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Der Israelit · 1923-09-17 · Heft 38 (17.9.1923) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 38 (17.9.1923)
Date
1923-09-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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17. September 1923 Nr. 38 Seite 3 Der Israelit Wir nehmen an, daß lediglich in der Ausdrucksweise seitens der Freien Vereinigung dies Mißverständnis liegt. Hochachtungsvoll A. Rothschild, M. W. Kaufmann. Diese Erwiderung bestätigt nur die absolute Genauigkeit der Veröffentlichung der Freien Vereinigung; Mittelware, bessere Ware und feine Ware sind durchaus eindeutige Begriffe. Für den Mittelstand, der nicht Devisenbesitzer ist, mutz zu höchstens 24 Lire geliefert werden. Wenn jemand für ein auserlesenes Stück von Seltenheitswert mehr als 35 Lire zahlt, so ist dagegen gewiß nichts einzuwenden. Im übrigen verweisen wir aus folgende Bekanntmachung der Agudas Jisroel-Jugendorganisation in Köln, die uns leider erst nach Abschluß der vorigen Nummer zuging: An unsere Gruppen! Durch die Bemühungen verschiedener unserer Herren ist es uns gelungen, in Triest eine beschränkte Anzahl Arba Minim einzukaufen, die wir zum bedeutend ernlätzigten Preise von 12 Lire pro Garnitur an unsere Mitglieder abgeben. Da die Zeit sehr drängt, bitten wir die Gruppen, uns sofort die Zahl der von ihnen bestellten Garnituren anzugeben. Zu gleicher Zeit muß der Gegenwert in effektiv Lire oder sonstiger j Valuta an uns gesandt werden, da wir auch mit der vollen Summe in Valuta haften. Sofort nach Rauschhqschonoh werden wir die Gruppen benachrichtigen, inwieweit wir ihre Bestellung berücksichtigen können. Eventuell zu viel gezahlte Gelder werden selbstverständlich sogleich zurückgesandt. Agudas Jisroel - Jugendorganisation Leo Munk Julius Ochs. Ißisracbi und der XIIT. Kongress. Berlin, 2. Sept.^ Im Gegensätze zur Berliner „Jüdischen Presse" — sie hat inzwischen ihr Erscheinen eingestellt — ist das Jerusalemer Misrachiblatt „Hator" mit den Ergebnissen des Xlll. Zionistenkongresses sehr unzufrieden. Es nennt ihn einen der unglücklichsten Kongresse, der nichts Greifbares gebracht, nichts, was erfreuen und ermutigen könnte. Die Zahl der Mitglieder der Organisation ist dis auf die Hälfte gesunken und in der Leitung ist kein Platz mehr für Ussischkin und Jabotinski — — — Die Regie im Misrachi ist trotz stattgehabter Weltkonferenz schlecht, sonst müßte das Zusammenspiel besser klappen und die Parole einheitlicher sein. Während der Berliner Misrachi als größten Erfolg der Fraktion die Schaffung der eigenen Palästina-Erekutive bucht, äußert sich der Jerusalemer Misrachi in seinem Organe über diesen Punkt: „Es blieb bei den zwei Oberinstanzen und wir wissen, wie nachteilig diese Zwitterherrschaft unsere Arbeit beeinflußte. Man wünschte von der einen Seite die Ueberführung der Leitung nach Jerusalem, von der anderen ihr Verbleiben in London. Jerusaleni oder London, darüber läßt sich streiten. Aber London und Jerusalem, das ist ein Unding. Als hätten wir nicht mit der Erfahrung der letzten zwei Jahre schon übergenug! — Weizmanns Sieg wird ein Scheinsieg genannt und dennoch ist er, formell genommen, Sieger, er hat die ganze Verantwortung, indes er die Herrschaft mit anderen teilen muß. Keine anmutige Situation! — — —" Uns scheint es, das Jerusalemer Blatt sieht die Lage weit klarer als sein Bruderorgan in Berlin. Indes ist Klarheit hier wie dort nicht Sache des Misrachi und auch nicht zu erwarten, solange er sestgebannt aus einem Boden, der ihm seelisch kein Heimatboden sein kann, nach Halt und .Ausgleich ringt. Wer im Misrachi wirklich treu zum überlieferten Judentum hält — und wir kennen deren sehr viele — dem wird ein Wort aus dem letzten.Aufruf des „Moezes Eedaule hatora" mehr sagen, als alle Diskussionen und Resolutionen des Xlll. Kongresses, über dessen Ausgang Misrachi so im Unklaren ist, daß man in Berlin als Sieg besingt, was in Jerusalem als Niederlage beweint wird . . . 