Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 64 (1923)
- Issue
- Heft 49 (6.12.1923)
- Date
- 1923-12-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Frankfurt a. AI., den 6. Dezember 1923 28. Aislew 5684 - Nr. 49 64. Jahrgang 9-- {j Der israelQl Ein Centralorgan [Sr das orthodoxe Judentum l(fjS^ll I®“-r~z-mji u" * Abonnement ab 1. November: Deutschland 0,50 Goldmar! monatlich (multipliziert mit dem am Zahltag gültigen Goldmarkkurs ('/«Dollar); Deutsch-Lsterreich: 4. Vierteljahr: 20000 Kronen; Polen: 4. Vierteljahr: 2 deutsche Eoldmark. — Nur Vierteljahrs-Abonnements: Tschecho-Slowakei IS Kronen, Ungarn 600 Kronen, Jugoslawien 2S Din.; Litauen 7.50 Lit.; Rumänien 60 Lei; Holland 1.50 fl.: Belgien 7,50 Fr.; Frankreich 8 Fr.; Schweiz 2,50 Fr.; Italien 10 Lire; Skandinavien 4 K.; England 2 sh. 6 p.; Amerika 0.76 Dollar. Einzelnummer Fünfzehn Goldpfennige. Der Israelit erscheint jed. Donnerstag. Inserate 20 Goldpf., multrpl. mit dem Goldmarkkurs a«t Zahlungstag, für Stevens. 10 Goldpf., für die stebengesp. Nonpareille-Zeile. 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Iw KinStick anf die eryöyten Wachnaßmegeönßren Sitten wir rmsere Aöonnenten nns das Dezember-Abonnement «nt ZL Ae «leno d er H okdm ark(Aapiermark zum Kurs des Hingangstages) öis spätestens 15. Dezemöer z« übersenden. Verlag des „Israelit" C.m.v.H. Frankfurt a. M. Sem und Japhet. Von ZSenzion ZSeermann in Krankfurt am Wain. „Das ästhetische Empfinden ist Japhets Söhnen mit in die Wiege gegeben, die Söhne Sems haben kernen Anteil an diesem Gnadengeschenk des Himmels." Dieses. Urteil kommt von einer Seite, die sich nicht durch besondere Vorliebe für das jüdische Volk auszeichnet. Es wird uns gleichsam als Wesenszug unseres Charakters ausgelegt, die uns abgehende Fähigkeit, in das Schöne bis in seine leisesten Töne gefühlsmäßig einzudringen. Ist auch dieses Urteil nicht ganz gerechtfertigt, so hat es doch viel Wahres an sich. Es ist wirklich so, und wirwollen es garnicht bestreiten, daß die arischen Völker weit ausgeprägteren Sinn für die Schönheiten des Lebens und der Naturerscheinungen haben als die Semiten. Die Japhetiten genießen das Sonnenlicht mit ganz anderen Augen, mit einem Empfinden, das uns abgeht. Die Sonne spendet ihnen nicht nur Licht und Wärme, sie spricht auch zu ihrem Herzen, zu ihrem Schönheitssinn, wie er ihnen allein eigen ist. Ihre Seele badet förmlich in den Sonnenstrahlen und ist trunken von all dem Glanz und der Farbenpracht. Alles, was schön und erhebend ist, nimmt sie in den Bann und macht sie zu Poeten, daß sie voller Bewunderung und Begeisterung ein Lied zu Ehren des All oder seiner Wiederspiegelung in einzelnen Erscheinungen anstimmen. Sems Söhne gehen mehr aufs Sittliche. Eine schön geschmückte Laubhütte, ein schöner Esrog erfreuen Das Inhaltsverzeichnis befindet stch am Schlaffe des redaktionellen Teiles. ihr Herz. Die Schönheit ist ein Mittel, Gott zu dienen. Und Gottdienen hat mit Genuß und ästhetischer Freude nichts zu tun. *6 rnüD uro rrorpi So kommt es denn, daß die Künstler und Meister im Reiche des Schonen in der Hauptsache arischen Blutes sind. Trifft es sich zuweilen, daß aus der Mitte des Judentums ein Künstler von schöpferischer Bedeutung entsteht, so kann man damit rechnen, daß ihm die schöpferische Kraft nicht vom Judentum, sondern von außen gekommen ist, aus der Welt, die von Japhet beherrscht wird. Auf alle Fälle sind wir nicht dominierend auf diesem Gebiete. Wir bringen es bestenfalls bis zu einer gewissen Mittelmäßigkeit. Unsere Meister von Bedeutung mußten auf fremden Feldern weiden, um sich ihre Inspiration zu holen. Fremder Geist kann aber nie „heiliger Geist"(mpnrm) werden. Unsere Nationalisten, die nach Originalität in