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Der Israelit · 1923-09-24 · Heft 39-40 (24.9.1923) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 39-40 (24.9.1923)
Date
1923-09-24
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nr. 39/40 DerJsraelit von zwei gesetzestreuen Volksschullehrern in gesicherter Position und sogar von einem gesehestreuen Rabbiner im Bayernland gemeldet, daß sie den Entschluß gefaßt hätten, Junggesellen zu bleiben. Wenn von dieser Seite diese Parole ausgegeben wird, so darf man sich nicht wundern, wenn der Kaufmann oder Handwerker in seiner Ungelehrsamkeit diesem Beispiele nachahmt. Nie und nimmer können pekuniäre Schwierigkeiten als Rechtfertigung für Beseitigung eines göttlichen Gebotes dienen. Auch die Richtlinienjuden und Sabbatschänder rechtfertigen ihren Abfall mit den ihnen erwachsenden pekuniären Nachteilen. Auch sie erklären: Wir sind so fromm wie die anderen, nur ist es uns bei den jetzigen schwierigen Erwerbsverhältnissen mit dem besten Willen nicht ' möglich, neben dem gesetzlich vorgeschriebenen Ruhetag noch einen weiteren Tag zu feiern. — Als gesetzestreuc Juden gelten für uns keine Opportunitätsrücksichten, sondern nur die Vorschriften unseres Religionsgesetzes. Unsere Alten, die in den ärmlichsten Verhältnissen lebten, waren in dieser Hinsicht nicht so ängstlich. Sie gründeten, wenn der geeignete Zeitpunkt gekommen war, ihren eigenen Herd. Oft besaßen sie nicht die Mittel, aus eigenen Geldern den Hochzeitsanzug zu beschaffen. Ohne alle Geldmittel traten sie in den Ehestand. Und der Ewige segnete in der Regel die jungen Ehen. Sie waren glücklich und zufrieden und lebten zumeist in harmonischer Ehe. Allerdings traf man in den Wohnungen unserer Alten keine Plüschsofas und keine Gardinen, aber Glück und Behaglichkeit. Drum möchte ich auch für unsere Generation den Wunsch aussprechen: Zurück zur altdeutschen und altjüdischen Einfachheit, zurück zum alten Eottvertrauen. Als Beweis, daß keine äußeren Gründe uns bestimmen dürfen, die Pflicht der Ehegründung zu versäumen, gelte das Beispiel de's frommen Königs Hiskiah. Er wußte, daß aus seiner Ehe der fluchwürdige, götzendienerische König Menascheh hervorgehen würde. Dies zu verhindern unterließ er die Gründung einer Ehe. Darauf berichtet die Schrift: In jenen Tagen erkrankt Chiskia zum Tode. Und es kam zu ihm Iesajah, der Prophet, und verkündete: „Befiehl dem Haus: denn du wirst sterben und nicht leben." Unsere Bibelforscher berichten: Du wirst sterben für diese Welt und nicht leben in jener Welt, weil du verabsäumt, dein Haus zu gründen. König Hiskiah sah sein Unrecht ein, betete zu Gott und faßte den Vorsatz, die vernachlässigte Pflicht zu erfüllen. Und Gott nahm seinen Beschluß zurück, und der König wurde wieder gesund. So möge auch jedermann das Versäumte nachholen und der göttlichen Gnade würdig werden. * JM Korrespondenzen « ßacbricbten. Die deutsche Jugendorganisation Del der Henessio Seasulo. Berlin, 16. Sept. Anläßlich der „Kenessio Eedaulo" hielten die Vertreter der deutschen Jugendgruppen eine Reihe von Besprechungen mit ausländischen Jugendvertretern ab, die zum Teil Probleme von allgemeinem Interesse berührten. Wir veröffentlichen daher im folgenden nach den Berichten der A. I. P. das Protokoll der dritten Sitzung vom 20. August, die unter dem Vorsitz des Herrn Leo Munk - Cöln stattfand. Erlanger, Luzern, wünscht eine enge Verbindung der schwer';. Jugendgruppen mit der deutschen Organisation, da einmal die Organisation der deutschen Jugend vorbildlich sei und dann die Religiosität und jüdische allgemeine Bildung nur anregend aus die Schweizer Gruppen wirken würde. Als Aequivalent käme eventl. eine finanzielle Unterstützung und Hilfe für die Arbeiten der deutschen Agudo in Frage. Herr Erlanger schlägt vor, daß zu jedem deutschen Delegiertentag auch Vertreter der Schweizer Gruppen geladen werden. Leo Munk berichtet über die bisherigen Verhandlungen in der Jugenderskutroe. Es wurde beschlossen, in das Präsidium der Si. E. 5 Vertreter der Jugend zu entsenden, womit sich dieses