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Der Israelit · 1924-01-10 · Heft 2 (10.1.1924) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
65 (1924)
Issue
Heft 2 (10.1.1924)
Date
1924-01-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
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10. Januar 1924 Der Israelit Nr. 2 Seite 5 Jerusalem durchlebt eine schwere wirtschaftliche Krisis, hervorgegangen aus den unerfreulichen Zuständen auf dem Weltmarkt und dem allgemeinen Geldmangel. Die bürgerlichen Feiertage brachten nur eine vorübergehende Besserung. Die Banken verweigern die Kredite und die kleinen Verleiher verlangen unerschwingliche Zinsen. Der ganze palästinische Handel ist schwer bedroht. Ainsvik» LinwanüelungKvesetzrZrrirungen. Neuyork, 4. Jan. Die vom Präsidenten der Union in Aussicht gestellte Registratur aller Fremden in Amerika erweckte starken Unwillen selbst in den Arbeiterkreisen, die auf dem Boden der Einwanderungseinschränkungen stehen, weil sie darin mit Recht einen Bruch mit den amerikanischen Traditionen der Menschenrechte erblicken. Inzwischen hat der A r b e i t s m i n i st e r seinen Jahresbericht veröffentlicht, der einen Ueberblick über die getroffenen und noch zu treffenden Maßnahmen gegen die Einwanderung bietet. Insbesondere soll die Kontrolle in den Heimatländern der Einwanderer verschärft werden und alle von der Einreise ausgeschlossen werden, die keine Gewähr dafür bieten, daß sie sich in Amerika akklimatisieren. Wer sich ohne Erlaubnis ins Land einschmuggelt, geht schwerer Bestrafung entgegen. Alle Fremden find, sofern sie in Amerika noch nicht eingebürgert sind, einer Registratur unterworfen. Oie Lage in Argentinien. Bueuos-Aires, 10. Nov. Ls ist natürlich, daß angesichts der amerikanischen Einwanderungsgesetzgebung Argentinien in immer höherem Maße als Zufluchtsort der aus dem bankerotten Europa auswandernden Massen, insbesondere auch der jüdischen Bevölkerung Ost-- und Mitteleuropas betrachtet wird. Für das Jdhr 1923 schätzt man — eine genaue Statistik liegt noch nicht vor — die Zahl der jüdischen Immigranten auf 10 000. Diese Einwanderer sind nun zum allergrößten Teil weder landwirtschaftliche Arbeiter, noch Handwerker -oder überhaupt fachlich gebildet. Es sind mehr oder minder wirtschaftliche Luftmenschen, kleine Krämer und Händler, deren ökonomische Sicherung ganz außerordentlich schwersällt. Eine Bewegung, einen Teil dieser Auswanderer aufs Land abzuschieben, scheiterte an dem Widerspruch der Regierung, die gerade nach den ländlichen Orten nur arbeitskräftige Landleute und Handwerker zulassen will. So sind denn die ökonomischen Verhältnisse in den Städten, insbesondere in Buenos-Aires nicht gerade besonders ermutigend, weil die Konkurrenz der kleinen jüdischen Existenzen untereinander zu stark ist. Immerhin verfügt die jüdische Gemeinde in Buenos-Aires, wenn man den Ausdruck Gemeinde von einer unorganisierten, aus einzelnen Synagogen bestehenden Gemeinschaft brauchen darf, über eine stattliche Zahl wohlhabender, zum Teil sehr reicher Mitglieder, und auch die orthodoren Kreise sind verhältnismäßig leistungsfähig. Die Aguda.s Jisroel, die eine Ortsgruppe ja sogar eine Landesorganisation in Argentinien besitzt, könnte es zu großem Einfluß und fruchtbarer Wirksamkeit bringen, wenn es ihr gelänge, eine mit Führereigenschaften ausgestattete rabbinifche Autorität aus dem Osten hierherzubringen, die die orthodoren Massen organisiert und zur Gemeinschaftsarbeit erzieht. Außerordentlich groß sind die Klagen der jüdischen Bauern in den Kolonien der I. C. A. Die Beschwerden richten sich, wie seit Jahren, gegen die Administration, der verständnislose Bürokratie und Mangel an praktischem Entgegenkommen vorgeworfen wird. Man beabsichtigt, in Kürze einen Kongreß der I. T. A.