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Der Israelit · 1924-01-17 · Heft 3 (17.1.1924) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 3 (17.1.1924)
Date
1924-01-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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? HF!; is ‘t.i Seite 4 Nr. 3 Der Israelit 17. Januar 1924 drei Fälle hervorgehoben, in denen es sich um Personen handelt, die als gewerbsmäßige Schieber und Hehler oder infolge anderer Delikte früher schon mit dem Strafgesetze in Konflikt gekommen waren. Diese Elemente wollen auch wir keineswegs in Schutz nehmen. Aber wie steht es mit den anderen hunderten Ausgewiesenen, denen amtlich und halbamtlich nichts anderes nachgesagt werden kann, als daß sie Ausländer und Juden sind? LionMischer AnttZikrornttee. Berlin, 2. Jan. Das Zentralkomitee der Zionistischen Vereinigung für Deutschland tagte gestern und vorgestern hier unter dem Dorsche von Dr. Alfred Landsberg, der ein Referat über ,.Zionismus und Umwelt" erstattete. Die Diskussion erstreckte sich auf die landwirtschaftliche und handwerkliche Ausbildung deutscher Chaluzim, auf die Beziehungen zu den anderen jüdischen Parteien und die Stellung zum Antifemi.ismus. Ver „Bunä Mischer jiontsGiaaien“. Frankfurt a. M., 6. Jan. Herr Max Eisenkrämer, hier, schreibt uns: In Nr. 51 des „Israelit" vom 20. Dezember 1923 befindet sich unter dem Titel „Geschmacksverirrung" eine Notiz, die Kritik an dem Bund jüdischer Frontsoldaten übt. Unbeschadet der Stellungnahme der Berliner Leitung des Reichsbnndcs jüdischer Frontsoldaten niöchte ich zur Aufklärung und zur Verhütung weiterer Legendenbilduug folgendes feststellen: 1. Die Einsendung des Herrn A. K. stützt sich auf eine Bemerkung eines angeblichen „jüdischen Lesers" in der „Welt am Montag". Nach einer authentischen Auskunft der „Welt am Montag" existiert dieser „jüdische Leser" überhaupt nicht; er ist ein Anonymus, der, wie sich jetzt herausstellt, einen angesehenen Namen mißbrauchte. Damit erscheint der Wert der Unterlagen des Herrn A. K. genügend gekennzeichnet. 2. Umsomehr mutz ich meinem Befremden darüber Ausdruck geben, datz die Redaktion des „Israelit" eine derartige Notiz gebracht hat, in der eine große jüdische, für die Allgemeinheit in selbstloser Weise sich einsehende Organisation in schwerster Weise herabgesetzt wird, ohne sich mit den offiziellen Stellen des Bundes oder wenigstens seiner Frankfurter Ortsgruppe in Verbindung zu setzen, die ja in weniger ruhigen Zeiten stets zu finden waren. 3. Der Angriff des Herrn A. K. wäre auch dann in jeder Weise unberechtigt, wenn die Notiz der „Welt am Montag" tatsächlich von einem „jüdischen Leser" geschrieben wäre und wenn ein jüdischer Frontsoldat sich wirklich an Herrn Bruhn gewandt hätte. Wir sollten doch nicht in den Fehler gegnerischer Kreise verfallen, für das unverantwortliche Vorgehen eines Einzelnen eine Gesamtheit verantwortlich zu machen! Das „Hamburger israelitische Familienblatt" hatte zwar die Notiz der „Welt am Montag" auch wiedergegeben, aber gleich daran naheliegende Zweifel geknüpft und in der nächsten Ausgabe bereits eine Richtigstellung seitens der „Welt am Montag" gebracht. 4. Die von Herrn A. K. aufgeworfene Frage, ob gegebenenfalls jüdische Frontsoldaten zwischen Ost- und Westjuden Unterschiede machen würden, kann nur von einem Herrn gestellt sein, der alles andere als Aufklärung wünscht. Es ist nicht anzunehmen, datz es Herrn A. K. als Berliner unbekannt geblieben sein sollte, daß bei dem Pogrom in dem Erenadierviertel, der sich tn erster Linie gegen die dort wohnhaften Ostjuden richtete, die in der Abwehr tätigen Mitglieder des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten sich vorbehaltlos und auf das opferwilligste, ohne Rücksicht auf persönliche Gefahr, einsehten. Das sind unbestrittene und unbestreitbare Tatsachen! (Wir müssen es unserem Berliner Mitarbeiter überlassen, sich hierzu zu äußern. Wir selbst hatten kein Recht, die Zuverlässigkeit seiner Mitteilungen zu bezweifeln, würden aber sehr bedauern, wenn, wie es scheint, dem „Bund" unrecht geschehen sein sollte. Red.) kine Erinnerung an ürn vreyfurs-proress. Berlin, 2. Jan. Unter den aus den Geheimakten