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Der Israelit · 1923-08-23 · Heft 34 (23.8.1923) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 34 (23.8.1923)
Date
1923-08-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nr. 34 sind überfüllt. Den Vorsitz hat Herr Leo Wreschner, Frankfurt a. M. Es erhält das -Wort Rabbiner Dr. Munk, Berlin, der erklärt, daß ein großer Teil der deutschen Landsmannschaft die von Unna geübte Kritik nicht teilt. Mit dem Begriffe Scholaum wird viel Mißbrauch getrieben. Frieden mit allen Menschen ist selbstverständlich, aber ebenso selbstverständlich ist es, daß man nicht Frieden mit fremden Lebensanschauungen hallen kann. In dieser Beziehung kann nur die Thora maßgebend sein. Wenn wir Angehörige anderer Organisationen als Mitglieder aufnehmen, so gehen wir darin viel weiter als andere Organisationen. Einen Anspruch auf einen Sitz in der Leitung können sie nach Recht und Billigkeit nicht erheben. Es kommen nun zu Worte Rabbi M. E. Epstein, Slabotko, der nochmals das Augenmerk der Aguda auf die Ieschiwaus lenkt, und Rabbiner Horowicz, Jerusalem, der mit kurzen Begleitworten den Gruß des Oberkommissars Herbert Samuel in Palästina (großer Beifall) überbringt. Darauf ergreift Dr. S. Ehrmann, Frankfurt a. M., das Wort zu seinem Palästina-Referat. Wir behalten uns vor, den Vortrag an anderer Stelle im Wortlaute zu bringen. Seine Ausführungen gipfeln in der Anregung, daß es jeder Jude als eine Ehrenpflicht erachte, sich ein Stück Grund und Boden in Palästina zu verschaffen. Der Schemittafonds muß ausgebaut werden und den Schemittahaltenden Verdienstmöglichkeit durch Häuserbau geboten werden. Wir haben unser Maaser nicht allein vom Gelde, sondern auch von unserer geistigen Kraft für Erez Iisroel zu geben, und haben kein Recht zur Kritik, solange wir nicht alle voll und ganz unsere Pflicht tun. (Stürmischer Beifall.) Oberrabbiner Hirsch! er aus Modra, Tschechoslowakei schließt sich im ganzen den Ausführungen des Herrn Rabbiner Dr. Munk an und bemerkt ergänzend zum Vortrag Schapiros, daß auch die Orthodoxie der Tschechoslowakei anfänglich vom Pont nicht besser bedacht wurde als die Orthodoxie in anderen Ländern. Erst durch Intervention eines in Amerika wohnenden Landsmannes wurde es darin besser. Uebrigens empfängt Amerika von uns mehr als es uns gibt, es erhält von uns Menschen, die dort die Thora lehren und religiöses Leben wecken. Es wird nun die imposante Gestalt des Sokolower Rebbe auf dem Podium sichtbar. Er spricht im Gegensätze zu den anderen Rebbes mit lauter Stimme und großer Redegewandtheit. Es sei ganz ungeheuerlich, zu behaupten, daß die Aguda den Scholaum nicht wolle. Das ganze Werk der Aguda und der Kenessio ist dem höheren Frieden gewidmet. Aber es hat seit Noachs Zeiten in der Geschichte noch nie gut getan, wenn die Zadikim den Irrungen gegenüber mit ihrer warnenden Stimme zurückhalten. Die Kenessio Eedaulo solle durch ihre rabbinischen Größen eine halachische Entscheidung gegen die geistigen Zerstörer in Palästina erlassen, die von der ganzen Iudenheit sicherlich befolgt werden wird. (Fortsetzung folgt.) * * * Wien, 20. August. (Telegramm unseres Berichterstatters.) Die Jugendtagung am Samstag Nacht verlief unter starker Beteiligung in bester Harmonie. Die Verhandlung wurde eröffnet mit einer schwungvollen Rede des Vorsitzenden Friedmann aus Warschau. Katzenellenbogen aus Jerusalem überbrachte den Gruß der palästinensischen orthodoxen Jugend und schilderte mit erschütternden Worten die schweren Kämpfe, die die Orthodoxie Palästinas zu bestehen