Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 64 (1923)
- Issue
- Heft 48 (29.11.1923)
- Date
- 1923-11-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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29. November 1923 Der Israelit Nr. 48 Seite 3 ihnen nicht verübeln, wenn sie an der Antwort, die ihnen von liberaler und orthodorer Seite ward, Kritik üben. Auf diese Kritlk einzugehn, besteht im allgemeinen keine Veranlassung. Nur ein Punkt scheint uns der Klarstellung zu bedürfen. Wir hatten zur Zurückweisung des würdelosen Verhaltens der Naumannianer auf die Solidarität hingewiesen, die seit TO -in *tö3>ö alle jüdischen (Seelen zu unlösbarer Gemeinschaft zusammenfaßt — abgelehnt dagegen die von der Sächsischen Straße gewünschte „Einheitsfront". Darin erblickt die „Rundschau" einen Widerspruch und meint, daß auf jene „Solidarität" die gleichen Bedenken zuträfen wie auf das zionistische Einheitsverlangen. Diese Behauptung beweist nur, daß ihre Urheber in zionistisches Denken wie in einen Zauberkreis gebannt sind, dem sie nicht zu entrinnen vermögen. Die Solidarität, die wir meinen, ist eine religiös verankerte sittliche Solidarität. Sie erachtet jeden Juden vor Gott verantwortlich für die sittliche Tat des anderen, weil alle jüdischen Seelen eine organische Einheit bilden. Angesichts dieser höheren Einheit, die uns immer wieder und wieder unser iroaojöffK in Plural sprechen läßt und die nicht bloß ein religiöses Mysterium bleibt, sondern zu weitreichenden ethischen Konsequenzen im Einzel- und Gemeinschaftsleben führt, angesichts dieser höheren Einheit ist das „Abrücken" der nationaldeutschen Juden von dieser oder jener Gruppe ihrer Brüder ein unsittliches Unterfangen, das schärfste Verurteilung verdient. Ob der Antisemitismus in seiner Verblendung auch aus dieser historisch gegebenen religiösen Einheit der jüdischen Gemeinschaft Waffen gegen uns zu schmieden sucht "oder nicht, gilt uns gleich: die religiöse Wahrheit haben wir zu bekennen ohne Rücksicht auf die Konsequenzen. Ein anderes aber ists mit der zionistischen Einheitsfront". Schon das Wort an sich, das ganz dem Gedankenkreise des Militarismus entnommen ist, deutet auf die Welt der Macht- und Jnteressenpolitik der Völker hin. Wie weiland 1914 soll ein „Burgfriede" die jüdischen „Parteien" — als ob sie um Wirtschafts- oder Machtinteressen kämpften — zur gemeinsamen „Abwehr" zusammenschweißen, wobei die zionistische Vereinigung Generalstab und Generalkommando stellen und uns später den heute noch in dichten Nebeln verhüllten defensiven Feldzugsplan offenbaren wird. Mit solchem Säbelrasseln wird unsres Erachtens nichts weiter erreicht, als daß im Innern der Wahn einer garnicht vorhandenen Macht, nach außen der Anschein gefährlichster Kampfbereitschaft entsteht. Mit großen Worten, die in ebenso großen Lettern ihren graphischen Ausdruck finden, wird der Blick lediglich von den schweren seelischen Aufgaben abgelenkt, die dem deutschen Judentum heute gestellt sind und die sich keineswegs dann erschöpfen, daß man Politik macht und nach dem Wunsche der „Rundschau" „den lieben Gott aus dem Spiele läßt." Wir reden keineswegs einem quietistischen Nichtstun das Wort, sondern verwerfen, wie man sieht, nur die Richtung der zionistischen Aktivität. Wo es dagegen gilt, zu helfen, den Opfern der Bosheit den Weg ins Freie zu öffnen, ihnen den Boden einer neuen Existenz zu bereiten,« da wird es sicherlich nicht vieler Worte bedürfen, um eine „Einheitsfront der Menschenliebe" zu bilden, die notwendig, selbstverständlich und ungefährlich ist. In dieser Hinsicht scheint es nun aber wieder einmal in Berlin stark zu hapern, und wenn die Eigenbrödelei einzelner Vereine nicht bald zu Gunsten der notwendigen Gemeinschaftsarbeit ein Ende nimmt, wird man darüber deutlicher reden müssen. Ein lehrreicher Prozeß.. Der Fall Haas, der dieser Tage vor dem Frankfurter Schwurgericht