Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 64 (1923)
- Issue
- Heft 46 (15.11.1923)
- Date
- 1923-11-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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15. November 1923 Der Israelit Nr. 46 Seite 3 mit jüdischem Auge gesehen, das Charakteristikum eines 03 deutlich aufprägen. "2002 ]1227 IWT 2122" lautet schon in der heiligen Thora die Mahnung zur Chronistenpflicht, wenn Hatz und Tücke unser Dasein bedrohten, und in rv>3?n. nb’io schufen die Weisen der Talmudzeit dankerfüllt ein Verzeichnis all jener Tage, an denen Gottes Waltung wunderbar über sein Volk wachte. Wir in Bayern haben allen Grund, heute auszurufen: nin pn 03 16 aw® *p22» Schon seit Wochen bemerkte man in Bayern, nachdem v. Kahr seines Amtes als Staatskommissar mit diktatorischer Gewalt waltete,eine besonders rege Tätigkeit der vaterländischen Verbände. Auch auf den kleinsten Plätzen rückten Iungens, oft nur 16—17 Jahre alt, zu Schietzübungen aus. Es war die Vorbereitung auf den 9. November, den Tag der Abrechnung mit den „Novemberverbrechen", insbesondere den Juden. Er sollte das Werk der Verhetzung krönen, die in matzloser Weise in den letzten Jahren unter den Augen der Behörden, ja mit ihrer direkten Begünstigung betrieben wurde. Wie in Mordechais Tagen kam die Gewitterwolke von den breiten Massen wenig bemerkt heraufgezogen, n»yj 2»8 ns sn» »2222V Nur wenige ahnten die akute Gefahr. Eigentlich in letzter Stunde erfuhr man von der Kahrversammlung für den Abend des 9. November, der mit einer Proklamation gegen den Marxismus ausgefüllt sein sollte. Und wie pn in der Nacht die Schritte zum Könige lenkte, um das Letzte zu versuchen, den tödlich gehabten »2222 an den Galgen zu bringen, so traten plötzlich Hitler, Ludendorff mit ihren bewaffneten Banden in den von Tausenden besetzten Saal und erzwangen von Kahr das Einverständnis mit der auszurufenden „nationalen Republik". Alles war aufs feinste eingefädelt. Auf den Stratzen harrten die „vaterländischen Stotz- und Sturmtrupps" ihrer Befehle und drinnen brauste stürmische ' Zustimmung dem Fliegerhauptmann Eöhring entgegen, als er in den Saal rief: „Die nationale Republik richtet sich nicht gegen die Polizei, die jetzt schon aus den Kasernen anmarschieren, sie richtet sich ausschließlich gegen die Berliner Judenregierung." Und immer höher gingen die Wogen der Begeisterung, die Hoch- und Heilrufe, als Hitler, Ludendorff General von Lossow, Polizeipräsident Poehner in die gleiche Kerbe schlugen. Was uns Juden bevorstand, zeigt aber am besten der blutrünstige Anschlag mit folgender Bekanntmachung: „Nationales Gerichtstribunal! ZurAburteilung derjenigen Verbrecher, die den Be st and des Volkes und des Staates zu gefährden geeignet sind, wird hiermit ein nationales Staatstribunal als ober st er Ger ich ts Hof gebildet. Die Rechtsprechung dieses Tribunals erstreckt sich auf Schuldig oder Nichtschuldig. Nichtschuldig gibt Freispruch, Schuldig den Tod. Die Urteile werden binnen 3 Stunden nach ihrer Aussprechung vollzogen. Revision findet nicht statt." Nun sei daran erinnert, datz.die Nationalsozialisten längst „schwarze Listen" für die Juden hatten und der Leser mag sich ausmalen, wenn >6»i vn obiger Erlatz, dem wir vogelfrei und machtlos ausgeliefert waren, in die Praxis umgesetzt worden wäre, *72*61 112,2^1 Tawrrt». Wie wäre es gewesen, wenn v. Kahr nicht noch in der Nacht den Umschulung herbeigeführt, wenn er die Kaserne des 