Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 64 (1923)
- Issue
- Heft 39-40 (24.9.1923)
- Date
- 1923-09-24
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 39/40 Seite 11 24. September 1923 Der Israelit Bücherbesprechungen. Sirlom» -er Falascha. Eine Geschichte aus der Gegenwart von S. Schachnowitz. Frankfurt a. SK., 1923. I. Kauffmann,Verlag. Preis geb. Mk. 3:—. Der den Lesern des „Israelit" bekannte Roman liegt hier in einer schmucken Buchausgabe vor, die trotz «ller Schlüsselzahlsteigerungen nicht mehr als ein Pfund Butter kostet. Das Buch ist im höchsten künstlerischen Sinne aktuell, denn es stellt Ereignisse der allerjüngsten Vergangenheit, die wir alle miterlebt, unter den Blickpunkt des Ewigen und läßt in dem liebevoll erfaßten Einzelschicksal des Helden, in seinem kampfreichen Werden wie in seinem tragischen Untergang, die Geschichte seines ganzen Volkes sich spiegeln. Eine ideale Jugendlektüre, von echtem jüdischen Gemeinschaftsgeist erfüllt, ist das Buch zugleich ein warmer, unaufdringlicher Fürsprecher für die jüdische Erziehungsarbeit unter den verlassenen Brüdern in Abessynien und sollte schon im Interesse dieses Liebeswerkes weite Verbreitung finden. —m. Soziales Lebe» in Israel zur Zeit der Propheten, von B. May, Frankfurt a. M. Dauth Rachfolger 1923. Mit Herzlichkeit und Wärme und echter altjüdischer Gesinnung spricht der Verfasser in seinen bisher erschienenen Schriften zu der reisen jüdischen Jugend, denn an sie vor allem wenden sie sich, aus Unterrichtstätigkeit entstanden. Nicht minder aber sind sie wertvolle Wegweiser für Mann und Frau, die im Judentum festen Standpunkt gewinnen wollen.gegenüber unsere Zeit bewegenden . Fragen und Ideen, vor allem darum für jeden Lehrenden, der Wissen vom Judentum lebendig und fruchtbar machen will. Dies gilt auch von der hier angezeigten Schrift. Sie will die Frage beantworten: „Was hat die jüdische Lehre, was haben die Propheten uns zu künden, wenn Umwälzungen von dem Ausmatz, wie sie jetzt vor uns stehen, sich ankündigen?" 'Auf etwas über 70 Seiten verfolgt der Verfasser die Entwicklung der innerjüdischen sozialen Zustände unter Aufseisung ihrer Motive von der Setzhaftmachung in Palästina bis zur Zerstörung des ersten Tempels. Die Forderungen der jüdischen Lehre, wie sie von Sckmuel, David, von allen Propheten bis zu Jeremia in heiliger Ueberzeugung vertreten werden, ziehen auf dem Hintergründe der geschichtlichen Vorgänge und im Zusammenhänge mit ihnen an uns vorüber. Der Verfasser versteht es vortrefflich, die jeweiligen Formen der sozialen Gebilde in Israel mit von der modernen Forschung gewonnenen Begriffen zu bezeichnen und so die zeitgeschichtliche Bedeutung des überzeitlichen Prophetenwortes und andererseits seine autzerordentliche Gegenwartsgültigkeit ins hellste Licht zu rücken. Als Ziel seiner Schrift bezeichnet der Verfasser, man solle durch seine Ausführungen sich veranlaßt sehen, die Quellen selbst zur Hand zu nehmen. In diesem Sinne empfehlen auch wir das anregende, leicht verständliche kleine Buch, dessen Ausdrucksweise an mancher Stelle eine Feile erfordert hätte, zu ernster und eifriger Lektüre. —i. Die 37»i, Sonderheft der jüdischen Jugendbewegung, Jena, August 1923. Es mag, vom Standpunkt der freideutschen Jugend aus betrachtet, ein verdienstvolles Unternehmen der von Eugen Diederichs herausgegebenen „Tat" sein, einer seit der Tagung aus dein Hohen Meißner um Ewigkeitswerte ringenden Generation Kenntnis zu vermitteln von Gedankengängen, die befruchtend und wegbereitend wirken können im erbitterten geistigen Kampfe um Lebensform und Lebensinhalt. Einem Sonderheft, das die Werte der katholischen Jugendbewegung zu erfassen versucht, folgt jetzt ein solches, das sich die Charakteristik jüdischen Daseins und Soseins, wie es fÄin der jüdischen Jugendbewegung auswirkt, zur AufgW» setzt. Also ein Sammelwerk, geschrieben von Juden an Nichtjuden mit der Absicht, zu orientieren. Das Verlangen der neuen Jugend nach Kenntnis anderer Artung erweckt in der Seele jüdischer Menschen den Wunsch zum Bekenntnis, mit diesem Gedanken leitet Gustav Löffler das Heft ein. „Jung-jüdische Bekundung" sind ihm diese Aufsätze, ersaßt von jugendlichen Menschen verschiedenster religiös-politischer Richtungen. Das klingt anspruchsvoll; trägt die Verwirklichung dem Rechnung? Ilm es vorauszuschicken: Es hat, unter