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Der Israelit · 1923-09-24 · Heft 39-40 (24.9.1923) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 39-40 (24.9.1923)
Date
1923-09-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
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24. September 1923 eine wesentlich andere, wenn dieser — neben der politischen und organisatorischen Grotzarbeit des Zionismus — seine kolonisatorische Kleinarbeit fortgesetzt Hütte.. All unsere heutigen Enttäuschungen und Notstände haben hier ihre Wurzel. Und noch eines: Die zionistische Politik litt an einer unheilbaren, inneren Krankheit: an dem naturnotwendigen Gegensatz zwischen Diplomatie und Parteipropaganda. Unsere Propaganda hat unsere Diplomatie erschlagen. Die diplomatische Arbeit braucht Stille, Diskretion und ruhiges Ausreifen, die Propaganda aber Geräusch, Sensation und Lärm; der Diplomat verschweigt unfertige Teilerfolge, der Agitator schreit sie über all Dächer hinaus, vergrößert sie, übertreibt sie. Unsere Führer, seit Herzl, waren Diplomaten und Agitatoren zugleich; deshalb mußte alles kommen, wie es kam. Die arabische Erhebung gegen das Mandat hat. zu einem gewissen Teil, hierin ihren Ursprung. Am 1- März 1918 erklärte Emir Faisul offiziell seine Aebereinstimmung mit der Balfour-Deklaration. Ebenso, erklärte der Vertreter der englischen Kirche in Jerusalem sin ,,Times"), daß 1917 (nach der Balfourerklärung) bei den Arabern keinerlei feindliche Stimmung gegen die Juden zu merken sei. Doch da setzte unsere Propaganda ein, und wir schrien so laut, daß wir — „eben anderem — selbst den schlafenden Löwen weckten. Praktisch gipfeln die Ausführungen Ehrenpreis' in dem Ruf nach dem jüdischen Weltkongreß und der erweiterten Agency. Er vergißt dabei zu untersuchen, ob die von ihm so scharf gerügten, verhängnisschweren Fehler und Sünden des Zionismus nicht von vornherein auch Weltkongreß und Agency aufs schwerste belasten würden, sofern beide einen starken zionistischen Einschlag aufweisen. Wenn der „mechanistische Geist des Herzlismus", den der Verfasser als „ungeistig" und „unhistorisch" kennzeichnet, einen jüdischen Weltkongreß durchdränge und dank der propagandistischen Vielgeschäftigkeit des zionistischen Apparates beherrschte, l'o wäre das sicherlich ein noch viel schwereres Unglück für das jüdische Volk als der heutige Zustand, bei dem immerhin jeder Wahrheitsliebende feststellen kann, daß zionistische Organisation und jüdisches Volk zwei grundverschiedene Dinge sind. Warum also vom Regen in die Traufe schreiten? Bei König Feisnl und Emir Abdullah. Von Professor Aacoli I-sraek de Kaan in Aerusalem. Herr Professor de Haan, Jerusalem hatte als Korrespondent des „AlgeMeenen Handelsblad" in Amsterdam ein Interview mit König Feisul von Mesopotamien, der einige Tage zum Besuche feines Bruders Emir Abdullah in Transjordanien weilte. Wir geben seinen Bericht über die Unterredungen im Auszug wieder. „Wir treten ein. Der König erhebt sich, samid Pascha stellt vor:. „Dies ist der Freund Der Israelit von Sidna Abdulla, worüber Sidna mit Eurer Majestät gesprochen haben." — Der König sagt: „Ahlan wasalan". Hamid Pascha verläßt den Raum. Der König sagt mir, ich könne die Fragen ganz nach meinem Belieben stellen. Zuerst frage ich, warum er nach Transjordanien gekommen sei. „Um meinem älteren Bruder, den Emir Abdullah zu sehen . . . wer wird sich nicht freuen, nach sechs Jahren seinen älteren Bruder wieder zu sehen . . . und inzwischen ist viel geschehen." Ich frage, wie es im Irak aussehe? „Ruhig," sagt der König, „ganz ruhig. Der ökonomische Zustand ist nicht zum Besten, aber auch nicht schlimmer wie anderswo. Die Datteln sind zu billig. Und das Hinterland des Irak blüht noch nicht recht auf." Und die arabische Föderation? „Wenn die historische Entwicklung sie erfordert, wird sie kommen. Und wenn sie nicht nötig sein soll, wer sollte sie dann herbeiwüinschen? Die Unterhandlungen mit England führt König Hussein von Mekka. Und paßt es sich da für den König F eisul, sich hineinzumischen?" „Ich bin der König von Irak," sagt der sanfte König mit Nachdruck, „und das