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Der Israelit · 1923-12-06 · Heft 49 (6.12.1923) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 49 (6.12.1923)
Date
1923-12-06
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Nr. 49__ selbständiges Volk, so wie alle anderen Volker wollte man werden. Das ist es. Irgendwo die Mehrheit haben. Irgendwo die Macht. Gerechte Macht. Denn Macht ist noch was anderes wie Gewalt. Und ohne Macht kann Recht nicht bestehen. Der politische und ökonomische Zionismus gehören zusammen, wie die beiden Seiten einer Münze. Aber man stelle sich vor, es hätte keine Juden in Palästina gegeben, wäre es dann zur Balfourdeklaration gekommen? Und wenn ja. was wäre davon in der Praxis übrig geblieben? Selbst jetzt: wir wollen ohne Tarratarra darüber sprechen: was ist nun wirklich Praktisches davon übrig geblieben? Wir wollen nicht sagen, daß die Deklaration seinerzeit mal nicht nützlich gewesen wäre. Auch das Wasser, das wir, als es uns durstete, hinunterschlürften, ist in der Ewigkeit verschwunden. Herzl der Prophet. Es ist doch merkwürdig, wie die Verehrer von Herzl ihn zum übermenschlichen, göttlichen Propheten stempeln wollen. Vielleicht aber ist das nur das Streben, dem geliebten Führer eine außergewöhnliche menschliche Erkenntnis zuzuerkennen. Ein Prophet. Allerlei Aussprüche aus dem Tagebuch werden herangezogen und man sagt, sie seien, besonders nach dem Weltkrieg, eingetroffen. Was nicht eingetroffen ist, läßt man natürlich fort. Aber das ist keine Unehrlichkeit. Das ist Liebe. Uebrigens allgemeine Aussprüche bewahrheiten sich immer einmal teilweise. Nur selten ists, datz nichts davon zutrifft. Was heißt das, eine Prophezeiung ist eingetroffen? Das heißt nur, daß es möglich ist, die Wirklichkeit in bestimmter Weise sich unvollständig vorzustellen. Jede Vorstellung ist unvollständig. Ja, wenn man nicht allzutief nachdenkt, kann man zum Schluß kommen, daß jede systematische Unvollständigkeit wahr ist. Nicht der ist Dichter, der stets Gedichte schreibt. Wo sollte die Menschheit dann hinkommen? Vergessen. Aber man kann (Hurra!) nicht alles vergessen. Und ein Prophet muß auch nicht alles voraussehen. Ueber die arabische Frage hat Herzl zum Beispiel garnichts geschrieben. Man hat formuliert: Das Volk ohne Land ins Land ohne Volk. Und noch heute schematisiert man die arabische Frage in folgender Weise: Die wirtschaftlichen Interessen der Fellachen decken sich mit denen der Juden gegen die Effendis. Drum sollen auch in der Politik die Fellachen mit den Juden sich verbünden. Diese Formel ist logisch. Und wenn das Leben restlos in logica aufging, wäre alles gut. Aber wie gesagt: das Leben geht niemals genau auf. Das tut der Tod. _Der Israelit_ Die Balfour-Deklaration. Sechs Jahre sind's nun her. Was hat man nicht alles aus ihr herausgelesen. Dr. Weizmann: die Möglichkeit, daß Palästina so jüdisch wird, wie England englisch ist. Und Abd el Moti ganz und garnichts, weil er eben nicht lesen kann. Und was die Leute zwischen diesen Extremen alles herauslasen. Ohne Zweifel war einst der Zionismus ein Faktor in der englischen Politik. Interessante Studien kann man darüber in dem jüngst erschienenen Buche von I. de V. Loder machen. Das Mekkasche Königshaus war auch ein Faktor gegen den deutsch-türkischen Versuch, den Heiligen Krieg gegen England loszulassen. Augenblicklich scheint nun wieder die englische Politik mehr Wert auf das Mekkasche Königshaus als auf die Zionisten zu legen. Es wäre dumm, Dr. Weizmann oder N. Sokolow deswegen Vorwürfe zu machen. Natürlich haben sie Fehler gemacht. Auch in der arabischen Politik. Nachher was darüber zu sagen oder zu schreiben, ist bequem. Wer macht in der Politik schließlich keine Fehler. — Es ist unwahrscheinlich, daß England einmal die Balfourdeklaration einziehen wird. Was die englische Regierung gelobt, hält sie. Die Frage ist nur, was man in