Zuhilfenahme Buber'scher Pseudo-Terminologie, in den beiden letzten Jahren in Deutschland ein jeder über jedes jüdische Problem und über jeden jüdischen Gegenstand zu reden versucht, ein jeder redet vom Geist des Judentums, indes war's doch nur' — — — „der Herren eigner Geist", llnd schaut man das vorliegende Tatheft an, so ist, von wenigen Ausnahmen abgesehen, in diesem Heft das Reden über das Judentum zum System erhoben. Verlohnt es sich dann, weiter darüber zu sprechen? Berechtigte Frage, wenn man damit nichtssagende und arg naive Aufsätze wie die von Richard Koch, Leo Horovitz und Fritz Edinger zu Gesicht bekommt. Aber andere sind da, die ernste Auseinandersetzung erheischen. Es ist ein günstiger Zufall, daß zur selben Zeit, in der dieses Heft erscheint, der Neudruck von drei alten Aufsätzen Isaak Breuers vorliegt. *) Man mag mit ihm streiten, ob jüdische Denkungsart das sezierende Messer des nüchternen Verstandes verträgt, ob nicht ihre Eigenart verkümmert, wenn ihre Grundlagen bloßgelegt sind, gleich einem Bau, dessen Grundpfeiler von umhüllendem und deshalb stützendein Erdreich befreit sind. Wünschen aber möchte man allen Schreibern in diesem „Tat"-Heft, sich ein wenig nur beeinflussen zu lassen von der Breuer'schen Eedankenrichtung, selbst dann, wenn sie ihn weniger als Gehalt, sondern vielmehr nur als Form zu verstehen suchen. Der Aussatz Hans Goslars über „Jüdische Wirtschaftsgesinuung" trägt unverkennbar solche Spuren. Was er über das Verhältnis von Konfession und Gesetz im Judentum sagt, gehört vielleicht mit zu dem Klarsten, was bisher über dieses so heiß umstrittene Problem in der deutsch-jüdischen Literatur ausgesprochen worden ist. Die Absicht des Heftes, instruierend zu wirken, wird, wenn überhaupt, nur durch diesen Beitrag Hans Goslars gefördert; denn seine Ausführungen ergehen sich nicht in mehr oder minder vage Begriffe, sondern tragen den Stempel echt jüdischer Schulung und entsprechen dadurch der Forderung Gustav Löfflers, nicht zu werten, sondern zur „Wesensschau" beizutragen. Es genügt nun einmal nicht wie man aus manchen Aufsätzen schließen möchte, ein System schon dann als jüdisch zu bezeichnen, wenn zufällig ein Posslik den Inhalt des Systems zu bestätigen scheint. Leo Vaeck schreibt über die „Bedeutung der jüdischen Mystik für unsere Zeit", Louis Levinger über den „Weg zur religiösen Form" und versucht, die Verbundenheit des jüdischen Menschen mit Gott und die Verpflichtungskrast des jüdischen Gesetzes zu demonstrieren an dem Verhältnis zweier Liebenden. Franz Rosenzweig übersetzt das -Gebet und kleidet die liebersetzung in ein dichterisches Gewand, doch bleibt sie stark zurück neben seiner an anderer Stelle veröffentlichten Ueoertragung des Freitag-Abend-Gebetes. Reben manchen formvollendeten Versen mit dithyrambischem Schwung finden sich wiederum Zeilen, die durch Wortbildung und Stellung dem Leser ein Lächeln abzwingen. Alles in allem: Es bleibt abzuwarten, .wie die freideutsche Jugend das Heft aufnehmen wird. Es steht zu befürchten, daß auch sie, wie so viele Juden, sich hinreißen, läßt von der Sprnchgewalt, über die einzelne Mitarbeiter des Heftes verfügen, und dann mehr denn je entfernt ist, nur wirklich jüdischen Inhalt als Kulturgut in sich zu verarbeite-,. Harry Abt. *) Breuer: Wegzeichen, Kaufmann 1923. Für die uns anläßlich unserer Vermählung zugegangenen Glückwünsche danken wir auf diesem Wege herzlichst und wünschen Dv. Miesen f osen u. §r«u Hulda geb. Falk Statt Karten. Loaes-Hnreige. Meine herzensgute, innigstgeliebte Frau, unsere liebe fürsorgliche Mutter, Schwiegermutter, Schwester, Schwägerin, Tante und Cousine Svau Kos« Jfflae ge&. Mager hat nach Gottes unerforschlichem Ratschluß nach langem schwerem, mit unendlicher Geduld ertrage- , nem Leiden heute Abend 8 Uhr im Alter von > 88 Jahren das Zeitliche gesegnet. »•«*■ «■ Tn tutet Crautr: Karl Jsaae Emil Jsaae Otto Jsaae Alex Abraham ».Frau Johanna geb. Jsaae Emma Mayer ^Rosalre Jsaae Die Beerdigung hat am 18. September in Wallertheim stattgefunden. Für uns. „Talmud-Thora" suchen wir zum sos. Eintritt vcL gef. £eftver (Lediger bevorzugt) für die Elementaru. Ober-Klassen. Unterrichtsfächer: Lesen, Chumisch. Raschi, Talmud, Kizur, Hebräisch mit hebr. Vortragssprache u. hebr. Grammatik; entspr. ausk. Gehalt gesichert. Gest. 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