Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 64 (1923)
- Issue
- Heft 48 (29.11.1923)
- Date
- 1923-11-29
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nr. 48 Der Israelit 29. November 1923 aller Kräfte der gläubigen Judenschaft der Lösung entich dir folgen." Elisa war nicht der einzige Jugendliche, auf den er so wirkte. Aus der Bibel geht hervor, daß an den „allein übriggebliebenen Propheten des Herrn", wie Elia sich gerne nannte, sich eine ganze Schar von Jüngern anschloß, die ihm nachfolgten und als seine Voten die gefährlichsten Wagestücke bei König und Volk unternahmen (vgl. Könige, l. 13, 20, 35 u. I 22 ferner II 2). Sogar eine Prophetenschule muß allem Anscheine nach aus. diesem im Verborgenen lebenden Kreise des Meisters und seiner Jünger hervorgegangen sein.' Elias Feuereifer für die alten Ideale Israels hatte bei der Jugend Schule gemacht. Das allein aber ist schon Grund genug, ihn aus seiner Zeit heraus für alle Zukunft hin als den dem Herzen des Judentums am nächsten stehenden Propheten zu''bezeichnen. Vielleicht waren unter den „siebentausend, die in Israel übrig geblieben und nicht ihre Knie vor dem Baal gebeugt und deren Mund ihn nicht geküßt," auf die Gott Elia in seiner Verzweiflungsstunde hinwies, die Jugendlichen in seiner Gefolgschaft gemeint. „Warum verzweifelst du," wollte ihm Gott damit gleichsam sagen, „daß die alten Herzen hart wie Stein bleiben, trotz aller Zeichen, Schrecken und Wunder, sieh auf den treuen Rest der übriggebliebenen in der Jugend und schöpfe daraus Trost für die Zukunft." Es mag damit Zusammenhängen, daß der Ausläufer des Prophetentums, Maleachi, gewissermaßen als Vermächtnis der Prophetie in Israel, auf Elia in seinen Zusammenhängen mit der Jugend und dem Messias hinweist. „Siehe", so läßt Maleachi Gott sprechen, „ich sende euch Elia, den Propheten, bevor der Tag des Ewigen kommt," der große und furchtbare und er wird zurückwenden das Herz der Eltern zu den Kindern und das Herz der Kinder zu den Eltern" (Maleachi III, 23—24). Das Eintreffen des großen Gottestages, kann nur durch das Erscheinen Elias vorbereitet werden; sein Geist muß erst der jüdischen Welt geläufig werden, wenn sich das Judentum erheben soll aus seinem tiefen Fall zur einstigen Größe und Höhe. Der Geist Elias aber besteht in der Vegeisterungsfähigkeit für das Ideal unseres Glaubens und Volkstums. Der Messias kann nicht kommen, wenn die, die er erheben soll, kalt und gleichgültig bleiben bis ans Herz hinan. Darum muß Elia kommen und die begeisterungsfähige Jugend für das Judentum erwärmen. Und die Jugend hat in diesem Belange sogar noch etwas vor Elia selber voraus. Sie kann nämlich auf die Jungen und die alten einwirken, was Elia nicht ganz gegönnt war. Welche Eltern werden ihr Herz vor der Begeisterung der eigenen Kinder abwenden, dachte Maleachi. Wenn die Eltern ihre Kinder, ihr Fleisch und Blut, eintreten sehen für die heiligen Güter der Ahnen, wie sollten sie selber dabei kalt bleiben? — Nein, der Feuergeist Elias bringt die Herzen der Eltern für die Kinder zurück. Aber auch die Herzen der Kinder für die Eltern. Die Jugend soll aus Elias Geschichte lernen, nicht in seinen voll Gott gerügten Fehler in der Form zu verfallen und einem über das Ziel schießenden Stürmen und Drängen zu huldigen. Die jungen jüdischen Menschen sollen eifrige Juden werden, aber keine Eiferer. Das Judentum — besonders unserer Zeit — ist schon so, fast mehr als es ertragen kann, zerklüftet und zerrissen. Wenn noch die Kluft zwischen Alter und Jugend in einer allzukrassen Form dazu kommt, dann könnte es um die Alten und um die Jungen geschehen sein. Der Jugend tut neben dem Feuereifer der Begeisterung — der ihr schönstes und heiligstes Vorrecht ist — auch zielsichere Besonnenheit not und Achtung vor dem Alter. Die Alten sollen aber ebenso nicht umgekehrt, auf ihre Altehrwürdigkeit pochen und nur Besonnenheit bewahren, sondern Begeisterungswärme beziehen von der Jugend. Als der Ewige Elia im Sturmwinde emporheben sollte, befand er sich gerade mit seinem Lieblingsjünger Elisa auf einem gemeinsamen Gange. Elia wußte, daß seine Zeit gekommen, auch Elisa ahnte es. Keiner von beiden wagte deutlichst davon zu sprechen. Sie unterhielten sich über Worte der Lehre, nach anderen über das Sch'mah, nach noch anderen über den Akt der Weltschöpfung und nach einer Ansicht, über den Trost für Jerusalem (vgl. Talm. Jeruschalmi Brochot Abschn. 