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Der Israelit · 1923-11-15 · Heft 46 (15.11.1923) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 46 (15.11.1923)
Date
1923-11-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nr. 46 13. November 1923 Interessant ist die Sorge des Artitelschreibers um etwaige Kompetenzkonflikte des Rabbinischen Rates. Das mag getrost der Zukunft überlassen werden. Es ist nicht die erste rabbinische Vereinigung in der jüdischen Geschichte, wenn auch wohl die umfassendste seit dem Altertum, und man darf eine immer größere Bedeutsamkeit erhoffen. Es ist nämlich nicht zu vergessen, daß der Einwand von der Richtangehörigkeit „sehr bedeutender rabbinischer Autoritäten" aus der Nähe besehen, nicht besonders stichfest ist. Denn von den wichtigsten Namen fehlt keiner, und eine gewisse chassidische Autorität steht mit wohlwollender Jnaktivität vorläufig noch zur Seite — aber zur rechten, wohlgemerkt. „Ueberhaupt hätte man lieber gesehen, die Agudah wäre politischen Fragen fern geblieben." Ach, freilich sähe man's gerne, wenn man ungestört weiter Führer bleiben könnte. Wo soll das denn hinführen, wenn diese große, fremde Masse selbständig sein will?' Soll man gar ein bloßes Anhängsel dieser fremdartigen Welt werden, hinter Leute mit langem Rock, langem Bart und langen Pejes zurücktreten müssen, sie nicht mehr von der Höhe des eigenen Geistes herab (die allerdings in Wirklichkeit nur ein elendes Sandhäufchen zwischen Europa und Juda ist) regieren dürfen?! Hoffentlich wird die Agudo, ungerührt von diesen Seelenkämpfen und unbekümmert um den Rat, „sich mehr kulturellen Bestrebungen zu widmen", den Weg der Thora gehen, die allem, was Juden betrifft, Mittelpunkt ist, auch der „Politik", und nicht nur der „Kultur" und der Caritas. Aus der Bewegung. Halberstadt, 3. Kislew. Die drei Stellen, an denen in Halberstadt das Das jaumi gelernt wird, versammelten heute ihre Teilnehmer zum sestlichen Sium aus Masseches Brochaus. In den Reden beim Eastmahl wurde aller gleichbeslissenen Brüder aus dem Erdenrund freudig gedacht. Wien. (A. I. P. B.) Die unter dem Titel „Die Stellungnahme des Chosez Chajim zu den Gegnern von Oberrabb. Kuk" vom Jerusalemer „Kol Jakob" in seiner Nummer 43 verössentlichte und von der Jüdischen Presse-Zentrale Zürich übernommene Nachricht von einer Disserenz zwischen dem Chosez Chajim und einigen Mitgliedern des Rabbinischen Rates ist glatt erfunden und als häßliches, taktisches Propagandamätzchen zu werten. Der Chosez Chajim hat den in diesen Zeitungen zitierten Ausspruch nie getan und zu dem Vorschläge des Rabbinischen Rates für ein Bes Din in der Sache der askenasischen Gemeinde in Jerusalem sein vollständiges Einverständnis kundgegeben. Zu den sich in der letzten Zeit mehrenden, rüden und hinterlistigen Ausfällen der misrachistischen Presse gegen „Agudas Jisroel" wird die Tatsache in Erinnerung gebracht, daß die amerikanische Rabbinerdelegation aus der Kenessio Eedaulo versprochen hatte, den Misrachi zu beeinflussen, jedwede häßliche Polemik zu unterlassen. Der amerikanische Rabbinerverband scheint seine Beeinslussungsmöglichkeit gegenüber Misrachi zu überschätzen. Wien. (A. I. P. B.) Samstag, den 24. Marcheschwan fand im Saale der Talmud Thora in Wien die Gründung des Verbandes