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Der Israelit · 1923-09-24 · Heft 39-40 (24.9.1923) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 39-40 (24.9.1923)
Date
1923-09-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
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24. September 1923 Der Israelit Rr. 39/40 Seite 7 legen die verschiedenen Resolutionen der Kenessio Gedaulo das beste Zeugnis ab — positive Arbeit. Wir wollen zur Durchführung unseres Programms eine großzügige Arbeit in Erez Jisroel entfalten. Zum Beschluß des Rabbinischen Rates hinsichtlich der Streitigkeiten zwischen der aschkenasischen Gemeinde und dem Oberrabbinat in Erez Jisroel, gutzerte Oberrabb. Schapiro: Die Agudas Jisroel ist bestrebt, in dieser Sache einen Frieden herbeizuführen. Der Rabbinische Rat beschloß daher, zu den Streitfragen vorderhand keine Stellung zu nehmen, sondern die Herren Robb. Kuck und Rabb. Sonnenfeld einzuladen, binnen 6 Monaten selbst ein Beth-Din zu bestimmen, das ihre Differenzen ausgleichen soll. Ich glaube, daß der Din-Thora in gewissen Dingen, eine Vereinigung beider Gemeinden herbeiführen wird; sollte dies aber nicht gelingen, so wird man die Kompetenzen der beiden Gemeinden zu begrenzen suchen, damit jede Gemeinde ihren eigenen Weg geht, ohne sich gegenseitig zu bekämpfen. Es werden also beide Wege, gleich welchen der Din-Thora einschlagen wird, unbedingt zum Frieden führen. Bis zu dem durch das Beth-Din zu fällenden Entscheid dürfen von der aschkenasischen Gemeinde keinerlei Steuern eingehoben und sie darf auch sonst nicht beeinträchtigt werden. Wir fordern für die aschkenasische Gemeinde Autonomie und Gewissensfreiheit. lieber die Stellungnahme zum Misrachi befragt, erklärte Oberrabbiner Schapiro, daß die Misrachisten für ihr Verbleiben bei der Zion. Org. heute gar keine berechtigten Argumente mehr anführen können. Handelte es sich bei ihnen früher um die - politische Unterstützung des zionistischen Gedankens gegenüber der Außenwelt, so ist diese Aufgabe nach der Balfour- Deklaration dahingefallen und ihre Mission bei der Zion. Org. eigentlich erledigt. Der Misrachi sollte daher den Mut finden, die Konsequenzen aus der gegenwärtigen Lage zu ziehen. Nachdem die Aguda auf breiter Basis für Erez. Jisroel eintritt, so bestehen die Gegensätze zwischen ihr und der Zion. Org. nur noch auf kulturellem und religiösem Gebiete, also nür noch dort, wo die Misrachisten angeben, mit der Aguda einig zu sein. Ist es dem Misrachi darum zu tun, ein jüdisches Erez Jisroel zu errichten, so kann seine Arbeit doch nur in einer Unterstützung derjenigen Organisationen bestehen, welche die hierzu erforderlichen Bestrebungen und Ziele hat, und nicht in dauerndem Protestieren innerhalb einer Organisation, die auf entgegengesetztem Standpunkt steht. Wenn der Misrachi mit der Tätigkeit der Aguda noch nicht ganz einig geht, so ist ihm nach Austritt aus der Zion. Org. die Möglichkeit gegeben, in die Aguda einzutreten und in der Agudas Jisroel seinen Standpunkt zu verfechten. Eines ist sicher, daß durch die an der .stenesiio Eedaulo zu Tage getretene organisatorische Festigkeit und durch die fortschreitende Hebung des Prestiges der Agudas Jisroel die Position des Misrachi in der Zion. Org. nach und nach bedeutend geschwächt wird. Die Zion. Org. wird in Bälde sehen, daß die Agudas Jisroel es ist, welche die orthodoxen Massen hinter sich hat, und die Zionisten werden dann ganz aufhören, mit dem Misrachi zu rechnen. Wie dem auch fein mag, betrachten wir die Misrachisten als innere Freunde. Der Kongreß der Aguda hat deutlich eriicrf, daß an »der Reinheit der Gesinnung vieler Misrachisten nicht zu zweifeln sei und wir wünschen lebhaft, daß sie uns besser verstehen. Es ist das heiligste Ziel der Agudas Jisroel, aus allen zersplitterten Teilen den Judentums unter der Souveränität der Thora eine Einheit zu schaffen. * * * lieber die ethische Bedeutung des Aguda-Kongresses äußerte sich Mr. Morris Engelman, New-Pork, Exekutive-Mitglied des „Joint Distribution Committee" u. a. wie folgt: „Die