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Der Israelit · 1923-09-24 · Heft 39-40 (24.9.1923) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 39-40 (24.9.1923)
Date
1923-09-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
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24. September 1923 Seite 4 Nr. 39/40 __ eine konstitutionelle Negierung in Palästina den Juden kein Unrecht Lun wird, glauben es die Zionisten mir denn? Mein Land ist den Juden offen. Und auch das Land meines Bruders ist den Juden offen. Alle arabischen Länder. Aber eine Voraussetzung: keine besonderen politischen Rechte. Auch nicht in Palästina. Ihr habt die Wahl: Friede und Freundschaft mit allen arabischen Völkern, oder etwas Unmöglichem in Palästina nachjagen. Ich bin für eine jüdisch - arabische Zusammena r b e i t auf Grund der Gleichheit in allen arabischen Ländern . . . Palästina inbegriffen. Wenn die Zionisten das nicht können oder nicht wollen, latzts dann die anderen, von Agudas Jisroel tun . . . Verräter? Ja, wer sich fürchtet . . . Verräter . . ein großes Wort". Sidna Abdulla hat schnell gesprochen. Die letzten Worte kurz und bestimmt. Der König von Bagdad hat sanft mit zugehört und geschwiegen. Weil der Irak von Palästina doch immerhin siebenhundert Meilen entfernt liegt. Jerusalem auf der Kenessio Gedaulo. Der Reichtum des Erlebens, das die Kenessio Gedaulo allen Teilnehmern, insbesondere den an der Arbeit beteiligten Delegierten, gebracht hat, läßt es natürlich erscheinen, daß erst allmählich die einzelnen Züge des farbensatten Bildes für die Erinnerung in voller Klarheit hervortreten und sich von dem Gesamterlebnis abheben. Das gilt auch von dem Jeruscholajim-Problem, das eine große Rolle vor --.nd hinter den Kulissen der Kenessio Gedaulo '-n spielt und die Aufmerksamkeit der Führer 'nrbesondere sehr stark in Anspruch genommen hat. Der Gegensatz zwischen dem von Rabbiner Kuk geleiteten „Misrad harabbanuth" und dem Besdin Rabbiner Sonnenfelds ist — warum sollte man daraus in den ernsten Tagen der Selbstprüfung ein Hehl machen — eine schmerzende Wunde am Körper der gesetzestreuen Gesamtheit. Diese Wunde zu schließen, wäre eine heilige Aufgabe, nicht nur um des furchtbaren QVN Wn willen, den die wilden Gemeindekämpfe in der Stadt des Friedens unausgesetzt heraufbeschwören, sondern auch weil die bitter notwendige einheitliche Front der Erez Jisroel-Orthodoxie gegenüber einer' haßerfüllten Phalanx thorafeindlicher Radikaler unter 'den heutigen Umständen nimmermehr Zustandekommen kann. _ Der Israelit_ Ist ein Friede zwischen den beiden Gruppen und Gemeinden überhaupt denkbar? Daß es sich nicht um persönliche Gegensätze handelt, nicht einmal wesentlich um persönliche Gegensätze höheren Charakters, d. h. um Einwendungen gegen die geistig-religiöse Individualität Rabbiner Kuks,- ist jedem halbwegs Eingeweihten klar. Im Grunde ist das tlierna probandum des Jerusalemer Kampfes das gleiche, das „Agudas Jisroel" der Idee nach vom Misrachi, die selbständige Orthodoxie in vielen Großstädten der Diaspora von der sogenannten Gemeinde- Orthodoxie trennt. Auf der einen Seite das klare Bewußtsein von der inneren Notwendigkeit eines nur Gott und seiner Thora unterworfenen, von allen unjüdischen Einflüssen befreiten Gemeinschaf t s kö r p e r s als einziger Gewähr der jüdischen Zukunft — auf der anderen Seite die mit unverwüstlichem Optimismus festgehaltene Vorstellung, man könne auch auf dem Boden des durchaus als Irrwahn erkannten areligiösen Volksgedankens durch Ueberredung, parlamentarische Künste, Bruderliebe und gelegentliche Drohungen die prinzipiellen Gegner des ow auch wenn sie an führender, einflußreichster Stelle stehen, mit in den Dienst der Thorazwecke hineinziehen. Ist dieser irrige Gedanke im Westen subjektiv verständlich, wo der zionistische und assimilatorische Liberalismus seine gefühlsmäßige Betontheit und damit seine Spitze gegen rechts bereits vielfach abgestumpft hat, so entbehrt er in Erez Jisroel. wie im Osten zumeist, jedweder psychologischen Voraussetzung. Durch eine Gemeinschaft, in der die politisch