seinen Abschluß fand, ist weit über seine lokale Bedeutung hinaus lehrreich für die derzeitige Situation wie für die Psyche der einmal, zur Herrschaft gekommenen Gasse. „Man zieht gegen die Hakenkreuzler und holt den Jud heraus!" Das ist der einzige einheitliche Zug, der aus all den. widersprechenden Zeugenaussagen, aus dem Meinungsstreit der Advokaten und aus dem ganzen bunten Gang der wochenlangen Verhandlung hervorsticht. Die Strafen, die die einzelnen Angeklagten zudiktiert erhielten, ist für uns nicht von Belang. Interessieren mutz uns nur das Motiv ihrer bestialischen Tat, der ein unbescholtener Mann und treuer Diener des Staates auf entsetzlich" tragische Art zum Opfer gefallen ist. Fast alle Angeschuldigten gehören der Kommunistischen Partei an. Die Demonstration aus dem Römerberg, von der das Unheil seinen Ausgang nahm, war von den vereinigten unabhängigen Sozialdemokraten und Kommunisten veranstaltet, alle Leiter und Ordner waren Kommunisten und die Parole hieß: „Gegen den Fascismus!" Das hinderte aber nicht, daß man in den Palmengarten eindrang, um „die Juden herauszuholen," daß man in ein friedliches Haus einbrach, um mit Stock und Dolch einem Menschen das Lebenslicht auszulöschen, den man fälschlich für einen Juden hielt. Daß das die Führer der Parteien wollten, möchte man nicht behaupten, daß sie aber absolut keine Macht haben über die Menschen, die sie auf die Straße führen, und daß dieses gedankenlose Instrument, Masse genannt, je nachdem wie es von Hetzern und Provokateuren gehandhabt wird, sich nach einer Richtung entladen kann, an die die Veranstalter nicht gedacht haben, dürfte ihnen und allen der Fall Haas klar bewiesen haben. Auch wir sollten daraus lernen, daß weder von rechts noch von links uns das Heil winkt, d’atw mR hx RhR ym-rb uV j’K* Elia. Kirr prophetisches Kharakteröttd nach Möek, Talmud und Midrasch. Von Oberrabbiner Dr. Adolf Mmann in Hrier. (Schluß.) III. Wenn man die Summe des Lebenswerkes Elijahus betrachten will, so gilt es, das nach zwei Seiten hin zu tun: Es gilt zu sehen, was er nicht hat erreichen können und was er ja erreicht hat. Nichts oder nur sehr wenig hat er zu erreichen vermocht bei den Alten und alles, oder zumindest sehr viel hat er erreicht bei den Jungen. Den ins Wanken geratenen Eottgedanken hat er bei den Alten durch Schrecken und Wunder wach zu rütteln gesucht, der Jugend aber hat er ihn beigebracht durch Begeisterung. Die alten, im Irrwahn des Götzentums dahin dämmernden Herzen waren für die Flamme seiner Begeisterung unempfänglich. Sie mußten durch das Außergewöhnliche, durch bas Wunder, durch Not und Elend, durch Angst und Tod, durch Bangen und Beben, wenigstens in Spannung gehalten werden. Nicht so die Jungen. Auf die Jugend vermochte der selbstlose, für Gott und Wahrheit glühende Mann des Eifers auch ohne den Aufwand von Schreckensmitteln zu wirken. Seine Persönlichkeit an sich wirkte schon wie suggestiv aus die jungen begeisterungsfähigen Herzen. So war es auch, als Gott ihm, nach dem Vorgang am Horeb sagte: „Gehe hin. salbe den Elisa, den Sohn Schaphats, von Abel Mecholah zum Propheten an deiner statt." Und als er hinging und Elisa beim Pflügen mit den Rindern fand, da warf er böse seinen Mantel auf ihn und brachte ihn in seinen Bann. Elisa verließ die Rinder, lief Elia nach und sprach: „Laß mich noch küssen meinen Vater und meine Mutter, bann will Jugend nichts übrig als völlige Abkehr von Chochmath jevanith, das ist griechischer Kunstoergötterung und Beschränkung des öv nini-Prinzips aus Thora und ernst forschende Wissenschaft. Auch vor den Tiraden des Rasfejudentums rettet uns nichts als diese makkabäische Einschränkung. 