigung. i « Wappne Dich mit Geduld unb Dankgesvhl — ersteres für das Unglück, letzteres für das Glück. Der Geduld ist die Seelenruhe so sicher, wie der Eile die Reue. Der alte und der neue Weg. (Aus den Beispielen des Dubner Maggid). Eine Ueberlieferung hatte sich von Vätern auf Kinder übertragen, daß der Ahn auf der Flucht vor den Kosaken einen Schatz aus dem Wege zwischen Nemirow und Toltschin vergraben hatte. Ein später Enkel suchte und suchte, grub und wühlte und fand nichts. Ein kundiger Greis sah dem Getue eine Weile zu und fragte: „Was gräbst und suchst du da? „Den Schatz, den der Ahn aus dem Wege hier vergraben hat." „Vergebens, mein Sohn", sagte der Alte: «Der Urvater wandelte noch den al'en Weg. Den haben die Kinder und Enkel verschüttet und verkommen lassen. Aus diesem neuen Weg, den Deine Väter nie gewandelt, findest Du die Stelle nie und nimmer. . ." Der Israelit einer Fortbildung, die zahlreichen Anfragen der Kandidaten im Laufe des Iahres erwiesen die Notwendigkeit einer Geschlossenheit und Einheit- «iichkeii solcher Fortbildung. Die Tatsache, daß die Schulbehörde faktisch die „Religionsschulprüfung" den Seminarinstanzen zumeist, zeigt deutlich, daß man auch dort im Seminar die wesentliche Zentralstelle wie für Ausbildung so auch für Fortbildung erblicken zu sollen glaubt. (Uebrigens wurde in diesem Iahre, da die allgemeinen Prüfungstermine mit den jüdischen Herbstfeiertagen kollidierten, die gesamte 2. Prüfung der jüdischen Lehrer am jüdischen Seminar Würzburg ab geh alten.) Keine der schon zahlreich versuchten Unternehmungen zur Fortbildung des jüdischen Lehrers hat bis jetzt voll befriedigt. Die beregte bayr. Prüfung gibt vielleicht neue Fingerzeige, zeigt alte Wege in neuem Lichte. Die Prüfung gilt ja wohl eigentlich nur dem Lehrverfahren. Aber lehren, wirklich lehren kann schließlich ja doch nur der, der souverän den Stoff beherrscht und so liegt in der Prüfung ein mächtiger Ansporn zum „Lernen". Die Schwierigkeiten des Lernens für den jungen Mann draußen auf entlegenem Posten sind schon oft genug erörtert worden, ebenso, daß die wirtschaftlichen Verhältnisse nur wen'gen den Besuch einer Ieschiwah gestatten. (Vereinzelt kommt es ja immer einmal vor; einer unserer Seminaristen besucht — noch vor seiner 1. Prüfung — schon seit nahezu 2 Iahren mit Urlaub eine Ieschiwah.) Was kann geschehen? Es wurde schon hervorgehoben, daß die Prüfung zunächst eine methodische sei, aber zum Lernen aneifere. Nach diesen zwei Richtungen lilmvd-ule'lamed hat sich die Fortbildung zu bewegen. Von den Junglehrern wird oft geklagt, daß für die Methodik des jüdischen Religionsunterrichtes fast gar keine Werke zum Studium vorhanden seien. Das stimmt — leider. Am Seminar wird die Theorie in lebendigem Vortrag vorgeführt und sofort in der Uebungsschule in der Praris zu lebensvoller Un'errichtstätigkeit ausgenützt. Wer sich entsprechend Notizen machte, hat einen Schatz fürs Leben. Gedruckt ist nichts, außer einer Reihe von Aufsätzen von Koll. Stoll über Bibl. Geschichte, Sammeldruck der einzelnen Veröffentlichungen im „Israelit". Aber das Material ist da, zum großen Teil wohl schon druckreif, und es bedürfte nur des Mäzens, der die Mittel zur Drucklegung selbstlos zur Verfügung stellt. Bald wäre dann wohl ein modernes Werk für jüdische Methodik geschaffen. Mitarbeiter willkommen! Ich gehe, wie ersichtlich, über den Kreis der Anregungen nicht hinaus. Absichtlich! Das Echo soll erweisen, ob der alte, ideale Feuergeist der jüdischen Lehrerschaft trotz aller Not der Zeit noch lebt. So auch hinsichtlich der theoretischen Eigenfortbildung: Lernen! Welche Stoffgebiete? Warum? Wie eingeteilt, geordnet? lieber all das soll die Lehrerwelt selbst sich äußern, soll ein reger Gedankenaustausch