Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 64 (1923)
- Issue
- Heft 34 (23.8.1923)
- Date
- 1923-08-23
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 34 Seite 7 23. August 1923 Der Israelit meindlichen Vertretungskörper in München gegebenen Anregung, wurde eine „Gesellschaft von Förderern und Freunden der Kultusgemeinde" gegründet, die die Gemeinde in der Erfüllung ihrer Aufgaben unterstützen soll. Da in Bayern infolge des ^eligionsgeseNschaftlichen Steuergesetzes die Steuern ein vom Gesetz festgesetztes Marimum nicht überschreiten dürfen, ist die Gemeinde auf freiwillige Leistungen ihrer Mitglieder angewiesen. Diesen Bedürfnissen kommt die neugegründete Gesellschaft entgegen, die unter dem Vorsitz des Herrn Justizrats Dr. Dispecker steht und ihre Beiträge von Mitgliedern und Stiftern grundsätzlich in Eoldmark erhebt. Es besteht begründete Aussicht, daß in kürzester Frist die Gemeinde in der Lage sein wird, die Beamten wieder nach den vollen staatlichen Sätzen zu besolden. „Spät kommt Ihr, doch Ihr kommt." Inzwischen hilft der Staat durch Aenderung der Gesetzgebung. Zsrarlitirever Religiensunterriebt in Bayern. München, 9. Aug. Das Staatsministerium hat auf eine Eingabe der Rabbiner-Konferenz eine Entschließung an die Direktorate der höheren Lehranstalten erlassen, wonach durch die M.-E. vom 22. 12. in der Bewertung des israelitischen Religionsunterrichts als Pflichtfach für die höheren Lehranstalten eine Aenderung nicht eingetreten sei. - An allen höheren Lehranstalten, an denen auch weiterhin israel. Religionsunterricht, wenn auch nicht auf öffentliche Kosten, erteilt wird, sind daher die Noten aus diesem Fache vom Religionslehrer den Direktoraten mitzuteilen und wie bisher in die Anstaltszeugnisse „ auszunehmen. Ebenso zählt der israel. Religionsunterricht zu den Prüfungsgegenständen der Reifeprüfung bei den neünklassigen und der Schlußprüfung an den sechsklassigen höheren Lehranstalten. Wegen der Heranziehung des israelitischen Religionsunterrichtes zum Notenausgleich gelten die gleichen Bestimmungen wie für den Religionsunterricht der christlichen Bekenntnisse. Ber XTIT. 25ioni$tenRongre$$. Ka rlsbad, 7. August. In der Dienstagsitzung hält Präsident S o k o l o w einen Nachruf auf den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Harding, und würdigt in längerer Rede die Toten seit der letzten Jahreskonferenz. Eine Gedächtnisrede auf Mer Marmoreck hält Jean Fischer. Namens des Kongreßgerichtes erstattet Senator Dr. Ringel den Bericht über die Verifizierung der Delegiertenwahlen. Es wurden insgesamt 292 Mandate bestätigt. Von Sonderverbänden zählt der Misrachi 70 Mandate, die Poale Zion 8, die Hitachduth 33 und die Z e i r e Zion 9. Hierauf erstattet U s s i s ch k i n, Vorsitzender der palästinensischen Exekutive der Zionistischen Organisation, als einleitenden Bericht zur Generaldebatte ein Referat über die Tätigkeit und Fortschritte in Palästina, wobei er unterstrich, daß nicht nur die Zionisten, sondern auch andere Körperschaften im Lande tätig waren. Alle Einwanderungsbeschränkungen müssen wegfallen. Boden, Menschen, hebräische Kultur, das seien die drei Punkte, aus denen das Land aufgebaut werden muß. Mittwoch vormittag tritt man in die Genera ld e b a t t e ein. Herr Morris Meyer spricht für England und wendet sich gegen Ussischkin, dessen Rede weniger sachlich denn kritisch war. Es fei wichtig, in großem Maße Nichtzionisten zur Palästinaarbeit heranzuziehen. Als Sprecher der