geschulte, kulturell überlegene und religiös radikal gesinnte Linke eine organisatorische Einheit mit den zwar sittlich und intellektuell höher stehenden, aber gänzlich unbeholfenen orthodoxen Massen bildet, muß Idee und Praxis des traditionellen Judentums auf die Dauer den schwersten Schaden leiden. Grade in Jerusalem, wo ja zur türkischen Zeit, trotz der papiernen Chacham-Baschi-Jnstitution, völlige Gemeindefreiheit und Gewissensfreiheit herrschte, würde die orthodoxe Masse zweifellos — wenn auch nicht die politische .Erfahrung — so doch genügenden Instinkt besessen haben, um sich für die gemeindliche Vormundschaft der Herren von der Linken einmütig schönstens zu bedanken — hätte das Schicksal nicht an einer entscheidungsschweren politischen Zeitenwende Rabbi Abraham Jzchak Kuk auf den Plan gerufen! Wir kennen die Persönlichkeit Oberrabbiner Kuks nur aus seinen Schriften und Taten; hier ist wahrhaft das vorhanden, was man im tiefsten Sinne Persönlichkeit nennt, mit reichem Thorawissen gepaart, ein hoher Schwung idealistischen Denkens, der die Schranken irdischer Bedingtheiten überfliegt und ferne Ziele geschichtlichen Werdens mit gläubiger Zuversicht als Gegebenheiten der Stunde antizipiert. Diese Größe des Mannes schließt zugleich die ungeheuren Gefahren seiner Wesensart und seines Wirkens in sich. Denn es ist klar, daß die Weltfremdheit der orthodoxen Massen, die wir oben gekennzeichnet, in ihren gefährdenden Wirkungen vervielfältigt wird, wenn ihr zum Führer eine über - den Realitäten und nicht in ihnen stehende Persönlichkeit wie Rabbiner Kuk erwächst. Und wenn nun, als ob sich alle dunklen Mächte gegen den Frieden Jerusalems verschworen hätten, der gefahrvolle Dreibund zwischen einem im Metaphysischen lebenden geistigen Oberhaupte, einer weltfremden Masse und lebensklugen, übergewandten liberalen Gemeindepolitikern, wenn dieser Dreibund von der Zwangsgewalt des Staates patronisiert und mit Hoheitsrechten über alle, jüdischen Seelen Jeruscholajims ausgestattet wird — wie sollte nicht der Kampf um die Freiheit der Gewissen jene erbitterte Form annehmen, die in Jerusalem zu den bekannten traurigen Ereignissen des abgelaufenen Jahres geführt hat. Es war zu befürchten, daß die Hochspannung der Jerusalemer gemeindepolitischen Atmosphäre auf der „Kenessio Gedaulo" zu heftigen Entladungen führen und der Welt das Schauspiel scharfer Gegensätze innerhalb der thoratreuen Judenheit, leicht gar eines mmn ]T>n bieten würde. Die beiden hervorragenden Männer, um deren Person die Gegner sich gruppieren, Rabbi A. I. Kuk und Rabbi Chajim Sonnenfeld, waren zwar persönlich nicht anwesend und hatten sich auf warme schriftliche Begrüßungen an die von ihnen beiden als berufenes Forum anerkannte „Kenessio Gedaulo" beschränkt. Allein um so ungehemmter konnte die Explosion der von ihren Parteigängern geführten Gruppen erwartet werden. Glücklicherweise hat sich schon an diesem Punkte die Autorität des Rabbinischen Rates bewährt. Das in dessen Namen ergangene Verbot, im Plenum über die Jerusalemer Gegensätze zu sprechen, bevor der Rabbinische Rat Stellung genommen haben würde, ward fast restlos — eine einzige, durch Ordnungsruf des Präsidiums sofort gerügte Entgleisung eines rumänischen Redners ausgenommen — respektiert. Die auf schärfste Kampfstimmung gegen -.umde Bezeichnung auch damals bereits üblich ivuc. Ein weiterer früher Beleg ist der aufgefundene plastische Wandsries der Synagoge von Tell Hum in Galiläa (um 200), der neben pflanzlichen Symbolen (Granatäpfel, Zweige) auch Hexagramm und Pentagramm verschiedentlich zeigt. Es ist der Charakter dieser Dekorationsmotive als jüdische Symbole hier wohl ohne weiteres einleuchtend, (cf. Kohl und Watzinger, Antike Synagogen in Galiläa p. 185). Das Pentagramm spielt bei den Zauberpapyri des 5. Jahrhunderts eine gewisse Rolle. Zweimal hat man bei diesen pergamenischen Funden Pentagramme aus Amuletten unter kabbalistischen Gottesnamen gefunden. Da das Pentagramm sonst in den heidnischen Zauberpapvri nicht üblich ist, wird es wohl mit den Namensoezeichnungen aus dem Judentum entlehnt