eintretsn. Mir schwebt — auch hier von irgend welcher interessierten jüdischen Stelle die Mittel in großzügiger Weise bereitgestellt — die Einrichtung etwa zweier mehrwöchiger Kurse im Jahre am Seminar vor. Diese Kurse müß'en den Kursisten, deren Kreise weit gezogen Kol äiedkinzese vchoetnil, Anregung und Befähigung geben, bestimmte Stoffgebiete mit bestimmten Hilfsmitteln selbständig weiter zu bearbeiten. So ergäbe sich für den Kurs von selbst als Lehrweise sowohl der akademische Vortrag wie die gemeinsame Seminararbeit. Man hat in Seminarkreisen schon lange der Frage das größte Interesse entgegengebracht. Immer nur die materiellen Unzulänglichkeiten traten hindernd in die Wege. Das möge anders werden! Denn so sicher das Judentum zugrunde gehen würde — es wird n'cht — ohne jüdische Lehrer — Lehrer in weitestem Sinne — so unzulänglicher Behelf wären Lehrpersonen ohne Weiterstreben, ohne den lebendigen Drang nach stetiger Vervollkommnung, ohne Fortbildung. Frisch auf zur Tat, Ihr alle, die Ihr lehren, lernen, fördern, unterstützen wollt! Es gilt unserm Höchsten und Heiligsten, unserem Judentum. Korrespondenzen « ßacbricftfen. Korrespondenzen « Nachrichten Detttschss Scidt. Reieftsausseftuss Mischer gemeinden Deutschlands zur Verteilung von Jluslandsspenden. nm Berlin, 23. Jan. Wie allgemein bekannt, bekundet das Ausland in dankenswerter Weise in letzter Zeit eine außerordentlich rege und warme Anteilnahme an dem Schicksal der m Not geratenen jüdischen Bevölkerung in Deutschland. In vielen Ländern, so vornehmlich in Deutschland, Oesterreich, Holland, der Tschechoslooakei, Schweiz, England u. a. mehr sind Hilfskomitees zur Linderung der jüdischen (Eine Hochzeit im Hause des Belzer Rebbe.) In Allesch'.tz wurde die Hochzeit des Sohnes des Belzer Rebbe gefeiert. Schon Wochen vorher strömten Verwandte und Verehrer aus Ungarn und der Tschecho» Slovaker nach der Residenz des Rabbi. Auch viele Rebbes waren zur Feier erschienen. In der Hochzeitswoche wurde an jedem Abend ein großes Festmahl abgehalten, ber dem der Bräutigam jedesmal halachische Vorträge hielt. In der ganzen Stadt und Umgebung herrschte gehobene Festesstimmung. Die Braut ist eine Tochter des Chasfioiurebbe Rabbi Mosche A a r'o n aus Lobrin. Die Trauung fand unter freiem Himmel am Freitag nachmittag statt. Sabbat-Anfang und -Ausgang. D'BEWD fOW Ort: Anfang Uhr Min.! Frankfurt a. M. Berlin . . . . München . . . Köln. Stuttgart . . . 65 50 10 15 Datum 1924 6684 Äusg. UhrjMin. 2. 27. Feb. Schebat 6 6 5 6 6 10 39 57 10 06 (Die kurze Haartracht «nd die jüdischen Weltbeherrschnngsplane.) Das Pariser Antisemitenblatt „Libre Parole" veröffentlicht einen Artikel, in dem es den Juden vorwirft, die neue Haartracht der Frauen, die sogenannte Pagenfrisur, aufgebracht zu haben. Den Judensrauen, schreibt „Libre Parole", wird das Haar vor der Hochzeit abgeschnitten und sie tragen dann Perrücken. Die Einführung der Mode der kurzen Haartracht geschieht in Uebereinstimmung mit dem stets verfolgten Ziel der Juden, die christlichen Gewohnheiten abzuschaffen, um die jüdischen Gewohnheiten in der ganzen Welt zu verbreiten. — Ist es gleich Wahnsinn, hat es doch Methode. Familiennachrichten. Geburten: Eine Tochter, Leo Plaut-Goldstein, Breslau. Barmizwo: Abraham, Sohn von Rabbiner Dr. Wolf (Auerbach) Köln. a^astf» 's. Breslau. Nürnberg Hamburg 50 30 55 53 lVochenkalender. -9. Februar 1934 / 27. Schewath bis 4. Adar I 8644 Samstag Feb. 2 v'vsvv 27 V2V? Rausch-Chaudesch-Benfchen Sonntag 3 28 Montag 4 29 Jom kippur koton Dienstag 5 30 1. Rausch-Thaudeschtag Mittwoch 6 1 11X 2. Rausch-Chaudeschtag Donnerstag 7 2 X „ nVin: Dienstag mittag 1 Uhr 126A) Minuten. Freitag 8 3 Samstag 9 nnnn 4

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.