Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 64 (1923)
- Issue
- Heft 39-40 (24.9.1923)
- Date
- 1923-09-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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64. Jahrgang Frankfurt a. M., den 24. September 1923 14. Tischri 5684 Nr. 39/40 kiii Centratorgan tür das orthodoxe Judentum Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Mi® Abonnement ab 1. Januar 1928: Deutschland 0,30 M. monatlich (multipliziert mit der jeweiligen Schlüsselzahl des Börsenvererns): 2. Vierteljahr 4350 M. Juli 4500 M., August 27OOOO M., September? Millionen Mark freibleibend; Deutsch-Österreich: 2. Vierteljahr: 6100 M., 3. Vierteljahr 12 000 Kronen; Polen: 2. Vierteljahr: 5700 M., Juli 6000 M., August 350000 M. — Nur Vierteljahrs-Abonnements: -Tschecho-Slowaket 15 Kronen, Ungarn 600 Kronen, Jugoslawien 25 Din.; Rumänien 25 Lei; Holland 1.50 fl.; Belgien 7,50 Fr.; Frankreich 6 Fr.; Schweiz 2.50 Fr.; Italien 10 Lire; Skandinavien 4 K. England 2 sh. 6 p.; Amerika 0,75 Dollar. .Einzelnummer 1500 000 M. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 10 Goldpsennige, multipliziert mit der Schlüsselzahl des Buchhändler-Börsenvereins am Montag, für Stellensuchende 5 Goldpf., für diesiebengespalteneNonpareille-ZeileeinschließlichTeuerungszuschlag;Chiffregebühr500000M. Auslandsinserate 20 Goldpf. die Zeile. Rabatt nach Tarif. Bei laufenden Jnserataufträgen tarifmäßige Preiserhöhung jederzeit Vorbehalten. Jnseratenannahme durch den Verlag des Israelit G. m. b. H., Frankfurt a. M., Große Eschenheimer Straße 23, Telephon Hansa 6842 sowie durch sämtliche Annoncen-Expeditionen des In- und Auslands. Alleinige Jnseratenannahme für Frankfurter Geschäftsanzeigen: Jul. Schmidt, Langestratze 3. Plahvorschriften ohne Verbindlichkeit. jahlunäen drrekt' an' den Verlag auf ^ostfcheükonto ^raräsurt (Ältäin) Nr. 19802. — A u ßerdenk an arkasse Dien Nr. 79603 — Postsparkassenamt Budapest rltr. 18424 — Postscheckamt Zürich Nr. VIII 7234 — Postscheckamt Amsterdam Nr. 24869 — Böhmische Unionbank in Prag — Banca Marmarosch, Blank. & Co. in Bukarest — Filiale des Wiener Bankvereins in Agram. Der Nachdruck der Artikel und Korrespondenzen des Israelit ist nur unter genauer Quellenangabe und, soweit es stch um größere Aufsätze handelt, nur - - nach vorheriger Genehmigung gestattet. - - Bon der Hütte des Festes und des Lebens. Sukkohgedanken im Schmittojahre. Die Laubhütte als^ny riTi einerseits und andererseits mit ihrer Forderung l"inn pJO wn gilt für die Symboliker als das rechte Bild von unserem Erdendasein mit seinem nwim Charakter . . . Einheimisch und dennoch fremd, bodenständig und dennoch nur einstweilig, das ist das Haus unseres Lebens hienieden, von dem die Sukkoh ein treues Modell ist. Sieben Tage sollen wir in der Laubhütte wohnen, auch einen Teil des achten. Sieben Jahrzehnte währet unser Leben, wenn's hoch kommt, acht, dhi am uirniw dwm nnnia. Jedoch sind uns die sieben Jahrzehnte des Lebens so wenig verbürgt wie die sieben Tage des Sukkoh aufenthaltes. Unvorhergesehene Stürme Können uns schon vor Ablauf der sieben Tage, beziehungsweise der sieben Jahrzehnte aus der Hütte des Festes wie des Daseins jagen. Mischt sich dieser nachdenkliche Ernst in die satte Freude des „Einsammlungsfestes", dann greifen wir nach dem alten Buche der Lebensweisheit und rufen mit Koheleth: Eitelkeit der Eitelkeit, alles ist eitel! Aber just aus diesenl Buche gewinnen unsere Weisen soviel frohe Aus- und Aufblicke, daß uns dessen Lektüre am Herbstfeste gerade so gut zu einer Quelle des Trostes, zu einem festen Halte in unserem schweren Ringen nach dem Ewigen und Göttlichen werden kann, wown nnn ito pm no. „Welch bleibender Gewinn ist dem Menschen beschieden bei all seiner Müh^ und Arbeit unter der Sonne." Unter der Sonne wohl nicht, aber Verdienste, die über Sonnen, im Reiche der Ewigkeit verankert sind, bleiben. Somit will Loheleth, mit den Augen der Weisen gelesen, uns nicht die Freude rauben, die Stimmung Herabdrücken, sondern er lehrt uns die aus Weihe und Freude gewonnenen Werte so anzulegen, daß sie uns über die Niederungen unseres Lebens hinaustragen. Unsere Laubhütte ist so, gedeckt, daß wir, in ihr weilend, zum Sternenzelt hinaufblicken Das Inhaltsverzeichnis befindet stch am Schluffe des redaktionellen Teiles. können. Die Sterne und der Aufblick