4. Zum Schluß einige praktische Vorschläge. Keine Zeit ist so wie die jetzige zum Sparen geneigt. . Da mutz aller „Götzendienst mitsamt der Wurzel" verdorren. Da muß für „künstlerische" Assimilation des Gottesdienstes z. B. einfach kein Geld da sein. Ebesowenig für künstlerische, womöglich noch plastische Ausbildung der Heranwachsenden. Um so ernster sollte, was sich billig genug bewerkstelligen läßt, die Jugend in diejenigen Griechen eingesührt werden, welche mit der Kraft und Weite ihres Geistes die Götter der verschönerten Unmoral verachten und den wahren Weltengeist ahnen gelehrt haben. In den Schriften so ich er Griechen verliert kein Jude seine Glaubenstreue. „Einst wird die Erde voll sein der Gotteserkenntnis, wie Wasser das Meer bedeckt." Wie bedeckt das Wasser den zerklüfteten Meeresboden? So gründlich, so eben, daß du dort, wo das Meer am tiefsten ist, gespiegelt siehst — den Himmel und dich. So kann uns auch griechisches Denken heimische Gedanken spiegeln, Gott und uns, — aber nur dort, wo es am tiefsten. Darun sei die Losung: Nicht JVPimu) 'im, sondern griechisches Denken! Die Regenbitte <rto. Während im heiligen Lande die Regenbitte bereits am 7. Marcheschwan in unser tägliches Gebet ein ge- ( schaltet wird, vollzieht sich dies bei uns regelmäßig erst am 6. Dezember. Die Berechnung dieses Termins' geschieht derart, daß immer 8 Wochen seit der T'tufath Tischri, d. h.. 56 Tage verstrichen sein müssen, worauf dann am vierten Tag der folgenden Woche die nimv zu erfolgen hat. Sie fällt also immer 4 Wochentage später, als J>er Tag, an welchem seinerzeit die T'kufath Tischri siel. Das Frankfurter Minhagbuch pm «joy» gibt hierfür ein Zahlenmerkwort: psn p nni d. h. war die T'kufath Tischri am Sonntag, ist die nbrw am Mittwoch, war solche am Montag, ist die nime? am Donnerstag ufw., es liegen also immer drei Tage zwischen T'kusa und Schaaloh. In der Praxis wird, da unsere Sabbate und Festtage immer mit dem Abend beginnen und nur das Abendgebet naturgemäß immer vorangeht, nach Ablauf des 59 ten Tages die Regenbitte eingeschaltet. Auch hierfür gibt es ein prachtvolles Zahlenwort: vna« Vt» inn d. h. in freier Uebersetzung: nach Ablauf von bv3 (39 an Zahlenwert) ertöne meine Rede — das Tallgebet. Da der jetzige Gregorianische Kalender erst 1700 im protestantischen Deutschland eingesührt wurde, fiel in früheren' Jahrhunderten die Schaaloh auf den 22. November, und bringt der Maharill dafür das Merkwort: 7*13» (22) 73. Es ist schon. oft die Frage aufgeworfen worden, warum die Formel uvin -i'nivi ni->n 3'vv bereits am letzten Tag Sukkot, und die Schaaloh erst viel später eingeschaltet wird. Der Vopan bv3 gibt dafür die Erklärung, daß bei dem Wechsel der Jahreszeiten, also am Ausgange des Sukkotfestes eine Huldigung Gottes am Platze sei, hingegen die Bitte um Regen erst, wenn wir seiner bedürfen, da ein Uebermaß an Regen das Gegenteil von Segen sein kann. Deshalb ist es begreiflich, daß in Erez Jisroel, woi.. bekanntlich meistens Regenmangel herrscht, bereits so früh mit der Regenbitte begonnen wird, bei uns hingegen bis zu einem späteren Termin gewartet wird. (Eine neue Spur der zehn Stämme?) Eine englische Dame, E. A. G o r d o n, veröffentlicht Mitteilungen über neue Spuren der zehn Stämme, die sie in Japan entdeckt haben will. Im Distrikt Pamato sind zwei alte Dörfer, die den Namen „Goschen" und „ M e n a s ch e " führen. Im Jahre 471 errichtete der Stamm „ C h a d a" einen Tempel in Japan, der noch heute „Davids Zelt" heißt. Prof. Laki identifiziert das Wort „Chada" mit David. Dort befindet sich auf einer Mauer das Wort „Israel". Der Stamm sei aus Korea gekommen und hatte dort eine eigene Hochschule unter dem Namen I pul an. Nach Pros. Anaseki ist Jpulan in japanischer Aussprache gleichbedeutend mit „ E p h r a i m ". Dieser Name finde sich auch auf einem alten Denkstein. Sabbat-Anfang und -Ausgang. Ort: Anfang Uhr!Min. 1923 | itum 5684 Uhr sg. Min. Frankfurt a. M. 4 — 1. 23. 5 15 Berlin .... — — Dez. Kislew - — München . . . 4 30 5 08 Köln. 4 20 5 20 Stuttgart . . . 4 15 5 16 Breslau.... 4 10 4 40 Nürnberg . . . 4 10 5 05 Hamburg . . . 4 - 5 T-