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Der Israelit · 1923-11-08 · Heft 45 (8.11.1923) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 45 (8.11.1923)
Date
1923-11-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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8. November 1923 Nr. 45 Seite 5 von der Zudendeirre. Erfurt, 21. Oktober. Am Schluß der letzten öffentlichen Stadtverordnetenfitzung in Erfurt brachte Stadtverordneter Heß (Dem.) die folgende Anfrage ein: „Ist der Magistrat in der Lage, die Ruhe und persönliche Sicherheit der Erfurter Bürger jüdischen Glaubens zu verbürgen?" Zur Begründung seiner Anfrage, deren Dringlichkeit von der Versammlung bejaht wurde, führte Heß u. a. aus: Zn den letzten Tagen allein seien ihm einige 50 dringende Hilferufe wegen der systematischen Hetze gegen jüdische Mitbürger zugegangen, die Tag und Nacht den stärksten Belästigungen ausgesetzt seien. Starke Gruppen junger Leute, ’ deren Zahl aus über 200 festgestellt wurde, die untereinander durch Radfahrerpatrouillen Fühlung behalten, stellen am Hellen Tage jüdische Mitbürger auf. der Straße und belästigen sie mit Hepp-Hepp-Rufen; selbst von -Rädern werden sie herabgezogen und aus Cafes herausgeholt. Kürzlich wurden sogar während des Gottesdien st es die F e n st e r der Synagoge eingeworfen, die Tür aufgerissen und der Gottesdienst durch „Hepp-Hepp"-Rufe gestört; in diesem Falle wurde der Täter ertappt und verprügelt, aber leider wurde unterlassen, seinen Namen festzustellen, um zu ermitteln, welcher Organisation er angehört. Des Nachts werden systematisch Fenster in jüdischen Wohnungen eingeschlagen, in letzter Nacht erst wieder . an fünf verschiedenen Stellen. Zäune werden niedergerissen, ja man benutzt sogar den Fernsprecher, um jüdische Frauen durch falsche Nachrichten über ihre Ehegatten in Angst und Schrecken zu versetzen. Eine große Anzahl jüdischer Mitbürger, auch er (Redner), steht auf der Femeliste, allerdings auch der Regierungspräsident Tiedemann und Oberbürgermeister Dr. Mann, obwohl beide keine Juden seien. Er habe bei dem Polizeipräsidenten wegen dieser schweren Belästigungen nachdrücklich Klage geführt und von diesem auch die Zusicherung erhalten, mit allen Mitteln hiergegen einschreiten zu wollen. Aber er halte es auch für seine Pflicht, öffentlich aus diese den jüdischen Mitbürgern drohenden Gefahren hinzuweisen und alle anständig gesinnten Menschen zum Schutze gegen diese Ausschreitungen auszurusen. Oberbürgermeister Dr. Mann wendet sich mit scharfen Worten gegen das geschilderte Treiben. Die Anfrage richte sich an den Magistrat. Aber für die öffentliche Sicherheit zu sorgen, sei die Aufgabe der Polizei, die bekanntlich der Stadt mit der Verstaatlichung aus der Hand genommen sei. Er müsse gleichwohl aufs tiefste bedauern, daß solche Niederträchtigkeiten aus dem dunklen Hinterhalt geschehen, und er erwarte, daß die Verüber endlich einmal gestellt und der verdienten Strafe übergeben würden. Er werde mit dem Herrn Polizeipräsidenten Rücksprache nehmen, damit diesem Treiben gesteuert werde. Stadtverordneter B o t t k e (Dem.) ergänzt die Schilderungen des Stadtverordneten Heß durch eine Reihe weiterer Einzelheiten. Stadtverordneter G ö r b i n g (D. S. P. D.) stellt fest, daß diese jungen ' Leute alle das Hakenkreuzabzeichen tragen; kürzlich wurde ein Student aus der Goethestraße als ein solcher Hakenkreuzler festgestellt, der auf der Straße andere Leute belästigte. Er machte ferner darauf aufmerksam, daß auch noch in vielen Dienststellen das Hakenkreuz von Beamten getragen werde, ohne daß die Behörden dagegen einschreiten. Mit den Pflichten gegen die Republik stehe das nicht in Einklang. Vorsteher B e n d a findet es unverständlich, daß in einem Stadtgebiet, das schon seit langer Zeit als gefährdet gemeldet ist, solcher grober Unfug, wie er erst letzte Nacht verübt wurde, unbemerkt geschehen konnte. Er hoffe, daß die Aussprache mit dem Polizeipräsidenten endlich Abhilfe schaffe. Qrvespakete nach veutrcdiand. Wien, 30. Okt. Das Jüdische Hilsswerk der Agudas Jisroel in Wien hat eine Aktion zur Versendung von Liebespaketen nach Deutschland eingeleitet. Zu diesem Behufs ist sie mit der Wiener Agrumaria A.