Vereinigung so vieler, tiefe Ehrfurcht einfiötzender, rabbin,sicher Größen, geistreicher Talmudgelehrten, genialer Köpfe und Führer des gesetzestreuen Judentums aus den verschiedensten Ländern der Diaspora an einem Orte beisammen zu sehen, hat einen überaus imponierenden und überwältigenden Eindruck auf alle gemacht, die das Glück hatten, dieser „Kenessio Eedaulo", richtiger gesagt, dieser „Kenessio der Gedaulim" beizuwohnen. Es war tdies ein weihevoller und herzerhebender Anblick, der an die uralten Glanzzeiten erinnerte, als noch die Herrlichkeit der Thora alles andere im Judentum überstrahlte. Und gleich einem prophetischen Widerhall, der vom Berge Horeb ertönt, erklang es aus dem Munde dieser hehren Vertreter der heiligen Sache des jüdischen Volkes, als sie in edler Begeisterung für die Wiedererstarkung des religiösen und sittlichen Ideals des traditionellen Judentums eiferten. Die Erhabenheit, die aus der Vereinigung so vieler geistiger und sittlich-religiöser Energien resultiert, wird zweifelsohne den großen ,Effekt in der ganzen Welt auslösen, daß diese immanente geistige Kraftzentrale, die durch die Kenessio Eedaulo in Wien geschaffen wurde, überallhin wo nur religiöse Juden leben, ihren günstigen Einfluß ausstrahlen wird für die Stärkung des gesamten Judentums auf der Basis der mehrtausendjährigen jüdischen Tradition. Besonders interessant ist es, festzustellen, daß die Repräsentanten des orthodoxen Judentums hinsichtlich der materiellen Fragen den Schwerpunkt nicht allein auf Amerika gelegt haben, wie dies sonst bei anderen Organisationen üblich war. Sie haben vielmehr von der Judenheit aller Länder in gleicher Weise Opfer gefordert für die Aufrechterhaltung und Wiederaufrichtung des traditionell jüdischen Geistes und der gesetzestreuen Lebenshaltung. Jeder Jude hat die Pflicht, sich alljährlich selbst zu besteuern und sein Scherslein beizutragen, um die religiösen Ideale des Judentums zu fördern, die Thora-Lehrstätten und die übrigen religiösen geistigen Zentren zu festigen. Der Weltkongreß der Orthodoxie gewinnt für die ganze Menschheit eine erhöhte Bedeutung. Das orthodoxe Judentum will den sittlich-religiösen, friedlichen Geist der Bibel und der göttlichen Gebote zum dominierenden Einfluß auf das Leben machen. Dies wird nicht nur für die Juden selbst von Vorteil sein, sondern auch für alle Menschen. Durch die Rückkehr zum Glauben an Gott, wird auch der Glaube an die Menschheit und die Nächstenliebe zurückkehren." LerrttaWlfskasse der Dguda. Warschau, 15. Sept. In Anwesenheit des Mitglieds der Exekutive der Agudas Jisroel in Wien, Herrn K. Pappenheim, Wien, wurde die Schaffung einer Zentralhilfskasse in die Wege geleitet. Ihr können sich Dethäuser und wohltätige Institutionen anschließen, deren Mitglieder, nach Maßgabe eines minimal bemessenen Beitrags des Vereins an die Zentrale, mit Kredit und zinslosem Darlehen versorgt werden. €itt Krasser jal? von Antisemitismus. Posen, 13. Sept. Ueber einen krassen Fall antisemitischer Unmenschlichkeit berichten hiesige Zeitungen. Zwei Juden, Brüder, wurden am Bahnhofe von einem antisemitischen Rowdy überfallen und schwer verletzt. Einer von ihnen, Jona Läufer, wurde ins Spital verbracht, wo eine Operation am Kopfe gleich vorgenommyn werden mußte. Beim Zunähen der Wunde brach die Nadel ab und der Verwundete hörte im Halbschlummer der Narkose, wie der polnische Oberarzt des Krankenhauses sagte: „Schadet nichts, ein Jude weniger! . . ." Kaum erwacht, flüchtete Läufer unter unerträglichen Schmerzen nächtlicherweise ins jüdische Spital, wo ihm die Nadel aus der Hirnhaut herausgeholt wurde und weiter für seine Heilung gesorgt wird. — So sieht es mit der Kultur im polnischen Posen aus. Die Orthodoxie gegen die konfessionslose Nationalversammlung. K 0 wn 0 , 10. Sept. Die Konferenz der „ A ch d u t h ", die unter starker Beteiligung von Delegierten aus allen größeren Orten stattfand, hat den e i n st i m m i g e n Beschluß gefaßt, sich an den bevorstehenden allgemeinen Wahlen zur sogenannten jüdischen Nationalversammlung nicht zu