Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 64 (1923)
- Issue
- Heft 35 (30.8.1923)
- Date
- 1923-08-30
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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3ft August 1923 Der Israelit Nr. 35 Seite 11 Personalien. Aaööiner Ar. Leopotd Zlosenak Bremen, 22. Aug. Wie ein Blitz aus heiterem Zimmer kommt die Nachricht vom plötzlichen Hinscheiden Rabb. Dr. Rosenaks. Auf einer Reise von Amerika nach der Heimat wurde der Unermüdliche auf dem Schiffe vom Tode überrascht und seiner Familie, seiner Gemeinde und der jüdischen Gemeinschaft entrissen. Weit über das Weichbild seiner Heimat war der Name Rosenak bekannt als der eines Helfers und eines Retters in Not und Drangsal. Aus einer angesehenen Familie in Galizien entstammend, ein Schwiegersohn des verewigten Lübecker Naw Dr. Carlebach war er eine der treuesten Stützen des orthodoren Judentums in Deutschland. Ein Mann der Tat war Rosenak wie kaum ein zweiter. Wieviel Segen er in schwerer Zeit als Feldrabbiner im Osten und Südosten gestiftet hat, davon wissen die jüdischen Soldaten, die in den dortigen Armeen die Kämpfe mitgemacht haben, weist die jüdische Bevölkerung in den östlichen Kriegsgebieten viel 'zu erzählen. Unzählige Auswanderer verdanlen es seit vielen Jahren Rosenak, datz ihnen aus der Ueberfahrt eine rituelle Verpflegung möglich war, wie überhaupt die Emigrantenhilfe ein Hauptfeld seiner hingebungsvollen Liebesarbeit war. Dabei war er seiner Gemeinde ein treuer Lehrer und Führer, ein liebevoller Berater jedem Einzelnen. Der Verlust ist ein unersetzlicher nicht nur für die Gemeinde Bremen, sondern auch für die jüdische Gesamtheit, die ihm unter ihren Besten ein ehrendes Andenken bewahren wird. rp"Q^ jTHiJ "DT* Königsbach, 27. Aug. Am 26. August feierte das Ehepaar Jonas Daube u. Frau Babette geb. Benedikt in Königsöach das Fest der goldenen Hochzeit. Giehen, 15. Aug. Unser geschätzter Mitarbeiter, Herr Rabbiner I. I. Weinberg, Dozent an der Universität Giehen, früher Rabbiner in Pilwischki, hat mit seiner Arbeit: „Die alten Versionen zum Pentateuch" summa cum laude, promoviert. Die Arbeit hat bereits in Gietzener Fachgelehrtenkreisen Aufsehen erregt, und dürfte sich auch die jüdische Fachwissenschaft mit derselben hinsichtlich der darin ausgestellten grundlegenden neuen Gesichtspunkte, nach Veröffentlichung, auseinandersetzen. Wallertheim (Rheinhessen), 9. August. Am vollendete der Seniorches der Getreidesirma Karl Jsaac u. Eo., Herr Karl Jsaac, sein 70. Lebensjahr. Herr Jsaac ist seit 1877 ununterbrochen Bal Tokeah der hiesigen Gemeinde und seit der „lehrerlosen" Zeit vollzieht er auch die Funktion des „Leienens". Seine Verdienste um das synagogale Leben der Kehillo hob der Gemeindevorsteher unter gleichzeitiger Danksagung namens der Gemeinde hervor. Möge ihm ein hohes Alter befchieden sein und er sich der Segnungen erfreuen, die von ihm ausgehen. Vermischtes. Berlin, 14. August. Man schreibt uns: Das Gotteshaus, Schöneberger Ufer 26 gelegen, bekannt seit Jahren unter dem Namen „Synagoge Potsdamer Brücke" ist leider von einem schweren Mißgeschick betroffen worden. Einbrecher haben in der Nacht vom Sonntag, den 12. b. M. zum Montag, den 13. d. M., wobei ihnen die durch den Streik verursachte schlechte Beleuchtung der Straßen zustatten kam, einen Einbruch in dieselbe verübt. Sie haben aus der Synagoge sämtliches Silber, sowie kostbare Vorhänge und Thoramente, die sie in ruchloser Weise von den Thora-Rollen abgeschoben haben, sowie Läufer und Teppiche gestohlen. Obwohl sich unser altes Gotteshaus dank der kräftigen Mithilfe und Opferwilligkeit fast aller Mitglieder