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Der Israelit · 1923-08-30 · Heft 35 (30.8.1923) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 35 (30.8.1923)
Date
1923-08-30
Page
– (sequence 10)
Language
German
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N T i leitende Referat, hielt Dr. Soloweitschik. Seine Ausführungen bewegen sich hauptsächlich um die Frage der Heranziehung der Nichtzionisten. Die Notwendigkeit dieses Schrittes sei ernstlich zu prüfen. Man gäbe sich keiner Täuschung hin, als könnte man im gegebenen Momente die Geister, die man einmal heraufbeschworen, wieder los werden. Die Erweiterung würde ja schließlich zu einem Weltkongreß führen. Ist die Notwendigkeit dieses Schrittes wirklich unabweisbar, so sei man sich darüber klar, daß damit eine Aenderung der zionistischen Organidation herbeigeführt und ein ganz anderer internationaler Zustand geschaffen würde. Man müsse die Meinung und den Standpunkt dieses Kongresses in dieser wichtigen Frage abwarten. — Es entspinnt sich eine lebhafte Debatte, in der die einen sehr scharf gegen die neuen Versuche ins Feld ziehen, während die anderen, besonders die Deutschen, deren Sprecher u. a. Kurt B l u m e n s e l d ist, sehr für sie eintreten. Auch die Fraktion der zionistischen Demokratie läßt durch Dr. Margulies eine Erklärung gegen die Erweiterung abgeben, während Minister Rosenbaum aus Litauen sich dafür ausspricht, ebenso Dr. Deiches aus England, und Vertreter aus Griechenland und Amerika. Schächter spricht sich im Namen der r u nt ö n ischen Landsmannschaft für die Erweiterung aus. Ein M i s r a ch i Vertreter und ein Vertreter aus Ostgaltzien wünschen, daß die Frage der Erweiterung einem jüdischen Weltkongreß überlassen werde. Andere bemängeln, daß der Begriff der Jewish Agency überhaupt noch nicht genügend geklärt sei. Dr. S y r k i n von der Poale Zion polemisiert scharf gegen Misrachi und ist der Meinung, daß nur „die der gesamten Kulturmenschheit heiligen Wahrheiten der Thora beim Ailfbau Palästinas eine Rolle spielen könnten." Im Namen des Misrachi tritt Dr. Barth Syrkin entgegen. Er sagt, nach dem Baseler Programme sei Palästina für das jüdische Volk und nicht für die zionistische Organisation zu erstreben. Die Debatte wird in den folgenden Sitzungen fortgesetzt. Es sprechen noch Dr. Nacht für Weizmann, und dann Usischkin, der kein Vertrauen zu den großen Männern außerhalb des Zionismus hat. Sie alle hätten, beispielsweise Morgenthau, sehr enttäuscht. Es sprechen noch viele andere über dieses Thema und endlich wird die Frage dem Permanenzausschuß zur Ausarbeitung bestimmter Vorschläge übertragen. Der Permanenzausschuß ist aber in der folgenden Sitzung nicht in der Lage, eine eigene, einheitliche Resolution vorzulegen, und muß vielmehr die einzelnen Landsmannschaften ihre eigenen zum Teil widerstreitenden Vorschläge vortragen lassen. Es folgen nun solche von der zionistisch-sozialistischen Arbeiterpartei „Hitachduth" (für), der Fraktion der zionistischen Demokratie (gegen), des sozialistischen Verbandes „Zeire Zion" (gegen), der Poale Zion (gegen), der Fraktion „Dror" (gegen). Der Teil des Antrages, der 'lautet, „der Kongreß nimmt den Bericht zur Kenntnis" wird mit 147 gegen 72 Stimmen angenommen. Die Sitzung schließt mit einem Referat Dr. R u p p i n s über die P a - lästinaarbelt. Weitere Referate halten in den nächsten Sitzungen Salman Rubaschow über dieChaluzimbeweg u n g e n, für die er zionistische Organisation und Keren Hajessod zur kräftigen Hilfe anruft. Daraus folgen -Resolutionen der Nationalfonds-Kommission" und der Universitätskommission. Im Namen der vereinigten Landsmannschaften gibt Oberrabbiner Dr. Chajes eine Vertrauenserklärung für Weizmann ab. Die vereinigten Landsmannschaften wollen ihm bei seiner Arbeit mit aller Kraft unterstützen. (Lebhafter Beifall.) In der Mittwochsitzung liegen zunächst Anträge der Keren Hajessod-Kommission vor, worüber sich eine lebhafte Debatte