Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 5 (31.1.1924)
- Date
- 1924-01-31
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 5 T e. Israelit 31. Januar 1924 wt)■ •r.' i- K: der Einzelne, ich gehe nach Hause, esse und trinke And lasse es mir gut ergehen. Von dem, der so handelt, sagt der Prophet mvi nna b nwi "Ol. Heißt es doch im zweiten Buche Mosis: „Moses stützte die schlaff gewordenen Hände auf einen Stein. Konnte man nicht Kissen und Polster herbeiholen, daß es sich Moses bequem mache; allein Moses dachte, wenn Israel in Kummer und Sorgen lebt, so will ich Teil an ßeiner Not haben. — Glaubt aber jemand, es sähe es niemand und keiner könne wider ihn zeugen, so wisse er: die Steine und Balken seines Hauses werden sich gegen ihn wenden. — Die Engel werden Klage gegen ihn führen. — Die eigene Seele wird ihn belasten und vernichten. -" Hier ist eine Warnung und ein Weg zugleich, ein Weg, der vielleicht nicht aus der No: führt, aber Linderung verbürgt im festen Zusammenhalten. nnm v'un im- Aus der Notgemeinschaft entsteht die Hilfsgemeinfchaft, und das Leid ist gemildert vom Gefühle des Mitleidens und der natürlichen Notwendigkeit des gemeinsamen Euchens nach -er letzten Quelle des Ilebels und den Mitteln zu seiner Beseitigung, my» imn m V'X •pm 'ns»' (Fortsetzung folgt.) Wocheurundschau. Jüdische Parlamentspoütik in Polen. Wir haben in voriger Nummer über die große Warschauer Volksversammlung berichtet, M der die orthodoxen Sejm-Abgeordneten und Senatoren über ihre bisherige Tätigkeit referierten. Diese Referate ließen bereits darauf schließen, daß der unter Beteiligung der Orthodoxie gegründete jüdische Sejmtlub, so sehr seine Bildung anges'chts der antisemitischen Strömungen eine Notwendigkeit gewesen sein mag, recht starke Spannungen und Gegensätze in sich berge, die über kurz oder lang wohl zur Sprengung dieses Symbols politischer Einheit führen würden. Erst aus dem in der heutigen Nummer vorliegenden Bericht über die bedeutsamen politischen Resolutionen, die der Zentralrat der polnischen „Agudas Jisroel" in seiner Sitzung vom 7. und 8. Januar gefaßt hat. erkennt man die Tragweite der Entscheidung, um die es sich hier handelt. Der technische Wahlblock, den die organisierte Orthodoxie Polens mit den Zionisten und Nationalisten bei der letzen Seimwahl schloß, ist von vornherein innerhalb der führenden Kreise starken Bedenken begegnet. Insbesondere die Rabbinen betrachteten das Zusammengehen mit der zion'stischen Partei unter dem gemeinsamen Schlagworte „nationaler" Interessen a*s e'ne gefährlichste Trübung der religiösen Prinzinm des Judentums, dessen Nationalismus mit dem nationalen Begriff des modernen Zionismus und Voltismus wenig gemein hat. Daß man darüber hinaus nun gar in einen Block mit den nichtjüdMen Minoritäten, den Deutschen, Weißrussen hineinging, war ein so offenk'md'ger Bruch mit den Traditionen orthodox-udischer Goluspolitik, daß weite Kreise der „Agudas Jisroel" dieser Wahltakiik mit starkem Mißfallen gegenüberstanden. Immerhin muß man anerkennen, daß der Wahlblock vielle'cht das einz'ge taugliche Abwehrmittel war, um aus den Tücken des minon'ätenfeindlichen polnischen Wahlgesetzes eine Anzahl Mandate herauszuretten. Die einheitliche jüdische „Kolo" dagegen, der jüdische Sejmklub, war ein weiterer gefährlicher Schritt, der die