Fraktion Hitachduth weist Arlos o r o f f (hebräisch) aus die kritische Lage im Zionismus hin. Die Signatur der letzten beiden Jahre sei der Rückschritt' des Zionismus. Trotz aller großen Erfolge des Keren Hajessod ist dessen Weg nicht geeignet, die großen für den Ausbau nötigen Mittel zu schaffen. Namens der polnischen Delegation spricht Dr. G o t t - lieb. Er erklärt in der Einleitung, daß die polnischen Zionisten mit Unruhe einige Akte der englischen Regierung wahrgenommen hätten, die als starke Verminderung unserer Mandatsrechte zu deuten sind. Diejenigen, die für Erweiterung der Iewish Agency sind, feien die eigentlichen Aktivisten; denn sie wollen die Vergrößerung unserer Einwanderung und die Steigerung unserer ganzen Palästina-Arbeit. Rabbi Meier Berlin als Sprecher der Misrachi- Fraktion weist daraus hin, daß im allgemeinen überall der Eindruck der Müdigkeit der Organisation entstanden sei. Es fehle an Begeisterung, die für die Erreichung des Maximums nötig ist. Ms Redner hierauf die dem Hapoel Hamisrachi angehörenden Arbeiter in Palästina in den Weg gelegten Hindernisse erwähnt und aus die in Jaffa stattgefundenen Zusammenstöße zwischen den Mitgliedern der Histadruth Haklalith und den misrachistischen Arbeitern zurückkommt, entsteht im Saale eine erregte Stimmung, da die Vertreter der Linken in erregten Zwischenrufen den Redner fortwährend unterbrechen. Berlin weist im weiteren Verlaufe seiner Rede darauf hin, daß auch in pekuniärer Hinsicht den Anforderungen des Misrachi in Palästina nicht nachgekommen worden ist, obwohl auch Präsident Weizmann zugeben werde, daß mehr als die Hälfte der in Amerika für den Keren Hajessod aufgebrachten Gelder aus frommen Kreisen stammen. Mittwoch nachmittag kennzeichnet Dr. H a n t k e die Stellung der deutschen Landsmannschaft zur Politik der Bewegung. Er identifiziert sich vollkommen mit der Politik Weizma ' y. Als Vertreter der amerikanischen ■ Delegation sprich Herr F i s h m a n. Erste Forderung der Amerikaner muß sein, daß der Kongreß es ermögliche, die Arbeit der Amerikaner fortzusetzen. Die Frage der Iewish Agency müsse zusammen mit der Frage der Heranziehung der Nichtzionisten gelöst werden. Für die ostgalizische Landsmannschaft spricht Dr. Reich. Er weist aus eine große Reihe von Mißerfolgen hin, die die Organisation in letzter Zeit erlitten hat. Man sei nicht so, wie es sein sollte gegen England und gegen Samuel aufgetreten. Etwas weniger Romantik und mehr Sinn für Realität wäre nötig. Als Führer der Opposition ergreift nun, von starkem Beifall begrüßt, Abg. Grünbaum -Polen das Wort und polemisiert scharf gegen Weizmann. Er sieht in der Heranziehung der Nichtzionisten einen völligen Bankrott des Zionismus. In ähnlichem Sinne spricht auch Slotopolski und viele andere. Oberrabbiner Chacham Baschi Jakob Meir führt aus, daß er seit 30 Jahren an der Einheit des jüdischen Volkes gearbeitet habe. Er habe auch in Jaffa die Einheit der Sephardim und Aschkenasim durchgeseht. Als Vertreter der Poale Zion kritisiert Kapl a n s k y die einzelnen Posten des Palästingbudgets, das viel zu sehr für die kulturellen Zwecke und zu wenig für die reinen kolonisatorischen Zwecke Mittel bereitstöllt. So betrugen im Jahre 5681 die Ausgaben für kulturelle Zwecke 224 000 Pfund, etwa 50 o/o des Gesamtbudgets von 430 000 Pfund und die Posten für die kolonisatorischen Zwecke wie Landwirtschaft, Einwanderung und öffentliche Arbeiten nur 160 000 Pfund also 37 o/o des Gesamtbudgets. Es sprechen