hat. Bei all dem habe dort die Agudas Jisroel-Jugendorganisation wertvolle Siege zu verzeichnen. Während die Zionisten. in Palästina mit ihrem großen Apparate nicht mehr wie 350 Pfund für die Ukraine ausbrachten, sammelte die Aguda über 1000 Pfund. Namens des Eeschäftsführenden Ausschusses sprach Herr Rabbiner Dr. P. Kohn und versicherte, daß die Kraft der Leitung sich insbe- Der Israelit sondere der Jugendorganisation stütze. Die Tagung wurde um halb zwei Uhr nachts abgebrochen und auf Sonntag Abend.verlegt. Agudas Iisroel als Ausgabe und Verwirklichung. Referat für die Kenessio Eedaulo zu Wien, am 4. Elul 5683. (Schluß.) c. Was aber hat, das ist die letzte große Frage, die es an der Schwelle der neuen Zeit zu beantworten gilt, was hat dieser Organismus denen zu bieten, die sich in freier Hingebung ihm einordnen,- wie steht „Agudas Iisroel" zur jüdischen Einzelpersönlichkeit, zur Jugend insbesondere, die mehr noch als das saturierte Alter ihres individuellen Seins bewußt zu sein pflegt. Lebt nicht der jüdische Mensch, der lernt und übt, mit seiner mm und seinen mr>unmittelbar vor Gottes Angesicht, sind ihm die Wege nicht klar erleuchtet und geebnet, um, aussichselber das Tiefste schöpfend, nach des Schöpfers Willen im Kampfe mit dem Bösen hienieden Lebensvollendung zu erlangen und dann heimzukehren in den Frieden der Ewigkeit? Was soll meiner unsterblichen Seele all der Aufwand organisatorischer Aeußerlichkeiten, alle Technik eines gesellschaftlichen Apparates mit seinem mehr oder minder ertraglosen Aufgebot an Zeit und Kraft, mit seiner die Leistung über die Gesinnung setzenden lärmenden Propaganda, Dinge, die einem auf äußere Interessen gerichteten politischen Gebilde angemessen sein mögen, nimmer aber den Dienern Gottes auf Erden? Derlei Stimmungen, sowie sie einzelnen chassidischen Kreisen nicht fremd sind, begegnet man grade heute auch innerhalb eines Teiles der westlichen Jugend, und nicht des schlechtesten, häufiger. Aber sie dürfen uns in der Erkenntnis der Wahrheit nicht beirren. Wäre „Agudas Iisroel" nichts anderes als ein Verband zur Vertretung praktisch-religiöser Interessen, ein Instrument zur Verwirklichung bestimmter politischer, wirtschaftlicher, kultureller Zwecke, dann freilich könnte man zweifeln, ob es denn.nun wirklich lohnt, das Individuum mit seinem unmittelbaren und unabhängigen Verhältnis zur Geistigkeit an ein größeres Ganze zu ketten, das mit seinem Mechanismus die Seele erdrückt, statt sie zu befreien. Allein der ganze Gang unsrer bisherigen Darstellung hat schon gezeigt, daß dem nicht so ist. „Agudas Iisroel", der wieder belebte lebendige Organismus des jüdischen Volkes, ist, wenn und weil Gottes Thora seine Seele ist, selber das seelische Zentrum für alle ihr sich hingebenden Individuen der jüdischen Gesamtheit. Seitdem am Sinai die jüdische Nation zum Träger der Gotteslehre durch die Jahrtausende ward, ist sie in ihrer organischen Einheit der ewige Mittler und Erzieher geworden, der dem Einzelnen den liebenden Gruß seines Gottes, die Gnade der Schechina, bringt und der ihn nicht minder mit aufrüttelnder Herrschgewalt ewig zur höchsten Aktivität im Dienste dieses seines Gottes emporruft. Erst auf den Kreis der zweimal Zehntausend und Tausend jüdischer Einzelseelen rvom senkt sich Gottes Schechina in ihrer Vollendung segnend und Leben weckend herab, nur im Kreise der durch ein Minjan jüdischer Männer dargestellten Gesamtheit ertönt auch dem Einzelnen der Ruf des Weg weisenden, Gei st erleuchtenden Gotteswortes (mmn rirrnp), im Areise der Ges a m t h e i t