Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 64 (1923)
- Issue
- Heft 50 (13.12.1923)
- Date
- 1923-12-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Nr. 50 13 Dezember 1923 Mäntelchen und Aushängeschild für den Götzendienst, er streckt die Hand aus nach der Königstrone. Ihr profanen Dichter, bleibet, was ihr seid, aber streift von Euch den Prophetenmantel ab, legt ab die Maske des religiösen Dichters! Korrespondenzen « ßacbricbten Deutsches Reich. M1ttel5tanckslrÜcbeii. ifinckerrpeisungen unck Znppenanrtalten. Frankfurt a. M., 6. Dez. Im Aufträge einer ausländischen Stelle, bitten wir alle rituell geführten jüdischen Suppenanstalten, Mittelstandsküchen und Kinderspeiseanstalten in denen Hilfsbedürftige zu ermäßigten Preisen oder kostenlos gespeist werden, um genaue Angabe ihrer Adressen sowie die Zahl der täglich gespeisten Personen. Die schleunigste Erledigung dieses Wunsches liegt im Interesse der Anstalten selbst. Uervttligte Marr-5. Frankfurt a. M., 12. Dez. Die Agudas Jißroel-Jugendorganifation in Köln ersucht uns im Anschluß an die in Nr. 49 veröffentlichten Bedingungen bei Bezug verbilligter Mazzos noch mitzuteilen, daß auch die erste Zahlung von 50 o/o in P a p i e r m a r k geleistet werden darf. Die Umrechnung erfolgt in der angegebenen Art und Weise. Ferner machen wir auf die im Inseratenteil enthaltene Veröffentlichung der Agudas Iisroel - Zugendorganisation und „Freien Vereinigung" aufmerksam, wonach sie Mazzos zu vierzig Pfennigen, im Einzelfall noch billiger abgeben. „Und dennoch!" Berlin 12. Dez. Zn der „Berl. Börsenztg." ergreift Herr Dr. Mar R a u m a n n noch einmal das Wort zur Verteidigung seiner Haltung gegen die antisemitische Politik und sagt u. a.: „Wir dürfen uns nicht darüber täuschen, daß ein großer Teil des deutschen Volkes heute judenfeindlich gestimmt ist, bis tief in die Arbeiterkreise hinein, die in ihren Parteiversammlungen die schönsten Entschließungen gegen die „antisemitische Schmach" annehmen und Eine falsch verstandene Talmudstelle. Nachdem ich in Nr. 46 den Inhalt des zweiten Teils der Kritik der „Jüdischen Wochenschrift" über meine Notiz als berechtigt anerkannt habe, werde ich von verschiedenen Seiten angegangen, auch den ersten Teil jener Kritik bekanntzugeben. — Obgleich dies gegen meine frühere Absicht ist, so kann kann ich doch, schon um Mißdeutungen vorzubeugen, nicht umhin, ihn nachstehend im Wortlaut wiederzugeben. Die „Jüd. Wochenschrift" schreibt in Nr. 3: „Kritisches. Unter dem Titel, „Eine falsch verstandene Talmudstelle", wird der Ausspruch ^2 ■"Di naiKn als unverständlich hingestellt und gegen die Erklärung des 8"2?ffN8 eingewendet: „„Auf der ganzen Seite hier im Talmud I"2) ist von dem Geschick Hiobs die Rede; wie patzt hier inmitten eine Bemerkung über die Person der Königin von Saba, die bei Salomo einen Besuch machte, hinein?!"" Es folgt daraus ein Erklärungsversuch, der uns weniger interessiert, weil in Wahrheit der Ausspruch R. Samuels keineswegs unverständlich ist, und die Talmudstelle wohl falsch verstanden wurde, aber nur von ihrem neuen Erklärer. Wenn sich dieser auf das beruft, wovon „auf der ganzen Seite hier im Talmud die Rede ist"", so hat er sich offenbar den Inhalt der Talmudseite nur sehr flüchtig angesehen, und so ist ihni der entscheidende Satz, aus den alles ankommt, entgangen. Dieser Satz lautet: xaff bism »rrn kup na^a wa ai’x laiu pu ♦('N 3t>k) anpm (So ist nach apjp py und vi^ Der Israelit trotzdem vor jedem Lebensmittelgeschäfte, in jeder Menschenansammlung aus die Juden schimpfen. Es kann, — so fährt Herr Naumann fort — an dieser Stelle nicht untersucht werden, wie es so weit kommen konnte. Nur so viel sei in aller Offenheit gesagt, daß die deutschen Juden, selbst wir nationaldeutschen Juden, nicht ohne Schuld an dieser Entwicklung sind. Der Grundfehler liegt in der Generation unserer Väter, die weltfremd genug waren, die Judenfrage für gelöst zu halten, als ein Gesetzgeber das Siegel