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Der Israelit · 1923-08-30 · Heft 35 (30.8.1923) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 35 (30.8.1923)
Date
1923-08-30
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nr. 38 Rabbi Chaim Ojser Grodzenski; in Kowno- Slobotke: Rabbi M. M. Eppstein; in Galizien: I. 3. Thumim, Przemysl; in der Slowa- L^e i: Rabbiner Aron Katz, Ritra; in der S ch w e i z: Chaim Israel Lis. Zürich. Die Liste wird einstimmig angenommen. Ebenso die für die Exekutive in London. Es gehören ihr an: W. Schiff, Harry Goodman, London, Oberrabbiner Weil, Colmar, Sally Guggenheim, Basel. Ein fünftes Mitglied soll noch später kooptiert werden. Nun ergreift der Präsident, Senator Z ir lsohn, das Wort zur ersten Abschiedsrede. Die Bedeutung der Stunde entspreche ungefähr der des Neilogebetes beim Ausgange des Verföhnungstages. Es öffnen sich die Pforten des Himmels — durch den Beschlutz grotzer, guter Taten. Bei allen Meinungsverschiedenheiten scheidet man von der Kenessio mit einem, absoluten Einheitsgefühl. Nun gilt es für Jeden, das Gehörte zu beherzigen und für den Ausschutz, die Beschlüsse zu realisieren. Redner dankt der Exekutive und den Herrn in Wien für die aufopferungsvolle Mühe, den Rebbes und grotzen Rabbinern für ihre Teilnahme und Mitarbeit. Mit einem Roschhaschonoh-Wunsch für alle Delegierten und Teilnehmer verabschiedete sich der erste Präsident vom Kongresse. Den Vorsitz übernimmt an seiner Stelle Rabbiner Dr. P. Kohn. Nach Bemerkungen und Richtigstellungen von Leo W r e s ch n e r und Oberrabbiner Schap i r o, Sanok, halten kurze Abschiedsreden der Sokolower Rebbe, Oberrabbiner Perlmutter, Warschau, Rabbi Chaim Oser G r o dsenski, Wilna (stürmisch begrützt — es war das erste öffentliche Hervortreten der im Rabbinischen Rate wohl einflutzreichsten Persönlichkeit) und der Radziner Rebbe. Alle betonen, daß mit der Kenessio Gedaulo ein Wendepunkt in der Geschichte des jüdischen Volkes eingetreten sei, der zu den weitgehendsten Hoffnungen für das orthodore Judentum der ganzen Welt berechtigt. Darauf ergriff Jacob Rosenheim das Wort zu einer längeren Ansprache, die tiefen Eindruck machte. Der Redner suchte in Anlehnung an sein einleitendes Referat zunächst die inneren Wirkungen der Kenessio Gedaulo auf die in Agudas Jisroel zusammengeschlossenen Kreise zu analysieren: auf die Jugend insbesondere, unter der gewiß niemand sei, der die Alija nach Wien in die segnende Nähe der ^112 nicht als ewiges Erlebnis sich bewahren werde. Bon zukunftverheißender Bedeutung sei die hier erstmals weltkundig gewordene orthodore Arbeiterbewegung; endlich einmal müsse der verhängnisvolle Wahn weichen, als sei die Thoratreue an eine bestimmte Wirtschaftsform geknüpft, da doch jeder kernhafte soziale Gedanke von Sinais Höhen in die Menschheit eingezogen sei. Mit warmen Worten wandte sich der Redner an die Frauen, die nur an der Eröffnungs¬ und Schlußsitzung, nicht aber an den Verhandlungen selber teilgenommen hätten, deren Wirken und Walten aber, so wie Israels Erlösung nach der Weisen Wort ihr Werk sein werde, in den Persönlichkeiten unsrer großen rabbinischen Führer — ZN12 — zum Ausdruck gelange. Mehr als je gelte es heute, in den hoch spritzenden Wogen des politischen Kampfes, der Hand der jüdischen Frau das priesterliche Licht des heiligen jüdischen Hauses zu erhalten, dem allein wir ja unsre 'Lebenskraft verdanken. Dir Not der Zeit hat die thoratreue Gesamtheit gezwungen, durch die Kenessio Gedaulo auf die Tribüne der Welt zu treten, um die wahre Gestalt des jüdischen Volkes zu bekunden. Niemand hat fortan das Recht, im Namen des jüdischen Volkes vor der Welt das Wort zu ergreifen, ohne dazu auch von „Agudas Jisroel" die Vollmacht empfangen zu haben. Int Innern der thoratreuen jüdischen Gesamtheit hat durch diese Kenessio Gedaulo die Harmonie der Glieder mächtige Fortschritte gemacht, so viel auch noch zu tun ist bis zum Endziel. Redner schildert, wie natürlich es ist, wenn, die Vertreter entgegenstehender Anschauungen auf dem gleichen religiösen Boden unzufrieden sind darüber, daß