in der letzten Zeit wieder auf einer schönen finanziellen Höhe befindet, so ist es natürlich ganz. unmöglich, daß der notwendige Ersatz für die gestohlenen Wertgegenstände aus eigenen Mitteln der Synagoge je wieder 'angeschafft werden kann. Wir würden es deshalb freudig begrüßen, wenn alle diejenigen und besonders auswärtige Mitglieder, denen an der Erhaltung und Ausschmückung eines alten, schon beinahe 50 Jahre bestehenden Gotteshauses gelegen ist, sich veranlaßt sehen würden, durch Sach- oder Geldgeschenke den Schaden wieder gutzumachen, damit unser altes Gotteshaus wieder in neuem und erhöhtem Glanze erstrahle. Shanghai (China), 15. Mai. Der Antisemitismus ist hieizulande eine fast unbekannte Erscheinung. Umso größeres Aufsehen erregt ein jüngst in T i ett t f t n vorgekommener Fall. Der jüdische Inhaber einer großen dortigen Handelsfirma, Gebr. Gerschewitz, der ausgedehnte Geschäftsverbindungen mit Amerika unterhält, verlangte im Frühjahr einen Paß zur Reife nach den Vereinigten Staaten. Die von dem amerikanischen Vizekonsul geforderten Referenzen wurden beigebracht. Aber es verfloß Woche, nach Woche, ohne daß die Bewilligung des Visums erfolgte. Endlich wurde dem erstaunten Bewerber mrtgeteilt, daß fein Gesuch in Washington abgelehnt sei. Die hierauf angestellten Nachsorschungeu ergaben, daß der amerikanische Konsul in Tjentsin die Ablehnung des Visums aus folgenden Gründen empfohlen hatte: Erstens habe Gerschewitz einen Bruder, der Sowjet-Kommissar in Sibirien sei, und zweitens betätige sich Gerschewitz sehr lebhaft in jüdischen Gemeindeangelegenheiten und spiele auch in der lokalen zionistischen Bewegung eine führende Rolle. Der unerhörte Uebergrifs des amerikanischen Konsuls dürfte wohl bald seine Sühne finden, da man in Washington nach Darstellung des Sachverhaltes gewiß 'nicht zögern wird dem sonderbaren Konsulatsbeamten etwas mehr Verständnis für bürgerliche Gleichberechtigung behubringen oder aber ihn von seinem Posten abzuberufen, für den ihm offenbar jede Qualifikation fehlt. Bukarest, 29. Juni. Die Königin von Rum ä n i e n hat kurz vor Antritt der polnischen Reise des Königspaares den ihr von einer jüdischen Delegation übertragenen Titel einer Ehrenaufseherin des neugeöffneten Sanatoriums für jüdische Lungenleidende angenommen. Lengnau (Schwetz), 2. Aug. Im Israelitischen Altersasyl vollendet die Insassin Frau Regina Guggenheim am 3. August in körperlicher und geistiger Frische das hundert st e Altersjahr. Der aargauische Regierungsrat hat an Frau Guggenheim ein Gratulationsschreiben gerichtet. Sprechsaal. Aus Bayern wird uns geschrieben: Noch wenige Wochen trennen uns von dem kommenden Sukkotfeste und damit wird eine Frage akut, die für viele unserer dem Mittelstände angehörenden Glaubensgenossen von der weitgehendsten Tragweite ist, nämlich die Beschaffung von nw und JimK- Nach dem heutigen Stande der Valuta und nach der von den Importfirmen verlangten Vorauszahlung von den Händlern zu schließen, kämen diese Ritualien aus nahezu 1 Million Mark, eine Summe, der selbst der heutigen Geldentwertung Rechnung getragen, von vielen, vielleicht von den meisten Glaubensgenossen nicht aufgebracht werden kann, denn nicht bei Allen hält die Verdienstmöglichkeit mit der Markentwertung gleichen Schritt. Es wird deshalb Sache der einschlägigen Organisationen sein, rechtzeitig Schritte zu unternehmen, um allen, die daraus reflektieren, die Anschaffungsmöglichkeit zu bieten. Vielleicht setzt, die Kenessio Gedaulo diesen Punkt aus ihr Programm. Auf alle Fälle sollte eine Monopolstellung für die Einfuhr vermieden werden, denn nur durch eine freie Konkurrenz werden die Preise