Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 64 (1923)
- Issue
- Heft 45 (8.11.1923)
- Date
- 1923-11-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Nr. 45 Der Israelit 8- November 1923 C. Erez Iisroel: I. Thora und Chisuk Hadaß. 1. Ms ein hochbedeuiendes Ereignis ist die Tatsache zu verzeichnen, daß die bisher unter misrachistischer Leitung befindliche Schule Nezach Iisroel in Pethach Tikwa, welche 400 Binder umfaßt, auf Wunsch der Eltern der Agudas Iisroel übergeben wurde. Die monatliche Kosten von 105 Lstr. werden zu 23 von der Kolonie selbst bezahlt, ein Drittel hat die Agudas Iisroel übernommen. Die Tatsache, daß das Protektorat dem verehrten Vorsitzenden der palästinensischen Landesorganisation, Herrn Oberrabbiner Sonnenseld, übertragen wurde, bürgt für den traditionell religiösen Charakter des Lehrprogramms. 2. Da unsere Mädchenschule in Jerusalem dringend einer Erweiterung bedurfte, wurde der monatliche Zuschuß derselben verdreifacht. 3. Leider waren wir bisher nicht in der Lage, Zuschüsse für die Jeschiwas Zion in Jerusalem und für die von Herrn Rabbiner Kliers für Tiberias dringend gewünschte Mädchenschule zu bewilligen, doch ist zu hoffen, daß unsere Landesorganisationen sich nicht länger der Einsicht verschließen werdeu, daß das Recht zum materiellen Ausbau Erez Iisroel, Agudas Iisroel erst dann zusteht, wenn mit Opferwilligkeit und Begeisterung auch die Schulen und sonstigen Thorainstitutionen, sowohl im alten, wie im neuen Jischuw, mit reichlichen monatlichen Zuschüssen unterstützt werden. Erst dann wird es uns möglich sein, die dringenden Forderungen der Kolonisten für Schechita, Mikwa, Bothe Kenessioth zu befriedigen. 4. Der Keren Haschmitta erfreut sich weiterhin reichlicher Subventionen und wird nach den Wünschen der Landesorganisationen, vor allem für Darlehen an gesetzestreuen Kolonisten, welche das Schmrttajahr halten, verwendet. II. Bodenkauf, Häuserbau und Industrie. 1. Die Palästina-Zentrale der Agudas Iisroel hat nach der Kenessio Eedaulo zunächst 100 Dunam Boden gekauft, der Dunam mit 7 Lstr. u. zw. in Bnai Brak zwischen Jaffa und Petach Tikwa. Es stehen uns weiterhin 500 Dunam zum Preise von je 9 Lstr. zur Verfügung. Es ist beabsichtigt, auf diesem Gelände eine Agudasiedlung >zu erbauen und das Land in Parzellen von etwa 5—10 zu teilen (1 Dunam — 900 m). Auf jeder Parzelle soll ein kleines Häuschen inmitten von Gartenland gebaut werden. Die Kosten für die Erbauung eines Häuschens betragen etwa 5—600 Lstr. Es liegt nun im Interesse derjenigen, welche am Ausbau des heiligen Landes im Geiste der Thora teilnehmen wollen, daß diese Siedlung schnellstens errichtet wird. Von den 100 Dunam haben wir etwa ein Drittel an Agudfften abgegeben. Aus dem Kreise der Käufer ist uns der Wunsch übermittelt worden, daß jedem Bodenbesitzer allmählich die Möglichkeit gegeben werde, seinen Besitz zu erhöhen und auf seinem Gelände ein Haus zu errichten. Dem Besitzer soll es dann über-, lassen bleiben, ob er seinen Besitz an einen tüchtigen Agudisten weiterverpachtet und um mit dem erzielten Erlös neuen Boden zu kaufen. Jedenfalls dürfte jetzt noch Gelegenheit sein, für einen relativ billigen Preis Boden zu erwerben, an dessen Besitz nur die eine Bedingung geknüpft ist, daß nicht den Thoragesetzen Zuwiderlaufendes auf demselben geschieht. 