sein. . Als frühester literarischer Beleg für das Vorkommen des Hexagramms gilt das Buch „Eschkol Hakoser" des Karäers Juda Hadasst aus dem 12. Jahrhundert, das neben die Namen der Engel HMgramme setzt, wobei auch hier eine apotropäische Bedeutung des Symbols anzunehmen ist. (cs. Jewish Encyclopedia T. VIII. p. 251). Erwähnt sei auch noch der Erlaß Karls IV. an die Prager Juden vom Jahre 1364, der ihnen eine rote Fahne, die mit einem Hexagramm und einem Pentagramm geziert war, anwies. Das Banner, mit dem die Juden Matthias von Ungarn entgegenzogen, führte zwei Pentagramme und zwei goldene Sterne. Zusammensaffend möchte ich als Resultat dieser kurzen Untersuchung der Denkmäler sagen: Hexagramm und Pentagramm sind alte jüdische Symbole, auch scheint der Name Mögen Dovid schon im Altertum gebräuchlich gewesen zu sein, wenn sich auch ein literarischer Beleg hierfür nicht finden läßt. Hexagramm und Pentagramm wurden in alter Zeit auch in apotropäischem Sinn als Symbole benutzt, ohne daß sich in dieser Verwendung die ganze Bedeutung des Sinnbildes erschöpft. R. E. (Die nette Zeitrechnung.) Wir lesen in der Wiener .Jüdischen Presse": Die erste Kenessio Gedaulo der Agudas Jisroel hat eine Resolution angenommen, welche der Einführung einer neuen Zeitrechnung gleichkommt. Der Oberrabbiner von Sanok hat in seinem viel bewunderten Chinuchreserate vor- «en. daß vom ersten Tage Rosch-Haschano an, mdist ein Blatt aus dem Talmud fortlaufend durchnehmen soll und jeder Tag, der eben dasTagespensum ausmacht, soll nach der Seitenzahl des Talmudtraktates bezeichnet werden. Die Begeisterung, mit welcher diese Idee ausgenommen wurde, hat nur allzu rasch einer trübseligen Ernüchterung Platz gemacht. Diele befürchten, daß in der Kalenderrechnung ein Chaos eintreten wird. Das jüdische Volk hat schon sehr viele Berechnungen und historische Momente zur Grundlage seines Kalenders genommen. Bald war der Auszug aus Aegyten, bald der Ausbau des Heiligtums in Jerusalem, der historische Wendepunkt, von dem man bei der Zeitrechnung ausging. Nachher wurde die Zerstörung des Tempels, dann der Sieg über Seleucos, als der Beginn einer neuen Zeitrechnung. Erst vom Maimuni an, nachdem die Wandelbarkeit des Schicksales das ewige Volk gelehrt hat, historischen Ereignissen keine allzügroße Bedeutung beizulegen, ging man allgemein zu der jetzt üblichen Zeitrechnung über, die die Erschaffung der Welt als den festen Ausgangspunkt des Mischen Kalenders betrachtet. Weder die Balfourdeklaration, noch der Zusammentritt der ersten Kenessio Gedaulo wird einen neuen Ausgangspunkt für die Berechnung der Jahre bilden können. Doch glauben wir, daß der Vorschlag des Sanoker Rabbiners sehr beachtenswert ist. Es ist eine traurige Tatsache, daß die jetzt bei uns übliche Zeitrechnung von der Erschöpfung der Welt beginnend, vielfach vernachlässigt wird. Teils aus praktischen Gründen, teils weil man nicht mehr an die Erschaffung der Welt glaubt. Man mutz erst Thora lernen und aus der Thora die Grundsätze für das alltägliche Leben holen, um die jüdischen Jahre, von der Weltschöpsung an zu zählen. In diesem Sinne möchten wir die neue Kalenderrechnung des Sanoker Raws gewertet wissen. Wird man die grauen Alltage des Jahres nach der Seitenzahl der Traktate bezeichnen, die zu studieren. Pflicht eines jeden Agudisten gemacht wurde, so werden wir unsere jüdischen Jahre auch künftighin von der Weltschöpsung an zählen können. Von jener Weltschöpsung an, die wie ein tiefes Wort unserer Weisen sagt, nach den Prinzipien der Thora und im Dienste der Thora vorgenommen wurde. Die Tage des Jahres nach der Seitenzahl des durchstudierten Folianten zu bezeichnen, ist somit keine neue Zeitrechnung, sondern ein origineller Gedanke, die alte jüdische Zeitrechnung von der Weltschöpsung beginnend, sinngemäß zu stärken und in dem Bewußtsein eines jeden Juden zu befestigen. Zuwendüngen für den Lubawitzer 'iu$ >2^ und seine 3 rVD'1^'1 “ Russland und Palästina nimmt entgegen Philipp Woltff, Frankfurt a. SH< Schwanenstrasse 6 Postscheck-Konto 55043.

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