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Der Israelit · 1924-01-17 · Heft 3 (17.1.1924) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 3 (17.1.1924)
Date
1924-01-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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17. Januar 1924 Der Israelit Nr. 3 Seite 5 Lehrer doppelt verwerflich und zeigt wiederum, von welcher Seite aus das Zusammengehen unmöglich gemacht wird. Aus (kr Lemeinüsrtuve. Prag, 11. Jan. In der letzten Sitzung des Vertreterkollegiums der hiesigen Gemeinde gab es eine lange Debatte über die Bewilligung einer Subvention für eine deutsche Hilfsorganisation,- schließlich wurden 500 Kronen bewilligt. Zu einer Auseinandersetzung mit dem Oberrabbinat wird dre Regelung verschiedener die Schechita betresfenden Tragen führen, bei denen es sich um finanzielle Aufwendungen zur Sicherung des Kafchrus handelt. Der Oberrabbiner soll zur persönlichen Verhandlung geladen «erden. tzönlg Hierein In Palästina* London, 1. Jan. König Hussein hat sich Mitte Dezember von Mekka nach Palästina begeben, wo er mit seinen Söhnen, dem Emir Abdulla von Transjordanien und dem König Teiful von Mesopotamien Zusammentreffen wird. Das kolonial Office hat Herbert Samuel von dem Besuche offiziell verständigt und dieser wird sich nach Amnran begeben, um den König von Hedjas zu begrüßen und mit ihm die letzten Verhandlungen über den noch nicht Unterzeichneten englisch-arabischen Vertrag zu führen. Dieser Vertrag wird auch über das Schicksal Palästinas entscheiden, obgleich an der formellen Ausrechterhaltung der Balfour-Erklärung nicht zu zweifeln ist. In einen: feierlichen Sendschreiben an die britische Nation aus Mekka fordert Hussein die Erfüllung der Versprechungen, dir auf die Schaffung eines geeinten und unabhängigen arabischen Reiches gelautet hätten. Jtaiaftiit«. Jü»$ Paläslina. Jerusalem, 5. Jan. Der „Kol Jisroel" berichtet unter Protest über einen Ball mit Tanz usw., der in einer hiesigen Synagoge mit Einwilligung des „Waad Hair" von Jerusalem stattgefunden hat. Orthodoxe Mitglieder, die diese Entweihung des heiligen Raumes mit Gewalt zu verhindern suchten, wurden von herbeigeholten jüdischen Polizisten vsm Platz entfernt und wegen Ruhestörung angezeigt. Die Polizisten stellten sich aus den Standpunkt, daß, nachdem die Tanzveranstalter die Erlaubnis vom Waad bekommen haben, keiner was dareinzureden habe. Der Polizeistandpunkt ist begreiflich, weniger der jüdische Standpunkt, und es waren jüdische Polizisten! Neue Erbitterung rief in, zionistischen Kreisen die Entscheidung Herbert Samuels in Sachen der Erbschaft emes Herrn Kaduii hervor. Kadun hat letztwitlig bestimmt, daß ein Drittel seines Vermögens der Landesregierung von Mesopotamien zukomme, ein Drittel der „Agudath Achim" in London und das letzte Drittel der Londoner Regierung zur Errichtung von Schulen in Palästina zur Verfügung gestellt werde. Man dachte stillschweigend «m z i o n i st i s ch e Schulen und hatte bereits fertige Pläne in der Tasche zur Gründung dreier zionistischer Lehranstalten. Nun macht ihnen der Oberkommissar emen Strich *-durch die Rechnung, indem er aus dem Legate ein englisches Gymnasium in Jerusalem erstehen läßt. Für die Orthodoxie wäre bei der