Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 64 (1923)
- Issue
- Heft 35 (30.8.1923)
- Date
- 1923-08-30
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 4 Nr. 35 Der I s r ä'e l.i t 30. August 1923 des Waad leumi zur obersten Körperschaft mit Steuerrecht wende. Hinsichtlich der Streitigkeiten zwischen den beiden Jerusalemer Gemeinden jedoch habe der Rabbi nische Rat heute nach eingehender Berat ung beschlossen, durch ein Schreiben an Oberrabbiner Kuck den Weg zu einer friedlichen Entschei düng min p”V)i,y binnen 6 Monaten zu ebnen. Bis zu dieser Entscheidung erwarte der Rabbinische Rat, daß die Sonnen feld'sche Gemeinde in den Rechten, die ihr früher zu standen, in keiner Weise verkürzt, auch nicht gegen ihren Willen besteuert werde. Darauf ergreift Jacob Rosenheim- Arankfurt a. M. das Wort zu folgender Erklärung im Namen des Geschäftsführenden Ausschusses: Die Ausführungen Dr. Deutschländers haben auf uns alle einen erschütternden Eindruck gemacht. Nirgends haben die Juden so stark daran geglaubt, daß sie in der Mitte einer neuen politischen Aera leben, wie in Litauen, wo die Hoffnung auf den Aufbau eines einheitlichen . jüdischen Gemeindelebens groß gewesen ist. Die litauischen Juden sind zur Erkenntnis gekommen, daß die Zeit zum Aufbau einer einheitlichen Autonomie noch nicht gekommen sei und diese Erkenntnis ist sehr traurig. Sie beweist aber die politische Ehrlichkeit und die sittlich-religiöse Kraft, die im litauischen Judentum wohnt, wenn unsere Gesinnungsgenossen den Mut aufdringen, offen auszusprechen, daß sie sich geirrt haben. Mir wollen vorderhand, solange formelle Beschlüsse der litauischen Organisationen nicht vorliegen, die in ganz bestimmten konkreten Punkten die Meinungsäußerung der Agudas Jisroel herbeiführen sollen, auf gar keine Art reagieren, weil die Länder autonom sind. Litauen ist das Herz der jüdischen Orthodorie. Von den großen Thorastätten in Litauen ist der Geist der Orthodorie über das Meer gezogen und alles, was Litauen geleistet hat, verpflichtet die jüdische Gesamtheit, alle Kräfte daran zu setzen, das Judentum in Litauen in voller Stärke und Unabhängigkeit zu erhalten. Die Agudas Jisroel wird gewiß nichts unterlassen, im Rahmen der politischen Zurückhaltung, die geboten ist, der litauischen Orthodorie im Kampfe um die Selbständigkeit zur Seite zu stehen. (Lebhafter Beifall.) Nachdem noch die Delegierten Gerstenlorn-Warschau, Dr. P l a t o - Hamburg, Rabbiner Moses Blau über die Tätigkeit der Agudas Jisroel in Jerusalem und Friedenssohn für die orthodoren Chaluzim gesprochen hatten, kommen einige Resolutionen zur Verlesung (wir bringen sie an anderer Stelle im Wortlaute), worauf die neunte Sitzung ge schlossen wird. Die zehnte Sitzung.^ Die Nachmittagssitzung vom Dienstag beginnt um 4 Uhr unter Vorsitz Holländers mit einem Referate von Jacob R-senheim zum hohen Liede, verdient gemacht hat, will eine Neuauflage des selten gewordenen Werkes veranstalten. Die Freunde der jüdischen Literatur werden ihm dafür dankbar sein! Ich möchte das Werkchen zur Subskription wärmstens empfehlen, damit Herr Bengis die erheblichen Druckkosten nicht allein tragen muß. Schönlanke, Purim 5633. Rabbiner Dr. M. L. Bamberg er. Sabbat-Anfang und -Ausgang. K'Qn ’iD row Ort: Änf< Uhr mg Min. 1923 ltum 6683 I Ausg. I Uhr iMin Frankfurt a. M. 6 35 1. 20. 8 — Berlin .... 6 65 Sept. Elul 7 41 München . . . 6 30 7 37 Köln. 6 45 8 05 Stuttgart . . . 7 — 7 49 Breslau.... — — — — Nürnberg . . . 