charakteristische Eigenart der traditionellen orthodox-jüdischen Politik, mit iihrer unbeugsamen Särke auf religiösem, ih-er konzilianten, en'gegenkommenden Haltung auf staatspolitischem und nationalem Gebiete, zu verschleiern oder zu verwischen geeignet sein konnte. In der Tat hat die Mehrheit des Zentralra^es unter dem Eindruck gestanden, daß dieser Unklarheit ein Ende gemacht und von nun ab eine prinzipienfeste orthodoxe Poli'ik auch im Seijm getrieben werden müsse. Das fordern die Interessen der ungeheuren Mehrheit der jüdischen Massen, die nicht zum Svielball einer an starken Phrasen sich berauschenden jüdischen „Nationalitä'enpolitik" gemacht werden dürfen. Die jüd'sche Orthodoxie Polens ist natürlich frei von jedem assimilatorischem Anhauch: das jüdische Volkstum an s'ch ist ihr eine Selbstverständlichkeit, die nicht der besonderen Unterstreichung bedarf. Aber s'e lehnt eben darum eine besondere „Nationalitätenpolitik" ab: d. h. sie will aktuelle politische Forderungen nicht aus der Tatsache des jüdischen Volkstums herleiten und dieses dadurch in das Schema der übrigen „M'nderheitsnationen" eingliedern lassen, sondern lediglich aus dem religiösen Sondercharakter der jüdischen Bevölkerung. Das scheint uns die prinzipielle Bedeutung der Warschauer Resolutionen zu sein, die dem gesunden Sinn unserer polnischen Gesinnungsgenossen alle Ehre machen und um so bedeutungsvoller scheinen, als sie offenbar das Ergebnis bitterer praktischer Erfahrungen, nM bloß theoretischer Ueberzeugungen sind. Deutsche Not, Auslandshilfe und Juden. In der Schweiz wird für Deutschlandhilfe gesammelt. Und wie es einmal m der Natur der Sache und der Menschen liegt, fühlt sich der Wohltäter bewogen, dem Bedachten ein paar väterliche Ratschläge und ernstliche Mahnungen zu erteilen. Die Schweizer Presse — die anständige natürlich, denn die andere hetzt einfach nach bekannten deutschen Mustern — gegen Deutsche, klagt über „die deutschen Schlemmer und Prasser im Engadin und im Berner Oberlande", die durch ihr Benehmen und ihre Verschwendung das Hilfswerk erschweren. Tieftraurig ist es aber, daß obskure Blätter es verstanden haben, aus dieser menschlichen Sache eine Judenfrage zu machen. Ein Berner Blatt behauptet, es seien etwa 60 bis 90 Prozent Juden, die ihr Geld an der Allgemeinheit und vorab an den arbeitenden Ständen erwuchert hätten. Die „Berner Tageswacht" sagt aber dazu: „Nur Dummköpfe sehen lediglich die Jude» „ihr Geld von der Allgemeinheit und vorab von den arbeitenden Ständen erwuchern. Der Proletarier weiß, daß er in der Fabrik des I frömmsten Christen genau so oder vielleicht noch 8 ärger ausgepowert werden kann wie in einer g andern, wo Juden befehlen. Und er weiß, datz es wieder andere Juden gibt, prächtige MenschenvollJdealismus.diemit ihm Schulter an Schulter gegen das christliche und jüdische Ausbeutertum kämpfen." Die Diskussion ist auf alle Fälle im Fluß. Und wie heißt es doch: „Lüge und verleumde nur zu, es bleibt schon was hängen!" Wer ist aber schuld an diesem in der Schweiz nie gekannten Pressestreit über den „jüdischen Wucherer und Schlemmer?" Es sind keine 80 und keine 50, nicht einmal 20 Prozent Juden unter den unliebsamen Wintergästen der Schweiz — wofür sich ein Beobachter in dem in dieser Nummer abgedruckte» Teile seiner Reiseschilderung verbürgen kann. — Aber die 10 oder 5 Prozent Juden sind DTr>* s'in rm für die entweihte Ehre ihrer ganzen Mischen Gemeinschaft, auch wenn sie es weniger auffällig und aufdringlich trieben, als ihre englischen, amerikanischen und russischen — nicht zu reden von den Schweizern selbst — Milsportlern. . .