Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 64 (1923)
- Issue
- Heft 35 (30.8.1923)
- Date
- 1923-08-30
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Sette 2 Nr. 85 Der Israelit 30. August 1923 Feiwelsohn, Rabbi Perlmutter (er wurde inmitten der Rede von einer Ohnmacht befallen und mutzte aus dem Saal getragen werden, erholte sich erfreulicherweise bald darauf wieder) und Rabbi Tw er sch ti aus Kielze. Darauf erstattete Hermann' S chw ab -Halberstadl den Tätigkeitsbericht über den Kriegs waisenfonds, wobei man erfuhr, datz in kaum zwei Jahren 5 Waisenhäuser geschaffen wurden, die ihre Zöglinge zu frommen, tüchtigen und arbeitsfrohen jüdischen Menschen erziehen. Fast in allen Ländern wurde erfolgreiche Waisenfürsorge ausgeübt. In der Schweiz, in Holland und in Skandinavien wurden mittels Hilfskomitees Gelder gesammelt. Er schlietzt mit der Bitte, sich die Waisenfürsorge sehr angelegen sein zu lassen. Rabbi Rakscht aus Suwalki spricht vom Jammer der Binder, die durch die moderne Erziehung dem Herzen der Eltern entfremdet werden. — Für die orthodoxen Arbeiterverbände schildert Silberstein-Lodz die besonders schwierige Lage der religiösen Arbeiter Es müsse eine Gewerkschaft orthodoxer Arbeiter im Rahmen der Agudas Äisroel geschaffen werden. — Es ergreift darauf Dr Nathan Birnbaum das Wort zu seinem Referate über „die Lage der Juden in Rutzland", das wir an anderer Stelle im Wortlaut wiedergeben. Die von ihm eingebrachte Protestresolution wird einstimmig angenommen^ und soll vom Präsidium an die zuständigen Stellen weilergeleitet werden. Nachdem noch Oberrabbiner Dr. Altmann-Trier, Rabbiner Weitz-Gr. Topolcany, Sienkew i t s ch - Warschau und Kirschbraun gesprochen hatten, wird die Sitzung gegen 2 Uhr mittags geschlossen. Die achte Sitzung. Gegen 4.30 Uhr nachmittags findet man sich unter Vorsitz des Sejmdeputierten Oberrabb. Lewin-Sambor zur achten Sitzung wieder zusammen. Es sind noch so viele Redner zur Tagesordnung vorgemerkt, datz man die Redezeit auf 5 Minuten beschränken mutz, eine schwierige Aufgabe für den Verhandlungsleiter, dessen Uhr immer rascher abläust als die des jeweiligen Redners, der immer noch im letzten Momente „besonders wichtige Dinge" zu sagen hat ... Es sprechen Oberrabbiner Dr. Altmann, der im Gegensatz zu Kirschbraun für möglichste Verständigung mit allem auf dem Boden der Thora Stehenden ist, Rabbiner Sin un/erc Cefei? im nalufaffavfcen (Ausland! Die Entwicklung der letzten drei Woche» — mit ihrem plötzlichen Kinanfschnekle« der Löhne und Angefteltten-GehStter anf bas -- ■■ .—Dreißig* Bis Diersigfaefie -- — öedroht den Jortöestand zahlreicher Alatter in Deutschland, leider auch die Existenz des „Israelit". Ks liegt in der Kand unserer ausländischen Arennde vor allem, den „Israelit" zu rette« und seine ungestörte Weiterentwicklung im Interesse des gesetzestreuen Judentums zu sicher». — Wenn jeder unserer Leser in Belgien, England, Frankreich, Holland, Schweiz und in der Eschecho-Slovakei sich entschließt, dem „Israelit" nur einen neuen Abonnenten zuzusühreu, so ist damit bereits 'Beträchtliches für die Au fr echter Haltung des Alattes geleistet. Wir sollte» glauben^ daß es keinem unserer treuen Areunde allzuschwer fallen dürste, dieser Anregung erfolgreich zu entsprechen. Arankfurt a. W., 27. August 1923 Derfag des Israelit S.ithß.fi. Katz - Nytra über die Verhältnisse in der Slovakei, Rabbiner Lewitan-Christiania für die nordischen thoratreuen Juden. Auch er ist für eine Verständigung mit Misrachi; ebenso Senator Zirlsohn. Oberrabbiner Schapiro- Sanok macht einige Bemerkungen zur Klärung der