19. Infanterieregiments nicht erreicht, wenn die Truppen versagt oder die Nationalisten vom' Funkspruch Kunde erhalten hätten? Alles hing an einem Augenblick und wir verstehen jetzt den Sinn der Bitte:'»i?b2i 1228»?122 nar»2 Hilf uns gegen die Bosheit im Augenblicke! Während man am Freitag, den 9. November, injüdischen Häusern die Vorbereitungen auf den »2p 22» traf oder vielleicht der n"2-Freude entsprechend sich widmete, wäre vielleicht matzloses Unglück und namenloser Schmerz über einen grotzen Teil der bayerischen Juden i"n hereingebrochen gewesen. Der b82»'221» wachte! Ludendorff sollte Führer und Chef der Nationalregierung werden mit diktatorischer Gewalt. Oberst v. Seisser hätte Deutschland von jenen Elementen zu säubern, „die uns ins Unglück gebracht." Hitler rief der Menge zu: „Ich selbst will jetzt und in den kommenden Wochen und Monaten das erfüllen, was ich mir gelobt: nicht zu ruhen und zu rasten, bis die Verbrecher des November 1918 zu Boden geworfen sind." Jubel und rasender Beifall Händeklatschen und Heilrufe. Welche Wendung durch des Allmächtigen Fügung! Welch jäher Sturz von stolzer Höhe zur tiefsten Tiefe! Hitler in Nacht und Nebel auf der Flucht, Ludendorff, der Beleidiger der jüdischen Frontsoldaten, der Kläger gegen den Zentralverein, der General der Sturmiruppen auf den „deutschen Tagen" in München, Nürnberg, Bamberg etc. als Staatsverbrecher gefangen, geächtet. ^2,2 na» rrna sinn .*662 des Königs Schlaf wich in jener Nacht. c6iy hü 12^2' der Schlaf des Weltenkönigs, meinen sinnig die Weisen. Während du, bayerischer Glaubensbruder, bayerische Glaubensschwester, ahnungslos im Schlummer lagst, flogen unsichtbar hoch oben am nächt- Kleines Feuilleton. Eine falsch verstandene Talmudstelle. Zn meiner Notiz in Nr. 42. „Eine falsch verstandene Talmudstelle". möchte ich noch folgendes nachtragen: , Das Wort 212*72 in dem vorhergehenden Satze: *n 82» 212^2 '»'2 21»8 2218 ini '22, vergl. auch T"a ‘Ö .222 2»»822, ist nach 1"V 2"2 2py» 1'? und n"Q ,2did '2b»i2' in 22^2 zu emendieren. Sonach bezieht stch der Ausspruch von rjaru Vsi2» '2 11221*» 2“8 (der übrigens im Jeruschalmi fehlt) nicht allein aus das Targum, sondern besonders auch auf pa '2- Hieraus erklärt es sich wohl auch, daß Jeruschalmi a. a. O. merkwürdigerweise y*2 b8l2» '2 par 2"8 ]ana als Autor des Wortes mw ''n 82» noVa angibt. Es entstand dies durch eine Verwechslung des Erklärers mit dem Autor. Meine dort zuletzt hingeworfene Bemerkung, daß vielleicht im Texte selbst das Wort rD*?a vorgekommen fein mag, ist somit hinfällig. Hochachtungsvoll Rabb. Dr. Winkler-Kopenhagen. II. . Nach der Niederschrift obiger Zeilen kommt nur eine anonyme Kritik aus der misrachistischen »Iüd. Wochenschrift" zu Gesicht, aus die ich ihres gehässigen Tones wegen nicht näher eingehen will. Nur darin mutz ich dem Kritiker recht geben: daß ich den Schlußsatz in meiner Notiz nicht hätte niederschreiben sollen. — Die so umständlichen Angaben des Targums einerseits, so wie die Tatsache anderseits, daß gleich auf der nächsten Seite im Talmud l"o 2"2 so manche Zitate aus Hiob mit abweichenden Lesarten Vorkommen, haben mich im ersten Augenblick zu der naa»2 entglittenen Vermutung verleitet. Doch er hat recht irr>6? *po6 8*?2 I2n. D. O. Sabbat-Anfang und -Ansgang. Ort: Änfang Uhr iMin. Datum 1923 I 6684 ÄU! Uhr sg. Frankfurt a. M. 4 15 17. 9. 5 30 Berlin .... — — Nov. Kislew München ... 4 30 5 17 Köln. 4 30 5 30 Stuttgart . . . 4 30 5 24 Breslau.... 4 20 4 50 Nürnberg . . . 