6 40 7 40 Hamburg . . . — — — — Zuwe ndungen für den Lubawitzer «1*3 v^") und seine 3 in Russland und Palästina nimmt entgegen Philipp Wolff, Frankfjurt a. M. Schwanenstrasse 6 Postscheck-Konto 55043. für die Außenpolitische Kommission. Der Redner führt etwa aus: Der Bericht,"den ich Ihnen vorzutragen habe,' erfolgt nicht nur im Namen der außenpolitischen Kommission, die sich nur mit einem Teil der in Betracht kommenden Gegenstände zu befassen hatte, sondern auch im Namen des Geschäftsführenden Ausschusses. Wir glauben, daß in einem Augenblick wie der heutige, wo sich Vertreter des orthodoxen Judentums aus der ganzen Welt zusammenfinden, um hier ihre heiligsten Anliegen zu beraten, es unsere Pflicht ist, nicht oorüberzugehen an der Flut des Hasses, die das jüdische Volk gerade in diesen Tagen, den Tagen der Nachkriegszeit,, umtost. Ls ist nicht die Art gerade des thoratreuen Judentums, der Abwehr des Antisemitismus sehr viel Kraft und Zeit zu widmen. Wir wissen, daß es einmal unser Geschick ist, durch die Zeiten als der Prügelknabe der Menschheit zu wandeln. Wir wissen, daß die Juden verantwortlich gemacht werden für alles Leid und für alles Unglück, das die Völker bedrückt, wir wissen, daß alles, was an Leidenschaft inmitten der Völker tost, sich in allen Jahrhunderten zumeist über das Haupt des wehrlosesten und schwächsten Volkes, des jüdischen Volkes, entladen hat. Im Inneren unserer Häuser haben wir Trost und Kraft gesunden, wenn die ganze Welt von Haß und Lieblosigkeit gegen den Juden starrte. Es ist mehr noch als unser eigenes Interesse das Interesse der Menschheit, wenn wir heute unsere Stimme feierlich gegen den Judenhaß erheben, der überall neu ausgeflammt ist. Wir beantragen, die Kenessio Gedaulo wolle folgende Resolution beschließen: „Die mit dem' großen Kriege über die Welt hereingebrochene Katastrophe, hat den Nährboden zu einem neuen.Aufflammen des Judenhasses geschaffen, der unendliches Leid über Millionen Unschuldiger bringt. Die Kenessio Gedaulo appelliert im Namen Gottes, des Vaters der Menschheit, an den in der Brust der Menschen schlummernden göttlichen Funken der Liebe und Gerechtigkeit, appelliert an alle Edeldenkenden unter den Nationen der Erde, daß sie den Instinkten des Hasses unter ihren Volksgenossen offen entgegentreten und der Schmach des Judenhasses, endlich ein Ziel setzen." Durch feierliches Aufstehen von den Sitzen" und durch stürmischen Beifall bekundete das Plenum die Annahme dieser Resolution. Der Referent fährt fort: Wir haben uns für verpflichtet gehalten, noch eine weitere kurze Resolution vorzuschlagen, die gerade in unseren Tagen besonders aktuell ist. Wenn ein Volk, in dessen Innerem intellektuelle und sittliche Triebkräfte lebendig sind, wie selten — das geben auch unsere Feinde zu — in einem Menschenkreis auf Erden, wenn ein solches Volk Jahrhunderte, ja Jahrtausende lang, in der Umwelt nichts findet als Unterdrückung, dann ist es natürlich, daß sich nicht der Unbegabteste und nicht der Schlechteste aufbäumt gegen den Druck, und in diesem Ausbäumen auch manchmal über das Ziel hinausschießt. Aber man wirft uns mit Unrecht vor, daß das jüdische Volk der Vertreter des Radikalismus, der Träger des Bolschewismus und der Auflösung aller sittlichen Bindungen sei. Das ist eine Unwahrheit, die die Statistik unzählige Male schon bewiesen hat. Es liegt uns fern, hier zu urteilen übe: die einzelnen Individuen, aber es ist eine historische Ungerechtigkeit, so