des Auswärtigen Amtes jetzt veröffentlichten Schriftstücken befindet sich auch die Korrespondenz des deutschen Botschafters in Paris, Grafen Münster aus der Zeit der Dreyfutzaffäre. Die Korrespondenz ergibt natürlich, datz weder die deutsche Botschaft in Paris, noch der Militärattache, Schwarzk o? p e n auch nur eine Ahnung von der Existenz des Kapitäns Dreyfutz hatten, geschweige denn, datz irgendwelche Beziehungen zu ihm unterhalten worden wären. Eine dahingehende öffentliche Erklärung der deutschen Botschaft wäre natürlich in jener Zeit ganz wertlos gewesen, da man ihr ja doch keinen Glauben geschenkt hätte. Nie Lage fn Poren. Posen, 10. Jan. Vor einigen Wochen wurde dem Vorstande der jüdischen Gemeinde in R a w i t s ch vom Bürgermeister mitaeteilt, datz nach einer Verfügung der Posener Wojewodschaft die jüdische Gemeinde für a u f g e l ö st erklärt nnb deren Gotteshaus mit den anderen Baulichkeiten mit Beschlag belegt worden seien. Trotz sofortigen mündlichen Eknsnrnchs gegen den Eingriff in das Eigentumsrecht der Gemeinde wurde dieser der Gottesdienst im Tempel sowie die Verfügung über die Gebäude untersagt und der Vorstand genötigt, nach voranaegangener Bestandsaufnahme sämtliche Schlüssel dem Magistrat auszuhändigen. Der Gemeindevorstand wandte sich darauf mit Beschwerden an die Wojewodschaft, an das Kultusministerium in Warschau usw. Dieser Tage erschien nun der Dezernent für jüdische Angelegenheiten im Kriegsministerium, ein Oberrabbiner, bei einer Inspektionsreise in Rawitfch und setzte beim Earnisonkommando die Anordnung eines Gottesdienstes für die 60 jüdischen Soldaten der Rawiticher Truppen in der Synagoge durch, an dem auch die jüdische Gemeinde Leilnahm. Nach dem Gottesdienste erhielt das Garnisonkommando die Schlüssel zurück, die es an den Magistrat zurückgab. Somit bleibt dis Synagoge bis zur endgültigen Entscheidung einstweilen weiter gesperrt. — Dazu wird dem „Hamburger Familienblatte" von einem Eingeweihten geschrieben: „Ich selbst war in dieser Angelegenheit beim Minister in Warschau und habe den Eindruck, datz an höchsten Regierungsstellen durchaus kein Einverständnis mit derartigem gewaltsamem Vorgehen besteht; datz dagegen die Verwaltungsbehörden der ehemaligen Provinz Posen das größte Interesse daran haben, die Provinz vollkommen judenrein zu machen, und diesen Stellen jedes Mittel dazu recht ist. Der Hergang ist meist derartig, datz zuerst kein Vorstand genehmigt wird, dann plötzlich eine Verfügung kommt, laut welcher die Gemeinde ausgelöst wird, da sie sich nicht mehr verwalten kann und so der Grundbesitz dem Staatsschatz zufällt! Wir haben Interesse daran, datz dieses Vorgehen besonders in Rawitfch, wo noch 30 Mitglieder wohnen, außerdem für zirka 60 Soldaten und 20 Strafgefangene gesorgt wird, in weitester Oeffentlichkeit bekannt wird." 38di$cfte Alvetter gegen Sadvatentwewurrg. Warschau, 6. Jan. Am letzten Sonntag fand hier eine Massenversammlung der gesehestreuen Arbeiter „Poale Emune Jisroel" statt, um gegen die öffentliche Sabbatentweihung des Arbeiterorganes „Volkszeitung", die regelmäßig am Sabbat erscheint, Protest zu erheben. Der Vorsitzende A. B. E ck e r m a n nn setzte in einer kurzen Einleitung den Zweck der Versammlung auseinander, darauf hielt Herr A. S. F r i e d m a n n ein eingehendes Referat über die Sabbatheiligung. Herr Broker schildert die unjüdische Taktik der bundistischen Arbeiter. Ein Arbeiter schlägt vor, Rabbinat und Verwaltung mögen alle gegebenen Schritte zur Bekämpfung der Sabbatentweihung tun. Als einige von den radikalen Arbeitern es nun wagen, gegen den Sabbat zu sprechen, entsteht großer Lärm und es kommt sogar zu kleinen Zusammenstößen. Cs wird zum Schluß eine Resolution angenommen, in der das Vorgehen der „Volkszeitung" als ein Verrat an den religiösen und nationalen Interessen des jüdischen Volkes bezeichnet wird, der nur den Zweck hat, die jüdischen Massen zu provozieren. var Zsnntagrruvegerelr. Wilna, 13. Jan. Hierhergelangte Meldungen aus K o w n o besagen, datz die Durchführung des vom Sejm bereits angenommenen Sonntagsruhegesetzes von der Regierung vorerst auf unbestimmte Zeit zurückgestellt wurde. Sollte sich diese erfreuliche Nachricht