auch noch andere Arbeiteroertreter. Zum Schluß der Sitzung erklärt sich Dr. Schmarjah Lew in mit begeisternden Worten als uneingeschränkter Anhänger der von Dr. Weizmann vertretenen Richtung. In später Nachtstunde sprechen noch Färb stein, Pick von Misrachi und daraus S o k o l o w und Weizmann, die gegen die Opposition ihren Standpunkt kräftig verteidigen. Karlsbad, 16. Aug. Der Xlll. Zionistenkongreß wurde Samstag Nacht geschlossen, ohne daß Einigung erzielt worden wäre. Die Opposition blieb der Schlußsitzung ostentativ fern. Zum Präsidenten der Zionistischen Organisation wurde gewählt Pros. Dr. Chaim Weizmann. Zum Präsidenten der Exekutive: Nahum Sokolow. Zu Mitgliedern der Exekutive, mit Sitz in London und Jerusalem Dr. Soloweitschik, Joseph Eowen, Lipsky, Ruppin, Kisch, van Vriesland, Pick und S p r k n z a k. Näherer Bericht folgt. PaUtfshta. Ber StandpunRt Ser englischen Regierung. Jerusalem, 5. Aug. Der Vertreter Herbert Samuels im Oberkommifsariate ließ die arabischen Mitglieder des neugewählten Beirats zu sich kommen und erklärte ihnen, daß ihre Beteiligung an den Arbeiten des Beratungsrates keineswegs als eine Anerkennung der Palästina- Konstitution aufgefaßt werden wird. Die Araber hatten nämlich Herbert Samuel erklärt, daß sie nur unter solchen Bedingungen eventl. im Rate Mitarbeiten wollten. Die arabischen Delegierten behielten sich die Antwort vor, doch unterliegt es keinem Zweifel, daß sie nach dieser Erklärung ihren passiven Widerstand aufgeben. Personalien: Hamburg, 15. August. Am 18. Aw starb hier hochbetagt, Frau Berta Stern. Sie war die Tochter von Reb Meyer Bergel aus Rawitz, und die Richtschnur, die ihre Ahnen ihr oorgezeichnet, hielt sie ihr ganzes Leben hoch. Mit n"Dl jefc« Art verbrachte sie Tage und Nächte in uneigennütziger Weise. Ihr Segen bestand in Erfüllung der Mizwaus. Tatkräftig Anderen zu helfen, war sie auch eine treue Gattin, die ihren kranken Mann zweieinhalb Jahre pflegte und auch eine meisterhafte Geduld in 'allen Lagen des Lebens bewies. Was sie ihren Kindern war, kann nicht in wenigen Worten geschildert werden. Sechs Wochen war sie ununterbrochen am Krankenbett eines Kindes, ohne sich den Schlaf zu gönnen. Sie entbehrte, um ihre Minder zu erfreuen; aber für die kleinste Freude dankte sie dem Mlgütigen. Der herbste Schlag, der sie in den letzten Jahren traf, war der Tod ihres Mannes wie auch nach fast 60 jähriger Ehe Haus und Hof zu verlassen, da die Kehille Grätz bei Posen sich auflöste und sie nach Hamburg zog. n"223n Geilenkirchen, 9. Aug. Lehrer Eerson Frohmann feiert mit seiner Gemahlin Julie geb. Gans am 6. Elul seine silberne Hochzeit. Urspringen, 10. Aug. Ein seltenes Jubiläum kann Herr Hauptlehrer K i s s i n g e r dahier am 22. August begehen. An diesem Tage werden es 45 Jahre, daß Herr Kissinger seit seinem Seminaraustritt rm Jahre 1873 ohne Unterbrechung in der hiesigen Kultusgemeinde tätig ist. Cs dürste dieser Fall wohl sehr selten Vorkommen. Alle Kreise der Bevölkerung nehmen freudigsten Anteil an dem seltenen Ereignis. Briefkasten. M. Altmann, Karlsruhe. Betrag für Abonnement eingegangen. Dav. Levy, Straß bürg. Betrag für Abonnement eingegangen. - B. Heumann, Stratzburg. Betrag für Abonnement eingegangen. E. G. in Frankfurt a. M. Anstalt der I e d i d i l m i m Berlin. Liegnitzerstraße. A. Blum in M. Fs. 18 für Abonnement eingegangen. frankfurter Berichte. FesilkoH Iisroet. Eine wertvolle Gabe bringt der L. 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