etwas inbezug auf das jüdische Volk zu behaupten, dessen Söhne und Töchter sich für den kleinsten religiösen Brauch ihrer Väter in vorbildlicher Treue ausopfern, und das der Typus des edelsten Konservativismus ist, Gegen den Vorwurf der Auflösung aller sittlichen Bindungen, muß dieses Forum protestieren und es wird daher folgende Resolution vorgeschlagen: „Die Juden sind seit Jahrtausenden die Träger des alle sittliche Bindung bedingenden Gottesgedankens. Wann und wo jüdische Menschen als Führer antireligiöser, lediglich negierender Bewegungen hervortreten, geschieht es im Gegensätze zur jüdischen Tradition und im Gegensätze zur Grund st immung der religiösen jüdischen Massen." Diese Resolution wird einhellig angenommen. Im Anschluß an die Referate Rabb. Dr. Jungs aus New-Dork, über die Frage des Sabbats und die Sonntagsruhe, sowie des Referates des Sejmdelegierten Oberrabbiner L e w i n - Sambor, über die Schechita, werden die folgenden Resolutionen vorgeschlagen und angenommen: 1. „Die Grundlage des thoratreuen Judentums bildet die Heiligung des Sabbates durch völlige Arbeitseinstellung. Der Sabbat der Bibel, der der Menschheit das kostbare Gut des wöchentlichen Ruhetages geschenkt hat, ist für das jüdische Volk der geistige Gesundbrunnen, der allein den Fortbestand der für die Menschheit wertvollsten Charakterzüge des Juden gewährleistet. Die Kenessio Gedaulo richtet in diesem Sinne an die Staaten in denen Juden leben, bte. Bitte, die Sabbatheiligung durch gesetzgeberische Maßnahmen nicht derart zu erschweren, daß dem Sabbat heiligenden Juden ein zweiter voller Ruhetag auferlegt und damit das wirtschaftliche Opfer der Sabbatheiligung ' für die jüdischen Bürger bis zur Unerträglichkeit, gesteigert wird. Die gesetzliche Berücksichtigung des Sabbats in der Sonntagsruhe-Gesetzgebung, wofür Vorbilder bereits vorliegen, ist eine Forderung der Gerechtigkeit." 2. „Gegenüber den antisemitischen Angriffen stellt die Kenessio Gedaulo fest, daß nach biblischer Vorschrift die Tötung der Tiere durch den Akt der Schechita. für die thoratreuen Juden eine unerläßliche Voraussetzung jeden Fleischgenusses bildet. Die Kenessio Gedaulo bittet die Staaten und Völker, der gegen die Schechita gerichteten, ungerechtfertigten antisemitischen Propaganda, nicht durch die Erschwerung des Schächtens, oder Erlaß von Schächtverboten Folge zu geben. Sie bittet, daß, wo ein derartiges Verbot, das für den thoratreuen Juden einen unerträglichen Gewissenszwang herbeiführt, bereits erlassen ist, dasselbe wieder aufgehoben wird." Die Annahme beider Resolutionen gestaltet sich zu einer lebhaften Manifestation. Nachdem wieder Ruhe im Saale hergestellt wird, fährt Rosenheim in seinen Ausführungen fort. In das Gebiet der außenpolitischen Resolutionen gehört endlich noch eine letzte, die sich aus Vorgänge bezieht, die in den letzten Jahren einen breiten Ramm im jüdischen Leben eingenommen haben. Die jüdische Gemeinde ist die lebendige innerste Zelle des jüdischen Volksorganismus. Daß diese Zelle gesund bleibe, ist die Vorbedingung für die Gesundung des ganzen jüdischen Volkes. Wenn versucht worden ist, die Thora von der jüdischen Gemeinde loszureißen und die jüdische Gemeinde zu neutralisieren, so dürfen wir an dieser Erscheinung nicht Vorbeigehen, ohne unsere Stimme iy kurzen, aber kräftigen Worten dagegen zu erheben. In Uebereinstimmung mit dem Rabbinischen Rat schlägt ihnen der Geschäftsführende Ausschuß vor, folgender Resolution ihre