ohi^ weiteres einverstanden erklärte. Die Verhandlungen mit den Schlaume Emunoh-Jisroel-Gruppen Deutschlands ergaben eine befriedigende Lösung einiger bisher bestandener Differenzen, sodaß eine intensive Zusammenarbeit mit diesen zu erwarten ist. Die gebildete Jugenderekutive bleibt in dieser Absicht weiter in Tätigkeit. Fredenburg, Amsterdam, ist für Bildung einer allweltlichen Jugendorganisation innerhalb der Agudo. Dr. Hoffmann, Frankfurt a. M.: Deutschland muß sich finanziell selbst versorgen, es wäre traurig, wenn man das Geld aus anderen Ländern holen müßte,- er hält Zusammenschluß nur mit Schweiz, Holland und Dänemark für möglich und zweckmäßig. Fellner teilt mit, daß die Amsterdamer Jugendgruppe mit dem Misrachi zuasmmenarbsteitet,- sodaß eine Prüfung der dortigen Verhältnisse vor Zusammenschluß erforderlich ist. Dr. H o f m a n n , Frankfurt a. M., bittet Diskussion über diese Frage (Arbeit mit Misrachi) auszuschließen, da wir uns in dieser Hinsicht den Beschlüssen der K. G. zu fügen hätten. Rabb. Dr. Breslauer, Fürth, hält Zusammenarbeit mit Amsterdam für unmöglich, falls nicht die K. G. ausdrücklich genehmigt. Beschäftigung mit Misrachi darf nur eine erzieherische sein. Samson, Kopenhagen, begrüßt Einladung zur gemeinsamen Jugendarbeit, glaubt, daß Kopenhagener Gruppe gern dazu bereit ist. Leo Munk, Köln, hält tiefere Zusammenarbeit zwischen Misrachi und Aguda für undurchführbar, trotzdem sollen Freundschaftsbande gepflegt werden. Fisch, Trier, appelliert für Agudoarbeit in den kleinen Gemeinden, besonders im Moselgebiet, wo die jüdische Bildung von Tag zu Tag geringer wird. Dr. Moses Auerbach unterscheidet zwischen Oftjuden, die sich und ihre Kinder nach deutscher Art erziehen und erziehen lassen, und solchen, die ihre Eigenart auch in Deutschland in jeder Weise bewahren. Während erftere unter allen Umständen zu unseren Gruppen mitzählen, hält Dr. 21. Zusammenarbeit mit den letzteren für zwecklos. Dr. Carl Cohn, Altona, empfiehlt dringend aus geistigen Gründen Zusammenschluß zwischen deiltschen und holländischen Gruppen im Interesse der letzteren. K o h n, Hamburg ist für Einschluß der österreichischen Jugendgruppen. Dr. Breslauer, Fürth, warnt vor Zusammenschluß der europäisch-assimilierten Jugendgruppen. 1. wegen Differenzen mit den östlichen Gruppen; 2. da die Berechtigung einer Jugend-Welt- Agudo nicht vorhanden oder zumindest angezweifelt werden muß. Dr. B. glaubt, daß auch innerhalb der westeuropäischen Gruppen große Unterschiede vorhanden sind, daß besonders die deutschen Gruppen stark assimiliert sind. Leo Munk teilt die Bedenken Dr. Breslauer! nicht, hält Zusammenschluß für ungefährlich. K o h n - Hamburg, beantragt folgende Resolution: „Die Agudas Jisroel-Jugend Deutschlands begrüßt die Bereitschaft der Schweizer Jugendgruppen zum Zusammenschluß und fordert die dänischen, holländischen und österreichischen Gruppen gleichfalls zum Zusammengehen zwecks gemeinsamer 2lrbeit auf." Dr. Breslauer, Fürth, begründet seinen Standpunkt, daß die Berechtigung einer Welt- Agudo-Jugend nicht besteht 1. wegen der Gefahr einer selbständigen Front nach außen, 2. wegen der Gefahr einer Stellungnahme gegen die Hauptorganisation. Die Arbeit der Jugendgruppen soll lediglich nach innen gerichtet sein, wozu eine weltumfassende Organisierung nicht erforderlich ist. Die weiteren Diskussionsredner Stern, Frankfurt a. M., Dr. Carl Cohn, Altona, Golds ch m i d t, Halberstadt, Dr. L. Levinger, München, Fredenburg, Amsterdam, halten sämtlich den. geplanten Zusammenschluß der 5 Gruppen für unbedenklich, da es sich nur um eine Arbeitsgemeinschaft, also Ausgleich von Kräften und geistigen Anregungen handelt. Die Resolution K o h n, Hamburg, wird einstimmig angenommen. Zum zweiten Punkt der Tagesordnung „Chinuchfragen" referiert Dr. Herz, Fulda, über „Jüdische Not auf dem Lande". In seiner bisherigen 24. September 1923 Stellung als Bezirkssekretär der A. I. I. O. für Hessen hatte der Referent lange Zeit Gelegenheit, das geistige und religiöse Elend in den vielen Gemeinden Hessens kennenzulernen. Der