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Der Israelit · 1923-09-24 · Heft 39-40 (24.9.1923) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 39-40 (24.9.1923)
Date
1923-09-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Der Israelit Seite 2 Nr. 39/40 gnade dahingestellt werden, wie am ersten Tage, da sie ihr nationales Leben auf Grund der 'göttlichen Gesetzgebung begonnen hatte und soll in dieser, von Gott verliehenen und immer wieder neu verliehenen inneren und äußeren Selbständigkeit und Freiheit von Iobel zu Iobel bis zu dem Ziele hin fortschreiten, wo sie jene weithin leuchtende nationale Erscheinung in Mitte der Völker bildet, die die Nationen alle ladet, zu ihr zu wallen, um von ihr die Gottesinstitutionen zu lernen, die allein das Recht und die Freiheit und den ewigen Frieden auf Erden verbürgen. (Ies. 2, 1f.; siehe auch Verse 18 und 19.) Dieser von Gott zu erlangenden staatlichen Wiedergeburt der Nation mutz aber ihrerseits durch die beiden großen, in Menschenhänden liegenden Restitutions- und Regenerationsakte: mypip nö'ötp und D'nay nrnsw begegnet, und beide nicht als menschlich-politische Satzung, sondern durch "lDiw nVpn» im Namen Gottes und als Nechtswirkung Seiner Herrschaft und Seines Ureigentumsrechts verkündet sein."- Aus solcher Nachdenklichkeit in der Hütte des Festes wie des Lebens führt ein Weg zu rinvV min. Und Freude an der Thora und ihren Forderungen, der Wille zur Thora und zum Betreten der Wege, auf denen sie uns aus der Not der Zeit führen will, kann heute noch ganz allein uns und die Welt retten. Wochenrundschau. Ellis Island. Ueber „Ellis Irland", d. i. die amerikanische ' .ndungsinsel für Emigranten, die sich den Ehrentitel Träneninsel ehrlich verdient hat, ist schon so viel geschrieben und geklagt worden, daß die Oeffentlichkeit kaum noch von den Berichten Notiz nahm. Wenn jemand eine Reise tut, so viel wußte man, da mutz er Leiden auf sich nehmen. Eines dieser Leiden heißt speziell für den ostjüdischen Zwischendeckler „Ellis Island". Was sollte man sich lange dabei aufhalten? Nun hat eine gütige Vorsehung einen englischen Botschafter nach Ellis Island geschickt — zwar nicht als Auswanderer, aber was er gesehen und erlebt hat und zu berichten weiß, macht auf die Welt mehr Eindruck, als all die Ströme von Tränen, die in den vielen Jahren auf der Insel geflossen sind. Der jetzt von der englischen Regierung veröffentlichte Bericht ihres Washingtone r Botschafters, Herr Ged des, stellt eine furchtbare Anklage gegen die amerikanischen Einwanderungsbehörden dar, und da es sicher steht, daß der Bericht nicht ohne Einverständnis des Staatssekretariats in Washington publiziert wurde, so mutz man annehmen, daß es auch der amerikanischen Negierung recht ist, den Absperrungspolitikern mit dieser Publikation zu Leigen, zu welchen llnmenschlichkeiten generelle Gesetze, deren Ausführung naturgemäß unteren Instanzen überlassen bleiben, führen und wie die Kulturländer Europas darüber denken. Man ist entrüstet — zunächst in Amerika über dieses „Dareinreden", und es fehlt nicht an Stimmen, die den Härten ein Ende zu machen vorschlagen — durch völlige Schließung der Grenzen. Mehr Anklang und, wie man hört, auch Zustimmung des Präsidenten Coolidge, findet ein Antrag des eben von einer Europareise zurückgekehrten Arbeitsministers Davis. Er hat auf seiner Reise die Auswanderungsfrage gründlich studiert und erklärt, daß gegenwärtig mehrere Millionen Europäer bereit seien, nach den Vereinigten Staaten auszuwandern, was Amerika gestatten werde, eine bessere Auswahl als bisher zu treffen. Er beantragt, daß den amerikanischen Konsuln in Europa das Recht eingeräumt werde, die Auswanderer einer allgemeinen Prüfung zu unterziehen und bei ungünstigem Resultat das Visum zu verweigern. Die Auswahl könne bei der Abfahrt erfolgen und sich somit bei der Ankunft der Auswanderer erübrigen. Damit würde zwar das Problem „Ellis Island" verschwinden, aber freilich nur dann, wenn nicht der Geist und die Taktik von Ellis Island auf die amerikanischen Konsulate Osteuropas verlegt werden. Eine Erkenntnis. Im letzten Heft von Bubers Zeitschrift „Der Jude" veröffentlicht M. Ehrenpreis eine ungehaltene Kongretzrede, die, grade weil sie von zionistischer Seite kommt, weiteste Verbreitung in allen jüdischen Kreisen finden sollte. Der Verfasser erblickt den Sinn der unter den Juden seit fünfzig Jahren erwachten Konzentrationsbewegung in der „ W i e d e r h e rstellung des Iudenvolkes in seiner geschichtlichen Prägung mit seinen wesenhaften Eigenwerten", und er stellt diesem wahrhaften geschichtlichen Ziele die gekünstelte Technik der ganz aufs Territoriale abgestellten zionistischen Organisation entgegen. Er fährt dann fort: 24. September 1923 Wir haben alle gesehen, wie der Zionismus unaufhaltsam von einer großen, umspannenden Idee zu einor engen und engherzigen politischen Partei zusammenschrumpfte, mit all dem Beschränkten, Kleinlichen. Abstoßenden und Häßlichen, das der Fluch allen Pacteiwesens ist, das den Parlamentarismus aller Länder heillos zerstört und das öffentliche Leben unserer Zeit so sehr vergiftet und verpestet hat. Alle zionistische Arbeit wurde von Anbeginn auf Massenwerbung, auf Augenblickserfolge, auf Propaganda eingestellt,' also auf das Gegenteil sachlicher, aufbauender Arbeit. Lesen Sie Herzls Tagebücher, aber lesen Sie kritisch, distanziert, und das ganze Getriebe unserer Partei wird Ihnen klar vor Augen treten, und Sie werden sehen, wie seine Methoden bis heute zentnerschwer auf unserer Arbeit lasten, doch ohne den unendlichen Segen seiner strahlenden, lebenspendenden Persönlichkeit. Er wollte das Volk Israel mit Politik und Propaganda vom Staub erheben; er wollte welthistorische Realitäten mit Fiktionen schaffen. Er wollte über die papierene Brücke eine Charters Israel über den Jordan führen und niit Audienzen und Kongressen das Land unserer Väter in Besitz nehmen. So entstand das Gewebe von Organisationen/ Formen, Schlagworten, Fiktionen, die heute parteimäßig den Inhalt des Zionismus ausmachen und von denen die auf ihn folgenden Führer bis auf den heutigen Tag zehrten. Diese Fiktionen konnten zur Not den rem mechanischen Parteibetrieb am Leben erhalte«- doch schöpferisch konnten sie nicht sein und Geichicinmachen konnten sie nicht: und als die ent,'-.' Stunde der Tat schlug, zeigten sie sich in ihrer ..stiuzeinneren Hohlheit und Sterilität. Mit dem strahlenden Siegestage von San Nemo begann das tragische Versagen des Kongreßzionismus. Es war unser großes Verhängnis, daß wir mit Fiktionen arbeiteten: Realitäten können nur aus Realitäten hervorgehen. Die erste Fiktion war die von der zionistischen „Lösung der Iudenfrage". Jeder klar Denkende weiß heute, daß die Iudenfrage, insofern sie die wirtschaftliche und politisch-bürgerliche Existenz der Weltjudenheit umfaßt, durch den Zionismus nie und nimmer gelöst werden kann; daß Palästina, auch im glücklichsten Falle, nur einen geringen Bruchteil der wanderbedürftigen Juden aufnehmen wird, daß somit die wirtschaftlich-politische Struktur der Weltjudenheit durch den Aufbau des jüdischen Palästinas kaum nennenswert geändert werden mag. Die einst verlachte Lehre Achad Haams vom „Merkas ha-ruach" (Palästina als geistiges Zentrum für die Eesamtjudenheit) ist heute eine Binsenwahrheit geworden; das Gerede von der Eolusverneinung nimmt hoffentlich keiner mehr ernst. Wir müssen uns auch fürderhin auf eine sehr lange Diasporaexistenz, mit Palästina als Kraftzentrum, einrichten, und — was sehr wesentlich ist — wir müssen einen modus vivendi mit unseren Nachbarvölkern zu finden suchen. Nicht minder erscheint dem Verfasser die zionistische Diplomatie als eine Fiktion, als ein „Klappern von Mühlen, die nichts mahlen." (So hat sich übrigens auch Weizmann in seiner großen amerikanischen Programmrede über die momentane Lage ausgedrückt.) Und endlich spricht er die von uns an dieser Stelle so oft betonte Tatsache aus, daß uns die zionistische Propaganda-Politik Erez Iisroel geraubt, nicht gegeben hat. Er sagt: Und heute überkommt einen das beschämende Gefühl, daß der kleinkolonisatorische Chowewezionismus doch nicht so ganz sinnlos war; unsere Position wäre heute „Nur am 15. Tage des 7. Monats". Von Dr. W. Heroin in Kamöurg. V’nn 15^": Von der