Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 64 (1923)
- Issue
- Heft 48 (29.11.1923)
- Date
- 1923-11-29
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2450238-2450281--70893-2528161- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
29. November 1923 Nr. 48 Seite 7 Mark. Dagegen legte dieser Berufung ein, die am Mittwoch, 17. Oktober, vor dem Münchener Landgericht zur Verhandlung kam. Beide Parteien waren erschienen: General Ludendorff mit seinem Verteidiger Justizrat v. Zeschwitz, der Beklagte mit Rechtsanwalt Graf Pestalozza. Der Vorsitzende versuchte eingangs einen Vergleich zustande zu bringen. Er verwies den Beklagten auf eine Erklärung der Münchener Jugendgruppe des Verbandes nationaldeutscher Juden, die bei den Akten sei, in welcher diese das Treiben Dr. Wieners und seiner Hintermänner brandmarkte, und die beweise, wie gewisse Teile der deutschen Juden den Fall beurteilten. Der Vergleichsversuch scheiterte, da General Ludendorfs jeden Vergleich ablehnte. Was die Erklärung der Münchener Jugendgruppe des Verbandes nationaldeutscher Juden anlange, erklärte dann Dr. Wiener, so möchte er bei diesem Punkte der Verhandlung nur mitteilen, daß der Verband nationaldeutscher Juden diese Erklärung gemißbilligt und der Unterzeichner der Erklärung sich bei ihm entschuldigt habe. Nach mehr als einstündiger Beratung" verkündete das Gericht den Beschluß: Die Verhandlung wird ausgesetzt, die Vernehmung des Tuohy und Marcgraoe angeordnet über die Frage, ob das in der „New-Pork World" erschienene Interview stattgefunden habe, welchen Inhalt es hatte, und ob Tuohy die Unterlagen hierfür vielleicht von Marcgraoe erhalten habe. München, 16. Okt. Wir lesen in der „C. V.- Zeitung": Am Abend des vergangenen Dienstag befanden sich vier jüdische Amberger Bürger in der Synagoge bei einer Chorprobe. Gegen 11 Uhr abends erfolgte plötzlich eineschwere Detonation. Die vier Herren nahmen an, daß ein Anschlag aus die 'Synagoge erfolgt sei. Deshalb fuhren zwei der Herren zur Polizeiwache, um von dem Vorfall Anzeigne zu erstatten. Hier wurde ihnen mitgeteilt, daß vermutlich kein Anschlag auf die Synagoge geplant gewesen sei, weil der Führer der Amberger Nationalsozialisten, Stüdlein, an der nächsten Straßenecke bewußtlos aufgefunden worden sei. Es stellte sich heraus, daß eine Handgranate geworfen worden war, deren Abreißschnur neben Stüdlein lag. Irgendeine Verletzung wies Stüdlein nicht auf, wohl aber hatte er einen geladenen und entsicherten Revolver in der Hand. Am Mittwoch früh zwischen 4 und 5 Uhr wurden die vier Synagogenbesucher aus ihren Betten heraus ohne Angabe eines Grundes verhaftet, wie Schwerverbrecher in das Gerichtsgefängnis eingeliefert und abends 8 Uhr ohne Verhör wieder entlassen. Lein Wort der Entschuldigung wurde für nötig gehalten. Wie die Staatsanwaltschaft in ihrem amtlichen Bericht in Nr. 186 der „Amberger Volkszeitung" selbst zugibt, hat sich im Laufe der Erhebungen gegen Stüdlein mehr und mehr der Verdacht verstärkt, daß er die Handgranate selbst geworfen habe, um „für sich und ferne Sache Aussehen zu erregen." Stüdlein befindet sich bis zur Stunde auf freiem Fuß. Man wird das Ergebnis der Untersuchung abwarten müssen. Es wird aber an der skandalösen . Tatsache der Verhaftung von vier Synagogenbesuchern, die pflichtgemäß einen Handgranatenanschlag melden, nichts ändern können. Briefkasten. K. in Gl. Nein, besonders wenn es sich um Früchte handelt, die erst belesen werden müssen. S. M. Mülhausen. Beide Beträge eingegangen und Bestimmungszweck übergeben. Direktor M. in W. Mit Dank ausgenommen. Besten Gruß. Lehrer R. A. in Mittelsinn. Sie schulden