schlimmste Feind ist das Am Hooretztum, erst viel später kommt die Gefahr der Blau- Weiß-Bewegung und des liberalen Judentums. Durch den Mangel an Lehrern — z. B. die Gemeinde Hersfeld mit fast 100 Familien ist seit dreiviertel Jahren ohne Lehrer — geht das jetzige Geschlecht rettungslos dem Judentum verloren, wenn nicht sofort Abhilfe geschaffen wird. Redner empfiehlt die sofortige Berufung einesgeeigneten Lehrers für diesen Bezirk aus fester finanzieller Basis. Die Angelegenheit bedarf sofortiger Erledigung, da von Tag zu Tag ein kaum wieder gutzumachender Schaden entsteht. Die Ausführungen Dr. Herz's machten auf alle Zuhörer einen tiefen Eindruck. Leo Munk teilt mit, daß die bisherigen Bemühungen des O. V., einen Ersatz für Herrn Dr. Herz zu finden, leider ergebnislos waren. Dr. Moses Auerbach empfiehlt zwecks Schaffung einer finanziellen Basis, daß sich Privatleute an der 2lufbringung des Gehaltes prozentual Monat für Monat beteiligen. Fisch, Trier, teilt mit, daß die Verhältnisse im Moselgebiet die gleichen wären als in Hessen. Es müsse auch dort schnellstens etwas geschehen. Geldmittel wären schon genügend aufzutreiben. Feist, Frankfurt a. M., glaubt, daß der Mangel an Lehrern nur der schlechten Bezahlung zuzuschreiben wäre, empfiehlt wegen der Dringlichkeit sofortige Sammlung der prozentualen Beteiligungen, rügt, daß bisher über diese Fragen in der Öffentlichkeit nichts bekannt wurde. E t t l i n g e r , Karlsruhe, appelliert für die religiöse Not im badischen Pezirke infolge vollkommenen Fehlens von Lehrern, glaubt, daß intensivere Arbeit in den Städten zweckmäßiger als die Kräftezersplitterung ist. Dr. Breslauer, Fürth, empfiehlt Fühlungnahme mit Eruppenverband sowie Keren hathauro. Junge Kaufleute sollen Schiurim abhalten. Dr. Mar Cohen glaubt, daß es an Geld nicht mangelt. Hauptsache: Menschen, Persönlichkeiten finden. Gesteri-eieh. Nschklänge zur Kenessio Eedaulo. Wien, 16. Sept. Einem Vertreter der I. P. Z. äußerte sich Herr Oberrabbiner S ch a p i r o aus Sanok über den ^Ausgang der Kenessio Eedaulo wie folgt: „Die Agudas Jisroel hat sich durch diesen Kongreß, der ein „Kiddusch Haschem" war, nach innen vollständig konsolidiert. Die Zeit ist nicht mehr fern, daß man die Aguda auch in der politischen Welt gebührend einzuschätzen wissen wird. Das Prestige der Agudas Jisroel ist durch diesen Kongreß gehoben worden und es trat seither eine entscheidende Wendung im politischen Leben der Orthodoxie ein. Die Agudas Jisroel wird nicht aushören, ihre intensive 2lrbeit in Erez Jisroel auf kulturellem und wirtschaftlichem Gebiete mit erneuter Kraft fortzusetzen. Die englische Regierung muß ein Interesse daran bekommen, daß die in der Agudas Jisroel vertretenen religiös orientierten Juden, die sich wirtschaftlich in Erez Jisroel betätigen, auch an der politischen Führung des Landes entsprechenden Anteil nehmen; die englische Regierung kann auf die politische Mitarbeit von nahezu 75 Prozent des jüdischen Volkes unmöglich verzichten. Wir haben jedoch nicht die Absicht, in London diesbezüglich vorstellig zu werden, sondern so lange zu warten, bis die englische Regierung überzeugt sein wird, daß das ganze, am Aufbau des heiligen Landes interessierte, jüdische Volk in der Jewish Agency vertreten sein muß. Das orthodoxe Judentum hat sich bisher im politischen >Leben nicht aktiv beteiligt und es ist daher nicht wunderlich, daß im Artikel 4 „vorläufig", also nur bis zur Bildung einer allgemein jüdischen Vertretung, die Zionistische Organisation als diejenige Körperschaft bezeichnet wird, mit der zu verhandeln sei. Wir beabsichtigen nicht zur Zeit über diesen Punkt Verhandlungen mit der Zion. Org. anzuknüpfcn; sie ifi heute nicht kräftig genug, um allein die Verantwortung für alle politischen Vorgänge zu tragen, und ihre eigene Lage wird es mit sich bringen, daß sich die Jewish Agency aus. ganz anderer, breiterer Grundlage konstituieren wird. Was die Erez Jisroel-Arbeit betrifft, so ist der Hauptzweck der Agudas Jisroel z. Zt. — und davon

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