Sache sowieso nichts herausgekommen und sie hat keinen Grund, über das Nichterstehen der geplanten zionistischen Schulen mitzuirauern. Mehr Erbitterung erweckt bei den Gesetzestreuen der Ausgang des Mazzoprozesfes, wonach die orthodoxe Bäckerei dem Waad Hair untergeordnet und sozusagen tributpflichtig' gemacht wird. Es trägt auch dieses nicht dazu bei, die Freude am „nationalen Heim", in dem die jüdischen Juden um ihr jüdisches Recht vergeblich kämpfen müssen, zu steigern. Wie aus Warschau berichtet wird, sind von dort jüdische Kaufleute und Ingenieure auf dem Wege nach Palästina, um hier nach neuen Methoden die Früchte des Landes zu Konservenzwecken auszunützen. Das Unternehmen wird eine neue Industrie eröffnen und neue Rrbeitsmöglichkeit schaffen. Infolge des Ausbleibens der ausländischen Gelder hat die Oberleitung der Talmud Thora „Ez Chajim" beschlossen, die Anstalt auf eigene Füße zu stelley. Die Elternbeiträge sind bereits so geregelt, daß der Bestand der Anstalt aus eigenen Mitteln gesichert' erscheint. Zur Nachahmung empfohlen! Personalien. Rabbiner Du. Moses War.T-Iarmstadt Die Aufschrift dieser Zeilen kündet die Schwere des Verlustes, der die Familie, die Gemeinde und die jüdische Gesamtheit betroffen hat. Nvch können wir es raum fassen, daß der allezeit rührige, temperamentvolle Mann nicht inehr unter uns weilt, und wie ein schwerer Traun: lastet es seit den letzten zwei Tagen auf uns, den wir so gern als Spiel erregter Phantasie wähnen inöchien, den jedoch kein Morgen verscheucht, und der leider trostlose, schmerzliche Wirklichkeit geworden ist. Der „junge" Darmstädter an ist in: blühenden Alter von 47 Jahren inmitten reichgesegneter Tätigkeit von -seinem Schöpfer abberufen worden. Noch vor drei Wochen hatte er in gewohnter geistvoller Weise am -v na» seine ihn: in Andacht lauschende Gemeinde an der Hand des Midraschwortes Van»» bv Drpri? ronaa ta^as opv' iöm» frc für dis Wichtigkeit und die Aufgaben der rr»nx> .rum begeistert, als ihn an: Schlüsse des Vortrags ein Unwohlsein befiel, das trotz vorübergehender Momente der Besserung sich so kritisch entwickelte und uns jetzt die Wahrheit des Midraschwortes an uns selbst erleben läßt. Don früher Jugend unter Anleitung und den: aneifernden Beispiel seines verdienst ollen Vaters rrnnn »ana iw erzogen, besuchte der hochbegabte Jünglurg später die nia"»- in Berlin und Frankfurt, wo er sich das Wissen aneignete, das er später fortöildend und lehrend ständig mehrte, und das ihn: mit Recht den Ehrentitel eines Aaia p»? erwarb. Seine erste rabbinische Tätigkeit galt den: Verein für das gefshestreue Judentum in Westfalen. Noch heute sp icht man dort mit Hochachtung und Ehrfurcht von. den: Reälinghausener an der durch Wort und Tat so viel für min und nai»« gewonnen und so viel Segensreiches erhalten und neugefchaffen hatte. Vor 15 Jahren folgte er dem Rufe ferner Heinratgemeinde, der Jsr. Neligionsgefellschaft Darmstadt, zur Unterstützung seines Vaters in der vielfachen Tätigkeit im ausgedehnten Landrabbrnatsbezrrk, um später nach Pensionierung seines Vaters das Amt des Landrabbiners zu übernehmen. Zeit und Entwicklung der Verhältnisse in den zahlreichen Eememden seines Bezirks stellten ihn fortwährend vor neue Aufgaben. Aber so schwierig