für Abonnement für Monat November 22 Psg. Tin M' Man leient in Ihrem Falle die Abschnitte des betreffenden Tages ohne Rücksicht aus das Versäumte. G. R. Leider hatten wir keinen Platz für das Rätsel. Besten Dank! T. in M. Frs. 10 richtig eingegangen. Sprechsaal. Partenkirchen. An die Schristleitung des „Israelit" Frankfurt' a. M. In den letzten Nummern Ihres Blattes finden sich wiederholt Abhandlungen und Mitteilungen über die fürchterlichen Zustände in Bayern. Wie Sie aus meinen regelmäßigen Inseraten zu ersehen belieben, hob ich dort ausdrücklich hervor, daß durchaus angenehmste ruhige Verhältnisse in Partenkirchen herrschen. Ich versichere nochmals ausdrücklichst aus Grund meiner eigenen Erfahrungen mitten in Oberbayern, daß nach wie vor von irgendeinem Antisemitismus an unserem internationalen Ort nichts zu merken ist, und daß jeder Erholungsuchende ohne jede Scheu Partenkirchen aussuchen kann und sich hier durchaus wohl fühlen wird. Auch rein vom geschäftlichen Standpunkt befrachtet, würde ich es niemals mit meinem Gewissen^perantwortein, Glaubensgenossen dem Aufenthalt hier zu empfehlen,.,, so-, fern ich die geringste-Besorgnis hätte, daß dieselben' _Der Israelit_ irgendwelchen Unannehmlichkeiten oder Belästigungen ausgesetzt wären. Hochachtungsvoll , Georg Wolff. (Die Berichte aus Nürnberg, München und anderen Orten stehen durchaus nicht im Widerspruch zu der von dem Herrn Einsender behaupteten Tatsache, daß in Partenkirchen nichts von Antisemitismus zu spüren sei, was wir gerne glauben. Aber wir können nicht den bayrischen Kurorten zuliebe die schmerzlichen Vorgänge in den Hauptstädten und einzelnen Landorten Bayerns totschweigen. Red. des „Israelit".) Familiennachrichten. Barmizwo. Semi, Sohn des Herrn David Schönberg, Fürth i. B. Barmizwo am nwi naw, den 1. Dezember. frankfurter Berichte. Moritz Kirschöerg Schmerz- und trauererfüllt standen wir Sonntag Vormittag auf dem Friedhofe der Israelitischen Religionsgesellschaft an der Bahre eines Mannes, dessen Lebensbild wert ist, mit wenigen Strichen festgehalten zu werden. Mit dem im 62. Lebensjahre dahingeschiedenen Moritz Hirschberg V'xt verliert unser jüdischer Kreis einen Mann von altem Schrot und Korn, der tiefes jüdisches Wissen mit peinlicher Gewissenhaftigkeit in Leben und Streben verband. Streng gegen sich selbst und bemüht, auch das scheinbar kleinste göttliche Gebot zu erfüllen, suchte er in Liebe und Milde auch auf Andersdenkende emzuwirken, um sie „der Thora nahe zu bringen." Seit frühester Jugend arbeitete er in vorbildlich rechtschaffener Weise unermüdlich für seinen geschäftlichen Beruf: Mühen und Kämpfe verstimmten ihn nicht in dem Bewußtsein der Pflichterfüllung. Anspruchslos und bescheiden ging er seinen Weg, der ihn nach erledigter Arbeit Tag für Tag an unseren „Quell des Lebens" führte. Für ihn gab es kein größeres Glück, als sich dem Studium der nnm zu widmen. Sein Wissensdrang vereinigte sich mit einer vorzüglichen Auffassung und ließen in Moritz Hirschberg einen . beachtenswerten von -nvim erstehen. Dreißig harmonische Jahre verbanden ihn mit seiner ihm gleichgesinnten edlen, gütigen Frau b'nanb Omvb. v"n pn, der Tochter unseres unvergeßlichen Rabbiner Fromm Mann und Frau eiferten sich gegenseitig an, um das Leben und Wirken ihrer Elternhäuser für die Kinder und in ihren Kindern neu erstehen' zu lassen; Schwiegersöhne und Schwiegertochter schlossen sich in gleichgestimmter Harmonie dem Kreise an. So steht das Bild von Moritz Hirschberg V'xr in seiner Schlichtheit, seiner Güte, in seiner Frömmigkeit und Milde vor unseren Augen; ein Leben reich an Mühen und reich an Erfolgen ist