billiger. Ebenso ist zu berücksichtigen, datz die Valuta zur Zeit des Ankaufes vor 1 oder 2 Monaten um bedeutend besser war. — s— (Der normale Preis für Mittelware dürfte nach unseren Informationen etwa 15—16 Italien. Lire, also etwa 3 Will. Mark sein. Red.) Köchste Zeit. - Aus einem Badeorte wird uns geschrieben: Ich srug hier einige Glaubensgenossen, ob in ihren Gemeinden, wie bei der Jsr. Religionsgesellschaft in Frankfurt a. M., die Mazzos für das nächste Jahr sichergestellt seien. — Dies wurde von allen Herren verneint, und hielte ich es für recht empfehlenswert, den Gemeindevorständen die Anregung zu geben, nach dem Muster der Jsr. Religionsgesellschaft schon jetzt mit ihren Mazzoslieseranten zwecks Mehlbeschaffung resp. Sicherstellung des entsprechenden Betrags in Devisen zu verhandeln und die aus die einzelnen Mitglieder entfallenden Beträge schon jetzt einzuziehen. Es stehe andererseits bei der anhaltenden Teuerung und Geltentwertung zu befürchten, daß viele Juden, oder gar ganze Gemeinden zu nDD keine Mazzos beschaffen werden oder können, wenn sie sich jetzt nicht zu dem noch verhältnismäßig niedrigen (!) Preis eindecken. I. H. „Vor den Kongressen". Von Professor Dr. Mar Eisler. Die verehrte Redaktion des „Israelit" hat meinen Aufsatz „Vor den Kongressen" mit einer Nachschrift versehen, die ich — im Interesse der Sache — nicht unwidersprochen lassen darf. Ich habe eine Polemik nicht gesucht. Aber da sie sich jetzt von selbst ergeben hat, scheint mir die Fortführung der Diskussion vor der Oeffentlichkeit im allgemeinen jüdischen Interesse gelegen. Denn so wie jetzt jener Aussatz und seine Nachschrift gegeneinander stehen, mutz jedermann glauben, datz die redaktionelle und meine Anschauung schlechthin unvereinbar sind. Das sind sie nun glücklicherweise nicht. Aber es wäre gerade im gegenwärtigen Augenblick gefährlich, den naheliegenden Irrtum weitere Kreise treiben zu lassen. Mit Verlaub! Der Verfasser der Nachschrift folgt nicht meinen Spuren, er geht seinen eigenen Weg. Er zieht — ich brn überzeugt: im besten Glauben — aus meinem Aufsatz Schlüsse, zu denen ich keinen Anlaß gegeben habe, und er errichtet eine Angriffssront, für die er die Bausteine nicht von mir bezogen hat. Ich hatte, bewußt und deutlich genug, vom Standpunkte des sozialen Fürsorgers gesprochen, also von einem bestimmten, eng gezogenen Horizont. Aber dieser Horizont ist nicht so eng, datz er „ausschließlich in der Alltagsfürsorge für die körperliche Not des Bruders" ausgehen würde. Eine solche Auffassung muß ich schon als Anwalt des von mir — und nicht nur von mir — geleiteten „Jüdischen Hilsswerkes" entschieden ablehnen. Wir erziehen die uns anvertraute Jugend nicht nur zur körperlichen Tüchtigkeit, sondern auch zur Religion und Humanität, also zum vollwertigen jüdischen Menschen. Und in unserer ErziShung bleibt noch Raum genug für ein mutiges politisches Bekenntnis, das jeder nach seinem freien Ermessen wählen kann. Damit sind wir schon bei dem Kern jener Entgegnung. Ihr Verfasser schreibt, als hätte ich der Weltflucht und der mit ihr verbundenen politischen Indolenz das Wort geredet. In Wahrheit habe ich nur die Auswüchse der Politik beklagt, also nicht die Tatsache, sondern nur die verwilderten Formen des Kampfes. Mit dem ungenannten Autor bin auch ich der klaren und festen Ueberzeugung. datz diese Kämpfe ein Wahrzeichen für die Lebendigkeit des Judentums in unseren Tagen, datz sie sittlich und religiös notwendig sind, aber ich sehe nicht — bei Freund und Gegner — die „Würde", mit der sie angeblich gefllhrt werden. Uebrigens habe ich mich mit den Angelegenheiten der Politiker gar nicht befaßt, ich wünschte