beteiligen. Die Orthodoxie ist auf Grund bitterster Erfahrungen zu der Erkenntnis gelangt, daß die politischen Führer des nationalen Judentums in Litauen nicht mehr und nicht weniger als die systematische Zerstörung des religiösen Lebens erstreben und daß die vom Sejm beschlossene Ausschaltung des Kultus aus dem Bereiche der nationalen Autonomie zum guten Teil auf diese jüdischen Politiker zurückzuführen ist. Die Orthodoxie wird daher den Tanz um das goldene Kalb der „Autonomie" nicht länger mitmachen. An den Gemeinde wählen will man sich beteiligen, solange die Kehillos religiös-national bleiben; eine Entkonfessionalisierung der Kehillo wird von der litauischen Orthodoxie gezwungenermaßen durch den Austritt und die Gründung selbständiger Gemeinden beantwortet werden. Es ist zu hoffen, daß die Ausführung der einstimmigen Beschlüsse diesmal nicht durch Schwäche-Anwandlungen einzelner rabbinischer Kreise gestört wird. Die lfünderheitsrechte in Lettland. Genf, 16. Sept. Auf der letzten Sitzung des Rates des Völkerbundes kam die Frage der Minderheitsrechte in Lettland zur endgültigen Erledigung. Der Vertreter Lettlands hatte früher schon eine Erklärung abgegeben, die der Rat des Völkerbundes unter dem Vorbehalt der offiziellen Bestätigung der Erklärung von Seiten der lettischen Regierung zur Kenntnis nahm. Da nunmebr die Bestätigung eingegangen ist, wurde auf der Sitzung vom 31. August die Erklärung Lettlands bezüglich des Schutzes der Minderheitsrechte endgültig akzeptiert. Einsicht? Jerusalem, 13. Sept. Aus Anlaß des Kuraufenthaltes des Oberrabbiners K u k auf dem Karmel bei Haifa schreibt der hiesige „Doar Hajom" nach einer Schilderung der Ehrungen, die dort dem Rabbiner zuteil wurden: „Es unterliegt keinem Zweifel, daß, wenn sich Rabbiner Kuk stets in solch reiner Sphäre befinden würde, frei vom ungebetenen Einfluß derer, die ihn zuweilen in Jerusalem umgeben und den Glanz seiner Persönlichkeit trüben, wir in ihm ein Vorbild von Schönheit und 'Heiligkeit verehren könnten . . ." Jerusalem, 13. Sept. In den letzten Elultagen verstarb hier im Alter von 77 Jahren Chajim Ahron Valero, eine besonders in den sephardischen Kreisen hochgeachtete Persönlichkeit von großem politischen Einfluß. Er war nicht nur langjähriger Vorsteher der Sephardim-Gemeinde, sondern auch Leiter vieler gesellschaftlicher und philantropischer Institutionen. Als Chef des ersten hiesigen Bankhauses pflegte er enge Beziehungen zur Regierung und zuausländischen Fürstlichkeiten, die ihm viele Orden eintrugen. Die türkische Negierung sah in ihm bis zum Kriege den prominentesten Vertreter der Jerusalemer Judenheit, und er genoß auch das volle Vertrauen der arabischen Kreise. Für verschiedene Gebiete der Wohltätigkeit, vornehmlich des alten Jischuw, warf er große Summen aus und bedachte sie auch letztwillig in großem Maße. Bei der Beerdigung, die auf dem Oelberg stattfand, waren Vertreter der Regierung aller Behörden und sämtlicher Konsulate zugegen. Die Beteiligung aus allen Schichten der Bevölkerung war ungewöhnlich groß. Sechs Rabbiner, unter ihnen auch Rabbi Chajim Sonnenfeld, hielten an verschiedenen Stellen, an denen der Leichenzug hielt, ergreifende Gedächtnisreden. iVUXuO Stmevifa. Die amerikanische Dresse über die Kenessio Eedaulo. New - York, 12. Sept. Das New-Parker „Morgenjournal", gewiß kein Freund der Orthodoxie, widmet der Kenessio einen langen Leitartikel, in dem es die Bedeutung des orthodoxen Kongresses ungemein hoch bewertet. Die Größe des Kongresses lag schon darin, daß es da keine Rechte und keine Linke gab und prinzipielle Kämpfe zwischen Richtungen garnicht denkbar waren. Die Zeitung zieht einen Vergleich zwischen Wien und Karlsbad und sagt: „Hier sah man den großen Unterschied zwischen einer Glaubenssache und einer Parteibewegung. In Karlsbad sah und hörte man wenig von wirklicher Treue, von einer geistigen Disziplin, die die Menschen zusammenhält. Es wäre unsinnig, behaupten zu wollen, daß die Zionisten dieser Disziplin entbehren können, sie brauchen

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