allein darf der Einzelne sich zur höchsten Heiligung des Gottesnamens in G e f ü h l und Wort (nm nw fciprm ^m-p) mb lebenopfernder Tat ('»"D“prom&Hpü) erheben. Und grade dies ja, die allen verfeinerten Seelenegoismus bannende weltzugewandte, Gottes Sache im rauschenden ,_ 23. August 1923 Strom desgeschichtlichenLebens verwirklichende Tendenz der jüdischen Sittlichkeit, sie wird ja in jeder mm, mit der wir uns zur sittlichen Tat rüsten, dem jüdischen Individuum von früh bis spät in die Seele geprägt. rr>n: „Gott zu helfen" in Seinem großen Weltenwerke, n"Dpn bw „Mitarbeiter Gottes" zu sein in dem rpwam n^D, das in der Menschengeschichte, in □WH ayiä rn-rrn, täglich sich erneuert — das ist ja das vorderste Ziel alles Lernens und Uebens auch für den unscheinbarsten jüdischen Mann. Dazu aber bedarf es des entschlossenen Heraustretens aus der Stille der Selbsterziehung und Selbstbetrachtung in den offenen Kreis des Volkslebens, auf daß, was tief in der Seele an nrma und iiA"?, gereift sich am Andern, am Bruder, erprobe. Da braucht die Seele des Individuums der sie mit zentripetaler Gewalt emporziehenden Kraft des beseelten Organismus der Thoragesamtheit, der allein ihr immer wieder und wieder Erneuerung und Verjüngung, Sühne und Reinheit, Ergänzung und Klärung aus Sünde und Wirrnis zu bringen vermag — solange er selbst, der Eesamtheitsorganismus in kraftvoller Gesundheit vor seinem Gotte steht. Aus diesen Gedankengängen möge „Agudas Iisroel" die Grundsätze ihrer inneren Erziehung spolitik ableiten. Cheder und Talmud Thora, Ieschiwos und Methiwtos, die uralten Pflanzstätten der Einzelerziehung, sie sind zugleich die einzigen wahrhaften Propagandastätten des Agudas Iisryel-Geistes; für ihre Erhaltung, Ausgestaltung, Aufrichtung, die Gemüter zu wecken, die geistigen und materiellen Kräfte zu sammeln, sei ihre edelste Aufgabe. Darüber hinaus aber gilt es, in den Wirrnissen der Zeit, faßlich jedem Einzelnen aus dem Volke, die großen Prinzipien jüdischer Welt- und Lebensanschauung, die echte brnw' bw rimVE» die „Schlachtordnung Israels", wie man die D'npV J"'1 das Rambam genannt hat, ins Licht zu stellen und die Reinheit der Erkenntnis, das Feuer der Hingabe, die unbeugsame Kraft des sittlichen Wollens eben mit den technischen Mitteln des über die Erde reichenden schriftlichen und mündlichen Wortes in alle Herzen und Hütten zu tragen. — — Korrespondenzen « ßacbricfcten DerrtfHss Bsietz. 5teuergesetr unä Levrergedali. München, 9. Aug. Die Bayer. Staatsregierung unterbreitet dem Landtag den Entwurf eines Gesetzes zur Aenderung des religionsgesellschaftlichen Steuergesetzes. Eine .wesentliche Aenderung des Entwurfes gegenüber dem bisherigen Gesetze liegt darin, daß künftig Kirchenumlagen auch zur Vermögens st euer (mit Ausschluß des reichsgesetzlichen Notopserzuschlages) erhoben werden sollen. Die bisherige Praxis, daß der Ilmlagesatz höchstens 10 Prozent betragen darf, hat bei der fortschreitenden Geldentwertung viele Kirchengemeinden in schwere finanzielle Bedrängnis gebracht. Um dem abzuhelfen, schlägt der Entwurf vor, daß die bisherige Höchstgrenze von 10 Prozent überschritten werden darf, wenn bei Religionsgesellschasten das Kultusministerium, bei Religionsgemeinden die örtlich zuständige Staats - aufsichtsbehörde hierzu die Erlaubnis erteilt. > Ferner wird aus München der „Deutschen Israel. Zeitung" geschrieben: Eine für das Gemeindeleben wichtige Neugründung ist in der letzten Zeit hier vollzogen worden. Entsprechend einer im Schoße der ge-

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