2. Der Keren Hajischuw hat ferner in Jerusalem für Aulim eine Unterkunftsstätte eingerichtet, in welche ihnen in den ersten Tagen ihres Dortseins die Möglichkeit ritueller Verpflegung gewährt wird, ferner ihnen Arbeitsgelegenheit beschafft wird und unausgebildete Aulim solange unterstützt werden, bis sie selbst eine Erwerbsmöglichkeit haben. Durch unsere beschränkten Mittel sind wir bis jetzt nur in der Lage, pro Monat 15 Lstr. auszugeben. Durch Erweiterung des „Keren Hajischuw" hoffen wir auch hier mehr leisten zu können. Mit der Errichtung einer nämlichen Station in Jaffa sind wir augenblicklich beschäftigt. 3. Unsere Jugendgruppe in Jerusalem hat ein Stück Land Nerve Iisroel im Umfang von 35 Dunam. gekauft, in welchen durch Gemüsebau eine Reihe dortiger Agudisten sich ein Auskommen suchen sollen. Die Voraussetzung hierzu ist der Vau von Häusern, für welche keine Spenden, sondern Darlehen gesucht werden und zwar in der Höhe von 250 Lstr. pro Haus, welche im Laufe von 25 Jkrhren mit einem entsprechenden Mietzins zurückgezahlt werden. Es sind etwas über 1000 Lstr. dem Keren Hajischuw zur Verfügung gestellt worden. Sowie die zum Bau von zehn Häusern notwendige Summe als Darlehen gezeichnet sind, soll mit dem Häuserbau begonnen werden. Es ist zuversichtlich zu erhoffen, daß die Erkenntnis von der Richtigkeit einer solchen agudistischen Siedlung in allernächster Nähe Jerusalems alle Gesinnungsgenossen anspornen wird, sich an diesem Werke zu beteiligen. Selbstredend können auch mehrere Mitglieder einer Orts- oder Jugendgruppe gemeinsam das Darlehen zu einem Häuserbau übernehmen. 4. Die Vorbereitungen zur Gründung einer Palästina-Bank schreitet rüstig vorwärts und sind durch die Anwesenheit eines unserer polnischen Industriellen in Erez Iisroel wesentlich gefördert worden. Wir hoffen in Bälde, Näheres mitteilen zu können. 5. Die bisher durch prozessuale Schwierigkeiten eingetretenen Hindernisse am Ausbau des vom Gerer Rebbe gegründeten „Binjan Haarez" sind erfreulicherweise in den letzten Wochen behoben worden, und ist nunmehr mit dem Beginn der Tätigkeit des „Binjan Haarez" zu rechnen. III. Politisches. Dank den unermüdlichen Bemühungen unserer Londoner Erekutive scheint sich bei allen maßgebenden Kreisen die Ueberzeugung durchgerungen zu haben, daß die Gewissensfreiheit unseres gesinnungsgenöfsifchen „lvaad Hair Aschkenasi" in Jerusalem regierungsseitig gewahrt bleibt und damit die diesbezügliche Resolution der Kenessio Gedaulo ihre positive Erledigung findet. IV. Soziale Fürsorge: 1. In Anlehnung an die großzügige Tätigkeit des Wiener „Jüdischen Hilfswerkes" der Agudas Iisroel ist in Warschau ein ähnliches Unternehmen in die Wege geleitet worden, zunächst in Form von Gründung einer Darlehenskasse. 2. Auch für die deutsche Landesorganisation ist in allernächster Zeit mit der Errichtung eines „Sozialen Hilfswerkes" der Agudas Iisroel zu rechnen. Schon jetzt ist durch die echt jüdische Zedoko-Bereitschaft der Wiener Landesorganisation die Möglichkeit gegeben, 200 jüdische Kinder aus Deutschland Unterkunft und Verpflegung in Wien zu gewähren, was bei den heutigen wirtschaftlichen Verhältnissen in Deutschland geradezu als eine rettende Tat bezeichnet werden muß. Aus der Bewegung. Brünn, 31. Okt. Am 28. Oktober 1923 hat sich in Brünn die Landesorganisation der Agudas Iisroel für Böhmen, Mähren und Schlesien konstituiert. Bisher hat es eine solche hier nicht gegeben; es gab nur eine lose Vereinigung der Gleichgesinnten und Vertrauensmänner. Zum Obmann der neuen Landesorganisation wurde Herr Dir. Gustav Springer in Boskowitz, zum^ Kassier Herr Dr. Salomon Lieben in Prag gewählt. Die neue Organisation will für die Erfüllung der von der Kenessio Gedaulo in Wien aufgestellten Aufgaben arbeiten: 1. Förderung des sozialen Hilfswerks in Wien. 2. Förderung des Thora-Lernens. 