abgeschlossen.' Nach schwerer Krankheit ging er von uns und wir hören ihn in seiner rücksichtsvollen Art das Wort des vergangenen Sabbat sprechen nnem ni-V 'v : Laßt mich ziehen, grämt Euch nicht und gönnt mir die Ruhe, denn auch für mich ist das Morgenrot aufgegangen. v'rn n*v>» ivub nm Und wir nehmen von dem lieben Dahingeschiedenen Abschied mit dem Worte des letzten ub vu 'v inbvrr, daß fein jtdt der trauernden Familie beistehen und er am Throne des Allgütigen segnend für uns alle beten möge. In von Herzen kommender Rede schilderte Herr Professor Weyl an der Bahre das Leben des Dahingeschiedenen, den er als einen wahren *w> vm und nvv ms bezeichnete. Die außerordentlich große Beteiligung bei der rmap ließ uns auch äußerlich erkennen, welchen Verlust wir mit dem Heimgang von Moritz Hirschberg erlitten. N21vb "DT Ararr Lina Kander In einer Zeit bitterster Not, da die jüdische Gemeinschaft mehr als je der gezählten Schar opferbereiter, erfahrener Helfer und Helferinnen an ihrer Spitze bedarf, ist eine der besten, fchaffensfreudigsten Arbeiterinnen auf dem Gebiete des altjüdischen mb'»» non plötzlich von uns genommen worden: Frau Lina Kander geb. Strauß; kaum 55 Jahre alt, ist sie in wenigen Tagen das Opfer einer akuten Krankheit geworden. Die Tochter eines Talmid Chochom, Gattin eines wackeren, schlichten, ganz von jüdischem Pflichternst erfüllten Mannes hat Lina Kander, da ihr das Glück des Kindersegens versagt war, in jeder verlassenen Menschenseele ihr eigen Kind erblickt und so die zumeist ja begründete Ansicht Lügen gestraft, daß Kinderlosigkeit zum Egoismus erziehe. Vom frühen Morgen bis in die späten Nachtstunden war sie unterwegs, um die Mittel zum Helfen herbeizuschaffen, mit eigenen Augen und klugem, praktischem Blicke Not und Elend zu schauen und dann in wunderbarer Einheit von barmherziger Liebe und kühlem kritischen Erwägen die rechte Hilfe am rechten Orte zu gewähren. Sie hals mit entschlossener Tat, aber sie konnte auch durch ihren weisen Rat. durch ihr eindrucksvolles Wort gebeugte Gemüter aufrichten und geknickten Seelen köstliche Labung spenden. Denn in ihrem Innern -lebte ein starker .Geist .undeine -innige ,Gottesliebe, die ihre ewige Nahrung aus davidifchem Geiste sog. Das Buch der Psalmen, wie es ihr S. N. Hirschs Wart erschloß, war ihr steter Begleiter durchs Leben: aus ihm schöpfte sie die Kraft zur Wirksamkeit draußen im Leben und Trost und Halt in schweren Stunden. Diese tiefe Frömmigkeit, die sich in gewissenhaftem rnxM bewährt, gab ihrer Persönlichkeit die Weihe r und sicherte ihr starken Einfluß auch in andersdenkenden Kreisen. Im Vorstände der „Weiblichen Fürsorge" und des „v. Rothschild'schen Damenheimes" fand sie viele Jahre lang Gelegenheit, ihre Einsicht und Willenskraft zu betätigen — aber dieses Wirken in organisiertem Rahmen ward weit übertroffen von ihrer weitverzweigten privaten Liebesarbeit, die sich auf eine Fülle von Gebieten und Menschen erstreckte. Nun ist sie mitten aus der Arbeit hinweggerissen worden; ihr Andenken bleibt gesegnet, und unverloren die Liebessaat, die sie im Leben gesäet, vor dem Throne des awan 'v' m\ Möchte rrapn dem vereinsamten Gatten Trost spenden. p'x -pva An der Bahre, um die sich eine außergewöhnlich zahlreiche Gemeinde von mitfühlenden Freunden versammelt hatte, gab Herr Jacob Rosenheim namens der Familie der Trauer um die edle Frau schmerzerfüllten Ausdruck. traxan M. S. Waijrmann Im Alter von erst 46 Jahren ging er von dannen, der Mann, der noch so Vieles im Sinne hatte, der sich mit den großzügigsten Plänen zur Bereicherung der jüdischen Literatur, des jüdischen Geistesschatzes