nicht sie allein den Sieg errungen haben, und mahnt in ernsten Worten zur gegenseitigen Geduld. Technisch und organisatorisch leide die Aguda noch an vielen Unvollkommenheiten, die die gegnerische Parteipresse auszunutzen nicht ermangeln werde. Umso dankbarer sei das Verständnis der politischen Weltpresse zu begrüßen, denn es zeige, daß Wahrhaftigkeit und Heiligkeit der Gesinnung ihres Eindruckes auch heute nicht ganz verfehle. Der Israelit_. Die praktischen Ergebnisse der * Kenessio Gedaulo auf dem Gebiete von Erez Jisroej, des Ehinuch und der sozialen Arbeit streifend, betont der Redner die verhältnismäßige Geringfügigkeit jed.er praktischen Leistung gegenüber der ungeheuren Größe der drängenden Aufgaben in Crez Jisroel und im Golus. Wie ein Trost aus Himmelshöhen habe ihm da am letzten Sabbat das Wort entgegengeleuchtet: «in ■»td 718 nff-pi rrrm pra^ «p-nn jns b8NV' 718 Tii'n.ib u'ntPDn o’mn '12'» Q7i»T8 bv ai'ttnn^v Seien wir ruhig: hätte unsre Kenessio Gedaulo auch nur eines erreicht, die Einsetzung unsres Rabbinifchen Rates, diese eine gleiße Tat des von der Thora konstitvierten jüdischen Volkes — so gering sie scheint —, sie genügt, ruft uns das Gotteswort zu, um „den Organismus des jüdischen Volkes wieder aufzurichten und um Israel endlich heimzuführen auf seinen Mutterboden". Das Glück der Seele, die' sich sonnt im Anblick unsrer Großen, im Angesicht eines Ehofez Chajim, ist nur der gefühlsmäßige Ausdruck jener von der Thora bezeugten Tatsache, daß die Berufung der Berufenen an die Spitze des Volkes die Vorbedingung der Erlösung ist, denn sie allein verbürgt Einheit, Gliederung, Leben und damit die rechte Tat zur rechten Zeit. Von den noch ausstehenden 64 Namen der Rednerliste konnten nur einige wenige zum Worte aufgerufen werden. Zuerst Oberrabbiner Klatzkin, Lublin, und dann der „Chofez Chajim". Er sagte u. a.: „Das ganze Volk, prach der Chofez Chaim. kam hieher in seinen Vertretern zu einem Kidusch Haschem. Bei solchen Taten wie Kenessio Gedaulo werden die Kräfte der Mittätigen nicht erschöpft. Je größer die Taten sind, je großer wird die Kraft und wenn alle Juden von der ganzen Welt hieher kommen, um die Ehre Gottes auf Erden zu heben und zu stärken, so sei es ein großes Zeichen, ein Zeichen, daß ein Zeitenwandel herannaht. Die Hoffnung muß stark fein. Wer an diese Hoffnung glaubt und wer sie hegt, wird gerettet. Mit Leib und Seele Gott dienen, rst allein die größte Ehre und das größte Glück. Keine Mittel darf man außer Acht lassen. Alles was man besitzt muß man der Heiligung Gottes widmen. Das Gchsamtleben mutz in einem Ziele ausgehen in der Thora. Gott der Schöpfer hat bloß in sechs Tagen die Welt erschaffen. Als er jedoch Mosche Rabbenu die Thora übergab, da dauerte es 40 Tage und 40 Nächte, bis er in seine Hände die Thora legte. Der Chofez Chaim apelliert daher an alle den Keren-ha-T hauro mit allen Kräften zuunterstützen und ist der Meinung, daß es gestattet sei, einen Maaser kür diesen Zweck zu nehmen. Mit einem herzlichen Roschhaschonowunsch und -Segen nahm der Chofez Chaim von allen Anwesenden Abschied, die ihm mit herzlichsten Jchirufen und Glückwünschen für seine Anwesenheit, die die Kenessio Gedaulo verherrlicht hat, dankten. Wurden diese weisen Worte mit der üblichen stillen Andacht angehört, so setzte wieder lauter Jubel ein ,als in temperamentvoller und gedankentiefer Rede der Poniwescher Raw, Rabbiner Kahnmann die Parole ausgab: „Der Kampf gegen den Strom mutz ausgenommen werden!" Und die Stimmung steigerte sich noch, als Sutzje Fried mann für die orthodoxe Jugend Polens den feierlichen Eid auf das Programm der Aguda und die Entscheidungen des „Moezes gedaule hatauro" ablegte und Eckermann ein gleiches für die orthodore Arb eiterschaft tat. Es sprechen noch der „Koretzer Jlui", Oberrabbiner Epstein, Slobotko und Rabbi Jadler-Jaffa, der die Hoffnung ausspricht, daß wir uns demnächst in Jerusalem um den Chofez Chajim als unseren Kohen Godel scharen möchten, eine Aussicht, die vom vollgefüllten Saal mit minutenlangem Händeklatschen akzeptiert wird. Deputierter Oberrabbiner Schapiro hat der