3. Förderung der jüdischen Institutionen. 4. Förderung der Besiedlung Palästinas auf religiöser Grundlage. Neutra (A. I. P. B.). Unter starker Beteiligung der Delegierten sämtlicher Orts- und Jugendgruppen in der Slovakei und einer großen Anzahl von Rabbinern fand am 11. und 12. Cheschwan die Tagung der slovakischen Landesorganisation statt. Offiziell nahmen an der Tagung teil: die Vertretung der orthodoren Landeskanzlei für die Slooakei, des Geschäftsführenden Ausschusses der Agudas Iisroel, die österreichische Landesorganisation durch ihren Präsidenten, die Palästinazentrale der Agudas Iisroel durch Dr. Salomon Ehrmann usw. Die hauptsächlichsten Beschlüsse der Tagung bezogen sich auf die Jnangriffnahnie intensiver Arbeit für den Keren Hatauro, ferner auf die Gründung einer Kolonie der slovakischen Agudas Iisroel in Erez Israel, zu welchem Zwecke bereits während der Tagung ansehnliche Summen gezeichnet wurden. Schließlich die Beschlußfassung über die Satzungen der Landesorganisation und die Neuwahlen des Landesvorstandes. Zum Präses der Landesorganisation wurde per Akklamation Rabbiner Aron Katz, Neutra, wieder gewählt. . Stratzburg, Ende Oktober. Die „Association des amis de la tradition juive" hatte für Mittwoch, 24. Okt. abends, eine Versammlung einberufen, aus der Bericht erstattet werden sollte über die „große Versammlung" in Wien. Der Delegierte der Straßburger Ortsgruppe der Aguda, Herr Rabbiner Bloch-Zabern, entledigte sich seines Auftrages in ausgezeichneter Weise. Mit großer Aufmerksamkeit und Spannung folgte das Publikum dem. dreiviertelstündigen Vortrag. Trotzdem ein großer Teil der Anwesenden über den Gang der Verhandlungen in Wien durch die jüdischen Zeitungen unterrichtet war, verstand es der Redner durch Hervorhebung einzelner Details und Zeichnung der markanten Gestalten unter den Führern das Interesse der Zuhörer zu fesseln, und starker Beifall bekundete seinen Dank. Herr Oberrabbiner Weill-Colmar, der Vorsitzende der Association ließ nun in einhalbstündiger Rede mm man folgen; in die Auslegung verschiedener wVii» mischten sich 121» nai, wie man sie in Straßburg selten zu hören bekam. Anlehnend an die Schlußworte des Referenten: „Auf zur Arbeit" ermahnte zum Schluß Rabbiner Brunschwig- Straßburg die Jugend, die Führung zu übernehmen in der Gegenwart, wo namentlich in Frankreich das Alter von den Idealen des Judentums nichts mehr wissen will. In sinniger Weise folgerte er aus dem verschiedenen Eindruck, welchen die Lektüre der schriftlichen Berichte über die Wiener Tagung und der mündliche Vortrag des H. Rabb. Bloch machte auf die Notwendigkeit des Lernens der nv 'wav mm neben der 2N22V mm. — Möge es der „traditionellen Vereinigung" vergönnt sein, durch öftere Veranstaltung solcher Zusammenkünfte das Interesse für mm in größerem Kreise zu fördern. Fulda, 16. Okt. Am vergangenen Sonntag, den 4. Cheschwan erstattete unser Delegierter Herr Dr. L. Herz, hier, Bericht über die Kenessio Gedaulo. Der Redner verstand es, in fesselndem Vortrag ein anschauliches Bild der Tagung, eine zu Herzen dringende Zeichnung der großen Persönlichkeiten, die an ihr teilnahmen, und