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Der Israelit · 1923-12-06 · Heft 49 (6.12.1923) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 49 (6.12.1923)
Date
1923-12-06
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 49 Der Israelit 6. Dezember 1923 Daraus ergibt sich zur Evidenz, daß es sich hier nicht um einen" rein ästhetischen Gesang, sondern um eine Denkarbeit handelt, daß hier kein Dichter vor uns steht, der sich in stummer, lyrischer Anbetung vor Sonne und Mond neigt, sondern ein Dichterphilosoph, dem die Schönheit nur Mittel zu einem höheren Zwecke ist. Denn . . . Schönheit bloß der Schönheit wegen ist und bleibt Bestandteil vom Erbe des Heidentums, das der jüdische Dichter wie der Denker verpönt. (Schluß folgt.) Wochenrundschau. Mißverständnisse und Mißdeutungen. Zu unserem in Nr. 47 unter obiger Ueberschrist erschienenen Artikel sendet uns Herr Samuel Iosseliowsky, Memel, einige Ergänzungen, die über die Ansichten Rabbi Mohilevers in diesem Punkte nicht den geringsten Zweifel lassen und die Angaben des Misrachi-Organ „Hamisrachi" über angebliche Aeußerungen des Rabbi als Mystifikationen erscheinen lassen. „In seiner schriftlichen Begrüßung zum ersten zionistischen Kongreß (dieselbe ist veröffentlicht worden in „Hamelitz" Nr. 192, Jahrgang 1897 und im '022782 si'L" von Rabbiner Rabinowitz, Ausgabe Warschau 1902) heißt es u. a.: 's2 nVi2 niina n» iimV *in fi'x nnn no' dbdidi psn* V2 'V2 ni-7 in 13V nsnia 8'nv 110' dt.iV ,12'IL 13"N npa 8'N27 .13D11D '2 -121 •13 ' D12 8 f182 13D'ND „Untergrund der Zionsliebe ist das Hüten und Halten der ganzen Thora, die sich von Geschlecht zu Geschlecht auf uns vererbt, ohne Minderung oder Abstrich, denn unsere Thora, die Quelle unseres Lebens ist, muß auch die Basis unseres neuen Lebens im Lande der Väter sein." Diese Worte hat der greise Verblichene etwa dreiviertel Jahre vor seinem Tode geschrieben. Nun könnte der Artikelschreiber des „Hamisrachi" hierauf einwenden, Rabbi Samuel Mohilever V"xt habe nachher seine Ansicht geändert. Darum sei ein zweites Zitat aus einem Schreiben des Rabbi, 17. Siwan 5658, etwa 30 Stunden vor seinem Ableben, hier angeführt. Das Schreiben wurde auf dem zweiten Kongreß als T est ament des Rabbi Samuel Mohilever verteilt. (Siehe 822782 ]l'X Seite 102.) In dieser großen Kundgebung heißt es u. a.: 'D2D2 12782 ..1211,7.1 13D11D 8’,1 Jl'X D2NV 110',1" '13D11D 'ISrVm «Vl22 .1208.1 V8 11V81.1 '2D202 ■iV'Vn pVl -37580 13D112V Vo '13''N 11p>8 mm Chanukagedanken. Von Dr. W. Lewin in Kamvurg. Als Sorgenbanner und Freudenbringer kommt uns diesmal Chanuka wie kaum sonst. Wo wir Hinschauen, ist tiefes Dunkel und finstere Nacht ausgebreitet. — Für uns, die Nachkommen der Makkabäer vollends scheint undurchdringlich jede Aussicht in eine freundlichere Zukunft verhüllt. Zu der allgemeinen Not des Tages gesellen sich für uns noch die mit elementarer Gewalt heroorbrechenden Gefühle der Feindseligkeit und Leidenschaftlichkeit einer irregeführten und betörten Volksmenge, die ihr Opfer haben möchte und es in denen gesunden zu haben meint, die wohl anders sind als sie selbst — aber doch durch das gleiche Schicksal sich an ihre Umgebung gekettet wähnen. Ist da nicht von ein 121 1D$?2, wie ein Wort zur rechten Zeit die prophetische Verkündigung: Vra 8V1 N22 8V. Nicht durch Kraft und nicht durch Heeresmacht, sondern durch den Geist des H." — Es ist dies ein Wort, das eigentlich allein •orrVy wbb D'öi8Vn onnasn oij?a ddV o'its.i '278iV '0'311N8N D’8'2 O'TSrVa 12782 '13D11D Wna D'ITSD '2 0'V8127 133'8 13X181 138S7 D112N 112S7V 82,1 V2 0388 DIXV 13V12 133(1 0'N8 'D'VISD D'11.1',1 1D3N3N Vv 1D18 1'IX D'818V.1 13D112V 110' V28 'N'NDV N',13 0'N81 '«.12711^.1 