bestätigen, so wird sie auch in Wilna eine günstige Wirkung ausüben, da man entschlossen ist, mit der Einführung der Sonntagsruhe in Wilna und Zentrallitauen bis zur definitiven DurH» führung des Gesetzes in Kowno abzuwarten. LiLerLren. Ss5 EtuU Sez Machen lüini$fcrhtiti$in Litauens. Kowno, 2. Jan. Der Sejm hat in dritter Lesung die Budgets für die Ministerien für jüdische und für weitzrussische Mgelegenheiten ab gelehnt. Demzufolge mutzte Minister Rosenbaum sein Amt niederlegen. Die antisemitische Hielte in Litauen. Kowno, 10. Jcm. 3uft Zur Zeit, da im litauischen Sejm die Frage der Minoritätenrcchte behandelt wird, werden in den Straßen Kownos Progromaufrufe verteilt und verbreitet, und die Schikanen von seiten kleiner Beamten, wie kleinere Exzesse in den Gassen mehren sich mit jedem Tage. Die Behörden rühren keinen Finger. An einem Sabbatmorgen organisierten halbwüchsige Burschen einen regelrechten Angriff auf die von der Synagoge heimkeyrenden Juden, und als ein paar jüdische junge Leute zum Schutzs ihrer Brüder und Väter eingriffen, wurden ste zusammen mit den Angreifern verhaftet und auf dem Polizeirevier schwer mißhandelt. Am gleichen Tage fanden noch andere Ueberfälle im Stadtgarten und aus den Straßen statt. Wiederholt wurden die jüdischen Schilder unter den Augen der Polizei überschmiert. Die Juden beschlossen, zum Zeichen des Protestes, am folgenden Jahrmarkts ihre Geschäfte geschlossen zu halten, was große Erregung bei den die Stadt füllenden Bauern hervorrief. In der Kreisstadt Poniwesch versuchten die HuAgans sogar die Synagoge und andere jüdische Gebäude in Brand zu stecken,, und nur dank dem tapferen Eingreifen der Feuerwehr konnte größeres Unglück verhütet werden. Die Untersuchung verlief im Sand, denn selbst die Behörden, die an sich guten Willens sind, fürchten die sogenannten Faszisten, die über 25 000 gut bewaffnete Mitglieder verfügen. Schwer seufzen die jüdischen. Kaufleuie, Händler und Handwerker unter der ihnen auferlegten unerträglichen Steuerlast. Eine Vorstellung beim Handelsminister bewirkte nur, datz er noch größere Steuern für die Juden in Aussicht stellte. Der Handelsminister Petrolu ist ja der bekannte Antisemit, der seinerzeit öffentlich mit Progromen drohte. Man bedenke, datz das kleine Litauen, früher nur ein Gouvernement des russischen Reiches. 30 Millionen Dollar jährlich für Militär und politische Angelegenheiten braucht, und die Bauern, die den größten Teil der Bevölkerung ausmachen, nicht einmal 10 Prozent zur Bestreitung des Etats beitragen. Somit fällt die ganze Last auf die Schultern der jüdischen Städtebewohner, der Kaufleute. Kleindhändler und Handwerker. So sehen die Dinge aus in einem Lande mit einer jüdischen Automanie, einem jüdischen Nationalrat und ernem jüdischen Minister. Die Mischen Gymnasien in Litauen. Kowno, 10. Jan. Eine Konferenz von jüdischen Mittelschullehrern befaßte sich mit der Frage, wie der vom Ministerium genehmigte Lehrplan für höhere Schulen mit den jüdischen Disziplinen in Einklang zu bringen ist. Der Referent Dr. Berger, schlug im Namen der Organisationskommission vor, 8 Stunden in der Wache für die jüdischen Lehrfächer, dazu noch zwei Stunden wöchentlich für jüdische Geschichte als Minimum festzusetzen. Dagegen erhob sich heftiger Protest aus den Kreisen des Jabne, die mit Recht hervorhoben, daß dieses der beste Weg sei, den jüdischen Lehrstoff überhaupt aus denW jüdischen Gymnasium zu verbannen. In der Hauptkommission, die von der Konferenz gewählt wurde, wurde dann noch beschlossen, im Bildungsministerium einen größeren Raum für die jüdischen Disziplinen zu bewirken. Jabne verlangt ein Minimum von 12 Stunden in der Woche für das jüdische Schrifttum außer Geschichte. Es muß leider konstatiert werden, daß bei der Fortdauer der Konferenz am Freitag Abend sich einige der anwesender» Jugenderzieher die gröbste Sabbatentweihung leisteten. Auf den Protest der orthodoxen Teilnehmer wurde diesen zur Antwort, man „verwahre sich gegen eine religiöse Zensur". In einer Zeit, da das litauische Judentum sich fast geschlossen im Abwehrkamps gegen das Sonntagsruhegesetz befindet, ist dieses Vorgehen der

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