der Orthodoxen Bethausvereine Wiens statt. Der Zweck des Verbandes ist die Wahrung der Interessen der Wiener Orthodoxie. Der Verband, dem der größte Teil der orthodoxen Bethausvereine angehört, hat sich der Forderung der orthodoxen Vertreter im Kultusoorstand nach der formellen Anerkennung der Selbständigkeit der orthodoxen Gemeinde in, Wien angeschlossen. Wien. (A. I. P. B.) Kindertransporte aus Deutschland. Die vom Jüdischen Hilfswerk der Agudas Jisroel geschaffene Aktion zur Uebernahme von Kindern aus Deutschland durch orthodoxe, jüdische Familien im Auslande, hat bereits große Erfolge erzielt. Zwei Kindertransporte sind bereits in Wien angelangt und die Kinder wurden bestens untergebracht. Nicht nur in Wien, sondern auch aus der ganzen österreichischen Provinz und dem Burgenlande laufen fortwährend Anmeldungen von Kindern an das Sekretariat des Jüdischen Hilfswerkes in Wien ein. Der Israelit Die kleine jüdisch-orthodore Gemeinde in F i u m e, I hältnisse betreffen, hob der Referent deren friedvollen die kaum mehr als 50 Seelen zählt, hat sich bereit! Charakter hervor, wobei er darauf hinwies, daß alle erklärt, 50 Kinder zu übernehmen. Beschlüsse nur mit Zustimmung des Rabbinischen Rates Bafel. Am Ausgange des Festes, am Schmini Azeres, überreichte die Ortsgruppe der Agudas Jisroel Basel ihren Freunden eine herrliche Festesgabe in Form eines äußerst geistreichen und anregenden Vortrags des Herrn B o t s ch k o -Montreux. Präsident Herr N. Sternbuch eröfsnete die Versammlung mit einer warmen Ansprache, in der er aus das große Ereignis der jüdischen Welt, die Kenessio hagdaulo, hinwies, die er in markiger Sprache und sehr temperamentvoller Weise als die größte Begebenheit seit der Zerstörung des zweiten Tempels feierte, und von der er sich eine neue Aera der jüdischen Geschichte verspricht. Hieraus erteilte er Herrn Botschko das Wort zu seinem Referate: „Die Kenessio Gedaulo in ihrer geschichtlichen Bedeutung. Er überbrachte den Baslern als ihr Vertreter an der Kenessio den Gruß der Versammlung der Großen des jüdischen Volkes. Die Bedeutung dieser Versammlung erblickt der Redner keineswegs in der von ihr gefaßten, auf das materielle Wohl des jüdischen Volkes gerichteten Beschlüsse, vielmehr in der äußerst machtvollen Kundgebung des unverwüstlichen, jugendlichkräftigen Lebenswillens der Orthodoxie, die nunmehr entschieden gewillt ist, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und der Wahrung ihrer heiligsten Güter, der Pflege und Reinerhaltung des echtjüdischen Geistes, ihr vornehmstes Augenmerk zu schenken. Und so waren es in erster Reihe geistige Interessen, die im Vordergrund der Beratungen standen und der Versammlung ihr Gepräge verliehen. Von den Geistesgrößen unseres Volkes entwarf der Vortragende Charakterbilder von so großer Treue und plastisch lebendiger Anschauung, daß man sich in die geistige Nähe dieser Heroen versetzt glaubte. Mit Meisterhand entwarf der Redner in großen Umrissen ein Bild der kulturgeschichtlichen Perioden unseres Volkes, die einen steten Kampf des jüdischen Geistes gegen die jeweiligen Zeitströmungen bilden und den Sieg des ersteren über die letzteren. Indem Agudas Jisroel für die Reinheit des alten jüdischen Geistes und gegen dessen Trübung durch moderne Zeitströmungen eintritt, bildet