unter das Dekret der Gleichberechtigung drückte. Aber wir selbst haben den Fehler fortgesetzt, indem wir die Augen nicht offen hielten, indem wir glaubten, uns eine Atempause gönnen zu dürfen nach der jahrhundertelangen Unrast der Wander- und Ghettozeit. So haben wir die Gefahr nicht rechtzeitig erkannt, die Deutschland und uns selbst durch den unablässigen Zustrom der Ostjuden erwuchs. Den Zionismus haben wir aus einer Literatenspielerei zu einer Volksbewegung anwachsen lassen, haben mit angesehen, daß die geistige Strömung des Zionismus mit dem körperlichen Zustrom des jüdisch-völkischen Elements aus dem Osten sich vereinigte. Erft als die Wellen des Stromes die Grundlagen unseres eigenen Deutschtums zu unterwaschen begannen, sind wir ausgewacht. Wir, die nationaldeutschen Juden. Ein Teil der deutschen Juden schlummert noch jetzt, verschließt noch jetzt gewaltsam die Augen vor dem, was um uns her vorgeht. Wir nationaldeutschen Juden haben den Weckruf erhoben. Viele haben ihn ausgenommen, aber längst noch nicht alle, die ihn hören sollten. Verständigungsarbeit nach außen, Erziehungsarbeit nach innen, Entwicklungsarbeit an der Jugend, so lautet unser Programm. Wir arbeiten an seiner Verwirklichung, mögen uns auch die Zionisten „Verräter" schelten, mag auch die gedankenträge Masse der deutschen Juden uns noch als unerwünschte Ruhestörer betrachten." Das Ausharrungspermögen des Herrn Naumann muß bewundert werden. Aber man sollte doch glauben, daß der Widerhall, den seine Anfreundungsversuche bei der anderen Seite gefunden, ihn überzeugt haben müßte, daß sich der Haß der Antisemiten nicht allein gegen die Ostjuden richtet. Ziaatrvorrcvürre für Svnagogengemernden im Dezember. Berlin, 11. Dez. Der preußische Mini st er für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung hat dem Landesverband g efetz es tr eu er Synagogengemeinde folgende Verfügung zugehen lassen: „Da die Kirchen- und Synagogengemeinden, Parochial- und Gesamtverbände usw. frühestens erst gegen Ende Dezember ds. Js. beträchtlichere Kirchensteuereingänge erhallen werden und daher nach Verbrauch der durch den Erlaß vom 29. Nov. 1923 — G. l 3444 G. II — zu Lasten des Reichs bereitgestellten Mittel vielfach noch nicht in der Lage fein werden, ihre Kirchenbeamten und Angestellten während der nächsten Wochen auch nur annähernd ausreichend zu besolden, hat sich auf meinen Antrag der Preußische Herr Finanzminister bereit erklärt, in Berücksichtigung der besonderen Notlage dieser Beamtengruppen unter folgenden Bedingungen nochmals weitere Mittel zur Verfügung zu stellen: 1. Den Kirchengemeinden usw. können hierauf auf Antrag Beträge bis zur Höchstgrenze von weiteren 40 o/g des Besoldungsbedarfs ihrer Beamten und Angestellten (mit Ausnahme der Pfarrer) sowie des zur Versorgung der Ruhestandbeamten, Witwen und Waisen erforderlichen Bedarfs für den Monat Dezember gewährt werden. 2. Die Hergabe darf nur im Darlehnswege erfolgen. Die Darlehen sind in Goldmark festzusetzen, mit 6 v. H. zu verzinsen und bis spätestens bis zum Ende des laufenden Rechnungsjahres in Goldmark zurückzuzahlen. 3. Die Hergabe der Darlehen ist nur zulässig gegen .Verpfändung der den Kirchengemeinden aus Goldumlagebeschlüssen noch zustehenden Steueransprüche^ und — neben der in Ziff. 1 ausgeführten Begrenzung — nur bis zur Höchstgrenze von 50 v. H. der ausstehenden Kirchensteuern. Die Zinsen sind bei Hergabe der Darlehen vorweg in Abzug zu bringen. — Wegen des Verpfändungs- Verfahrens nehme ich Bezug auf meine Erlasse vom 3. Februar 1923 — G l 2612 III G II pp. (Ziff. l) und vom 24. März 1923 — G l 562 E H 1. — sowie aus den Erlaß des Herrn Reichsfinanzministers vom 17. März 1923 — III B 1417—. Im Aufträge gez. Fleischer. Hiernach ist anzunehmen, daß für das neue Jahr auf Vorschüsse gar nicht mehr zu rechnen ist. Die deutsche Liga für Menschenrechte gegen die Pogromhetze. Berlin, 5. Dez. Die deutsche Liga für Menschenrechte erläßt einen Aufruf gegen