die Deklaration hineinliest und was man darunter versteht: Versprechungen zu halten. Die Araber verlangen heute garnicht mehr die Zurücknahme der Balfour-Erklärung. Sie sagen nur, die Balfour- Deklaration sei rechtlich ungültig und deshalb sei es nicht nötig, sie zurückzunehmen. Sie verlangen eine konstitutionelle palästinensische Volksregierung. Und die wird dann so regieren, als hätte niemals eine Balfour-Deklaration bestanden. Die englische Regierung kommt den Arabern schrittweise entgegen. Der Staatsrat, dessen Mitglieder ernannt werden, soll durch einen gesetzgebenden Rat mit viel größeren Rechten und einer (kleinen!) Mehrheit von gewählten Mitgliedern ersetzt werden. Aber die Mehrheit in diesem Rat hätten dann immer noch die Regierungsmitglieder mit den jüdischen Mitgliedern zusammen. Und so war immerhin der brüchige Bestand der Balfourdeklaration gesichert. Deshalb boykottierten die Araber die Wahlen. Und die Regierung sah davon ab. Man ging wieder zum Staatsrat mit beratendem Recht zurück. Aber kein Araber wollte darin Mitglied werden. Und alle Versuche, die arabische Einheitsfront zu brechen, zerschlugen sich. Vor kurzem wurde eine Partei der Gemäßigten gegründet,' die in der Theorie aber auch anti-zionistisch war. Aber sie war bereit, zusammen mit der Regierung zu arbeiten. Diese Partei aber hat sich später- 6 Dezember 1923 hin wieder mit den Extremen verbunden. Der endgilrige Erfolg von Zaghlul Pascha in Aegypten gibt auch den Arabern hier neuen Mut. Der Gedanke war garnicht schlecht. Abschaffen will die englische Regierung die Dalfourerklärung nicht. Und so bot man schließlich den Arabern genau dasselbe an, was die Juden haben. Und so wäre von einer Bevorrechtung der Juden in Palästina keine Rede mehr gewesen. Der Angriffspunkt war § 4 des Mandats, der von der Iewish Agency handelt. Und so empfing nun vergangene Woche Herbert Samuel sechsundzwanzig der vornehmsten Araber, um mit ihnen über eine arabische Agency, mit genau denselben Rechten, zu beraten. Ja, der High Eommissioner ging noch weiter: die arabische Agency soll sogar die jüdische Einwanderung kontrollieren dürfen. Aber die arabischen Notabeln lehnten ab. Nach einer Beratung von zehn Minuten haben sie abgelehnt. Einstimmig. Auch die Vertreter der gemäßigten Partei. „J am sorry,“ sagte darauf Sir Herbert und ließ Tee auftragen. Ists schlimm? Es gibt immer noch Leute, die sagen, es sei nicht schlimm. Vor allem muß die Position der Juden ökonomisch stark werden. Zweifellos sind die politischen Verhältnisse von Einfluß. Aber nicht überwiegend. Viel schlimmer ist das Fehlen von ökonomischer Aufbau-Arbeit. Die Jahre vergehen. Und ein jüdischer Bauernstand wächst nicht heran. Eine gesunde Industrie ersteht nicht. Mit jeder kleinen Fabrik, die errichtet wird, macht man große Reklame. Aber von den Sachen, die man schließen muß, spricht man nicht. Was nützt es, alle diese Dinge zu verschweigen? Augenblicklich ist die Auswanderung so groß, wie die Einwanderung. Und es gibt Leute, die das viel schlimmer finden, wie die ganze arabische Frage. (Uebersetzt von H. R.) aus dem „Allg. Handelsblad".) muttst* der Agudas Zisroel in Deutschland. Agudas JsroeL-JugendorgcmisaLion. An unsere Gruppen! Nach langen Verhandlungen ist es uns gelungen, einen Abschluß auf eine größere Menge Mazzaus zu tätigen. 1. Wir sind in der Lage, Mazzaus zu 45 Goldpfennige per Pfund abzugeben. 