Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 64 (1923)
- Issue
- Heft 35 (30.8.1923)
- Date
- 1923-08-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3S Seite 3 30. August 1923 salem) werden Berichte verschiedener Kommissionen entgegengenommen. Für die Wahlprüfungskommission referiert Holländer. Es wird beantragt und beschlossen, die Mandate folgender Länder anzuerkennen: Palästina, Polen, England, Deutschland, Oesterreich, Böhmen und Mähren, Litauen, Slowakei, Jugoslawien, Frankreich, Lettland, Italien, Skandinavien, Holland, Belgien, Schweiz, Rumänien, Vetzärabien,. Transsylvanien, Argentinien, Mesopotamien, Aegypten, Rußland und Ostgalizien. Den Finanzbericht erstattet Kommerzialrat Bondi. Für laufende Ausgaben waren bis zum ersten Juli 90 Millionen Kronen verbraucht. Der Gesamtbedarf für die Kenessio Gedaulo beträgt 400 Millionen Kronen, wovon die Hälfte bereits aufgebraucht ist. Holländer teilt dann noch als Vorsitzender des F i n a n z a u s s ch u s s e s den Voranschlag für das kommende Jahr mit. Für die Organisation sind im ganzen 5000 Pfund eingesetzt, wovon 2000 Pfund für Gehalte, 1000 Pfund für die Miete der Lokale, für übrige Ausgaben wie Reisespesen. Porto, Telegramm und Telefon sind 2000 Pfund bestimmt worden. Es sei nicht ausgeschlossen, daß diese Ausgaben überschritten werden müssen, wenn sich die Aguda vergrößern sollte, dann werden aber auch die Einnahmen steigen. Für den C h i n u ch wurde insgesamt 94.000 Pfund bestimmt. Davon entfallen 84.000 Pfund für den Ker-en Hathauro. Aus einzelne Länder verteilt, kommen folgende Summen zur Bestimmung: Polen 40.000, Litauen 25.000, Tschecho-Slowakei 3000, Ungarn 3000, Oesterreich 1500, Rumänien 2000, Deutschland 2000, England 2000, Amerika 2000, Skandinavien 1000, Holland 500. 10.000 Pfund wurden für Lehrmittel, die Unterstützung der Literatur und Presse, ins Budget eingestellt. Die Ausgaben für Erez Jisroel wurden in vier Teile geteilt, und zwar: Die Ausgaben für den Chinuch, für die soziale Hilfe, den wirtschaftlichen Aufbau und die Organisation. Für den Ehinuch sind 3000 Pfunds für die soziale Fürsorge 10.000, für Organisationszwecke 500 Pfund. Da es im Programm der Aguda liegt, eine stärkere Immigration nach Erez Jisroel zu fördern, mußte eine ganze Reihe von Institutionen eingereiht werden, die unseren Emigranten in Erez Jisroel zugute kommen würden. Dazu gehören Fürsorge für Ehaluzim, Arbeitsnachweisstelle, — ein Empfangsbureau im Hafen, ein Wohnungsbureau und ein Spital. Es muß ferner ein Kontakt mit den Kolonisten geschaffen werden. 50.000 Pfund wurden für den wirtschaftlichen Aufbau eingestellt. Die Summe ist gering, denn es muß in erster Linie Boden angekauft werden und Häuser gebaut. Es wird jedoch ziemlich stark auf die private Initiative gehofft, denn es gehe nicht an, daß die Aguda Geld für industrielle Unternehmungen sammelt. Die vvrgeschlagenen 50.000 Pfund dürften für das erste Jahr zur Lösung der wirtschaftlichen Aufgaben der Aguda hinreichen. Zusammen stellen wir für Erez Jisroel 63.000 Pfund in Rechnung. Einen großen Raum. müsse man der sozialen-- Fürsorge im Programme der Aguda einräumen. Man könne sich , in Wien und in seiner nächsten Nähe in Der Israelit Baden überzeugen, was in Wien die Aguda auf diesem Gebiete-geleistet hat. Für diesen Punkt wurden 10.000 Pfund, eingestellt. Es sollen auch mit diesem Gelbe neue Aufgaben gelöst werden. 