sie die natürliche Fortsetzung des historischen Judentums und den Träger seines Ideengehalts. In der abermaligen Jntronisierung des ewigjungen Geistes von liegt für den Redner die wahre Bedeutung der Kenessio. So haben die großen Männer dieser Versammlung die Renaissance des alten jüdischen Geistes angebahnt und haben daher mit den Männern der einstigen Kneses hagdaulo das Verdienst gemein, daß sie wie jene „schehachsiru hoatoro ljauschnoh, der alten Krone wiederum den Glanz verliehen haben. Unter diesem geistigen Gesichtswinkel wurde alle Arbeit der Kenessio betrachtet, heiße diese Golus- oder Erez Jisroel-Arbeit. Demgemäß ist Palästina nicht des Bodens, sondern des Gesetzes, der Thora wegen erstrebenswert. Mit der Thora im Arme haben wir das Golus durchwandert, mit ihr müssen wir den Einzug ins Land halten. Ms Gesetzesvolk ins Gesetzesland. Bei alldem ist der Friedenswille bei der Aguda groß, stark das Einheitsbestreben, leicht erkaufbar der Friede und die Zusammenarbeit mit ihr, doch nur unter Anerkennung der ihr heiligen Prinzipien. — Der Dortrag, der eine ungeheure Fülle herrlicher Gedanken enthielt, die sich harmonisch aneinanderreihten, glich einer großen Perlenkette, einer homiletischen Blütenlese aus den prächtigen Gefilden von Midrasch und Agada. Der Redner gab sein Bestes, weil Innerstes. Vom edlen Feuer der Begeisterung getragen, riß er seine Hörer mit empor zu ungewohnten Höhen und entfachte in mancher Brust erlöschende Funken zu lodernder Flamme. Liebe zur Thora und Verehrung für ihre Träger, gepaart mit Bewunderung für den Redner waren die Gefühle, in denen die Hörer den Saal verließen. In dieser weihevollen Stimmung begrüßte man das Thorafest und fang begeistert: min NNV2N irW) WW- L. Zürich, 13. Okt. Die Ortsgruppe Zürich der Agudas Jisroel hatte am letzten Samstag Abend eine öffentliche Versammlung einberufen, in welcher die drei Züricher Herren, welche in Wien bei der Kenessio Gedaulo zugegen waren, Bericht erstatteten. Das eigentliche Referat hielt Herr Dr. L e w e n st e i n, der in einem mehr als einstündigen gehaltvollen Vortrag eine Uebersicht über die Ergebnisse des Wiener Kongresses gab. Er berichtete von den Beratungen, die sich auf die Innen-, und denen, die sich aus die Außenarbeit bezogen. Von der Jnnenarbeit sei besonders wertvoll die Schaffung des Keren Hathauroh, welcher namentlich bestimmt ist, der Erhaltung der großen Jeschiwoth des Ostens zu dienen. Für Erez Israel wurde ein Budget von 63 000 Pfd. St. aufgestellt, wovon 50 000 Pfd. wirtschaftlichen Zwecken dienen sollen. Es soll vornehmlich eine Landsiedlung auf dem Boden des alten Bne Berak errichtet werden, wo sich zugleich eine Jeschiwoh befindet. Ueberhaupt soll das Schulwesen in Palästina gefördert werden. Danach wurde das Auftreten des Lodzer Arbeiterführers Silberstein erwähnt, welcher die jüdischen Arbeitgeber zur Anstellung von Arbeitern, die den Sabbat halten wollen, aufrief. Uebergehend zu - den Beschlüssen, welche die Außenverzustande kommen konnten. Danach soll von Seiten der Aguda jeder Kamps gegen den Misrachi eingestellt werden, und der Misrachi soll eben dazu eingeladen werden. Alle Polemik, namentlich in Zeitungen, solle aufhören. Der Streit zwischen den Jerusalemer Rabbinern Kuck und Sonnenfeld solle einem Beth Din