Situation. Man solle den außenpolitischen Angelegenheiten keine allzu großen Bedeutung beimessen. Innerhalb der Aguda herrsche Einigkeit und die praktische Arbeit wird die beste Antwort auf alle Kritik sein. Die Debatten über die Verständigung mit Misrachi feien zwecklos, da Misrachi nicht anwesend ist, daher nur einseitig sei und zu Mißverständnissen führen können. Wichttger ist den mehr rechts Stehenden im Misrachi unser einheitliches Programm zu zeigen, auf daß sie sich zu ihm bekennen. Für die Mitarbeit mit Misrachi ist Grundbedingung, daß Misrachi bei den Beschlüssen ebenso selbständig und frei bleibe wie Agudas Iisroel und sich keiner fremden Majorität unterordne. Bisher hatten wir von dieser Seite nur den Kamps. In Debatten über das Grundprinzip können wir uns nicht einlassen, denn unser Grundprinzip ist die Thora und über sie gibt es keine Diskussion. Wenn einmal Misrachi statt zu einem Kongreß unter Weizmann, zu einem solchen unter „Chosez Chajim" kommt, dann ist die Frage der Mitarbeit gelöst. Wir haben Gebete für den Morgen und für den Abend, solche für die Dämmerung, für Zwielicht kennen wir nicht. Nachdem sich der Beifallssturm gelegt, sprechen noch Rabbi P l o tz k i aus Ostrow, Rabbiner Spitzer- Kirchdorf, Feiwelsohn- Kupischki, Rabb. Rottenberg -Antwerpen; Im Hinblick auf die Feiertage werden die Erscheinungsdaten für" die nächsten Nummern des „Israelit" wie folgt festgesetzt: Rosch-ha-fchono-Nummer: Freitag, den 7. September (Doppelnummer) Jom Kippur-Nummer: Montag, den 17. September Sukkos-Nummer: Montag, den 24. September (Doppelnummer) Friedenssohn äußert sich über Jugendorganisation, Rabbiner Dr. Winkler-Kopenhagen über die trostlose religiöse Lage in den nordischen Ländern, F. Schreiber -Wien über Kinderfürsorge, I. C h a g i s - Jerusalem über wirtschaftliche Fragen in Erez Iisroel; Rabbiner Dr. Plato-Hamburg wünscht klaren Geist in den Satzungen. Es kommen noch zu Wort Rabbiner K o s s o w^s k i - Augustow, Rabbi Schuster - Sokolka, Rabbi Kalmanowitsch-Rakow, Rabbiner Klein-Kolo, Rachelsohn - Frankfurt a. M. und Rabbi Kestenberg -Radam, die alle verschiedene Vorschläge zu den Satzungen oder bezüglich der Palästina-Arbeit machen, worauf die Sitzung gegen 10 Uhr abends geschlossen wird. Die neunte Sitzung. In d der neunten Sitzung am Dienstag vormittag (Vors. Rabbiner Horovitz-Jeru- Rosck 4o« fcfiono ALckwüascke können in drei Größen veröffentlicht werden: Größe l 10 Zeilen Ispaltig zu Mk. 900000.— Größe II 15 Zeilen 1 spaltig zu Mk. 1350000.— Größe ÜI 10 Zeilen 2spaltig zu Mk. 1800000.— Die Beträge wolle man auf Postscheckkonto Nr. 19802 überweisen, den Text durch Postkarte einsenden. Texte, die bis zum 4. September morgens in unserem Besttze «sind, werden in der Rosch-ha-schono-Nummer, später eintreffende in der Nr. 36 veröffentlicht. Wer seine Glückwünsche zu Gunsten von Erez-Israel abzulösen wünscht, wolle dem nach Belieben festzusetzenden Ablösungsbetrag eine Gebühr von Mk. 270000.- für die Veröffentlichung von Namen und Wohnort im Sammel- Inserat beifügen. Frankfurt a. M., 27. August 1923. Verlag des „Israelit", G. m. b. H. Aktuelles aus Hirschs Psalmenkommentar. Von A. Wannyeimer in AettetSach. (Schluß.) Noch regiert das Schwert nach innen und außen. Pf. 67, v. 5: '3* D'DNb INVL". »Es werden sich freuen und jauchzen Staaten, daß Du Völker in Ebenen ordnest und Staaten Du auf Erden leitest!" Hirsch: Es wechselt der Ausdruck für Volk in diesem Psalm: DW ana; es ist rtf das nach außen zu einem Körper geeinte Volk, ay die nach innen verbundene Volksgesellschaft, qij^ ist der Staat, als eine die