12.000 Pfund sind eingestellt für Chisuk Hadas. Dieses Geld soll für rituelle hygienische Bäder sowie Anschaffung von rituellen Bedarfsgegenständen für arme Juden, die Mozzothbeschafsung usw. gebraucht werben. Die Gesamtsumme unseres Budgets ist 184.500 Pfund. Wenn die Aguda, getragen vom Geiste der Kenessio Eedaulo, an ihre Arbeit.herantreten wird, wird in der weiten Welt der Erfolg dieser Arbeit empfunden werden. Redner spricht die Hoffnung aus, daß es gelingen werde, diese Summen mit Hilfe der Delegierten und aller Mitglieder der Agudas Jisroel aufzubringen, damit das Programm und dadurch auch der heilige Gedanke der! Agudas Jisroel verwirklicht werden könne. Das Budget wird einstimmig angenommen. In der darauffolgenden Debatte appelliert L e w i n - Warschau an das Verantwortungsgefühl aller Agudisten, die solidarisch verantwortlich für die Finanzgebahrung seien, Rabbiner Dr. A u e r b a ch - Halberstadt schildert die Verhältnisse in Deutschland und erbittetdie Hilfe der Aguda für die deutschen Gemeinden, die nicht mehr in der Lage seien, die notwendigsten rituellen Gegenstände zu beschaffen. Ergreifend ist es, als Rabbi M e l z e r aus S l u ck die Grütze aus dem Lande der blutigen Religionsverfolgungen, Rußland, überbringt,- die Grütze von Kindern, die des Landes verwiesen wurden, weil sie in der Synagoge Kaddisch sagten, die monatelang im Gefängnis schmachteten, weil sie am Pessach Mazzos atzen. „Und trotzdem lebt das jüdische Rußland weiter, es bestehen Cheder und Jeschiwa; letztere in Minsk und Sluck. Freilich befinden sich diese in großer Not. Tue Unterstützung aus Amerika reicht nicht aus." Die ergreifende Rede wird sofort vom Präsidium mit der Versicherung beantwortet, daß alle Mittel ergriffen werden, um den Brüdern in Rußland die nötige Hilfe angedeihen zu lassen. Es referiert dann Heinrich Eisemann im Namen der Organisationsfommission. Die Kenessio hat den Beweis geliefert, daß der Agudagedanke seit Kattowitz Fortschritte gemacht hat. Bis nun leidet aber die Aguda an dem Mangel guter Organisation. Die Organisation wird diese Kenessio bringen, indem sie uns ein Statut geben wird. Redner stellt den Antrag, daß ein Appell an alle ergehen möge, sich dem Geschäftsführenden Ausschuß für einen oder mehrere Monate im Jahre zur Verfügung zu stellen. Es 'wurde ferner beschlossen, daß an dem ' Sitz der künftigen Leitung drei Herren beschäftigt sein müssen, von denen jebet einzelne einem Hauptressort vorstehe. Es wird beantragt, dem Eeschäftsführenden Ausschüsse das Recht zu geben, sich drei Sitze für Kooptation frei- . zuhalten. Ferner beschäftigte sich der Organisationsausschuß mit der Frage einer Delegation nach Amerika. Amerika selbst hat diese Delegation durch Rabbiner Dr. Jung von uns erbeten. Die Organisationskommission richtete an folgende Herren die Bitte, an der Delegation nach Amerika teilzunehmen: Chofez Chajim, der Eerer Rebbe, der Ezortkower Rebbe, der Beizer Rebbe, Oberrabbiner Senator Zirlsohn, Oberrabbiner Sejmdeputierter Schapira, Reb. Chaim Ojser Grodzenskk, Rab. M. M. Eppstein, Oberrabbiner Kahnemann, Dr. M. Hildesheimer und I. M. Lewin. Die Delegation soll bereits im Oktober die Reise. nach Amerika unternehmen. - Aus dem Berichte Dr. S. Ehrmanns für die Erez Iisroel-Kommistion ist Folgendes zu entnehmen: Die Kommission hat Unterabteilungen der einzelne« Ressorts der Erez Jisroel-Arbeit gebildet, und zwar: 1. Für die innerpolitischen Fragen. 2. für den Ehinuch. 