entwickelt. Sie schließt dann mit einer Art Programmrede Dr. Weizmanns über die zionistischen Beziehungen zur Mandata r m a ch t, zu den Arabern, die Jewish Agency, die Palä st inaarbeit und den Keren Hajessod. Bezüglich der Araber ist er optimistisch und mahnt zum guten Einvernehmen. Die Heiligkeit des Mandates hält er für unantastbar. In geschickter Weise vertritt er seinen Standpunkt in der Frage der Heranziehung von Nichtzionisten und bittet um Anspannung aller Kräfte für die Unterstützung des Keren Hajessod. Ueber finanzpolitische Fragen referiert Dr. Arlo s o r o f f. Die Resolutionen betreffend' Organisationen und Propaganda wie die Palästina-Arbeit -sind im Sinne der Referate gehalten und werden angenommen. Die Schlußsitzung findet in der Nacht von Samstag zu Synntag statt. Vor Eintritt in die Be ratung verliest Oberrabbiner Jakob Meir-Jerusalem ein Schreiben, in dem auf die Leiden unserer Brüder in Persien und Mesopotamien hingewiefen wird. Nachdem wird von H a n t k e der Bericht der Organisationskommission erstattet, über den stundenlang debattiert wird In der Hauptsache gehts um die Erhöhung der Mitgliederzahl des A. C. von 25 auf 35, die Festsetzung des Schekels entsprechend der inneren Kaufiraft des Geldes in den einzelnen Ländern, die Verpflichtung der Zionisten, die dazu imstande sind, den goldenen Schekel zu entrichten und die Bestimmung, daß das passive Wahlrecht zum Kongreß gebunden sei an den Nachweis der Pflichterfüllung gegenüber dem Keren Hajessod. Als der Kongreß auf eine Debatte über die einzelnen Resolutionen der politischen Kommission verzichtet, erklärt Kaplansky für die sozialistischen Gruppen Poale Zion und Zeire Zion, ebenso L o ck - s ch i n für die kleine Gruppe „Dror", daß diese sich der Abstimmung über die politischen Resolutionen ent halten haben. Als nunmehr Stricker die Rednertribüne besteigt, um namens des Permanenzausschusses die Vorschläge für die Wahlen in die Exekutive, des A. C. usw. zu unterbreiten, verläßt auch die unter Führung von Erünbaum stehende demokratische Fraktion den Sitzungssaal. Die Vorschläge des Permanenzausschusses werden vom Kongreß ohne jeden Gegenvorschlag angenommen. Somit sind gewählt: als Präsident Dr. Weizmann, als Vorsitzender der Exekutive Nachum S o k o l o w. Fast alle Führer von Namen sind im A. C. vertreten oder mit anderen Ehrenämtern betraut worden. Mit Schlußreden Sokolows und Weizmanns wird der Xlll. Zionistenkongreß in später Nachtstunde geschlossen. DU IMrrsHl-MiiilonMeiir. Karlsbad, 5. August. Am 1. August wurde im Hotel Sanssouci zu Karlsbad die Misrachi-Weltkonferenz eröffnet, an der etwa hundert Vertreter teilnehmen. Die mehrtägigen Debatten waren der Frage der Erweiterung der Jewish Agency und des Weltkongresses gewidmet. Die Meinungen prallten hart aufeinander. Der Referent über die Frage „Weltkongreß und Jewish Agency", Herr Dr. A. Bcrrth (Berlin), lehnte jedes Provisorium und jedes Kompromiß ab, was besonders von Farbstein (Polen) und Rabbi Meier Berlin (New-Pork) unterstützt wird. Ungefähr die Hälfte aller Delegierten sind Gegner dieser Richtung. Auch der eingesetzten Resolutionskommission ist es bis heute nicht gelungen, sich auf einen allen genehmen Kompromißtext zu einigen. _•_ Uott der Cräneninsel. New-York, 20. Juli. Einwanderungsbestkmmungen verschärft oder ganz abgeschafft werden soNen, weiter. ‘ RaMiner-Konferens. New-Pork, 20. Juli. Der Verband der Rabbiner von Amerika (Kneses Rabbonim) hielt vom 25. bis 27. Tamus seine jährliche Konferenz ab. Der Verband, dem 150 Rabbiner als Mitglieder angehören, entfaltet unter Leitung seines Präsidenten Rabbi Wolf Margulies in Newyork eine rege und segensreiche Tätigkeit auf allen Gebieten des religiösen Lebens. Nach Begrüßung und halachischem Vortrag des Vorsitzenden ging man zur Tagesordnung über, an deren erster Stelle die Palästinaarbeit steht. Rabbi Jurmann berichtete mit Tränen in den Augen über die Vorgänge in Palästina und die antireligiösen