Volksgesellschaft gliedernde und regelnde Ordnung und deren Vertreter. In der Gegenwart stehen die Völker in geschlossener Einheit gerüstet einander gegenüber. Unter der einstigen Alleinherrschaft des Einzig-Einen schwindet dieser Gegensatz — Qip singt der Ps. 10, 16 — Bis dahin wird jedes Volk durch das Bedürfnis getrieben, sich zu einem qi$^ zu gestalten, sich eine bürgerliche Ordnung zu geben und die Aufrechterhaltung dieser Ordnung in die Hand von Oberhäuptern zu legen, hje mit der Macht ausgerüstet sind, jeden Störer dieser Ordnung zurückzuschrecken und, wenn es sein muß, unschädlich zu machen. Wie schon dem ganzen Existenz-- und Nahrungsstreben die von trüben Anllängen nicht freie Benennung und r)"|j2 gegeben ist, welche die Einzeleristenz als ein im Kampfe mit der Natur (rp^) und mit der Gesellschaft tof6) Abgerungenes erscheinen läßt, so wohnt auch dem Begriffe die Verwandtschqft mit nn2? inne. Das Symbol einer jeden Staatsmacht ist noch das nicht nur nach außen, sondern ebenso sehr nach innen gerichtete Schwert, das nach dein Erfahrungssatz der weisen: itfn DTT! ntmö itop«. ohne dieses Staatsschwert wäre ein Krieg aller gegen alle. Allein die Erfahrung der menschengeschichtlichen Jahrhunderte hat gelehrt, in welchem beschränkten Maße diese selbstgeschasfenen Staatenbildungen .das Ziel erreichen, die bürgerlichen Gesellschaften aus eine auch nur einigermaßen dauernde Grundlage des Friedens und des Heils zu bringen!" — — — Als Illustration dieser Wahrheit nehme man die Kämpfe, welche die Staaten nach Beendigung des Weltkrieges gegen die Wirren im Innern zu führen, hatten; man stelle den kosmopolitisch gedachten Völkerbund und den überall von neuem aufgepeitschten Nationalismus, der zu Wettrüstungen und zur Revanche drängt, nebeneinander: das Schwert im Innern, das Schwert nach außen. Fluch der Hamsterei. Ps. 37, V. 21: '-q-, jftjn ni^- „Der Bösewicht macht immer Schulden und zahlet nie, ein Gerechter aber gewährt und gibt." Hirsch z. Stelle: Alles, was wir von der Welt empfangen, ist uns nur ein geliehenes Gut, um damit dich'enigen Zwecke zu verwirllichen und diejenigen Ziele anzustreben, womit das Ziel der Welt gefördert und vermehrt werden soll. Keiner ist für sich da, und je mehr jemandem verliehen worden, umso größer ist seine Verpflichtung, umso größer die Summe der Leistungen, die von ihm erwartet werden. Der daher, der von keinem Gesetz, von keiner Pflicht wissen will, der nur sich kennt, nur der Befriedigung seiner Bedürfnisse, seiner Wünsche, seiner Neigungen lebt, der nur auf Kosten seiner Mitwelt sein Glück bauen will, der leiht nur immer von der Welt, ohne je die Gegenleistung zu zahlen, die von ihm erwartet wird, der wird mit jedem Atemzug ein immer größerer Weltschuldner und je mehr er hat, je mehr er genießt, je größer die Summe der Güter und Genüsse ist, die er aus dem Inventar der Welt. eingenommen, umso größer der Bankrott, mit dem er einst aus der Welt scheidet. Der pi-fL aber, der seine Pflicht und nur seine Pflicht kennt, derseiner Pflicht und nur seiner Pflicht lebt, der nur daran denkt, Gott und seiner. Welt, wie ja sein Charakter lautet, „gerecht" zu werden, ihnen alles das zu leisten, was in seinen Kräften steht: je bescheidener seine Elücksstellung ist, je weniger er an Gütern und Freuden aus der Welt empfangen und empfängt — umsomehr bleibt ihm die Welt schuldig und als anspruchsreichster Weltgläubiger scheidet er einst von hinnen. Feind und Rächer in steter Aufeinanderfolge.! Ps. 8, V. 3: „Aus dem Munde von Kindern und Säuglingen hast du eine unwiderstehliche Macht gegründet, um derer willen, die dieser-