13D11D BT.lV „Das Fundament der Zionsliebe ist die heilige Thora, wie ich bereits in meinem ersten Briefe an die Baseler Versammlung betonte. Ohne die Thora, die Quelle unseres Lebens, ist unser ganzes Tun nichtig. Darum mögen sich die Führer des Zionismus hüten, bei ihrer nationalen Arbeit den Verdacht aufkommen zu lassen, daß der Zionismus die Thora entweihe, wie in letzterer Zeit oft verbreitet wurde. Wohl wird keiner, der für unser Volk und Land arbeiten will, gefragt über seine private jüdische Führung. Wir sind Brüder im Leide, wollen auch Brüder bei der Auferlebung sein. Aber Fundament unserer nationalen Arbeit muß die heilige Thora sein." Diese letzten Worte des Verewigten lassen erkennen, daß die ihm vom „Hamisrachi" zugeschriebenen Aeutzerungen in keiner Weise der Wahrheit entsprechen. Es ist wahrlich sehr beschämend, wenn ein Organ, das zur Wahrung der Thora gegründet sein soll, unsere Großen zu niedrigen Parteizwecken in dieser Weise diskreditiert Wir schließen uns der Hoffnung des verehrten Einsenders an, daß diese Aufklärung manche darüber belehren werde, wie es mit der Wahrheit bestellt ist, wenn man gegen die Wahrheit kämpft. Was ist Faszismus? Als Mussolini in Italien die neue Regierung unter dem Zeichen des Faszismus aufrichtete, war dem Weltantisemitismus Heil widerfahren. Die alten Ladenhüter zogen lange nicht mehr, man mußte neue Schlagworte haben. „Anti" war ein wenig in Verruf gekommen, das Volk wollte etwas Positives hören. „Faszismus" war das richtige Wort. Man kämpfte für den Faszismus und hetzte auf die Juden. „Faszismus", ein herrliches Wort mit mystischem Beigeschmack und so hart und massiv, daß es wie geschaffen schien, jüdische Fensterscheiben oder sogar jüdische Schädel einzuschlagen. Nun kommt der Schöpfer und Leiter des Faszismus, Mussolini, und spielt den deutschen „Faszisten" einen üblen Streich. Der römische Oberrabbiner Sacerdoti hatte den bösen Einfall — so sind einmal die Juden — Mussolini zu fragen, ob die ausländischen antisemitischen Parin unseren Landen, wie ein Leuchtfeuer in dunkler Nacht erscheinen und Trost und Hoffnung ins Herz und in die Seele senden könnte. Das hat der jüdische Geist nicht nur für Israel allein niedergelegt, sondern für alle, die nicht stumpf und verblendet jenen ablehnen oder in der Fülle ihrer Macht dieser zu sehr opfern,- als daß sie für jene Kunde empfänglich sein können. — Uns aber redet das Chanukalicht in seiner Bildersprache so machtvoll, so tief und innig, daß es für uns 80'3 'aioio wird, zu einem Wunderquell der Hoffnung . . . .1118V 278D27.lV 1108 des Chanukalichtes sich zu bedienen ist verboten, nicht aber mit seinem Strahl sein Herz zu erwärmen und seinen Geist zu erleuchten. Dies gerade ist der Sinn dieser abendlichen Feier,— sie will uns zu treuer beharrlicher Ausdauer spornen und uns Verständnis bringen für das, was unser wahrer Beruf ist, — Wacht zu halten an der Menauro des Judentums, daß rein und unverfälscht bleibe das Oel unseres Glaubens, für den die Makabäer mit Ausbietung aller ihrer Kräfte und mit dem Opsermute ihrer Ueberzeugung gekämpft. — s'0323,1 O’O' 1332 „den kommenden Tagen" entsprechend, soll man die Lichterreihe gestalten, — so meinen es die einen, und die anderen 0'8' 1332 T8XT.1 -die gehenden Tage" sollen für die Wahl der Lichteranzahl entscheidend sein. — In der Theorie gelten beide Ansichten. Das Chanukalicht kann uns mit Mut und Hoffnung für die Zukunft erfüllen, aber nur dann, wenn wir im Zusammenhang mit der Vergangenheit bleiben. Bodenständig im Erbe unserer Väter, sestwurzelnd in den hl. Ueberlieserungen unserer Vergangenheit, können wir um unsere Zukunft und um unsere Hoffnungen teien berechtigt seien, sich