eine anregende Darstellung der wesentlichen Beschlüsse, die dort gefaßt wurden, zu bieten. Er entwarf zugleich eine Nacheiferung erweckende Schilderung der von seltener Opferbereitschaft zeugenden sozialen Einrichtungen, welche die den Agudakreisen angehörigen Juden' Wiens und Badens getroffen haben. Im Anschluß an den Vortrag wurde das Winter- Programm der Jugendgruppe, das eine Anzahl Schiurim für Damen und Herren vorsieht, festgelegt. Zürich. Die hiesige Jugendgruppe hat vor kurzem einen Tätigkeitsbericht herausgegeben, der neben den üblichen Veranstaltungen innerhalb einer Gruppe auch ewige Punkte enthält, die besonderer Erwähnung würdig sein dürften. So sind wir z. B. angegangen worden, 25 Kehillaus in Rußland je einen Satz Arba Minim zu verschaffen. Ferner haben wir Ferienkinder aus Deutschland einquartiert und untergebracht. Zur leichteren Durchführung von Angelegenheiten; die die ganze Schweiz betreffen, haben wir die Agudogruppen Basel, Luzern und Baden zur gemeinsamen Arbeit ausgefordert. Frankfurt a. M. Das Mitglied des G. A. der Agudas Iisroel, Dr. Salomon Ehrmann, Frankfurt, begab sich Anfang Oktober für 2 Monate nach Wien. Wien. Ingenieur Ruthenberg sprach im Aguda- Büro vor, um die Aguda zur Mitarbeit an seinem Unternehmen zu gewinnen. Jerusalem. Die hiesige Ortsgruppe errichtete ein llnterkunftshaus für Einwanderer. Jerusalem. Nachdem nunmehr die von der hiesigen Gruppe vor einigen Monaten errichtete Mädchenschule aus finanziell gefestigter Grundlage steht, wird die Gründung einer Mädchenschule in Tiberias geplant. Lodz. Der Lodzer Agudaführer lvoidislawsky ist nach Erez Jisrael abgereist, um dort in Gemeinschaft mit anderen Agudisten eine Tuchfabrik zu gründen. London. Der Oberkommissar von Palästina, Herbert Samuel, wird nächster Tage eine Botschaft veröffentlichen, in der die Unabhängigkeit der aschkenasischen Gemeinde in Jerusalem anerkannt wird. Nürnberg. Rabb. Dr. Klein, Nürnberg, wurde als Vertreter Deutschlands in den Zentralrat der Palästina- Zentralen gewählt. Spendenlisten. Rauschchau-eschspende. Adelsdorf: 100.000. Ansbach: 30.000. Berolzheim: 187.000. Bechhofen: 5.820.000. Bamberg: 1.000.000. Berlin: 3.534.000. B 1 r st e i n: 11.400.000. Dinslaken: 105.000.000. Emden: 1.350.000. Frankfurt a. M.: 163.000.000, 7.000.000. Fulda: 15.250.000. Günzenhausen: 70.000. :H alb er st a dt: 166.661.000. Karlsruhe: 23.000.000. - K i s s i n g e n: 250.000. Mannheim: 61.900.000. Nürnberg: 29.500.000. Schönlanke: 3.000.000. Sprendlingen: 10.000.000. Wrttelshofen: 245.000. Wals darf: 10.000.000. Keren Hajischuw. Ansbach: dch. Dr. Brader 1.000.000. Biebrich: Lehrer Sulzbacher 25.000.000. Brückenau: Lehrer Eundesheimer 34.000.000. F-Ulda: dch. Dr. Herz 27.000.000. Fürth: Divarszawski zur Seelenandacht 50.000.000. Hüttenheim: Freudenthal 500.000. Kitz in gen: Herm. Schönfärber 220.000.000. Marktbreit: dch. Simon. Brückheimer 10.200.000. Oldenburg: Lehrer M. Meyberg 5.325.650, Benno de Levie 10.000.000, Gustav Meyberg 4.000.000, Lehrer Meyberg 400.000. Palästina-Arme. H a l b e r st a d t: Albert Jacobson 50.000.000 (durch Gruppenoerband). Thora-Fonds. Aschbach: Wechsler 10.230. Biebrich: Sulzbacher 3.000.000. Emden: Ortsgruppe 5.067.000, Heinrich v. d. Walde 25.000.000. C ü st r i n: Löwy 25.000. Hardheim: dch. Lehrer E. Wertheimer 55.000.000. Marburg: Synagogenspenden 1.031.049. Rhina: S. Oppenheim 1.700.000. Flehingen: I. Rabinowitsch 28.000.000.