3. Für die wirtschaftlichen Fragen. Die innerpolitische» Fragen wurden naturgemäß in der Kommission nur formuliert aber nicht gelöst, sondern eine Lösung versucht. In Erez Jisroel ist augenblicklich die politische Situation so, daß das thoratreue Judentum . schwach ist und Gefahr läuft, erdrückt zu werden und sich unter eine Organisation bei den „Waad leumi" stellen zu müssen, der in keiner Weise die Interessen der Thora vertritt. Es besteht die Gefahr, daß Vereinigungen, die außerhalb der Thora stehen, Re:chte verliehen bekommen, die geeignet sind, die Autorität der Thora zu schwächen, Steuern zu erheben und Vorschriften für das religiöse Leben zu geben. Die Forderung ist also, daß die Gewissensfreiheit gewahrt wird, ohne jemandem bekämpfen zu wollen. Redner verliest hierauf die Resolutionen, die einstimmig angenommen werden. Die wirtschaftliche Tätigkeit wird nach drei Richtungen betrieben werden. Es soll Boden erworben werden, der vorläufig noch nicht bearbeitet werden kann. Zweitens soll ein umfangreicher Häuserbau betrieben werden. Die dritte Richtung, die gewerbliche Betätigung, wird sich hauptsächlich auf die private Initiative von thoratreuen Industriellen beschränken müssen. Es wurde für diesem Zweck bereits über 7000 Pfund gezeichnet. Im organisatorischen Sinne wurde beschlossen, daß nach Möglichkeit die Erez Jisroel-Arbeit zentralisiert werden soll. Redner teilt ferner mit, daß nach Schluß der Kenessio Eedaulo eine Reihe von Delegierten und Industriellen die Reise nach Erez Jisroel antreten will, um gleich mit der produktiven Arbeit zu beginnen. Im Aufträge der litauischen Landsmannschaft erklärt Dr. Leo Deutschländer, daß in Litauen die Orthodoxie bereits ein Opfer der einheitlichen nationalen Autonomie geworden sei, die in Erez Jisroel erst als Gefahr im Anzug sei. Die nationale Autonomie und ihre Organe sei eine Kampforganisation gegen die Orthodoxie, die leider dazu milgeholfen habe, dieses Schwert gegen sich selbst zu schmieden. Aber heute erkenne die ganze litauische Orthodoxie ihren Irrtum und könne nur dringend davor warnen, in Erez Jisroel einen „Waad leumi" mit Zwangsrechten aufkommen zu lassen. Litauen rufe die Hilfe der religiösen Gesinnungsgenossen im Selbsterhaltungskampfe der Orthodoxie an. Oberrabbiner Lewin-Sambor ergänzt die Ausführungen des Palästina-Referenten dahin, daß die von diesem vorgetragene Resolution sich lediglich gegen die beabsichtigte Erhebung drängen möchten, Feind und Selbsträcher endlich enden zu lassen." Hirsch hierzu: den 'n vy-)^, die den Gottesgedanken aus dem Gesichtskreise der Menschen verdrängen oder doch beschränken möchten, steht der Name Gott im Wege, weil, dieser Name keinen und keinen DpiflD/ keine Menschenfeindschaft und keine Selbstrache duldet. Ohne. .den Namen Gott kennt jeder nur seinen Anspruch, Selbftbeglückung wird jedem das höchste Gesetz, Mitkonkurrent jeder andere, dessen Wohl er llug oder gewalttätig dem eigenen Wähle dienstbar zu machen hofft. Kluge oder gewalttätige.Vernichtung des Nächstenheils wird preiswürdige, selbsträchende Großtat! 