Pogrompropaganda, in welchem unter anderem gesagt wird: Sind es die Bewohner des Scheunenvrertels^ die Reichtümer der Nation an sich gezogen haben? Sie sind es, die das Brot verteuern, die Kartoffeln zurückhalten? Sind es polnische Juden, die die Kohlenpreise weit über die Weltmarktpreise getrieben haben? Ist der Steuerabzug, der Geldzerfall, die Papierflut, die Verschleuderung der Staatsgelder und des Reichsbankgoldes das Werk kleiner jüdischer Händler aus dem Scheunenviertel? Mitbürger! Laßt euch nicht zu Ungerechtigkeiten und Unmenschlichkeiten gegen eure Nebenmenschen aufretzen, auf die Schuldige euch weisen, um die eigene Schuld zu verbergen und Zwietracht im Volke zu säen! z. St zu lesen. rna^a in den Talmudausgaben ist falsch) R Natan identifiziert also xaw bei Hiob mit der kiw naVa „„die bei Salomo einen Besuch machte"" Daraus bezieht sich der Ausspruch R. Samuels Va naiKn: wenn — so meint er — narp mit jp£a K3tP identisch ist, dann darf man nicht annehmen, daß die Königin in ihrer höchst eigenen Person gemeint sei, weil ja in der Schrift (Hiob 1.15) ia'i im Plural folgt; es bleibt darum nur übrig, an nnia^a Kaen zu denken. —-Ben Amihud". — Daß eben diese Erklärung vollständig neu, aus die bis jetzt noch keiner gekommenistund daß sie von mir h errührt, — das verrät Herr B. A. seinen Lesern nicht; er läßt in ihnen vielmehr den Eindruck aufkommen, als ob diese Auslegung seine eigene oder oder allgemein bekannt sei. mährend mein Erklärungsversuch in einer ganz anderen, falschen und irrigen Richtung sich bewege, der ihn deswegen „wenig interessiert." Solchergestalt läßt es sich dann leicht dartun, daß „die Talmudstelle keineswegs unverständlich" fei (natürlich nicht nach meiner Auslegung!) und daß sie von keinem fönst falsch verstanden wurde, als von mir. — Fürwahr, angesichts des jedem Kundigen zugänglichen kt2nna, der deutlich fragt, wie es möglich sei zu behaupten, daß k a ri 2 a feeilte Frau g ew esen sei; gegenüber dieser offenkundigen Tatsache zu sagen, die Talmudstelle wurde von keinem falsch verstanden, und ferner auszurufen» diese sei nur von dem neuen Erklärer falsch verstanden worden, und gleichzeitig meine neue Erklärung sich zu eigen machen, — dazu gehört wirklich Courage! Herr B. A. kennt aber die Ursache, die zu der falschen Auffassung führte -° Der entscheiden Ausspruch des R. Nathan, auf den alles ankommt, sei mir entgangen. Zum Glück befinde ich mich in guter Gesellschaft! Der faßt doch gewiß ri' anva die fragliche Stelle falsch aus, also müßte demnach auch ihm der entscheidende Satz des N. Nathan entgangen sein. Uebrigens berufe ich mich in meiner Notiz ausdrücklich auf diesen mit den Worten„Wenige Zeilen früher" usw. Was Herr B. A. sagt, stimmt also nicht. Nicht der Satz war mir entgangen, sondern lediglich die von den Talmudausgaben abweichende Lesart Aber gleichviel, ob man 7112^8 oder na'?» liest, - meine Frage bleibt immer bestehen : Da hier ausschließlich von Hiob die Rede ist, der Name K2W ri2^>8 dagegen nur beiläufig erwähnt wird, daß er zu ihrer Zeit ge lebt haben soll, wie paßt hier eine Bemerkung über ihre Personalien? Das heißt doch etwas an den Haaren herbeiziehen. Die Bemerkung R. Iochanans über anjsipn visu? steht mit dem Ausspruch R. Elasars rpn anoswn visw '8'2 ai'8 in einem einzigen Zusammenhang, vgl. i^atp m Das trifft aber in unserem Falle nicht zu. Nach der landläufigen und auch x"Enna Auffassung fehlt ja zwischen dem Ausspruch des R.'s Nathan und dem des R. Samuel, die logische Verbindung! — Kopenhagen. Rabb. Dr. Winkler. (Wemerkung.) Zu den Bemerkungen des Herrn Rabbiner Dr. Winkler ..warum feiern wir acht Tage Chanuko", gestatte ich mir hinzuweisen aus n^'i ntns, der die Lesart hat: 13 n\a *6i nrw üy> 1 ^' 2 8, demnach war das Wunder auch am ersten Tage bereits bemerkbar. R. Jesaja Berlins irr inseinen Scheeltoskommentarlmacht bereits daraus aufmerksam, daß die Frage des noi"’ rpa u. a. beantwortet sei. Schönlanke. Rabb. M. L. Bamberger.