nur den Abbau des Haffes, die Wiederausrichtung der jüdischen Nächstenliebe aus einem von Natur aus unpolitischem Felde der sozialen Fürsorge. Hier wäre ich dem verehrten Verfasser der Nachschrift gerne begegnet. Aber er wollte es nicht. Er spricht mit derselben Beharrlichkeit von Politik wie ich von sozialer Fürsorge. Das wäre nicht so schlimm, wenn er wenigstens den Versuch unternommen hätte, diese beiden Gebiete innerhalb seines Gesichtskreises miteinander in Verbindung zu bringen. Wir hätten dann endlich einmal den Standpunkt des Politikers zu unserer Sache kennen gelernt. So aber begnügt er sich, die soziale Hilssarbeit zu deklassieren und die leider bestehende Fremdherrschaft von Politik und Fürsorge offiziös zu sanktionieren. Ich hatte praktische Anregungen vorgebracht, er geht daraus nicht ein, sondern bleibtbei einer allgemeinen, unbestimmten Negierung. Seine Entgegnung hat unsere auch innerlich schwierige Situation nicht gefördert. Die soziale Fürsorge ist allem Anscheine nach noch nicht bis in die Sphäre der politischen Probleme vorgerückt, in ihrer weittragenden prinzipiellen Bedeutung noch nicht erkannt. Sie wird bis auf weiteres ihr Aschenbrödel-Dasein sortsühren müssen. Das macht unsere Arbeit von Tag zu Tag nur schwerer, ohne daß wir darum verdrossen oder die Hoffnung auf eine günstige Wendung verlieren würden. Der Tag wird kommen, wo die hermliche Prinzessin ihre Lumpen abwirft und lächelnd zwischen den wiedergesundenen Brüdern steht, die nun einml — trotz allem — doch Brüder sind. (Wir werden dazu noch Stellung nehmen. D. Red.) Briefkasten. G. I. Berlin. Sie schulden uns bis 1. 9. 23 79350 Mark. A. E. in Bratislavg. Falls es sich um ein Mädchen handelt, wenden Sie sich an Frau A. Feuchtwanger, Mädchenpenstonat, Fürth i. B., Nürnbergerftraße 8. H. L. in Hb g. Frs. 5 empfangen, Frs.2 für Abonnement verbucht. Salomo, der Falascha, kostet jetzt für Israelit-Abonnenten 2 Mill. Mk. zuzgl. Porto und Verpackung. — Die Abschaffung des leisen Schemone-Esre-Gebetes in einer Synagoge sti eine der schlimmsten gesetzwidrigen Reformen. Sie durch Mitwirkung zu fördern, halten wir nicht für erlaubt. Eine Zollgrenze ist kein Eruw. R. A. in M. Sie schulden uns noch für den Monat August Mk. 35000. Frankfurter Berichte. Soziale Kommission der Agudas-Iisroel. Die Kleiderausgabestelle, die bisher in der Lage war, ihren Betrieb in bewährtem Umfange trotz der immer weniger werdenden neuen Zugänge aufrecht zu erhalten, ist durch die bei der furchtbaren Teuerung stets anwachsenden Nachfrage gezwungen, ihre Bestände auszufüllen, um vor allem auch den durch. den kommenden Winter immer größer werdenden Bedarf befriedigen zu können. Sie bittet daher alle dringend, ihr jedes noch brauchbare entbehrliche Kleidungsstück zur Verfügung zu stellen. Die Kleider (Schuhe, Wäsche etc.) können im Lokale, Hanauer Landstraße 17, abgegeben werden, resp. werden solche aus Wunsch abgeholt. Diesbezügliche Mitteilungen bitte an Herrn H. Flörsheim, Hanauer Landstraße 17 (Agudo), Telefon H. 3263, zu richten. Die Soziale Kommission beabsichtigt, während Chaul hamoed Sukkauth, Morgen-Kaffee zu verabreichen. um jedem den Frühstücksgenuß in einer Sukkoh zu ermöglichen. Alle Interessenten für eine solche Einrichtung werden mit Rücksicht auf eine entsprechende Vorsorge ersucht, ihre Anmeldung baldmöglichst an Herrn Fritz nt er n, Langestraße 18 (Hansa 3441) zu richten. Näheres wird alsdann noch bekannt gegeben. Kevessio Gedaulo. Der Vorstand der Agudas Jisroel-Jugendgruppe hat sich in einer, am letzten Sonntag stattgefundencn Vorstands-Sitzung eingehend mit der durch die Kenessio Gedaulo geschaffenen Lage befaßt.