sich diese gestalteten, ferne Arbeitskraft und Hingabe wuchs mit ihnen, und er nieisterte sie mit reich gestaltender Initiative. Die, Kriegszeit mit den vielen verantwortungsvollen Aufgaben fand ihn auf voller Höhe. Wieviele der damals in Darmstadt garnisonierenden jüdischen Soldaten a"s allen Gegenden haben dis Wohltat seines warmen Eintretens bei Behörden und feine Fürsorge für ihr geistiges und körperliches Wohl erfahren, wie mühte er sich unt die Versorgung mit rituellen Lebensmitteln für die gesamte Judeirheit der Provinz, wie beriet er die G» meinden in ihren geistigen und finanziellen Nöten, wie begeisterte er Jung und Alt in seinen Predigten und bei allen Gelegenheiten freudiger und ernster Art, wie fesselte er die Jugend in Schule und Vereinen, und wie war er dem i>io ein trenhingebender und aufopfernder nVi' f»i>a Mit gerechten'. Stolze blickte er noch auf seinen letzten bedeutenden Erfolg vor einigen Wochen zurück, als in der hessischen Volkskammer durch einen antisemitischen Antrag die Erhaltung der nv'nv gefährdet war, und er durch unermüdliche Agitation ber den Fraktionen an der Hand reichen Materials die Gefahr m. E. H. zu bannen und die Wahrheit zum Siege zu führen verstand — das Geheimnis solch fast übermenschlichen Wirkens lag eben in der einen Tatsache, daß er ein gehämmerter ■nur* in des Wortes edelstem Sinne war. Wer ihn auf der Kanzel, in der Schule oder in den mannigfachen Veranstaltungen hörte, der erkannte einen Mann, dem Leben und Lehre identisch waren, und der in einer den herrlichsten Vorbildern aller Zeiten abgelauschten Weise mit Hingabe von Leib und Seele in seinem Berufe ausging. Alle ferne trefflichen Eigenschaften, die Feuerkraft seiner Rede, der Zauber seiner Persönlichkeit, sein glühender Idealismus, fein reiches Wissen, seine Herzensgüte traten nur in den Dienst seines echt jüdischen Fühlens und Denkens. Nur so sind das Ueberwältigende feines Wirkens und feine zahlreichen Erfolge, die auch von namhafter nichtjüdischer Seite anerkannt wurden, zu erklären. Ein schier unabsehbarer Trauerzug unter Vorantri t der Jugend — gleichsam symbolisch das Lebensziel im Streben des Verblichenen auch auf dem letzten Gangs darstellend — bewegte sich sa mns na» an» durch die Straßen von Darmstadt, um die sterbliche Hülle der teuren n»»a zur Ruhe zu geleiten. In seiner Bescheidenheit hatte er sich jedes -won, ja jede Todersanzerge verbeten. Trotzdem waren von allen Seiten dre Freunde und Verehrer, die Rabbiner von Mainz, Frankfurt und Fulda, die Lehrer und Vorstände der Landgemeinden herbeigeeilt, und stille Wehmut, verhaltene Klage und Tränen des Schmerzes kündeten beredt die Schwere des allgemeinen Verlustes. In tiefster Trauer steht neben der gebeugten Familie seine schwergeprüfte Gemeinde, der vor allem stets fein innerstes Fühlen galt, und der ganze Rabbinatsbezirk an der Bahre des im Blütenalter von 47 Jahren dahrngeschiedenen Mannes, der noch zu viel Großem und Segensreichem berufen schien. Viele Hoffnungen und reiche Erwartungen sind mit denl nimmer müde gewordenen, reichbegnadeten Manne ins Grab gesunken, aber „Er war unser!" So früh auch seine irdische Wirksamkeit endete, iwn' nnn dxi ös.