Wohlergehen des Irak geht darum mir am nächsten. Ich bin auch der Sohn des Sherif von Mekka . . . ein arabischer König, doch kommt die arabische Föderation für mich erst an zweiter Stelle." Und die jüdische Frage? Und die palästinensische Frage? „Pa Achie," (mein Bruder) sagt der König von Irak, „für mich gibt es keine jüdische Frage. Bagdad ist meine Residenz. Und haben vor Iahrhunderten Iuden und Araber nicht schon in Freundschaft in Bagdad gelebt? So will ich es weiter auch. Mein Finanzminister ist ein Iude, Herr Sassoon, ... in allen Ministerien können Sie bei mir Juden finden . . Und die zionistische Aufgabe? „Mein Bruder," antwortet der König, „ich bin der König des Irak . . . und siebenhundert Meilen ist der Irak von Palästina entfernt. Außerdem ist die Politik bei uns verteilt. Mein Vater und mein Bruder Ali führen die allgemeine arabische Politik. Ich bin der König des Irak. Und mein älterer Bruder Abdulla, der Sie schätzt, hat mit den Ländern des Westens sich zu beschäftigen: Syrien, Palästina. . Transjordanien." -Sidna Abdulla wünscht mich zu sprechen. Wie ich komme, spricht er noch gerade sein Mittagsgebet. Warten wir deshalb einen Augenblick. Sidna Abdulla sieht Sidna Feisul nicht ähnlich. Er ist klein und kräftig gebaut. Seine Stimme ist energischer. Nr. 39/40 Seite 3 Er spricht in kurzen, abgehackten Sätzen und klug ist er außerdem auch. Zu Ehren seines Bruders Feisul hat er heute ein Obergewand aus blaugerippter Seide an. Ein weißes Kopftuch mit goldenem Band. Und zierliche, rote Schuhe. .„Ahlan wasalan," sagt der Emir, sobald ich in sein Zelt eintrete. Der Emir Schakir, Megdel Pascha, Hamid Pascha und Dr. Tuferik erheben sich. Ich zähle nicht mit. „Ich bin glücklich. Sie wieder hier zu sehen," sagt der Emir, „es sind stets schöne Tage, wenn Sie > kommen . . . ahlan wasahlan." „Ahlan wasahlan," sagen nun auch alle Gäste. Und nun wird Kaffee herumgereicht. Tiefschwarz und sehr süß. Und wird sprechen ein paar freundliche Worte. „Ahlan wasahlan," wiederholt der Emir noch einmal. — — Aber plötzlich schaut der Emir auf: „Mein Bruder Feisul," sagt er. Und da tritt auch schon der König ein. Ein Gegenbesuch? Oder fürchtet der vorsichtige König, der Emir könne zu scharf sprechen? Der König und der Emir setzen sich und wir uns ihnen gegenüber. „Ein jüdisches Palästina? Wer soll so etwas je sehen?" sagt der Emir bestimmt, „Will England denn das noch? Lord Milner . . . Lloyd George . . Sir Martin <Zonway, ist da noch einer, der den Ausspruch des Dr. Weizmann übernimmt: „Palästina so jüdisch, wie England englisch ist?" „Er hat das nicht so schlimm gemeint," fällt der sanfte König ein, „er hat das für die Propaganda sagen müssen." „Gefährliche Worte," sagt der Emir, „ich kann Ihnen nur sagen: ich sehe kein jüdisches Palästina. Solange die Engländer in Palästina sind, wird die Politik englisch sein. Und sobald England das Land verläßt, ist das Land arabisch. Es ist seit Iahrhunderten ein arabisches Land. Seit Iahrhunderten." „Ja," sage ich, „aber das war doch die Idee: England als Mandatarmacht sollte den Juden helfen, eine wirtschaftlich gesunde Niederlassung zu schaffen, und danach die Verwaltung den Bewohnern des Landes übergeben. Das ist der Gedanke des Mandats." „Gedanken sind noch lange keine Taten/' sagt Sidna Abdulla, „ich sehe keine jüdische Mehrheit in Palästina . . . und dann ringsum arabische Länder. Ihr könnt in Palästina ohne Friede, ich meine wirklichen Frieden mit dem grobarabischen Gedanken nicht leben. Ueberall Mißtrauen. Und denken Sie, daß, wenn Dr. Weizmann sagt, daß die Iuden in Palästina keine politischen Vorrechte wollen, die Araber ihm das glauben? Und wenn ich sage, daß 6. »Denn du hast dein eigenes Volk vernachässigt. Haus Jakobs, denn sie sind voll von Oestichem, und Zeiten wählen sie nach Aberglauben der tzelischtim, und mit Kindern Fremder pflegen sie Äemeinfchaft." Es ist also in Israel so liebevoll alles Fremde repflegt worden, daß fremder Glaube aus Oft und West das religiöse Bewußtsein des Volkes überrmcherte und daß Gemeinschaft, — nach überliefertem Wortsinne: eheliche Verbindung, — mit den Kindern richtjüdischer Eltern nichts