Kenessio zum Schlüsse noch etwa folgendes zu sagen: „Die Diagnose wurde in Kattowitz gestellt. Die Hilfe für den kranken Volksorganismus ist die Kenessio Gedaulo. Wer die Jugend hat, der hat auch die Zukunft. Wir erklären feierlich in diesem Augenblick und nehmen die vollste Verantwortung auf uns für diesen Ausspruch: Was wir machen, geschieht auf Grund der Thora. Wir müssen alle zu uns rufen. Der Sieg ist unser, denn wir erreichten seit Jahrtausenden, das Höchste was wir erreichen konnten in dieser Zeit. Wir sind wieder ein Gottesvolk. Es lebe die Agudas Jisroel!" Nun war man am Schlußpunkte, den eine Ansprache des Mannes bildete, dem vor acht Tagen beschieden war, die Kenessio feierlich __ _30. August 1923 ZU eröffnen, Rabbiner Dr. Pinchas Kohn. Es fällt ihm schwer, die richtigen Worte des Abschiedes zu. finden, und so möchte er nur die Dankespflicht für alle die Treue und Liebe, die uns erwiesen wurde, abstatten. Er dankt herzlichst unseren Mitarbeitern in den verschiedenen Büros, die uns während der ganzen Kenessio Gedaulo aufopferungsvoll unterstützten, den Organen der öffentlichen Sicherheit und den Vertretern der Presse, die mit uns in diesen acht Tagen so innig zusammengewachsen sind. Er dankt allen, die zu uns gekommen sind. Für die Juden Wiens sind das Tage der Geschichte gewesen. Cr dankt auch dem Führer der grotzen polnischen Organisation, Oberrabbiner Schapiro. „Wir werden weiter Zusammenarbeiten, und es wird uns gelingen, die ganze Arbeit mit Gottes Hilfe zu bewältigen. Das ist die Hoffnung, mit der ich Sie entlasse." Damit ist die erste Kenessio Gedaulo geschlossen. Nur langsam leert sich der Saal. Man kann sich kaum trennen von der historischen Stätte, wo man Zeuge eines göttlichen Wunders jüdischer Sammlung war. In Tränen, alten Gesängen und chassidischen Tänzen machen sich die hochgespannten Gefühle Luft^ Der rabvinische Rat der Agudas Jisroel. Das Plenum des rabbinischen Rates der Agudas Jisroel bilden die rabbinischen Räte der einzelnen Landesorganisationen in ihrer Gesamtheit (§ 16 der Satzung). Ehrenpräsidium des Rabb. Rates: Rabbi Israel Meir hakohen in Radin (Ehofez Lhajim), Rabbi Jsrael Friedmann von Lzortkow (Lzortkower Rebbe), Rabbi Mordechai Alter von Gora (Gerer Rebbe). Engerer Ausschuß: Rabbi Meir Arak in Tornow (poln. Galizien)^ Rabb. Dr. S. Breuer in Frankfurt a. M., Rabbi Mosche Mordechai Epstein in Slobotke (Litt.)^ Rabbi Lhajim Gser Grodsenski in Milna (poln. Litt.), Rabb. A. Ratz in Neutra (Slowakei), Rabb. Leiner (Radsiner Rebbe) in Radsin, Rabbiner Morgenstern (Sokolower Rebbe) in Sokolow (polen)^ Rabbi Meir Don plotzki in Ostrowe (polen), Rabb. Steinberg in Brody (poln. Galizien). Rabbinisches Sekretariat: Vberrabb. Schapira in Sanok, Rabb. Biedermann in Marschau. Israel und der Bölkerfriede. Referat gehalten bei der Eröffnung der Kenessio von Oberrabbiner Ar. Lervenffem, Zürich. Eines Propheten bedürften wir, eines Propheten wie Jirmijahu, dev einer sterbenden Welt mahnender und weinender Zeuge war, eines Propheten wie Jesaja, welcher eine künftige Welt in Frühlingsblüte voraussieht und vorauskündet, um den Gedanken Ausdruck zu verleiden, die uns bewegen, so wir an diese verehrliche Versammlung die Bitte richten, sich mit uns zu vereinigen auf einen Gruß an die Welt, den Israel, das alte Israel, das Israel, das seelengemäß am Sinai stand, einmütig entbietet. Wir bringen diesen Gruß einer kranken Welt, der zu dienen, unsere Pflicht und ernster Wille ist. Wir träumen von einer genesenden. Welt, in welcher im Zeichen des Friedens die Menschen einander suchen und die Menschen allen danken, die im Kampfe der Erde einer. Idee treu geblieben sind, denn wir alle, meine Verehrten, sind uns darüber klar, datz Schuld an der Zerrüttung unserer Zeit die ganze Gedankenrichtung ist, in die sich eine entgötterte Welt hat Hineinreitzen lassen. Wir stehen nicht an zu bekennen, daß der Völkerfriede nur dann der Welt gebracht werden kann, wenn ihr Gott nahegebracht ist und wir stellen pns bewutzt in die Reihen derer, für die eine Welt ohne

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