2. Die Lieferung erfolgt frachtfrei in Men- Znhalt der Kasse zu leeren, da man „ganz" bekam. Tränen fielen aber auch, wenn einem der Spieler voin „Trendelchen" hartnäckig immer „Nichts" zuteil wurde. Manchem brachte dieses Spielkreiselchen „halb" und verschiedentlich „durfte" man „setzen",' je nach der Laune des Trendelchens. Die Kinder waren so in das Spiel vertieft, daß sie das Eintreten ihres Lehrers nicht bemerkten. Eine Zeitlang sah er dem frohen Treiben der Zugend zu. Dann erbat er sich das „Trendelchen" und fragte nach der Bedeutung der darauf befindlichen Buchstaben. „Nichts", „Ganz", „Halb",, „Setzen" tönte es ihm entgegen. „Das stimmt", meinte der Lehrer. „Aber sollte es nicht noch etwas anderes bedeuten? Da hätte man doch keine hebräischen Buchstaben anzubringen brauchen. Die hebräischen Buchstaben: » n s 3" sagen uns etwas Wichtiges: Sie heißen nämlich vvn'n im 3 Ein großes Wunder geschah dort. Za, es war eine außergewöhnliche Zeit, in der das Chanukohwunder geschah. Ihr kennt die Ehanukoh-Erzählung aus dem Unterricht. Dies Trendelchen aber soll Euch an Gottes Güte und Hilfe erinnern, die Er auch uns zuteil werden lasse, wie einst unfern Vätern um diese Zeit!" Ernst und nachdenklich saßen die Kinder da und betrachteten das „Trendelchen", das mit seiner inhaltsvollen, für viele aber rätselhaften Inschrist so Gewaltiges und Großes kündet. Warum feiern wir acht Tage Chanuko? Von Rabb. Dr. Winkler in Kopenhagen. Von den vielen Versuchen, die Frage zu lösen, warum für die Chanukaseier 8 Tage festgesetzt wurden, während das Wunder sich doch nur auf 7 Tage erstreckte — Oel für einen Tag war ja im Krüglein bereits vorhanden, — möchte ich hier einen wiedergeben, den ich einmal irgendwo gelesen habe: Bekanntlich sollte nach ->rrv» M3 mit 8 Lichtlein am ersten Chanukahabend begonnen und mit 1 am letzten geschlossen werden, während bbn n’a die umgekehrte Reihenfolge vorschreiben. Würde nun nsim nur 7 Tage haben, so würde an einem der Abende, u. z. am 4. kein Unterschied zu merken sein, ob man sich nach n"s oder »"3 richtet, da ja dann, gleichviel, ob am ersten Abend mit 7 oder mit 1 angefangen worden ist, am vierten Abend in beiden Fällen 4 Lichtlein gezündet werden. Feiern wir dagegen 8 Tage, so gibt es keinen Abend, an dem nicht der Unterschied zwischen der von n"3 und der von »"3 vorgeschriebenen Reihenfolge ins Auge fiele. Und der Hinweis auf diesen Umstand ist auch in dem Worte nsim selbst enthalten: n373n nämlich ist zusammengesetzt aus den Anfangsbuchstaben von ni->3 'n n’33 ra^m b. h. „8 Lichter?" Warum 8, es hätten doch nur 7 sein müssen? Und die Antwort ist: Damit „immer vor Augen geführt werde, daß „die Entscheidung wie Bes Hillel ist." Doch das ist mehr enn. Die einfachste und einleuchtendste Lösung erscheint uns folgende zu sein: Der ganze Oelvorrat im Heiligtum wurde von den Heidenhorden verunreinigt. :k''s ns» Wenn das eine Oelkrüglein diesem Schicksal entgangen war, so war dies an sich auch ein Wunder. Zwei Momente waren es, die das Krüglein der Verunreinigung unzugänglich machten: Erstens seine Winzigkeit, n'3vp pso sind nämlich : (i"v ns») 373 ymra zweitens der Umstand, daß es mit einem festschließenden Deckel (i>'nv n'v'D versehen und versiegelt war (y'ns bv wnna) vgl. n"a nach a"73 r"i>p '’o K"‘.m Darauf dürfte wohl auch der Dichter von ms rwn Hinweisen, wenn er sagt: 7X3p3 tw»»n w 3N»t5i — — fbv „Die Iewonim verunreinigten alle Oele." 03 n»w D’3p3p “vm», „Daß ein Krüglein unter vielen übrig blieb, das eben war ein Wunder". nnm m» 7373p r>3i»» ■>»•> nr>3 ■»sa, „Die verständigen Hasmonäerföhne setzten darum a ch t Tage fest, Loblieder anzustimmen." — Zum Schlüsse sei noch erwähnt, daß nach dem Buche der Hasmonäer II, 10, 9, für die Achtzahl d i e Erinnerung an die acht Sukkostage bestimmend war, die sie noch kurz vorher, fern von Haus und Herd, im Versteck auf den Bergen oder in den Höhlen hatten zubringen müssen. Das erste Chanukahfest wurde daher auch unter Benutzung von Palmenzweigen und Bachweiden begangen; vgl. auch das. I, 4, 51—57; II, 1, 21, 22. Sabbat-Anfang und -Ausgang. Ort: Anfang ltum Ausg. Uhr Min. 1923 6684 Uhr Min. Frankfurt a. M. 4 — 8. 30. 5 15 Berlin .... — — Dez. Kislew — — München . . . 4 15 6 07 Köln. 4 30 6 20 Stuttgart . . . 4 15 5 15 Breslau.... 4 05 4 35 Nürnberg . . . 4 05 6 03 Hamburg . . . 4 — 4 57

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