vorgelegt werden. Zusammenarbeit mit den Zionisten solle stattfinden können, soweit eine Majorisierung in Angelegenheiten ausgeschlossen sei, bei denen Thoravorschriften in Betracht kommen. Mit dem Misrachi sei, solange er ein Teil der Zionistischen Organisation ist, eine eigentlich fraktionelle Zusammenarbeit nicht möglich; doch könne jeder Misrachist Mitglied der Aguda werden, nur in oberste Körperschaften der Aguda könne er unter den derzeitigen Verhältnissen nicht eintreten. Anknüpfend an ein Wort des Sejmdeputierten Kirschbraun erklärte der Redner, daß es jetzt eine Organisation der jüdischen Orthodoxie, und daß es damit jetzt zwei Organisationen des jüdischen Volkes gebe, von denen auch die Agudas Jisroel gehört zu werden beanspruche. Nach Herrn Dr. Lewenstein eröffnete Herr Joseph Rothschild, der Vorsitzende der Ortsgruppe, die Diskussion, wobei er daraus hinwies, daß auch in der Schweiz die Erez Israel-Arbeit in Form der Rausch- Chaudesch-Spende, des Chaluzimfonds und -er Palästinazentrale nunmehr lebhaft ausgenommen - werden solle, daß jedoch Erez Israel nicht das Gesamtprogramm, der Aguda bedeute, sondern nur einen Punkt. Herr A. I. Rom begrüßte die friedfertigen Beschlüsse der Aguda. Er bemängelte, daß die Toleranz gegenüber dem Misrachi im Statut begrenzt sei. Misrachi und Aguda sollten in Erez Israel jeder für sich arbeiten; in den praktischen Ergebnissen würden sie sich dann alsbald die Hand reichen. Es erwiderten ihm die Herren W e i n st e i n und Ch. E i ß. Danach berichtete Herr A. W. Rosenzweig, ebenfalls Delegierter der Kenessio Gedaulo, über einzelne bedeutende Aussprüche des Chofez Chajim- und über das Hilfswerk der Agudas Jisroel, namentlich über die mit Schweizer Geld errichteten Kriegswaisenhäuser in Baden bei Wien, von denen das erste 50 Kinder beherberge, die dort körperlich und geistig in bester Weise aufgezogen würden, während. das zweite 100 Vollwaisen, namentlich Mädchen, aufnehmen werde. Nachdem ' noch die Herren R a p p a - Port und Lieber das Wort ergriffen hatten, endete die Versammlung mit einer Schlußrede Dr. Lewenst e i n s. Jaffa. (A. I. P. B.) Hier wurde eine Jugendorganisation der Agudas Jisroel, deren Mitgliederzahl von Tag zu Tag im Wachsen ist gegründet. Der Arbeitsplan der Jugendgruppe umfaßt die Arbeiten für den Jischuw und das Thorastudium. Bratislava. (A. I. P. B.) Der Aufruf der orthodoxen Landeskanzlei und des Präsidiums der Landesorganisation der Agudas Jisroel in der Slovakei für Deutschland hat im ganzen Lande ein starkes Echo hervorgerufen. Bis nun wurden aus der Slovakei einige hundert Lebensmittelpakete nach Deutschland geschickt. Ebenso wurde die Uebernahme eines größeren Kindertransportes der Zentrale des Jüdischen Hilsswerkes angemeldet. Für den kommenden Samstag wird im ganzen Lande eine großzügige Propaganda für die notleidenden Juden in Deuetschland vorbereitet. Jerusalem. (A. I. P. B.) Unter Beihilfe der Agudas Jisroel . wurde im Stadtteile Giwas Schoul ein Cheder für Knaben und eine Mädchenschule eröffnet. Uorrespontlenren « Nachrichten. Deutsches Aeich. Die Berliner Ausschreitungen. y*’ Berlin, 10. Nov. . Die Ausschreitungen der vorigen Woche lassen sich nun in ihrer ganzen Tragweite und ihren Konsequenzen

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