Strömungen im Lande, besonders die Sabbatentweihung in Tel Awiw. — Rah bi Simon Glaser weist auf die Not der wahren Chaluzim, der Pioniere des alten jüdischen Geistes im heiligen Lande hin. Er selbst war in Amerika eifrigster Befürworter des. Mandates bei den Regierungsstellen, nun breche ihm das Herz beim Anblick der dortigen Zustände. — Rabbi Epstein klagt, daß fromme Rabbiner, die am „Keren hajessod" nicht Mitarbeiten wollen, direkten Verfolgungen von Seiten der Zionisten ausgesetzt sind. Auch andere Redner äußerten sich in diesem Sinne. Es wurde dann eine Resolution folgenden Inhaltes gefaßt: „Der Rabbinerverband für Amerika und Kanada schließt sich einmütig der Weltorganisation Agudas Jisroel an und will daran. arbeiten, den Agudagedanken in der orthodoxen Judenheit zu verbreiten. Der Verband appelliert an alle Juden Amerikas, die Mitglieder frommer Gemeinden sind, der Aguda als Mitglieder beizutreten und den Palästinafonds zu unterstützen, der ausschließlich dazu dient, Palästina im Geiste von Thora und Tradition auszubauen." Des ferneren wurde eine Resolution angenommen in Sachen der Erziehung, des Kaschruswesens usw. Es soll die Vereinigung aller orthodoxen Rabbinerverbände zu einem ansehnlichen Machtsaktor im amerikanischen Judentum angestrebt werden. Rabbiner M a i m o n aus Warschau überbrachte Grüße der Warschauer Rabbiner. Die Konferenz schloß am Mittwoch mit einem geselligen Mahle, das durch herrliche Thoraworte gewürzt war. Mllnger. New-Pork, 16. Aug. Der vom Rabbinerverbände entlarvt Renegat und Pseudorabbiner T i l l i n g e r treibt wieder sein Unwesen. Wie verlautet, befindet er sich auf dem Wege nach Brasilien, um dort wieder einen Rabbinersih einzunehmen. Wiewohl er, wie seinerzeit berichtet, aus der genannten Rabbinerversammlung einen Eid geleistet hatte, keinen Rabbinerposten mehr zu belleiden, glaubt er sich an diesen ihm angeblich aufgezwungenen Eid nicht halten zu müssen. Cs ist Pflicht jüdischer Zeitungen, alle Gemeinden in Europa und Amerika vor Tillinger zu warnen. Das „Jüdische Tageblatt" meldet unter dem 26. Tamus: Ungefähr 1500 Passagiere, unter, ihnen mehrere hundert galizische Juden, sind gestern auf der Einwanderungsinsel gelandet. Der größte Teil der jüdischen Emigranten besteht aus Handwerkern, die, gesund und arbeitswillig, keine Schwierigkeiten bei der Einwanderung finden werden. Doch wird es bei Anderen Mühe kosten. Ein Einwanderer erzählte, daß man letzthin in den Nastagruben zu Borislaw in Galizien 300 jüdische Arbeiter entlassen hätte. Die Arbeitslosigkeit unter den Juden wächst täglich, da die Polen mit aller Energie daran sind, die jüdischen Arbeiter aus den Betrieben herauszudrängen. Die russische Quote für Juli war bereits um die Hälfte des Monats erreicht, sodaß bis zum August keine neuen Emigranten aus Rußland eingelassen werden. Unter den Einwanderern befanden sich auch 9 jüdische Waisenkinder im Alter von 6—15 Jahren. Ein Junge, namens David Margolin, kam aufs Geratewohl, um seinen Vater in Amerika zu suchen. Ueber die Behandlung auf der Insel haben die Emigranten in mancher Beziehung zu Nagen. Inzwischen geht in Amerika unter den Politikern der Streit darüber, ob die Bücher-preise. Schlüsselzahl (gemäß Festsetzung des Börsenvereins der Buchhändler in Leipzig) ab 29. August: 1200000* Der teweilige Verkaufspreis ergibt fich durch Multiplikatio« der Schlüsselzahl mir dem Grundpreis. Ci Hirsch, Versuche (Thoreb) geb. 8.— 6.— , Gebete (Tefillo) geb. 12.— 9.— brosch. Lehman», Samuel Ha-nagid.1.50 Schachnorvitz, Merelatka.1.50 „ Luftmenschen.1.50 „ Jenseits.160 „ Ärn Judenstaat der Ehasaren . 1.60 Judäus, Der Baalfchem von Michelstadt . . 1.60 Ausland: 200°/„ Valutazuschlag. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen sowie direkt vom Verlag zuzüglich Versandspesen unter Nachnahme. aeb. 2.50 2.50 2.50 2.50 2.50 2.50 Frankfurt a. M. Verlag des Israelit G. m. S. H. iri

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