4 15 6 14 Hamburg . . . 4 10 5 08 lichen Himmel die rettenden Funken nach allen Seiten. Haltest du dein via» 8b nan im Xiadit* gebet mit Verständnis gesprochen? War dir in der Abendandacht die Bedeutung der Worte klar: ownyn ^2 *pö labsiin, oder ia»oa v»n- oder 1122 j?rn T>2 6811 und b82»' 12? 221»? Weißt du jetzt, warum wir in &*»2ia danken 132? 21*622» •foatyi?£at Israel je ohne Wunder gelebt, sich erhalten gegen erdrückende Uebermacht der Feinde? Denke daran, denke und danke! Und gerade ein Kahr sollte für die Rettungsaufgabe bestimmt sein! Die bayerische Regierung ist gewiß über dem Verdacht erhaben, eine „Iudenregierung" zu sein. Sie hat sich auch für den verbissensten Nationalsozialisten und Deutschvölkischen von diesem Verdachte gereinigt. ,2211617 2i' rufen wir nachträglich und sehen wieder einmal wie in Esthers Tagen unsere menschliche Kurzsichtigkeit. H872 ny*? 28 $m» *»21 2162b 2?in- War es göttliche Fügung, datz eine derart politisch eingestellte Regierung die momodernen Hamans stürzen sollte? .222.2 ^1221 ,2'v2 jp22, der Allwissende vermag aus der Krankheit selbst das heilsame Pflaster zu bereiten. Wahrlich, wir konnten bisher dem Kahrregime keinerlei Sympathie entgegenbringen. Die schmerzlichsten Erfahrungen der jüngsten Wochen sind noch in aller und in allzufrischer Erinnerung. Allein jüdische Dankbarkeit weiß auch einem (Lharbona, der als Werkzeug Gottes nur mit wenigen Worten in den Gang der Ereignisse eingrifs, den Zoll des Dankes zu reichen. 212^> 2i2T .21122N 21* Bayerns Juden wissen auch einem Kahr aufrichtigen Dank für seine starke Hand und weise Staatskunst in ernster Prüfungsstunde für ihn selbst. Ja sie vertrauen, datz er die giftgeschwängerte Atmosphäre im Lande weiter reinigen wird. Der Horizont ist noch nicht klar. Bayern, der Herd der deutschvölkischen Hetze und Umsturzbewegung mutz mit gutem Beispiel vorangehen, dann wird sich die Wirkung in den andern Ländern noch stärker zeihen. Je kräftiger man dem wahnwitzigen Judenhaß entgegentritt, umso besser für Deutschlands Heil und Gesundung im Innern, für unser Ansehen nach außen. In früheren Zeiten pflegte man die Errettung aus schweren Verhängnissen durch Einführung einer Purimfeier zu geschichtlich zu verankern. Solche Purimgedenktage sind in Rußland, Polen, Ungarn etc. mehrfach bekannt. In Deutschland weiß man durch das Luach noch vom Frankfurter ll'2io. dem sogenannten Vinzenz-Purim am 20. Adar. Wir haben auch ein 03 erlebt, ein 03 in optima forma und es fragt sich, ob man die Tragweite desselben, 23 b» lopiiv nicht durch irgend einen fip2 festhalten sollte. Sind wir recht berichtet, so haben mehrere Rabbinatsbezirke Bayerns den N"2 22? 602 jüngst zu einem Gemeindefasttag bestimmt. Vielleicht wäre das ein Fingerzeig. Mögen die berufenen Führer hierzu Stellung nehmen. Möge zu derartigen Erwägungen nie mehr Anlatz gegeben fein, .622 f»?2 62 n?»2.2 b2v Nlögen alle 2l»p 21271 ferne bleiben.- nn2»i .2218 .vn* 2*>2in6 2p'l fl»»l. Für Alle, die ihren Kindern den Sabbat bewahren »vollen . . . von Rabbiner Ir. <K. Aeurvirty in Kakbcrstadt. (Schluß.) Die katholische Jugend hat ihren Sonntag.' mit aller Kraft und Macht würde sich die katholische Kirche gegen einen Sonntagsschulbesuch wehren. In Aller Erinnerung ist es noch, wie die Katholiken Deutschlands gegen einen ministeriellen Beschluß in Sachsen, wonach die katholischen Kinder an bestimmten Feiertagen — nicht an Sonntagen und nicht an den Hauptfeiertagen — die Schule besuchen