-E. in .Verbindung getreten, die im Rahmen ihrer Paket- Typen auch die Pakete herstellt, welche durchwegs koschere Waren enthalten. Nähere Berichte folgen noch. Der Israelit von der NchMäh. Kowno, 4. Nov. . In der letzten Sitzung der Gemeindeverwaltung kam nun endlich die Wahl des Präsidiums zustande. Es drehte sich wieder um die Frage: Präsident oder Präsidium? Die Zionisten wollten durchaus einen Präsidenten; Achduth, Handwerker und Andere stimmten für ein Präsidium, und die letztere Meinung setzte sich durch. Es sind ins Präsidium gewählt die Herren Schereschewsky (Achduth), Wsitzmann (Misrachi) und Jadkunsky (Zionist). Die Wahl des Aktionskomitees wurde auf die nächste Sitzung vertagt. Die Celscfter Zrschlwo. Telsch, 2. Nov. Die Telscher Jeschiwo, die neben Slabotko wohl als die bedeutendste Thoralehranstalt Litauens angesprochen werden darf, befindet sich in einer bedrohlichen Krisis. In einem Aufruf, unterschrieben vom bekannten Leiter der Lehranstalt, Robbi Bloch, heißt es u. a.: „Just zur Zeit, da die Jeschiwo ihren geistigen Höhepunkt erreicht, traten Zustände ein, die sie vor den materiellen Zusammenbruch stellen. Fünfzig Jahre lang spendete die Jeschiwo Licht und Lehre an tausende von Schülern, die heute zum Teil zu den Leuchten der Diaspora gehören. Ueber dreihundert Schüler aus der geistigen Elite der litauischen Jugend obliegen zur Zeit in Telsch Tag und Nacht dem Thorastudium. Heimatlos, geistig wie materiell, werden diese Jünglinge, wenn die Jeschiwo jetzt ihre Pforten schließen müßte, blühende Hoffnungen des jüdischen Volkes werden für immer vernichtet." Die Not resultiert aus der Einstellung der amerikanischen Unterstützungen. Auch die anderen Einnahmequellen sind bei der kritischen Lage in Litauen vollständig versiegt. Der Aufruf wendet sich an alle Glaubensgenossen der Welt, die Jeschiwo vor dem Untergänge zu retten. Spenden nimmt entgegen die Leitung oder Herr Oberrabbkner I. L. Bloch, Telsch, Litauen. maffenstillstandsfeier in den Synagogen. London, 1. Nov. Im Einklang mit den anderen Konfessionen hat auch der Chief Rabbi angeordnet, daß in den Synagogen die Wiederkehr des Waffenstillstandstages durch ein besonderes Gebet begangen werde. Die dabei angewandte Formel, „der Dank gegen Gott für die Rettung, die er unserem Lande bereitete, da unsere Armeen und die Armeen unserer Alliierten siegreich waren und der große Krieg aufhörte", wird in jüdischen Kreisen Englands vielfach beanstandet, weil sie allzustark an den Kriegsjargon erinnert. Statt dessen wird angeregt, den Sabbat vor dem Waffenstillstandstag alljährlich als Friedenssabbat zu begehen und diesen Tag zu großen Kundgebungen für die Versöhnung der Völker und das Erstehen eines wahren Völkerbundes zu benützen. Aravizche und jddiKbe Agentur. London, 2. Nov. Das zionistische Aktions-Komitee hat nach ausgedehnten Debatten über das inzwischen bekanntlich von den Arabern abgelehnte Projekt einer arabischen Agentur beschlossen, den Gedanken dieser Agentur für unvereinbar mit den Bestimmungen des Mandates zu erklären. Hinsichtlich der jüdischen Agentur für Palästina wurde die Exekutive beauftragt, einen Ausschuß zur Wahl der jüdischen Agentur zu bilden. HamiKanisch-siidiscber Kongress. New-Pork, 31. Okt. Der amerikanische Jüdische Kongreß sprach sich für die Einberufung eines jüdischen Weltkongresses aus, „insbesondere für Palästina". Die ursprüngliche Fassung enthielt diese Beschränkung nicht, und es ist klar, daß man in Amerika den Weltkongreß zu einer allgemeinen Vertretungskörperschaft für die Juden aller Länder machen möchte. Die Zangwillsche Rede bildet nach wie vor den Gegenstand erregter Diskussion. Zangwill hat neuerdings erklärt, daß er beabsichtige, längere Zeit in Amerika