Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 65 (1924)
- Issue
- Heft 1 (3.1.1924)
- Date
- 1924-01-03
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2450286-2450287--70950-2528222- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 2 Nr. 1 Der Israelit 3. Januar 1921 Samstag seinm Namen in der Reihe der Jahre den andern Wochentagen überläßt, so besteht die Gefahr, daß bei vielen Juden die gesamte Sabbatinstitution in Vergessenheit gerät und ihnen garnicht mehr zum Bewußtsein kommen wird, wenn sie den Sabbat entweihen. Mit allen Mitteln müßte versucht werden, den Wünschen der orthodoxen Judenheit beim Völkerbund Gehör zu verschaffen. Der Rabbinische Rat der Agudas Jisroel als der berufenste Repräsentant der Interessen des religiösen Judentums sollte unverzüglich eine Denkschrift an kompetenter Stelle vorlegen, in der nachgewiesen werden müßte, daß das konservative Judentum aus h i st o r i s ch e n und religiösen Gründen seine Stimme laut gegen eine Regelung erheben muß, die an Stelle der siebentägigen Woche auch nur ein einziges Mal eine minder- oder mehrtägige setzt. Wochenrundschau. Die „Einheit der jüdischenGemeinschaft". Im Namen der „Einheit der jüdischen Gemeinschaft" ist, wie an andrer Stelle berichtet, der vor vierzehn Tagen von uns angekündigte neue Verein von gesetzestreuen deutschen Juden ins Leben gerufen worden. Sowohl der Name — „ Achduth", — als die Formuliemng des Zweckparagraphen wenden sich mit ausgesprochen polemischer Tendenz gegen diejenigen, die man gerne mit dem geschiÄ erfundenen Spitznamen „Trennungsorthodoxie" belegt, um sie vor den politischen Mächten und in den Augen der urteilslosen Masse als Sektierer und Sonderbündler verächtlich zu machen. Die „Kenessio Gedaulo", diese große Demonstration der Größten des jüdischen Volkes für die Einheit Gottes und die Einheit der jüdischen Gemeinschaft auf dem Grunde der Thora, hat auch dem kurzsichtigsten gezeigt, daß die deutsche „Trennungsorthodoxie" sich niemals vom jüdischen Volke, sondern nur gemeindepolitisch von denen getrennt hat, die vorher die Einheit der jüdischen Gemeinschaft durch ihr öffentliches Leben und ihr öffentliches Bekenntnis zerrissen und dait die Gefahr völliger Auflösung . ieser Gemeinschaft heraufbeschworen -atten. Daß Samson Raphael Hirsch und Israel Hildesheimer — diese „Tren- ' Mgsorthodoren" par excellence — das deutsche »udentum für die einheitliche jüdische r) e m e i n s ch a f t gerettet, daß sie die historischen Voraussetzungen geschaffen haben, auf denen „Agudas Jisroel", die Einheits-Organisation des geschichtlichen Judentums, emporwachsen kann, das hat die „Kenessio Gedaulo" auch dem Kurzsichtigsten klar gemacht. Nur denen nicht, die entweder nicht belehrt sein wollen, oder die über die engen Grenzen ihrer deutschen Gemeindepolitik nicht hinauszublicken vermögen. Diese sind es, die in bewußter Auflehnung gegen den machtvollen Eindruck der „großen Versammlung" eine neue Form des „Achduth", das gemeindepolitische Achduth der Treue und der Willkür, der Orthodoxie und der Reform, zum Prinzip einer Organisation, zum Stichwort einer geistigen Propaganda zu erheben wünschen und dafür die Einheit der durch Thora und Mizwos Verbundenen leichten Herzens preisgeben. Vielleicht tun wir mit dem Worte „leichten Herzens" einem Teil der Achduth-Gründer Unrecht. Wir haben durchaus den Eindruck, daß, abgesehen von den Initiatoren, zahlreichen Eingeladenen und Mitläufern bei dem ganzen Unternehmen durchaus nicht wohl zumute war, und daß wohl mancher im stillen eine andre