3fidi$efte$ aus Polniseb-Scblesien. Warschau, 10. Sept. Aus Bielitz wird dem hiesigen „Jud" geschrieben: Der Ruf der Agudas Jisroel hat auch die hiesigen Orthodoxen, die bis jetzt gegenüber der großen Reformgemeinde nur eine schwache Position hatten, mächtig aus dem Schlaf gerüttelt. Wir haben bereis hier Morgen- und Abendkurse für junge Leute, ebenso eine Töchterschule unter dem Titel „Veth Jakob". Innerhalb der Aguda ist ein Komitee gebildet worden, das Verhandlungen mit der Gemeindeverwaltung führt, dahinzielend, daß die Gelder der orthodoxen Steuerzahler zum Bau einer Mikwoh verwendet würde. Bei den letzten Stadtratswahlen' wurde auch ein Vertreter der Aguda gewählt. Es ist zum ersten Male, daß die Orthodoxie im Stadtrate vertreten ist, und zwar durch den Ehrenpräsidenten der hiesigen Aguda, Jizchak Rapp a p o r t. Er präsidierte als Alterspräsident der ersten Stadtratssitzung und konnte gleich bewirken, daß am Sabbat keine Sitzungen stattfinden, ein Erfolg, den man nach Maßgabe hiesiger Verhältnisse sehr hoch anschlagen muß. ver polnische UnteMchlsminlsler und der Numerus clausus. Warschau, 10. Sept. Nachdem die gesetzliche Einführung des Numerus clausus in Polen sich in die Länge zieht, versucht es der polnische Unterrichtsminister Glombinski, durch den Universitätsbehörden erteilte gute Ratschläge diese Agitatorisch freilich wird hierbei nicht unsere eigentliche Tätigkeit gestaltet sein dürfen. Zwar muß unser Geist im Dienste der edlen Gedanken der Menschheit stehn; aber mit der Verwirklichung beginnen wir besser im Kreise unseres eigenen Volkes. So enthüllt sich unser uns oft selbst von wohlwollenden Beurteilern (Lessing: „Was ist das für ein Gott, der Jemand eignet?") übel ausgelegter Auserwähltheitsstolz als bloß praktische Maßnahme. Denn wie der Engländer von der charity sagt, beginnt auch die Menschheitserziehung nur im Kreise Eines Volkes, und sie ist noch lange nicht über den „Beginn" hinaus. Darum sagt der Prophet: 5. „Haus Jakobs, wohlan, lasset uns im Lichte des Allgütigen wandeln." Nicht deutlicher kann Israel angespornt werden, im Rate der Völker nur durch Vorbild wirken zu wollen und dieses Vorbild nur durch Gerechtigkeit und Recht im eigenen Volke zu verwirklichen. Während Gottes Wort durch Micha nur kurz die Erwartung ausspricht, daß jedes Volk der Welt ohne Seitenblicke auf die Gesinnung der Anderen seinen Weg gehen möge, verkündet es durch den Mund Jesajas ganz eindeutig bestimmt die Notwendigkeit, daß Israels „Haus", d. i. seine auch im Exil unzerstörbare Heiligkeit des Familienlebens den ersten Schritt im Lichte des Allgütigen, des Gesetzgebers und Vaters der Menschheit wandle. — „Lechu", „gehet hin"!; nicht etwa nur im Kommen und Gehen vor Gottes Antlitz, sondern auch im ganzen Leben, selbst fern dem Kreise des Gott heiligen Familienhauses, soll Israels Weihe im Angesichte iedesseiner Söhne kenntlich sein; dann ist der Weg der Menschheit zum ewigen Frieden, nur dann ist er angebahnt. — (Schluß folgt). Uleines Feuilleton. Das Jahr 5684 in kalendarischer Hinsicht. Eine solche Fülle von. interessanten Daten das vergangene Jahr in kalendarischer Hinsicht bot (worüber in der nn Nummer s. Zt. berichtet wurde), so wenig bietet das beginnende dem Kalenderforschen. — Immerhin bringt es einiges Bemerkenswertes. Zunächst beginnt das Jahr mit Dienstag, was immer der Fall, wenn der vorausgegangene my nos am nnw war, und in 100 Jahren ungefähr 10 Mal vorkommt. — Das nächste nvs-Fest wird auf naw fallen, was zur Folge hat, daß wir zwei Haffokaus haben, zu Parchat 'ypb und Parschat ix (in anderen Jahren kommt stets nur eine Hafsoko vor.) Das beginnende Jahr ist ein Schaltjahr und das dritte der sogenannten rrn1?1? pp Nim». Da unsere Jahre sich nach dem Monde regulieren, ist das jüdische Jahr gegen das bürgerliche Sonnenjahr ungefähr 10 Tage zu kurz und »hne Regulierung würden unsere Festtage alle Jahreszeiten nach und noch durchlaufen. Wäre z. B. nvs in einem Jahre am 1. April, so müßte er im nächsten am 20. März, im darauffolgenden am 10. März usw. fallen, schlirßlich in den Winter. Da jedoch nvs nach gesetzlicher Vorschrift stets in den Frühling fallen mutz, werden alle 19 Jahre 7 Monate eingeschoben, und zwar ist das 3., 6:, 8., 11., 14.. 