der jüdischen Geisteswelt schreien, beklagen sich über die jüdischen Künstler, daß sie nur selten jüdische Motive für ihre Schöpfungen wählen und sich ihre Sujets von der nichtjüdischen Gasse holen, zuweilen sich sogar mit Vorliebe Themen zuwenden, die dem jüdischen Geiste diametral zuwiderlaufen. Allein die Kritiker verkennen, daß dieses nicht an den Künstlern liegt, daß es nicht ihre Schuld sei, einem Volke anzugehören, das über keinen großen Platz Im Reiche der Schönheit verfügt und das wenige, was es davon besitzt, nicht aus Eigenem hat, sondern Entlehntes, höchstens in eigene jüdische Form gebracht ist, sodaß auf den ersten Blick die Fremdheit nicht auffällt. Man kann somit den Künstlern Mangel an Willen nicht vorwerfen, wo es sich in Wahrheit nur um Mangel an Können handelt. Unsere Verteidiger, die unbedingt beweisen mochten, daß auch uns das gleiche ästhetische Empfinden wie den andern angeboren ist, verweisen mit Vorliebe auf die bekannten Stellen in der heiligen Schrift, insbesondere auf das Buch der Psalmen, das förmlich widerhallt von der Pracht der Schöpfung und Schönheit der Natur. Allein, es ist besser und ehrlicher, wir lassen den Völkern was der Völker ist und reklamieren nicht als Vatererbe, was uns nicht vererbt ist. Im Gegenteil können wir auch aus diesen heiligen Liedern ersehen, daß nicht in der Schönheit und künstlerischen Gestaltung die Schwerkraft unseres Empfindens und Schaffens liegt. Es ist wohl wahr, daß die religiösen Dichter Israels auch bis in die tiefsten Gründe der Naturerscheinungen herabsteigen, um ihre Kraft und Schönheit in begeisternden Tönen zu besingen. Aber es ist nicht die Schönheit des Elementes oder des Geschehens, die hier die Sänger angezogen hat, die ästhetische Seite ist nur Hilfsmittel für die philosophische Folgerung, die eine Folgerung, daß es einen Gott auf Erden gibt. Je schöner und vollendeter die Schöpfung, umso beredsamer und eindringlicher zeugt sie für den Schöpfer! „Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes und seiner Hände Werk verkündet das Firmament." Der königliche Dichter zeigt uns die Sonne im Bilde des „Bräutigams, der aus der Kammer steigt." Zweck der Schilderung ist nicht, sich in poetischem Schwünge zu den Sonnenhöhen zu erheben, sondern einzig, den Schauenden zum Nachdenken über den Schöpfer anzuregen, daß er sieht und erkennt, soweit dieses Menschenauge und Menschengeist möglich ist. die Herrlichkeit Gottes. Es ist allgemein anerkannt, daß Denker und Dichter nicht zusammengehören, Philosophie und Poesie zwei getrennte Gebiete sind und daß man beim Nachdenken nicht zugleich auch poetisch schauen kann. Die Poesie ist ein Kind des Empfindens, das Denken und Forschen hat aber seine Quelle im Gehirn. Die Philosophie erfordert eine Konzentration der Sinne und sie seziert den Gegenstand, um Einblick in seine Einzelteile zu gewinnen, die Poesie dagegen huscht über Einzelnes mit großen Schwingen hinweg und nichts ist ihr widerlicher als das Sezieren und Zerlegen in Einzelteile. Denn den Schönheitssinn fesselt nur das Ganze, Ungeteilte. Wo zerlegt wird, da ergeben sich Lücken und Löcher, Unfertiges, das das Auge mehr verletzt, denn erfreut. Wo die Harmonie des Ganzen fehlt, ist auch die Poesie dahin! In der heiligen Schrift und auch in dem Buche der Psalmen erleben wir es, daß der Sänger, ganz im Banne der aus Himmel und Erde ausstrahlenden Kraft und Schönheit, dabei auch seine philosophischen Betrachtungen macht und für diese gerade den von ihm besungenen Gegenstand zum Ausgangspunkt macht. Der Nachdruck der Artikel und Korrespondenzen der .Israelit ist nur unter genauer Quellenangabe und, soweit es stch um gröbere Aufsätze handelt, nur - - nach vorheriger Genehmigung gestattet. -