- Kolonisten einzuberufen, der wohl der Oesfentlichkeit besser als bisher die Möglichkeit geben wird, die Berechtigung der Beschwerden zu prüfen und die I. C. A.-Administration zu einer sachlichen Aeußerung zu zwingen. Personalien. Rastatt (Baden), 6. Jan. Die jüdische Gemeinde Rastatt wurde durch den Heimgang ihres Lehrers Em. M a y e r s o h n, der hier 40 Jahre amtierte, in tiefe Trauer versetzt. Der Verstorbene hat hier fast ein Menschenalter hindurch in seltener Pflichttreue seines Amtes als Lehrer, Kantor und Prediger gewaltet, hochgeehrt von allen, die ihn kannten. Sein Amtsnachfolger, Lehrer H. Translateur, widmete dem Heimgegangenen Freund und Kollegen zugleich im Aufträge des israelitischen Lehrervereins für Baden, einen tiefempfundenen Nachruf. Als Vertreter des Oberrates und der Bez.-Syn. Bühl sprach Herr Rosenfelder aus Bühl den Dank an den Verblichenen für seine Verdienste um Jugenderziehung und Judentum aus. Zuletzt sprach noch als Vertreter des Syn.-Rates und der Gemeinde Herr Vorsteher M. Weil schlichte Worte des Dankes und der Trauer. Ein kaum übersehbarer Zug von Leidtragenden, Freunden und Schülern gab dem hochverehrten Lehrer und Menschenfreund das letzte Geleite. Der Verstorbene, der ein Alter von 74 Jahren erreichte und seit einem Jahre im Ruhestände lebte, hinterläßt eine Witwe mit drei unversorgten Kindern. Serajewo, 21. Dez. Unter ungewöhnlich großer Beteiligung aller Schichten der jüdischen und nichtjüdischen Bevölkerung wurde dieser Tage das 25 jährige Dienstjubiläum d des verdienstvollen und allgemein geachteten Oberrabbiners Dr. S. Wessel in Serajewo gefeiert. Der jugoslavische König Alexander, sowie die höchsten Würdenträger des Staates, die um diese Zeit in Serajewo weilten, grätrllierten persönlich dem Jubilar. Auch die Vertreter der verschiedenen Konfessionen, der serbische Metropolit, der katholische Erzbischof und der evangelische Pastor, sowie der sephardische Oberrabbiner, die diplomatischen Vertreter Englands, Italiens, Deutschlands und der Tschechoslowakei, alle jüdischen Kultusgemeinden und Rabbiner des Landes, die Wiener Kultusgemeinde etc., sowie eine unübersehbare Anzahl von Verehrern des Oberrabbiners aus dem Jnlande und Auslande schlossen sich dem Gralulantenkreise an. — Die Feier, welche in einen Gottesdienst, Festbankett und Akademie zerfiel, ist überaus würdig verlaufen. Gemen, 23. Dez. Am nat? feierte unser ältestes _ Gemeindemitglied, Herr M. Landau, im Kreise seiner Kinder in geistiger Frische und körperlicher Rüstigkeit seinen achtzigsten Geburtstag. Durch sein rechtschaffenes und biederes Auftreten, durch seinen emsigen Fleiß, durch sein unwandelbares Eottvertrauen und seine überzeugte Frömmigkeit hat er sich die Sympathie aller Ortseingesessenen ohne Unterschied der Konfession erworben. Wir wünschen dem greisen Jubilar, Herrn M. Landau, daß er im Kreise seiner Lieben noch recht viele glückliche Jahre verbringen möge! Briefkasten. D. C. Baltimore. Geld eingegangen, besten Dank. Lehrer K. R. in Neuhos. Mk. 2.10 erhalten. Abonnement bis 30. April ausgeglichen. - A. B. in Mulhouse. Brief dankend erhalten und erledigt. M. H. in K. Sie schulden bis 1. 4. 24. Rmk. 3. I. M. in Hamborn. Die zwei Abonnenten in Polen werden regelmäßig beliefert und kostet der Israelit für beide 8 Goldmark bis 1. 4. 