5 Tana b'bei Elia Abschn. 5). In alledem lag das Scheiden angedeutet. Treu hielt der jugendliche Schüler an der Seite des altgewordenen väterlichen Meisters aus. Elia forderte Elisa auf, ihn zu verlassen. Die Wege des Altmeisters und des jungen Volksführers pflegen ja sonst auseinanderzustreben. Elisa wich aber nicht von Elias Seite. Als Elia diese neue Beharrlichkeit sah, da erkannte er sein Werk gesichert und er sprach: „Fordere, Elisa, was ich dir tun soll, ehe ich von dir genommen werde." Da machte sich Elisa ein Herz und sagte kühn: „Meister, laß doch einen zweifältigen Anteil deines Geistes auf mich kommen." Was -meinte er damit? Am ehesten das Folgende: „Dein Geist, o Elia, hat uns Jugendliche ergriffen, möge ich doch, als dein Fortsetzer und Vermittler, das Doppelte davon haben, auch die Alten mitzureißen. — Elia entgegnete: „Du hast wohl Schweres gefordert, aber wenn du sehen wirst, daß und' wie ich von dir genommen werde, wird dir also geschehen, d. h. wenn du sehen und verstehen wirst, daß ich nicht wie andere terbe, sondern nur gehe, um wiederzukommen und allen, den Jungen und den Alten, ein Helfer und Tröster zu sein, dann hast du diesen Geist. Und Elisa sah und hatte diesen Geist, weshalb er dem scheidenden Elia Nachrufen konnte: „Mein Vater, mein Vater . . ." Cr war ihm in zweifacher Weise sein geistiger Vater geworden. — Diele Jugendliche sind heutzutage zum Judentumsbewußtsein erwacht. Mögen sie den zweifachen Eliageist begehren, dann mag Elia ihnen erscheinen. «««« Blätter **** der flsudas 3isro<l in Deutreltiand. AusöitdungvonWohetirn. An zahlreichen Hrterr, besonders an kleinen Wlatzen, herrscht bedrohlicher Mangel an Mohelim. Wir bitten unsere Hrts- und Jugendgrnppen, dafür einzntreten, daß möglichst viele geeignete zunge Leute sich als Moh elim ansbilden lassen, wozu in Ar a nk fnrt a. W. nnd Merlin Gelegenheit ist. Kalberstadt. Gruppenverband der Agndas Iisroel in Deutschland. Ungarn und die Aguda. Drei Gründe sino es, die in orthodoxen Kreisen Ungarns lange Zeit als Motiv gegen den Anschluß an die Aguva wirkten. Vorerst die Angst, daß die durch lokale Verhältnisse, Umgebung, Kulturniveau der Umwelt verschiedenen Erziehungsprobleme, speziell das unbedingte Bedürfnis des Westens nach höherer europäischer Kultur, im Osten den großen, unbedingt nötigen Zeitaufwand für Limud Hathorah soweit beschränken könnte, daß die Intensität des Thorastudiums stark beeinträchtigt werden könnte. Weiter wurde geltend gemacht, daß die Länder, die eine geschlossene orthodoxe Organisation -besitzen, der Aguda nicht bedürfen. Ein drittes, nicht eingestandenes Motiv zur Zurückhaltung war die Furcht, daß der Anschluß an die Aguda große Opfer an Zeit und Geld erfordern müsse, noch dazu für fremde Länder, da doch die großen Aufgaben der Aguda nur mit Aufwand gegengeführt werden können. Die Kenessio Eedaulo hat all diesen Einwänden für ehrliche Menschen ein Ende gemacht. Die Erscheinung der Größten unseres Volkes hat alle Befürchtungen vor einem, schädlichen Einfluß der Aguda entkräftet. Nur was »aa bsb nw . ist, was der Orthodoxie auf dem ganzen Erdenrund frommt, darf die Aguda unternehmen. Die entscheidende Bestimmung hierüber hat der Rabbinische Rat, in dem die twnpi omsa deren Bedeutung in überwältigender Weise in die Erscheinung trat. Auch die Ansicht, „wir bedürfen der Aguda nicht", hat der Verlaus der Kenessio Eedaulo entkräftet. Die