zu ihnen bleiben uns erhalten, auch wenn Dach und Wände, nachdem sie ihren Zweck erfüllt, gefallen sind. Wer im Leben gelernt hat, zu den Sternen und zu dem über den Sternen hinaufzuschauen, der fürchtet nicht den Tag, da die Hütte seines Lebens abgebaut wird, '»D DJ noy nna 'o vi ktn vb niöte arca- Das Modell unseres auf Sieben eingestellten Lebens vergrößert sich in den Tagen des Blühens mit den sieben Wochen der O m e r - zählung, steigert sich in der Schmitto des siebenten Jahres zur Jahreswoche mit krönendem Jahressabbat und erhält seine größte und höchste Form im Jobeljahre, dem sieben Schmittaus, zustreben. Sieben Tage der Sukkoh, sieben Wochen der Sefiroh, sieben Jahre der Schmitto, sieben Schmittaus des Jobel. Unsere Tage, unsere Wochen, unsere Jahre und unsere Jahreswochen, sie bauen sich alle auf der Grundzahl auf, die der Weltenschopfer bei der Wellerschaffung gewählt, und es wird von ihr ein Hauch der Ewigkeit in die trostlose Flüchtigkeit unseres Seins getragen. Es ist wieder Schmitto, unser Jahr 5684, das, wären wir noch auf heiligem Heimatboden, schon zu Anbeginn den Landessabbat bringen und beim Ausgang von einem gekrönt sein müßte. Eindringlicher wie sonst raunt es uns in diesem Schmitto-Sukkaus aus allen Ecken der behaglichen und dennoch hinfälligen Hütte zu: □'OW’im 'o pan bD -a *nsy DDK „Denn mir ist die Erde, da ihr nur Fremdlinge und Einsassen bei mir seid!" . . . Die sieben Tage des Festes, an denen wir nach kabbalistischer Angabe von den gleichen „höheren Gästen" pa^y pTWitf besucht werden, die in der Form derrilfDO auch die sieben Wochen der Sefiroh beherrschen, lenken dieses Jahr unsere Gedanken gebieterisch auf das siebe n t e I a h r mit feiner Fülle von höheren Gesichtspunkten und versetzen uns im Geiste ein ganzes Jahr hindurch auf die ruhenden Felder Judäas. Wir erleben „die großartigste, auf Aeckern und Feldern, in Gärten und Wiesen sich offen kundtuende Gotteshuldigung", erleben es, wie „in jeder Frucht, in jedem Grashalm sich die Bekenntnistat einer Nation ausspricht, mit welcher sie ihren Nationalbod.en Gott als dessen Eigentümer huldigend zu Füßen legt." Wir selbst sind ja — wie es uns auch schon die Tage der Sukkoh sagen — nur „geduldete Einwohner und Beisassen", die, aller Hoheit und allen Besitzstolzes entkleidet, zu den Aermsten den Armen, ja zu dem Tier auf dem Felde in einem Verhältnis der Gleichheit und Gleichberechtigung stehen. Die in unserem Ohre nachhallende Tekioh, mit der uns der Tag der Versöhnung in die Freude der Sukkoh entlassen hat, lenke aber unseren Sinn noch höher hinauf zu dem Sabbat hin, als dessen siebenten Teil sich unsere Schmitto gibt, zum Jobel. Am Jomkippur des Jobeljahres ertönte der freimachende Schopharruf, sodaß der Tag der individuellen Versöhnung, einmal in fünfzig Jahren zum Tage der s o z i alentiiOp, der sittlichen Wiedergeburt einer Nation auch in ihrem politischen Leben wird. Lassen wir es in allen Tönen in eine erschütterte, um die Grundpfeiler ihres Fortbestehens zitternde Welt hinaustlingen, was der Meister des jüdischen Gedankens, S. R. Hirsch, über die heilende und sittigende Bedeutung des Jobel und seine Verkündung am Jomkippur sagt: „wie die W des D’niDSn üV eines jeden Jahres die sittliche Wiedergeburt des Individuums mit allen deren heilenden und wiederherstellenden Wirkungen für das innere und äußere Leben des einzelnen als Allmachtsgeschenk der göttlichen Wundergnade bringen soll und diese Gnadenspende des Negenerierungstages die dem entsprechenden Tagespflichten von W und rfroK erzeugt und durch deren Erfüllung bedingt ist: so soll der □’niEOn dv> des Jobeljahres zugleich eine soziale und politische Wiedergeburt der Nation mit all deren heilenden und wiederherstellenden Wirkungen für die inneren und äußeren Beziehungen der Nation als Allmachtsgeschenk der göttlichen Wundergnade bringen. Alle die Gebrechen, die die Ungleichheit des Besitzes und die ganze Mannigfaltigkeit der verschiedenen Geschickesstellungen mit ihren gegensätzlichen Folgen der Opulenz und des Elends, der Selbständigkeit und Abhängigkeit usw. dem inneren sozialen Leben gebracht haben, alle die prekären Stellungen, in welche Nationen in ihren politischen Beziehungen zu anderen Staaten geraten, alle soll das Jobel sühnen und tilgen,- es soll die Nation wieder sozial gesund und politisch frei durch Gottes-