24. M. L. in Sokal. Abonnemenidpreis für Polen nur in Goldmark und zwar Mk. 4 vierteljährlich. Da Sie hierzukommen beabsichtigen, stellen wir anheim, die Zahlung alsdann hier vorzunehmen. Auswanderer! Büro der Agudas Jisroel in Rew-'Pork, 410 Grandftreet. F. undR. inH. Die Beteiligung an 11222 nbsri ist auch für junge Leute, die lernen, eine absolute Pflicht; insbesondere für solche, die nicht ihre ganze Zeit ausschließlich dem Taurolernen widmen, sondern dieses auch zu Gunsten ihrer beruflichen Tätigkeit unterbrechen. Wenn die jungen Herren, wie Sie schreiben, abends bis 1l, 12 Uhr lernen, so scheint uns das auch vom gesundheitlichen Standpunkt aus kein Grund zu fein, um am darauffolgenden Morgen die Synagoge versäumen zu müssen. Im erhöhten Maaße trifft dies ' - wenn von ihrer Beteiligung gar das Zustandeko u es ja abhängig ist. Familiennachrichten. Verlobte: Selma Markus, Lohr, mit Jakob Stern. Braunsbach-Kitzingen. Sprechsaal. „Achdnth". „Nr. 51 des „Israelit" enthält unter dem Titel „Unnütze Kämpfe" einen Artikel, in dem meiner Wenigkeit eine ganz unverdiente Ehre angetan wird. Der fragliche Artikel signalisiert den Lesern des „Israelit" die bevorstehende Gründung einer auf dem Boden der sog. Gemeindeorthodorie stehenden Vereinigung „Achduth", die berufen und bestimmt sei, der „Freien Vereinigung" Konkurrenz zu machen. Da die „Freie Vereinigung" seit 1906 alle gesehestreuen Richtungen umfasse, entbehre die Neugründung jeder sachlichen Berechtigung, und werde unnütze und gehässige Kämpfe Hervorrufen. Tatsächlich sei sie auch nur das Werk des gekränkten Ehrgeizes eines bekannten Führers der Berliner Gemeindeorthodorie, der, dem Provisorischen Komitee der Aguda seither angehörend, bei den auf der Wiener Tagung erfolgten Wahlen zum Zentralrat übergangen wurde. Ohne daß mein Name genannt wird, ist die Kennzeichnung doch in einer an Deutlichkeit nichts zu wünschen übriglassenden Weise erfolgt, sodaß ein weiterer Identitätsnachweis meinerseits nicht zu erfolgen braucht. Der Umstand, daß der Angriff in erster Linie meiner Person gilt, berechtigt mich wohl, folgendes zu sagen: Die Annahme, daß die „Freie Vereinigung" Raum für ein paritätisches Zusammenwirken der beiden, innerhalb der gesetzestreuen Judenheit bestehenden Richtungen biete, war niemals zutreffend, denn die sog. Gemeindeorthodorie war wohl im Ausschuß, aber niemals in dem die Geschäfte tatsächlich führenden Vorstand so ausreichend vertreten, daß sie je einen maßgebenden Einfluß hätte gewinnen können. Ganz sicher ist dies seit langem nicht mehr der Fall, nachdem seit ca. 5 Jahren weder eine Ausschuß-Sitzung, noch eine Generalversammlung der „Freien Vereingung" stattgefunden hat. Diese sind übrigens init Recht unterblieben, denn die Funktionen, die die „Freie Vereinigung" früher ausübte, sind inzwischen auf den Landesverband der Aguda bezw. den Halberstädter Verband übergegangen, deren wirkliche, nicht noni l n e l l e Leitung in den Händen erprobter Austrittsanhänger ruht. Gegenüber diesen, dem Eingeweihten längst bekannten Tatsachen, haben sich seit einer Reihe von Jahren Bestrebungen geltend gemacht, für die sog. Gemeindeorthodorie eine besondere Organisation zu schaffen. Auch an mich ist wiederholt die Aufforderung ergangen, hierbei mitzuwirken. Ich habe, was der Leitung des „Israelit" genau bekannt ist, stets abgelehnt, diesem Rufe Folge zu leisten, weil ich immer noch auf ein Zusammenwirken hoffte. Erst die seit etwa Jahresfrist bemerkbare, verschärfte intransigente Haltung der maßgebenden Persönlichkeiten, letzten Endes die Beschlüsse der Wiener Tagung haben mich veranlaßt, einem neuerlich ergangenen Rufe zu entsprechen. Wenn der fragliche Artikel des „Israelit" behauptet: zwischen der Disqualifikation des Misrachi durch 8 4 der Satzung und dem tatsächlichen Ausschluß der Gemeindeorthodorie bestehe kein innerer