Erkenntnis, daß nur die gesamte Orthodoxie in der Lage ist, die Abwehr gegen innere und äußere Feinde mit Erfolg zu betreiben; daß eine kräftige Unterstützung geistiger und materieller Art zu bieten, und zwar zu bieten, ohne daß die Empfänger antireligiösen Elementen dankbar und von ihnen abhängig sein müssen, hat sich allgemein durchgerungen. Alle, die an der Kenessio Gedaulo teilnahmen, mußten sich eingestehen, daß nur der Klal Jisroel in der Lage ist, unsere heiligsten Güter: Thora, Awodah und Gmilus Chesed zu erhalten, und daß die Arbeit für Agudas Jisroel ausschließlich befähigt ist, den Geist unserer Altvordern, wie ihn Jisroel seit vier Jahrtausenden hegt und pflegt, auch unseren Kindern und Kindeskindern zu vererben. Die ungarische Orthodoxie, die dank ihrer Organisation e% dahin gebracht hat, daß die Zahl der ann* in den letzten fünf Dezennien rra zugenommen hat, konnte annehmen, daß sie keiner Weltorganisation bedürfe. Konnte glauben, daß die riesigen Anforderungen, die sie im Lande bedarf, es ihr unmöglich machen, für auswärts Opfer an Geld und Zeit zu bringen. Durch den Anschluß an die Aguda hat die ungarische Landesrepräsentanz, die aus freier Wahl hervorgegangen, die Ansichten der ungarischen Orthodoxie widerspiegelt, dokumentiert, daß das Heil der gesamten thoratreuen Judenschaft durch die Tätigkeit der Aguda allein gewahrt wird. Dieser Anschluß ist geeignet, den Gedanken der Aguda zu verbreiten und zu vertiefen und der Aguda auch jene ann' ' zuzuführen, die bisnun den Anschluß ablehnten. Aus der Bewegung. Budapest. (A. I. P. B.) Die orthodoxe Landesrepräsentanz (Hunderter-Ausschuß) hat nach dreitägiger eingehender Beratung im Anschluß an das Referat vom Oberrabbiner Fellner (Ujheli) über die Kenessio Gedaulo einstimmig den Beschluß gefaßt, der Weltorganisation Agudas Jisroel beizutreten. Wien. (A. I. P. B.) Aus Polen, Litauen, Lettland, Deutschland, Tschechoslowakei, Oesterreich usw. laufen Berichte über die Sijumfeiern, die in allen Ländern feierlichst begangen wurden, ein. Diese Feiern sind Beweis der großen Popularität, die sich die von der Kenessio Gedaulo geschaffen^ Institution des Daf Jomi in der ganzen Welt erfreut. Wien. (A. I. P. B.) Im Verfolge eines Beschlusses der Kenessio Gedaulo wird die Palästina-Arbeit in allen Ländern stark in Angriff genommen. Die allweltliche Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel in Frankfurt a. M. hat eine Reihe wertvoller Pläne zur praktischen Betätigung im heiligen Lande ausgearbeitet, zu deren Verwirklichung die einzelnen Handeszentralen die jüdischen Massen systematisch heranzuziehen haben. In Wien fand Dienstag, den 13. November eine von der österreichischen Palästina-Zentrale einberufene Beratung statt,- der mehrere erfahrene Fachleute zugezogen wurden. Bei der' Konstitutkerung der» österreichischen Palästina-Zentrale wurde Rabbiner Josef Baumgarten zum Vorsitzenden, und Rabb. B. Friedmann zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Ferner wurden drei Kommissionen ins Leben gerufen, die den Arbeitskompler unter sich verteilen werden: 1. Wirtschaftliche Kommission, 2. Kommission für Thora und Ehisuk Hadas in Erez Israel, und 3. Propaganda. Wien (A. I. P. B.). In einer Kundgebung an das Wiener Organ für die Interessen des orthodoxen Judentums „Jüdische Presse" teilt das Zentral-Relief- Komitee offiziell mit, daß das Komitee seine Wohlfahrtsarbeit für die Chadorim und Talmud Thoras nicht einstellen wird. Allerdings ist in der Arbeit eine kleine Stockung eingetreten, die jedoch in kürzester Zeit behoben werden wird. Wien (A. I. P. B.). Herr Rabbiner Tobias Horowitz und Herr Dr. Deutschkänder sind kn Wien eingelangt. um an den Arbeiten des Zentralbüros der Agudas Jisroel teilzunehmen. Halberstadt, 22. Nov. Der Gruppenverband hat bisher 30 Kinder aus Berlin, 30 aus Frankfurt a. M., etwa 60 Kinder aus Nürnberg- Fürth und 35 Kinder aus Hamburg nach Wien