17. und 19. Jahr ein Schaltjahr. Diese Periode hat im Jahre 5681 neu begonnen, und ist in solcher das beginnende das erste Schaltjahr. zu bewegen, ohne erst die Verabschiedung des Gesetzes abzuwarten, den Numerus clausus via facti einzuführen. So erklärte Unterrichtsminister Glombinski einem Vertreter der antisemitischen „Rzeczpospolita", daß der Numerus clausus auf der Grundlage der Verordnung vom 30. Juli 1920 bereits faktisch bestehe, da die Hochschulen im Sinne von Art. 36 der genannten Verordnung mit Zustimmung des Unterrichtsministeriums die Zahl der aufzunehmenden Studenten zu beschränken in der Lage sind. Infolge des riesigen Andranges und des Mangels an freien Lehrplätzen erteile er den Universitätsbehörden generell die Erlaubnis, nach eigenem Gutdünken vorzugehen. Diesen Wink mit dem Zaunpfahl werden die polnischen Unioersitätsbehörden sicherlich bestens verstehen. Anerkennung von evederscvulen. Warschau, 10. Sept. Auf Intervention der „Agudas Schlaume Emunei Jisroel" wurde beim Schulrat eine Reihe von Cheder- und Talmud-Thoraschulen registriert, deren Besuch die jüdischen Kinder vom allgemeinen Schulzwang befreit. Es genügt hierfür ein von der betreffenden Cheder- Schule ausgestelltes Zeugnis. Zionistiscfw Terror. Wilna, 7. Sept. Aus Anlaß der Kenessio Eedaulo leistete sich das hier erscheinende radikal-zionistische Blatt „Unser Freund" einen Artikel, der die rüdesten Beschimpfungen gegen die in Wien versammelten östlichen Thoragrößen enthielt. Die Entrüstung auch in den der Aguda weniger nahe stehenden Kreisen war so groß, daß in der großen Stadtschul eine Protestversammlung einberusen wurde. Ein jungzionistischer Sturmtrupp erschien aber schon gleich zu Anfang in der Synagoge, um die Versammlung zu sprengen. Die Jünglinge ließen keinen zu Worte kommen, löschten wiederholt die Lichter aus und ließen es endlich zu einem Handgemenge kommen, dem nur dadurch ein Ende gemacht werden konnte, daß die Synagoge geschlossen wurde. Im Schulhof konnte aber die Versammlung unter freiem Himmel stattfinden, und sie schloß mit einer flammenden Protestresolution gegen die Feinde der Thora und ihrer Träger. Litauen. Zum Zcdutre des 5avvat. K o w n o , 9. Sept. Wie jetzt bekannt wird, ist die Volkszählung in Litauen auf einen Sabbat angesetzt, wogegen von einem Teil der jüdischen Gemeinde Protest erhoben wird. Leider liegt bereits ein Präzedenzfall vor, nämlich die S e j m w a h l e n , die ebenfalls auf Sabbat gelegt waren. Die damaligen Bemühungen, den Wahltermin zu verlegen oder zu verlängern, blieben ergebnislos. Nicht Das neue Jahr dürste kalendermäßig das Interesse erwecken, daß es das letzte in dem sogenannten nnn1? bm lim» bildet. Dieser Machsor bildet eine besondere Art der Kalendererechnuna, nämlich die Berechnung der T'kusauth. Unter T'kuso versteht man den Augenblick, in dem die Sonne m den Aequinoktialpunkt tritt (also den mittleren Anfang der vier Jahreszeiten); man nennt sie nach den Monaten. in die sie gewöhnlich fallen, spricht also von Tekusat Nissan (Frühlingsanfang), Tekufat Tamus (Sommeranfang), Tekusat Tischri (Herbstanfang) und Tekusat Tewes (Winteranfang). — Bei der Berechnung der T'kusauth begann man mit dem Monat Nissan, und nahm, wie die Gemoroh in n'n berichtet, als erste T'kuso Nissan den Zeitpunkt Dienstag Abend 6 Uhr an. Nach einem Zeitraum von 28Jahren treten dieTekuphotan demselben Zeitpunkte ein, nur nennt man diese Periode einen Sammelzyklus. Das beginnende Jahr 6684 bildet nun das 28. Jahr diese Periode, es beginnt im Nissan, und endet im Nissan 5685 (1925), an welch' letzterem Zeitpunkt ein neuer Zyklus von 28 Jahren beginnt. — Bekanntlich wird nach unseren gesetzlichen Vorschriften, dieses Ereignis durch Sprechen der Brocho nwiy jpimto nwa gefeiert (es wird dies am nvs 5685 13. April 1925 stattfinden). — Erwähnen wollen wir noch, daß das Jahr 6684 ein Schmittojahr ist, in welchem die thoratreuen Ackerbesitzer in Erez Jisroel keine Feldarbeit vornehmen. — Unsere Leser sind hiervon durch wiederholte Hinweise und Aufforderung zur Unterstützung dieser Kreise aufs eingehende unterrichtet. Frankfurt a. M. Joseph Bender. - . . 1

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