Einkehr aus dem Wege der Selbstbestimmung zur Beseligung — das ist die Bahn, auf die uns der Monat Tischri leitet. Der „Freude" ist der letzte Akkord geweiht, den da unsere Religion in diesen Tagen der Weihe und Erhebung erklingen läßt. Freude? Läßt sich diese gebieten? Stellt sie sich wunschgemäß ein? Wer so fragen könnte, kennt nicht die ms» VtP nn&&» die Freude, die aus der religiösen Pflichterfüllung als deren Krönung quillt, und der versteht auch nicht recht das Festgebot: -»v'uvn m' iVv jmmn *tn w»' iwnw n in yrr unn pan ninnn rm ewsvrn Rur am 15. des 7. Monats, wenn thr eingesammelt habt den Ertrag des Landes, sollt ihr feiern das Fest des Ewigen sieben Tage. Das kleine Wörtchen „*18“ „nur" ist tief bedeutsam. Es erschließt uns voll und ganz den Sinn unseres riwv- Die Erinnerung an die 40 jährige Wüstenwanderung unserer Väter belebt unser Fest, — da muß doch wohl die Zeit feiner Feier von entscheidender Bedeutung sein. Nicht dann, wenn die Natur ihre Pracht entfaltet und hell und warm die Sonne strahlt, nicht zu heißer Sommerzeit begehen wir das Fest der Hütten, fo einladend auch da gerade der Aufenthalt in leichtgezimmerten Laubzelten fein mag. „Wenn ihr eingefammelt habt den Ertrag des Feldes", sollt ihr feiern, aus daß ihr nicht nur wegen des „Einst" feiert, sondern auch jedes Jahr von neuem Veranlassung zur Feier habt, wenn Scheuer und Tenne gefüllt sind und die Natur wieder gesegnet hat den Fleiß des Lsndmanns mit dem Ertrag den sie gespendet, vv»» irr sagen unsere Alten, — das Wörtchen -8 schließe aus, — es schließt aus die übrige Zeit des Jahres. Nur mit der Freude über die stattgehabte Ernte sollen wir verbinden die frohe Erinnerung an den in der Wüste und dann immer wieder bewährten Schutz des Heiligen. „Das Fest der Freude" kann auch nur der in Wahrheit begehen, dessen Herz schuldsrei ist und den Wurm der Reue nicht an sich nagen sieht. Da ist gerade nach dem mw »i* die mao* Feier zeitgemäß, — die da in den Hütten waltet, sie quillt aus den Tiefen des geläuterten Herzens, das sich der Gvttesnähe voll bewußt geworden. Der da die Hütte betritt, das leichtgezimmerte Zelt trotz der Herbststürme, lernt von neuem, daß nur sicher geborgen ist, der im Schutze Gottes weilt — und der Pflanzenbund, den er zu Ehren seines Schöpfers schwingt, belehrt ihn, daß nur das erfreuen kann, von dem das Wort gilt: onnpH Nehmt es euch und freut euch dessen, was euer ist. So wird der Feststrauß. das Sinnbild der Versöhnung, die Siegespalme nach heißem Ringen gegen die finsteren Triebe in der Menschenbrust. Bei einer solchen Feier ist die Freude nicht bedingt durch die äußeren Umstände — sie ist stärker als die Macht der Verhältnisse und bleibt zu jeder Zeit ein selbstverständliches Gebot des Tages. Wie ernst sich auch das Schiaffal gestalten mag und schwer der Druck aus unserer Seele lastet, — wir feiern mit unseren beiden Festsymbolen l2r>n»V als eine Quelle der Erhebung und Beseligung der inneren Stärkung und Festigung. Möge die Festwöche ihre Kraft an uns bewähren und uns als ihre köstlichste Gabe die Freude bringen, die uns über die Nöte des Tages hinweghebt und uns die Hoffnung festigt, daß die Zeit auch der geistigen Ernte für Israel nicht ausbleiben wird. — Aktuelles aus Jesaja. Von Rabb. Dr. B. Cohen in Berlin. (Schluß.) Schlimm ist dagegen jene Art des Weltbürgertums, welche darin besteht, Gottes besondere Gebote an Israel dem Interesse der Angleichung an die Umwelt zu opfern. Wohl gibt es nach Gottes Willen nur ein Einziges Recht für alle Raffen und Staaten; aber dem uns allein geoffenbarten Gesetze müssen wir trotzdem treu bleiben. Nicht Angleichung sondern Duldung ist eine Tugend. Und die Minderkultivierten erzieht man nicht durch ganzes Herabsteigen zu ihrem Niveau, sondern durch bewußtes, doch nicht ihnen merkliches Herausrankenlaffen ihres Charakters am Strahle unserer Thora und der durch sie harMonisietten Charaktere. — Seinen Zeitgenossen aber, vielleicht nicht den Unedelsten von ihnen, mutz Jesaja vorwersen, daß sie ganz aus diesen Wegen des Erziehens zur Kultur -i«a«sgerateu llied: ——

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