Methode des Vorgehens lebhaft gewünscht hätte. Diese Differenziertheit der Auffassung trat ja auch in der äußerst charakteristischen Meinungsverschiedenheit zutage, ob die Anhänger Hirschs und Hildesheimers — die „Ausgetretenen" — würdig seien, der neuen „Linheits"-Organisation anzugehören,- die Logik war auf seiten derer, die die Frage verneinten, denn in der Tat ist ja der Kampf gegen rechts die ratio essendi des neuen Gebildes. Im Interesse des Friedens konstatieren wir gerne, daß der radikale anti-orthodoxe Flügel vorerst in der Minderheit blieb, und der Friede ist manchmal wichtiger als die Logik. Nachdem die Gründung nun einmal vollzogen und dem Mangel an Organisationen im deutschen Judentum wieder einmal abgeholfen ist, wünschen wir durchaus kein Oel ins Feuer zu gießen, sondern möchten hoffen, daß die auf Zusammenarbeit gerichtete Resolution, die man gefaßt hat, sich auf dem Gebiete praktischer Leistungen verwirklichen lassen wird. Wer Ueb t, die in - nimmt : „Haar schaftl lästina hat wiederholt schwere Krisen durchlebt, ohne daß eine Massenflucht eingesetzt hätte. Die Tatsache, daß auch wohlhabende Leute, die über die Lage nicht zu klagen haben, fluchtartig das Land verlassen, beweist, daß die Gründe tiefer liegen. Es herrscht eine allgemeine Enttäuschung, ja Verzweiflung. Man hat ein „nationales Heim", und dabei macht man den Arabern eine Konzession nach der andern. Den Juden dagegen werden selbst die ihnen in anderen Ländern zustehenden Minoritätsrechte immer mehr beschnitten. In diesem „nationalen Heime" erlebt man es, daß in durchweg jüdischen Städten, wie Jerusalem und Liberias, die Stadtpräsidenten Araber sind. In diesem „nationalen Heime" werden die jüdischen Eisenbahnarbeiter gezwungen, am Sabbat zu arbeiten. Regierungsländereien werden an Araber vergeben, damit sie diese dann zu hohen Preisen an Juden verkaufen. Wenn dem so ist, so denken die meisten, wozu die Komödie vom nationalen Heime, wozu das Mandat und die Jewish Agency und all die andern herrlichen Dinge, mit denen die zionistische Organisation in den letzten Jahren das jüdische Volk einlullt. So verläßt man Palästina, mit dem stillen Gebete, es möge den Juden in „Erez Jisroel" wenigstens nicht schlechter gehen als in den Eolusländern." Das sind zwar, soweit die Schilderung der politischen Lage in Betracht kommt, Uebertreibungen, die sich aus der undisziplinierten Seelenverfassung unsrer jungjüdischen Politiker in Erez Jisroel erklären,- aber richtig ist die Feststellung, daß grade diejenigen auswandern, die sich durch den zionistischen Tam- Tam haben täuschen und verführen lassen. Sb kommt es denn, daß sich die Rückwanderer samt und sonders aus dm zionistischen Kreisen rekrutieren. Das orthodoxe Element denkt garnicht daran, das Land zu verlass e n. Im Gegenteil, die wirkliche Palästinaarbeit der organisierten Orthodoxie setzt jetzt erst richtig ein, ohne sich mit Mandat und Geulaversprechungen abzugeben. Einzig und allein aus dem Geiste der Mizwas Jischuw Erez Jisroel. Der Kampf um den Sabbat in Litauen. Kowno, 24. Dez. Die Gefahr, die aus dem Sonntagsruhegesetz für den Sabbat droht, versetzte alle Gemüter in höchste Erregung und brachte alles in Bewegung, was noch jüdisch denkt und fühlt. AM Bemerkungen zum Wochenabschnitt. von Rabbiner Dr. Winkler in Kopenhagen. rrifetp r\«na (Verspätet eingetroffen.) Zu 'ui iLiwi ns Vxnv' uai bemerkt Raschi nach sainam nm »ma, s. auch m’-nn Vy nisoinn ’Vya; nnVi» r>ns? inn Diaa m »die israelitischen Frauen hätten Sechslinge geboren. Hierzu möchte ich auf Talm. mana), wo es auch von den Frauen im Haufe Obed- E d o m s heißt: ins o-na w nV’ty, sowie ferner auf einen Bericht von afrikanischen Sechslingen aus der neuesten Zeit Hinweisen, den ein Basler Arzt in der .Münch. Med. Wochenschr. (September 1903)' mitteilt. Er gibt dort zunächst eine Abbildung der sechs schlummernden Kinder (5 Buben und 1 Mädchen), schildert dann das ungeheure Aufsehen, das dieses Ereignis heroorrief, und bemerkt zuletzt it Zeit. De.. 