311# DpjniDV- Feindschaft und Selbstrache, Kampf aller gegen alle, das ist, aller Phrase entkleidet, unerbittlich das Grundprinzip, dem jede Gesellschaft verfallen muß, aus deren Gedankenkreise es gelingen würde, den Namen Gott zu streichen. Für den Verlust vermag Menschenklugheit keinen Ersatz zu erfinden. Was nur Klugheit bindet, das löst auch Klugheit in sich gegenseitig bekämpfende Atome wieder aus. Darum hat Gott seine Majestät für jedes noch unverdorbene Menschenherz verständlich .an den Himmel geschrieben, auf daß das in dem Namen Gott wurzelnde Bewußtsein von dem wahren Menschenwert und wahren Menschenberuf über alle Verirrungen der Menschen hinaus gerettet bleibe und vor beiden endlich jedes soziale □piDD'l jp'iK - System von der Erde schwinde. — — — Vergeblich suchte man in den zahllosen Paragraphen des Versailler Vertrages den Namen Gott oder auch nur eine schwache Anspielung auf ihn. Dafür züngelt das Feuer neuer Feindschaft ringsum und die gelben Dünste der Selbstrache schwelen empor. Das Lip^NOI-System ist mit nichten beseitigt worden; es" besteht fort. kleines Feuilleton. Ein Fehler in einem Bibeltext. Man sollte eigentlich meinen, daß das Aufhören handschriftlicher Ueberlieserung des Bibeltextes und dessen drucktechnischer Herstellung dieselbe Garantte für die genaueste Verbreitung und Erhaltung des Bibeltextes böte, wie sie für die Thorarollen durch die Anordnungen unserer Gesetzeslehrer gegeben ist. (Wiederholung sinnstörender mündlicher Fehler. Verbesserung fehlerhafter Stellen, Ausschaltung als fehlerhaft geltender Rollen). Dem scheint aber nicht so zu fein. Ich möchte nämlich auf die Stelle I. Ehronika 1, 44 Hinweisen, wo in sämtlichen nach Dr. M. Lettens hergestellten Ausgaben ein schwerer f ialschdruck eines ganzen Wortes merkwürdigerweise versehen worden ist, und zwar in dem besonders in "Schulen benutzten Einzelbande „die Hagiographen", ferner in der mit und ohne beigedruckte Uebersetzung versehener Gesamtausgabe der Bibel und schließlich in der von der brittschen Bibelgesellschaft auf oem Wege fotografischen Nachdruckes (anastattschen Neudrucks) hergestellten kleinen Taschenausgabe. Sinngemäß sowie durch Vergleich mit anderen Ausgaben und denselben bereits im I. B. M. 36,33 vorkommenden Stelle mutz es in obengenannter Weise richtig-lauten : yba iw. Da dieser eine Irrtum — dies ist der Nachteil der Druckherstellung gegenüber der handschriftlichen — vielleicht hunderttausendsach in die Welt hinausgegangen ist, feien alle Besitzer obiger Ausgaben gebeten, in ihrem Exemplar auf Seite 1275 an Stelle des falschen Wortes das richttge einzusetzen. Amold Merzbach. Dazu schreibt uns Herr Prof. Dr. Sulzbach: Ich besitze Letteris-Ausg. der Hagiographen nicht; wenn in dieser yp3 falsch wiedergegeben ist. so handelt es sich um einen Fehler: ich glaube ckber nach vielen Dergleichen die Quelle gefunden zu haben, LXX nämlich hat hier B a l a k und Lettens wird wobl danach übersetzt haben. (Mussar Melachim.) Das Merkchen D’Obö "ivD von Rabbi Jesaja Romanin, einem hervorragenden Gelehrten aus Padua, enthält wertvolle Erklärungen zum Achtzehngebet, zu vielen Bibelstellen. In besonders geschickter Weise versteht der Verfasser Massorastellen zu erllären und einen Zusammenhang zwischen den einzelnen Massorastellen zu ermitteln. Das Werk ist in 10 Häuser (crro) eingeteilt, welche von einem einheitlichen Fundament YD'' getragen und zu „Palästen des Vergnügens" j^y YJD'Tl zusammengeschlossen sind. Mehr als 90 Bibel- und etwa 50 Talmudstellen finden in dem bescheidenen Büchlein ihre Erklärung. Als Anhang wird die „Lernordnung" (YiD’ftn Y1D) für die 7. Nacht des Pessachfestes mitgeteilt und einige für diese Feier von R. Jesaja verfaßte Lieder, welche der Form und dem Inhalte nach sehr ansprechend sind. Der Thoragelehrte Herr S. Sengt s in Lap« pinen, der sich um die jüdische Literatur, durch die Herausgabe verschiedener Werke, u. a. den Kommentar EHPI YV von Rabbi Chaim Zwi Hirsch Brande