Seltenes mehr war. Auch nt der Wende des achtzehnten Jahrhunderts hielt van ja hierzulande dies für den geroden Weg zur bölkerversöhnung, ähnlich ist es ja noch heute in denjenigen Gegenden des Orients, in welchen die Kultur heute ungefähr auf der Stufe des Westeuopa von 1800 steht: in gänzlicher Entfremdung gegen >ie Thora sucht man sich vor den Völkern ais emanipationsreif zu legitimieren, und tauscht für Gottes besetz götzendienstähnliche abergläubische Hausbräuche in. Aehnlich wie die Täuflinge von 1800 einem elbst den der eigenen Religionen treusten Nichtjuden ächerlichen Fanatismus im neuen Glauben sich Eingaben. Erreicht wird nur ein ungesundes Anwachsen der öermögensmacht Israels, zu Jesajas Zeit auch seiner Wehrmacht, und ein Schwinden des heiligen Glaubens. Erhalten bleiben nicht einmal die menschlich e n Vorzüge, die humanitäre Eigenprägung des Gottesgesetzesvolkes. Nur in thoratreuen jüdischen Massensiedlungen erweist sich, wie jüngst eine Statistik ergab, die Gesundheit der des umwohnenden nichtjüdifchen Bevölkerungsteils überlegen. Denn nur unser Gottesgesetz sagt'- „Du sollst das Leben wählen". So reißen Krankheiten und Uebelftände in Israel ein. die es sonst nur an feinen Unterdrückern kannte: 7.-9. „So wurde sein Land voll Silber und Gold, und kein Ende seinen Speichern; und so wurde sein Land voll Pferde, und kein Ende seinen Wagen. Und so wurde sein Land voll Götzen; vor seiner Hände Werk beugen sie sich, vor dem, was seine Finger gefertigt haben. And es versank „Mensch" »nd erniedrigte sich Mann; «nd Krköyung gröt cs iknen nicht." So ist jede Mission Israels sein eigner Verderb, wenn sie Israel nicht auf die Wege der Thora einfchränkt. Es darf nicht unerwähnt bleiben, daß der Zorn des Jesaja hier vornehmlich an das „Haus Jakobs", d. i. nach der Ueberlieserung die Frauen Israels sich richtet. Verlassen diese das Volkstum des Gottesgesetzes (6), so kann sich Israel in keiner Hinsicht voll entfalten. Der vorübergehend berechtigt gewesene Brauch, daß Mädchen und Frauen die Sprache der Thora nicht, erlernen, mit nichthebräischen Namen benannt uno von vielen auch für sie bestimmten Gottesdiensten des Alltagslebens ausgeschlossen bleiben, hat vor einem Jahrhundert hierzulande, und heutzutage im Osten, viel zum Verfalle jüdischen Gemeinschaftslebens beigetragen. Aus dem zu Gottes Dienste einigen Familienhause Jakobs allein kann unser dauerndes Seelenheil fußen. Es ist keine schlimmere und folgenschwerere Uebertreibung denkbar als die, den Frauen und Mädchen Israels das Wort Gottes in der Ursprache zu verschließen. Es ist aber wiederum nicht Zweck des Gottesgeseßes, unterschiedslos der theoretische Lebensinhalt des ganzen jüdischen Familienhauses zu sein. Aufgabe der jüdischen Frau vielmehr ist das praktische Voranschreiten rm Lichte Gottes; dann folgt ihr, n . und diesem die ganze Menschheit. Haus Jakobs, W '■i Kleines Feuilleton. Der Ursprung des „Mögen Dovid". Zu den Aussätzen über dieses Thema erlaube ich mir noch Folgendes zu bemerken °- Die Abhandlungen der Herren Rabbiner Dr. Lauer und Dr. Dünner suchten die Frage nach dem Ursprung des Mögen Dovid im wesentlichen von der literarischen und philologischen Seite her zu beantworten, während sie den archäologischen Gesichtspunkt nur wenig beachteten. Aber gerade die Prüfung der erhaltenen jüdischen Baudenkmäler der ersten Jahrhunderte unserer Zeitrechnung gibt interessante Ausschlüsse. während die gleichzeitige Literatur des Talmud schweigt. Hexagramm (Schild Davids) und Pentagramm (Siegel Salomos) müssen nämlich bereits im Altertum als jüdische Embleme bekannt gewesen sein. Ein jüdischer Grabstein in Tarent aus dem 3. Jahrhundert (heute im Hofe des dortigen Museums ausgestellt) zeigt eine hebräische Inschrist, die der Frau des Leon, des Sohnes Davids gewidmet ist. Vor dem Namen „David" ist ein Hexagramm eingemeitzelt, eine Tatsache, die nicht nur beweist, daß der Mögen Dovid bereits damals ein bekanntes jüdisches Emblem war, sondern die durch die ausfällige Verbindung des Zeichens mit dem Namen David auch schließen läßt, daß die heute

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