-j nx naivn na» npma das Lebensziel hat er in Reinheit und Vollkommenheit wrs einer der Größten in Israel erreicht. Dies niöge der Trost für die tie, gebeugten Eltern und die gesamte Familie sein, dies wird der Ansporn für seine Gemeinde und alle Angehörigen des Rabbinatsbezirks werden, sich im Sinne des treuen Führers Wt umso enger zusammenzuschtießen und hochzuhalten, was er stets begeistert gelehrt und gelebt hat. Dann werden auch alle aus dem Herben und Trüben der Stunde sich wieder aufrichten in dem Bewußtsein: „ r . r * M nb u»a« ap»» „Er blerbt unser". n"axan Briefkasten. G N. in N. Betrag eingegangen und für Abonnement verbucht. L. S. in Nauheim. Nein. wie weit bekannt nicht zugeganaen. Neo W. H. W. in Germifton. Betrag dankend erhalten! S. L. in Saaralb. 30 Fra. empfangen; den jetzt geltenden Abonnemeutspreis für Frankreich, wollen Sie bitte am Kopfe des Blattes ersehen. Familie min ch richte u. B a r m i z w o : Erich, Sohn von Simon Heymann, Bendorf (Rhein), nVwn rnins na». — Heüinut, Sohn des Herrn Jul. Friedmann, Stuttgart, Dobelftratzs 3. Verlobte: Erna Stein, Kitzingen a. Main, Gustav Abraham, Freiburg i. Baden. <m imi i mrmtanrnm Frankfurter Berichte. fhs KchtzülMriger. Am kommenden na» vollendet Herr Varuch Strauß fern achizigstes Lebensjahr. In Hochstadt bei Hanan geboren, in Windecken und Gräfenhaufen zum Lehrer und pn ausgebildet, hat Herr Strauß schon iir jungen Jahren in den gesehestreuen Gemeinden von Sprendlingen und Darmstadt [eines Amtes gewaltet, unt dann durch mehr als ein Menfchemrlter in Gensingen bei Bingen a. Rh. eine segensreiche Tätigkeit zu enrtfaltsn. Er wurde 1901 pensioniert, zog zu seinen Kindern nach Bingen und wirkte dort ehrenamtlich weiter zum Besten der Kinder und der Armen, der Frohen und der Trauernden. Seit 1910 hier ansässig, wo seine inzwischen verstorbene älteste Tochter wohnte, hat er seine reiche religiöse Erfahrung und sein gediegenes jüdisches Wissen jederzeit in den Dienst der Gemeinschaft gestellt. Er betet jeden na» zu naa»n in der Synagoge am Börneplatz, fehlt bei keiner Beerdigung, bei keinem paa in Sierbefällen im Nordend unserer Stadt. Es war dern ehrwürdigen Greis vor einem Jahr vergönnt, mit feiner treuen Lebensgefährtin das Fest der goldenen Hochzeit zu begehen. Möge der Jubilar, denr vorbildliche, duldsame Frömmigkeit allenthalben Verehrung und Liebe erworben hat, gleich frisch an Körper und Geist, noch lange sich seines friedlichen Lebensabends erfreuen dürfen. na» nxa a» Kett »Hns Siegekmarken. In einigen Paketen, die die Wiener Agudo in der Chanuko-Zeit nach Deutschland sandte, befanden sich Fettpakete ohne Siegelmarken. Die „Soziale Kommission" der Agudas Jisroel Frankfurt a. M. erhielt jedoch auf ihre derzeitige Anfrage von autoritativer Seite den Bescheid, daß dieselben trotzdem n»a seien. Neueren Berichten aus Wien zufolge verhält es sich leider nicht so, vielmehr ist der Tatbestand der folgende: Bei den von der Firma Agrumaria — nicht Sabbat-Anfang und -Ausgang. rot? Ort: Anfang Dc t u m i Ausg. Uhr Min. 1924 5684! Uhr Min. Frankfurt a. 221. 4 35 19. 13. 5 50 Berlin .... 4 30 Jan. Schebat 5 15 München . . . 4 40 5 36 Köln. 4 50 5 60 Stuttgart . . . 4 45 5 46 Breslau.... 4 30 5 — Nürnberg . . . 4 35 5 35 Hamburg . . . 4 35 5 28

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