-. Kein vernünftiger Mensch wird es auch einem Juden verübeln, wenn er auf schöner Bemerkimqen zum Wochenabschnitt. Von Rabb. Dr. Winkler in Kopenhagen. I. wk ns vimt ..Sein Herr durchsteche ihm (dem hebr. Sklaven) dos Ohr". — In v"s *r-ns werden nenn Strafen aufgezählt, die Gott nach der ersten Sünde über die Frau verfängt hat, darunter auch die, daß Er ihr, gleich dem Sklaven, das Ohr durchstach. Es scheint wohl die Sitte damit gemeint zu sein, daß die Frauen Ohrringe tragen. — Warum dem Sklaven gerade das Ohr gestochen wurde, erklärt Rabbi Zochanan Ca a"a rtpvpp) mit dem Hinweis darauf, daß das Ohr am Sinai die Worte vernahm: „Mir sollen die Israeliten Diener fein." — II. avbv to» X11 nsi 11V nxi. „War es aber ein stößiger Ochse von jeher". — In den beiden Worten vvto toi» fehlt das i f— 6), damit wird nach °wi» 'oV nanpn die Vorschrift angedeutet, daß wenn der Ochse an den sechs Werktagen nicht gestoßen, sondern nur am S a b b at, er. nachdem sich das dreimal wiederholt hat, als ui««* ism angesehen werde, so daß der Eigentümer den ganzen Schaden ersetzen müsse (r"jt p"n)- III. vraV ‘rb w'?a Bin» ayto mir. Abweichend von der üblichen Erklärung legt rpiwna 's aton smn dieses S christmott aus: Es dürfe nicht dem göttlichen Namen »yi>rr. sondern nur dem Namen Opfer dargebracht werden, vgl. daz i"v '■»o a"a xyi »iso mm» n'b '*0 om’si, wo darauf hingewiesen wird, daß in dem ganzeu Abschnitt, der von den Opfern handelt, kein einziges Mal opl'» vorkommt.. IV. •py ’3j?n .nx .ix nbn rjaa dr. „Wenn du Geld leihest einem aus meinem Volke, dem Armen bei Dir, drück ihn nicht wie ein Schüldherr". — Wozu denn diese Teilung in zwei Attribute, .warum nicht einfach: de^i Armen aus meinem Volke? Allein die Tauro scheint uns damit einen guten Rat erteilen zu wollen: Leihst du einem Volksgenosse n Geld, so sieh gleich in ihm den Armen, von dem du die Rückzahlung der Schuld nicht zu erwarten hättest. Betrachte olsöwon vornherein das Darlehen, als wäre es ein Geschenk. Bekommst du es zurückerstattet, so wird es für dich wie gefunden sein; erhältst du es nicht wieder, dann ist es von selbst gegeben, daß du ihn nicht wie ein Schuldherr drücken werdest, da du ja gleich zu Beginn aus die Wiedergabe in deinem Innern verzichtet hast. Kleines Feuilleton. Kluge Worte. Fürste Gott — aber auch den, der ihn nicht fürchtet. Wie viele verleugnen mit dem Munde ihr Herz. Der schlimmste Aberglaube ist der Glaube an sich. » * * Hat man Dir Glauben und Vertrauen versagt, so suche die Schuld in Dir. „Mache nicht die Thora zur Art des Broterwerbes" - Aber noch weniger die Axt des Broterwerbes zur Thora. Kritik in Dingen des Glaubens ist Eis im glühenden Ofen. Vorsicht gegen Allzugescheite. Von Vögeln, I die in Wolkenhöhen fliegen, kann man nicht wisse«, 8 ob sie zu den reinen oder unreinen gehören. I Gäbe es keine Schweine unter den Tieren, «a« B wüßte nicht, was rein und was unrein ist m iw B Tierwelt. * * * B Zum Leuchten bedarf es einer Lampe, des» Oels und des Dochtes. Licht aus löschen kann» man mit dem bloßen Hauche des Mundes. B * « ■