'i die Gebu >v waren (m r- ,xi mVi’ v'Livn 1»), gleichwohl starben die Kinder nicht frühzeitig, sondern ni'i sie wuchsen heran, und vielleicht könntest du glauben, sie wären von schwächlicher Konstitution gewesen, nein -ns» *nx»a ivxyi, sie waren sogar überaus kräftig, vgl. oisvinn ’Vya z. St. nmayn gibt hier Onkelos durch sn'iin' wieder, während er im ganzen n'vsio isv das W. anay mit 'n-ny übersetzt Dies erklärt sich aus dem Midrasch n"x nana nm n'vxia zu i'nx 7111» nnx min», wo es heißt: Rabbi Schimon den Jochai sagt: »Alle Deine Brüder sollen fortan Deinen Namen tragen; es sage keiner, ich bin ein Reubeni oder ein Schimeoni, sondern ich bin ein Jehudi", vgl. auch Targum jeruschalmi zu dem angeführten Vers und mV nr>m hier, daher übersetzt Onkelos nay, das nach dem Jakobssegen vorkommt, mit mnm», s. auch d. Targum zu Jonah 1,9. sirri nens apy Vxi pny Vs amax Vs snxi Raschi bemerkt Vs snsi maxn. Was will er eigentlich damit sagen? Die vielen Versuche, die bisher gemacht wurden, dies zu erklären, befriedigen nicht. Ich glaube, der Sinn ist folgender: Das Dextwort nämlich läßt zwei Deutungen zu: »Abraham, Jsak und Jakob bin ich 'nty xa erschienen, Dir (Moses"! aber will ich mich mit dem Namen' n kundgeben", oder auch: „Den Vätern, Abraham, Jsak und Jakob, bin 'w 'xa erschienen, den Kindern dagegen will ich mich mit dem Namen 'n kundgeben." — Welche Auslegung rst richtig? — maxn Vs ,xnxi, sagt Raschi, die zweite ist zutreffend. Daher auch das darauf folgende Wort 'n ns Vsny* »aaV iivx pV. •wipV'i — •»nVsai — ■»nVsm — vixsim Nach Jeruschalmi und Midrasch liegen diese vier Bezeichnungen der Anordnung der mvia yanx zu Grunde. Hier möchte ich zunächst aus eine überaus intereffante Tatsache Hinweisen: Raschi nämlich gibt im Traktat a'no» S. 99 b (zur Mischna) als Grund für die Einrichtung der niaia rais die vier vorstehenden Ausdrücke an, und das. S. 108 a begründet er diese Einrichtung mit dem so oft wiederkehrenden ny-is 01a im Traumoericht des Mundschenks. Wie ist das zu verstehen, daß Raschi sich selbst widerspricht?! Eine genauere Untersuchung jedoch gibt uns darüber Aufklärung: S. 108 a macht Raschi seine Erklärung zu der Entscheidung rnoia yansa nia«n ü->m, deren Autor RabbiJehoschna ben Levi ist. Dieser ist aber (in Jeruschalmi) auch zugleich derAutor der zw eiten von Raschi zitierten Begründung. Bei dem Ausspruch Rabbi Iehoschuas konnte Raschi daher keine andere als dieses Autors eigene Erklärung anführen. Lasten wir jedoch die erste Begründung gelten, daß die 4 Becher den 4 Ausdrücken ■»nVsm uixxinv vinpVi viVsai entsprechen, so entsteht die Frage: warum vixam leer ausgehe, warum nicht auch für vixam ein oia angeordnet wurde? Aus eben dieser Frage ausgehend, unternimmt der nvs bv man Vy x"nan wits einen kühnen Griff: Er läßt nämlich das ’wipv,, wo es als Veranlassung zu einem 013 angeführt wird, streichen und dafür das ’nVxai in zwei Einheiten, in ''iva ynn und o’Vrra a'vava. zerlegen. — Zieht man aber in Betracht, daß die Lesart »nnpVi (als Viertes) durch r n"a n«na nan nnwoa :ry 12 mnVxty :'x naVn ’"d a'nos »aVam*-