Zustimmung zu erteilen: „Die Kenessio Gedaulo erklärt die Bildung rein weltlicher Gemeinden, sogenannter Volksgemeinden, als in Widerspruch stehend mit der tausendjährigen Tradition des Judentums und fordert den Ausbau der jüdischen Gemeinschaft auf der Grundlage des Thoragesetzes, das alle Zweige des religiösen, kulturellen und sozialen Lebens umfaßt und ordnet." Ich habe Ihnen weiter einige Resolutionen vorzulegen, die sich in unserem Sinne auf das Gebiet der äußeren Politik, nämlich auf das Gebiet beziehen, das zwischen der jüdischen Gemeinschaft, dem jüdischen Volke und den Völkern der Erde liegt. Der ersten Resolution werden Sie gewiß ohne näheren Kommentar Ihre Zustimmung erteilen. Wir -beantragen, an den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Nordamerika, der kurz vor dem Zusammentritt unserer Kenessio Gedaulo sein hohes Amt angetreten hat, folgende Kundgebung zu richten: „Die zu ihrer. Kenessio Gedaulo zusammengetretenen Mandatare der orthodoxen jüdischen Massen aus allen Staaten der Welt, die in der Agudas Jisroel organisiert sind, entbieten dem Präsidenten der Vereinigten Staaten zur Uebernahme seines hohen Amtes ehrfurchtsvoll Glück- und Segenswünsche. Sie gedenken in tiefer Dankbarkeit des Landes, in dem Millionen ihrer Brüder eine gastliche Heimstätte gefunden, gedenken der gewaltigen Taten der Menschenliebe, mit denen die Bürger Amerikas ihren Brüdern in Mittel-, Osteuropa und Palästina während der letzten Jahre zur Seite gestanden und sprechen den Wunsch und die Hoffnung aus, daß der Präsident, erhabenen Traditionen entsprechend, seinen Einfluß allezeit zur milden Gestaltung und Handhabung der amerikanischen Einwanderungsgesetzgebung ernsetzen möge." Nachdem auch diese Resolution ihre Zustimmung gesunden hat, muß ich noch von dem Lande sprechen, das wir an letzter Stelle nennen, weil es uns das Teuerste und das Heiligste ist, nämlich von Erez Jisroel. Sie wissen aus 'den Tagungen des Zentralrates und des Eeschäftsführenden Ausschusses sowie aus -Mitteilungen, die fortwährend über diese Dinge in der Presse erschienen sind, daß Agudas Jisroel auf Grund der Entscheidungen der für sie maßgebenden Rabbinischen Autoritäten, seit langer Zeit Verwahrung dagegen eingelegt hat, daß die Herrschaft über Erez Jisroel einer einzelnen Partei im Judentum ausgeliefert wird. Die Resolutionen, die in dieser Hinsicht von Agudas Jisroel wiederholt gefaßt und vor der Mandatarmacht vertreten worden sind, sind Ihnen bekannt. Es ist daher überflüssig, die Geschichte dieser Aktionen, die wir unternommen haben, hier zu wiederholen. Wir haben auch keineswegs die Absicht, gerade in diesem Augenblick, in dem man es für gut befunden hat, über die Wünsche der Orthodorie mit kühlem Schweigen zur Tagesordnung überzugehen, ein weiteres Wort darüber zu verlieren. Unsere Liebe zu Erez Jisroel, unser Wunsch, unser Wille und unsere Bereitschaft, für Erez Jisroel bis zum letzten Blutstropfen unsere Kraft und unsere Habe hinzugeben, ist nicht von irgendwelchen politischen Konstellationen abhängig. Der Geschäftsführende Ausschuß beschränkt sich daraus, hinsichtlich der Jewish Agency folgende Resolution vorzuschlagen: „Die Kenessio Gedaulo erneuert die hinsichtlich der Jewish Agency vomZen-- tralrat in seiner Sitzung vom achten Tewes in Breslau gefaßten Beschlüsse." Die Dankbarkeit, die das ganze jüdische Vvlk für die Macht empfindet, die durch die Balsourerklärung wenigsten» ihre Bereitschaft erklärt hat, dem jüdischen