herumtrug. Wahrmann war das Vorbild eines geraden, aufrechten Menschen, der aus dem rechten Wege sicheren Zielen entgegenstrebte und aus Vertrauen zu Gott und zu sich selbst die Kraft zur Arbeit und zum Erfolg der Arbeit schöpfte. Aus Galizien stammend, wo er in altjüdischem Eelehrtenhause von Kindheit auf die Luft der Thora und des jüdischen Wissens einatmete, kam er in jungen Jahren hierher und fand bei der Firma I. Kauffmann für Jahrzehnte reiches Betätigungsfeld auch für die Seele. In der Vollkraft des Lebens und auf der Höhe des Könnens, reich an Erfahrungen und reifer Fachkunde, eröffnete er zu Kriegsbeginn eine eigene Buchhandlung, verbunden mit Verlag. Sein Buchladen war bald sehr beliebt und gesucht, und als Verleger von großer Linie, ging er an Aufgaben heran, die von starker Initiative, großer Tatkraft und vor allem einer geistigen Verbundenheit mit der Materie zeugten. Sein ruhiges vornehmes Wesen, seine Einfachheit und Biederkeit im persönlichen Auftreten und im Verkehr mit Freunden gewannen ihm alle Herzen. Der Verlag „Hermon", dem er seit dessen Bestehen als kluger Berater mit ganzem Herzen diente, verliert in ihm einen seiner treuesten Mitarbeiter. Mit der Witwe und den Kindern beweint ein großer Kreis von Geschäftsfreunden und persönlichen Gönnern den prächtigen Menschen, der so viel versprach und nun auf halbem Wege zu hohen Zielen von einer höheren Wallung abberufen wurde. Er wird uns allen unvergeßlich bleiben! Ber der Beerdigung, die am Montag mittag unter großer Beteiligung stattfand, sprach Herr Rabbiner Dr. Hoffmarln ehrende Worte des Gedenkens. rraxan Jirra Kofenöaum rrsr- Nach langem Leiden hauchte Frau Dina Rosenb a u m ihre reine Seele aus. Frau Dina Rosenbaum entstammte einer berühmten Familie in Zell in Bayern. Nach dem Tode ihres Gatten Mayer Rosenbaum widmete. sie sich der Erziehung ihrer Kinder und dankte Gott, wie sie so oft betonte, keinen Sohn zu haben, weil sie wohl die Kraft habe, Töchter jüdisch zu erziehen, einen Sohn aber nicht so zur Thora erziehen könnte, wie es im Sinne ihrer Ahnen wäre. Die Töchter erzog sie zu echten Jüdinnen und hatte die Freude, sie an der Seite wahrhaft jüdischer Männer ganz in ihrenl Geiste wirken zu sehen. Sie übte sehr viel Gutes und streute Wohltaten im Stillen aus. Von äußerst peinlicher Pflichttreue, war sie auch treue Anhängerin der Kehilloh. Ihr Stolz war, daß früher a'vvn an ihrem Tische regelmäßig speisten. Sie trug ihr langes, schweres Leiden mit der Geduld einer jüdischen Heldin und einem Gottvertrauen ohnegleichen bis zuletzt, da nun mit 67 Jahren ihrem Leben ein Ziel und ihrenl Leiden ein Ende gesetzt wurde. Auf dem Friedhofe der Israelitischen Religionsgesellschaft, wo am Montag die Verstorbene unter großer Beteiligung zur letzten Ruhe gebettet wurde, sprach im Namen der Familie der Schwiegersohn, Herr Zahnarzt Dr. S. Eh r mann, ergreifende Worte des Dankes und Gedenkens rraxan Liwjattz Gtzen-Wereirr. Der Liwjath Chen nimmt nach einer kurzen Pause seine Lehrtätigkeit wieder auf. Diesen Sabbat findet der Midrasch-Vortrag zur üblichen Zeit (nach dem Minchogebete) im Hörsaale Friedberger Anlage statt, was Freunden des Vereins und dem Hörerstamm seiner Vorträge hiermit zur Kenntnis gebracht wird. A. I. Jugendgruppe. Die Arbeitsgemeinschaften find nun ausgenommen. lieber Chassidismus (Leiter Herr Jakob L a n d a u) findet Nachm. 4.30 Uhr eine Vorbesprechung (Hanauerlandstr. 17) statt. 12.30 Uhr findet im gleichen Raume Vorbesprechung über die Behandlung aus gewählt er Abs ch n itte;,,.aus mvrr-D int Anschluß an d i e Sidrah: (Herr Refr. I. Rosenheim); Vösfirechung ausgewählter Abschnitte aus