Zusammenhang, so mag das formell richtig sein. In Wirklichkeit wird der „Israelit" nicht in Abrede stellen können, daß in Wien eine starke Strömung auch für den formalen Ausschluß der Gemeindeorthodorie eintrat, der sich hierüber entspinnende Kampf führte zu einem Kompromiß, wie er in 8 3 Absatz 2 der Satzung der Aguda vorliegt. Danach ist die Gemeindeorthodorie aus der Leitung vorläufig nur de facto, nicht de jure, ausgeschlossen. Aber die angezogene Bestimmung ist das Damoklesschwert, das in jedem Augenblick auf die Häupter der Gemeindeorthodorie niederfallen kann. Die Behauptung, daß diese Bestimmungen in der Aguda durch den Einfluß des O st >e n sgetroffen worden seien, kann dem Kenner der Verhältnisse nur ein Lächeln abnötigen. Wo sind denn die Gedaulim des Ostens, die sich für den Austrittsgedanken einsetzen? In Berlin, um ein konkretes Beispiel zu nehmen, haben wir eine Reihe hervorragender Vertreter des Ostens; nicht einer ist unter ihnen, der praktisch oder theoretisch den Austrittsgedanken vertritt. Es liegt hier wohl ein Schreibfehler vor. Setzt man statt „Osten" das Wort „Ungarn", dann ist. alles in Ordnung. In Ungarn ist allerdings die Abstempelung der Zugehörigkeit zur Orthodoxie das erste Erfordernis. Aber diesen ungarischen Wünschen hätte man, wenn die maßgebenden Personen es wollten, 1923 in Wien genau so erfolgreich entgegentreten können, wie es im Jahre, 1919 auf der Weltkonferenz in Zürich geschah. Unter diesen Umständen wurde die gesonderte Organisation der aus dem Boden des Einheitsgedankens stehenden gesetzestreuen Richtung zur Notwendigkeit. Daß die Vorbereitungen in vertraulichen Besprechungen erfolgten, liegt in der Natur der Sache. Uns hieraus den Vorwurf einer „geheimen Agitation" zu machen, ist genau so naiv wie der andere, „wir Hütten die Personen umgangen, die früher in ähnlichen Konstellationen zu vermitteln pflegten". Hat doch die Wiener Tagung zur Genüge gezeigt, daß die Einflüsse jener Persönlichkeiten nicht mehr ausreichen, um die Heißsporne der Austritts- Theorie in ihre Schranken zurückzuweisen. Inzwischen ist die Konstituierung der Ächduth zur Tatsache geworden. Sie geschah unter der ausdrücklichen Parole: Sammlung der eigenen Kräfte, nicht Kämpfe mit Brüdern, die in einem einzigen Punkte anderer Auffassung sind. So wird die „Achduth", das läßt sich nach dem Verlauf ihrer ersten Tagung heute schon mit aller Bestimmtheit sagen, ihre gesammelten Kräfte der Arbeit für das gemeinsame Ideal der Entfaltung und Entwicklung des gesetzestreuen Judentums zur Verfügung stellen; unnütze Kämpfe werden ausbleiben — wenn die Gegenseite sie nicht provoziert. Z Zt. Frankfurt a. M. Moritz A. Loeb. * * * (Hierzu sei folgendes bemerk!: 1. „In der „Freien Vereinigung" waren und sind die beiden gesetzestreuen Richtungen nicht nur im Ausschuß, sondern auch im Vorstand durch prominente Persönlichkeiten vertreten, und es mag überdies die historische Tatsache festgestellt werden, daß zu wiederholten Malen weitere Vorstandssitze den heutigen Achdus-Führern in Frankfurt selber angeboren waren, aber von ihnen abgelehnt worden sind. 2. Es ist unrichtig, daß in Wien „eine starke Strömung auch für den formalen Ausschluß der Gemeindeorthodoxie eintrat"; von der Gemeindeorthodoxie war in Wien üb erh aupt nicht die Rede, geschweige denn, daß eine ^starke Stömung" für ihren Ausschluß eingetreten wäre, weil sie eben in ihrer Eigenart ein deutsches Spezistcum darstellt. Der von Herrn Loeb als „Damoklesschwert" empfundene t3, Absatz 2 der Agudas-Jisroel-Satzung, der den andesorganisationen das Recht giebt, einschränkende

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