auf den angeblich antisemitischen Charakter des ihnen vorbildlichen italienischen Faszismus zu berufen. Mussolini erklärte formell, die italienische Regierung und der Fascio hätten nie beabsichtigt, antisemitische Politik zu treiben, ja er beklage es, daß ausländische Antisemiten den Namen des Faszismus zu ihren Zwecken ausnützen. Nun wäre es doch für München höchste Zeit, den Kampf gegen Mussolini und den jüdischen Faszismus in Italien aufzunehmen. Wie lange noch? Man schreibt uns: „Selten hat der Leser eines Zeitungsartikels einen Begriff von dem bitteren Ernst, der dem Schreiber die Feder führte, von dem lange Zeit vorausgegangenen zähen Widerstreben, das die Artikel so gerne ungeschrieben lassen möchte und nur mit größter UeberwinduNg der. Pflicht weicht." Mit ähnlichen Worten charakterisierte Rabbiner Dr. Israel Hildesheimer V"XT seine Gefühle bei der Abfassung von Artikeln, die zu schreiben er als heilige Pflicht empfand, unbekümmert darum, ob manch ihm Nahestehender sich verletzt fühlen würde. Seit Wochen treibt etz uns, mit diesen Zeilen an die jüdische Oeffentlichkeit zu treten. Immer wieder hielten wir uns zurück, in der Hoffnung, die Verhältnisse oder richtiger die für die Verhältnisse verantwortlichen Männer würden sich bessern. Leider hat die Hoffnung uns getäuscht. Die schwere Sorge um Gegenwart und Zukunft der deutschen Judenheit läßt die Rücksichten zurücktreten, die uns wie so viele andere nur zu lange schweigen ließen. Unsere Absicht ist es, mit folgenden Zeilen die Gewissen aufzurütteln der Männer, welche an der Spitze zahlreicher Gemeinden Deutschlands stehen und weiter hinaus die Gewissen der Mitglieder solcher Gemeinden, deren Leitung in gröblichster Weise ihre Pflichten vernachlässigt. Es ist eine Tatsache, daß ein großer Teil der jüdischen Gemeinden Deutschlands ihre geistigen Führer, Rabbiner und Lehrer und andere im Dienste der Gemeinde tätigen Männer in schmählichster Weise den schwersten wirtschaftlichen Sorgen preisgibt. In einer Zeit der sich überstürzenden Teuerung bringt es die Gewissenlosigkeit mancher Gemeindevorstände fertig, die Gehälter mit wochenlanger Verzögerung zu zahlen oder sie so niedrig zu bemessen, daß sich ein halbwegs anständiger Kaufmann schämen würde, einem bei ihm tätigen Familiennicht gebracht werden. Es bleibt allenthalben die Weisung für uns, den Geist des Judentums zu pflegen und zu schützen und unter allen Umständen daran zu sestzuhnlten: ,iV plpT 1D22 wo immer er in Gefahr ist zu erlöschen, mit vermehrter Kraft ihn zu hegen . . . Das ist fortdauernde Mahnung des Chanukalichtes, N213N 13 1332 D1S78 DIXinV 1108- Beim Chanukalichte soll man kein Geld zählen, — so lautet die Mahnung unserer Alten, — sie gilt wohl nicht blos in ihrer schlichten einfachen Bedeutung, sie will uns auch die Mahnung werden, daß wir klar und deutlich ohne jede „Synthese" und ohne die sonst so beliebten „Kompromisse" das wahrhaft Jüdische herausschälen. Wir wollen gewiß nicht dem Kamps und der Fehde im eigenen Lager das Wort reden — vielmehr wünschen wir, daß allenthalben Beachtung findet, was in Wien als Motto förmlich hingestellt wurde: 27j728 '238 'N8 D8- »Meine Brüder suche ich" — das heißt aber nicht, — daß man die Wahrheit preisgeben darf, um den Frieden, den sogenannten Frieden 3U retten. Wir mögen vielmehr nach wie vor das Licht, so wie es am Sinai entzündet worden, reinerhalten — wie es aus den po323D ü’a’ zu vererben ist, als die Prägung des echt jüdischen Geistes. Dann können wir furchtlos die Gestaltung unserer Schicksale dem überlassen, der die Makabäer zum Siege geführt hat, der da ist und bleibt der treue Hüter Israels.

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