zu bleiben, um seinen Feldzug gegen den Zionismus fortzusetzen. Vor einer Reihe von Jahren ist bekanntlich ein junger jüdischer Fabrikbesitzer in Georgia, Leo Frank, wegen eines angeblichen Mordes angeklagt, vom Gerichtshof zum Tode verurteilt, vom Gouverneur zu lebenslänglichem Gefängnis begnadigt, und von der Volksmenge dann gelyncht worden. Nunmehr hat sich herausZestellt, daß der Mord von einem Neger begangen worden war, sodaß das Andenken Franks nunn'.shr rehabilitiert ist. «««« Blatter ***** der Agudas 3i$roel in Deutschland. Gruppen-Verband der Agudas Jisroel in Deutschland. Beiträge 56$4. Der Geschäftsführende Ausschuh legi größten Wert darauf, daß die Jahresbeiträge für 5684 bis zum 1. Tewes eingezogen und abgeliefert werden. Der Gruppenverband der Agudas Jisroel in Halberstadt bittet die Ortsgruppen eindringlichst, die Einziehung der Beiträge (mindestens eine Goldmark) dementsprechend nach Kräften zu beschleunigen. Gruppenverband der „Agudas Jisroel" in Deutschland. Ausweisungen aus Bayern. Die Ortsgruppen werden gebeten, Familien ausfindig zu machen, welche Ausgewiesene und Flüchtlinge aus Bayern für einige Wochen aufnehmen. Die Leute sind fast durchweg in geordneten Vermögensverhältnissen und bedürfen nur für kurze Zeit eines Obdaches, bis sie sich anderswo ansiedeln können. Nachrichten an den Gruppenverband Halber st adt erbeten. Gruppenverband der „Agudas Jisroel" in Deutschland. Bericht über die Tätigkeit der Agudas Jisroel seit der Kenessio Gedaulo. Tischri-Cheschwan 5684. Trotzdem naturgemäß durch den Monat Tischri die Tätigkeit der Agudas Jisroel gehemmt war, ist es erfreulicherweise doch bereits gelungen, auf einer Reihe der wichtigsten Gebiete nennenswerte Fortschritte zu erzielen, deren Skizzierung allgemein interessieren dürfte. A. Organisation und Propaganda. 1. Sofort nach Beendigung der „Kenessio Gedaulo" fand die Konstituierung des Zentralrates statt. Zum Obmann der Eeschäftsleitung des Zentralrates wurde Herr Sejmabgeordneter Oberrabbiuer Lewin, Sambor, zu Vizeobmännern die Herren Rabbiner Dr. Esra Munk, Berlin und Moriz Felsenburg, Wien, zu Schriftführern die Herren S. Friedmann, Warschau und Lewy, Berlin, gewählt. 2. Die nötigen Vorbereitungen zur Gründung unserer amerikanischen Erpositur sind bereits soweit gediehen, daß wohl in den nächsten Tagen mit der Eröffnung derselben gerechnet werden darf. 3. Durch die Mithilfe unserer Zentrale ist es gelungen, unser litauisches Organ „Jiddisches Leben", welches durch die ungünstigen Zeitverhältnisse beinahe am Erscheinen verhindert war, aufrecht zu erhalten. 4. Die Ausarbeitung des Protokolls der „Kenessio Gedaulo" war naturgemäß durch die Feiertage im Monat Tischri verzögert worden, doch ist es erfreulicherweise 311 registrieren, daß fast die gesamte jüdische Presse aller Richtungen ausführliche Berichte brachten. Unser offizieller Bericht wird in Bälde folgen, nachdem vorher schon ein Auszug über die wichtigen Beschlüsse und Aufrufe den Landesorganisationen zuging. V. Keren Hathauro. 1. Als Vorbereitung für die Sammlung für den „Keren Hathauro" sind bis jetzt ausgearbeitet worden: Ein Ausruf des Rabbinischen Rates und ein Organisationsstatut, welches noch der Beratung unterliegt. Die Leitung beabsichtigt in den Chanukatagen eine Sammelwoche einzurichten, deren Erträgnis ausschließlich dem „Keren Hathauro" gewidmet sein soll. 2. Als ein erfreuliches Symptom des Wiedererwachens der thoratreuen Kreise in Mähren ist die Tatsache zu registrieren, daß von dort der Ruf an die Leitung der Agudas Jisroel erging, bei der Gründung einer Jeschiwah behilflich zu sein. Wir hoffen, baldigst in der Lage zu sein, diesen Wunsch zu verwirklichen. 3. Sr. Ehrwürden Herr Senator Oberrabbiner Zrrelsohn, Chisinau, hat sein Werk „Derech Selula" in hochanerkennenswerter Weise zum Neudruck der Agudas Jisroel zur Verfügung gestellt. Das Reinerträgnis ist für den „Keren Hathauro" bestimmt.

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