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Der Israelit · 1923-08-23 · Heft 34 (23.8.1923) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 34 (23.8.1923)
Date
1923-08-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Nr. 34_ _ Es ergreift darauf der warschauer Sejm- Deputierte Kirsch braun das Wort. Mit kräftig schallender Stimme drückt er seine Freude aus über die Kenessiö, deren erster Erfolg schon darin bestehen wird, daß es fortan keiner mehr wagen würde, im Namen des jüdischen Volkes zu sprechen, der kein Mandat dazu hat. Dahin waren auch bis dahin die Arbeiten und Kämpfe der polnischen Orthodoxie gerichtet, die trotz technischem Blocke ganz selbständig in die politische Arena getreten und ihre Interessen verteidigt. Und die polnische, Orthodoxie, die 600 Organisationen umschließt, ist ein Teil der Weltorganisation. Wenn So Kolo w in Karlsbad von den gewaltigen Erfolgen der Zionisten in Polen, besonders den Wahlerfolgen spricht, so ist er von seinem Gewährsmann irregeführt worden» was Redner an Tatsachen nachweist. Er schildert die Kämpfe und Siege der Orthodoxie in Polen in der Rabbinerangelegenheit, in der Chedarimsrage und was sie noch in der Frage der Kehilausorganisation zu tun hat. Er erklärt sich auch vollkommen solidarisch mit der Orthodoxie Palästinas in ihren schweren Kämpfen. Dem Westen könne er den Vorwurf nicht ersparen, daß er zu wenig zur Erhaltung des täglichen Organes der Aguda, des „Jud", getan hat. Die Orthodoxie will ganze Juden erziehen. Da die Kommissionen noch an demselben Abend zusammentreten müssen, wird gegen 8 Uhr die Sitzung mit einigen geschäftlichen Mitteilungen geschlossen. . * Aber noch lange wogt es im Saale, wo in kleinen Gruppen die Probleme verhandelt werden, die Anregungen Lur Auswirkung kommen. In den Nebenräumen sitzen die Ausschüsse und Kommissionen noch bis in die tiefe Nacht ber der Arbeit. Die Freitagssitzung. Die Freitagsitzung mit der Generaldebatte war nach dem Auftakt und mehr auf Stimmung berechneten ersten Sitzungen die erste eigentliche Arbeitsverhandlung. Diese Generaldebatte wird manchem nicht immer sachlich erschienen sein, sie war oft von allgemeinen Exkursionen unterbrochen, die mehr ins Reich der Idee als in das der Arbeit weisen. Diesen klugen Kritikern sei Eines gesagt: Wenn Söhne, die lange Jahrzehnte vom Vaterhause abwesend waren, plötzlich heimgerufen werden, um familiäre Angelegenheiten zu ordnen, so haben sie sich bei der ersten Begrüßung so Vieles zu sagen, was nicht unbedingt zur Sache gehört, daß es ganz unangebracht wäre, sie bei dem Ausfluß der ersten Gefühle immer an die Sache zu erinnern. Es würde sich wohl ergeben, daß selbst mitten in den sachlichen Verhandlungen die Brüder, vom Gefühle übermannt, ein wenig abschweifen. Wir warteten an zweitausend Iah re auf diese Zusammenkunft der Söhne und Bialik hat mich ermächtigt, Ihnen das eben Gesagte mitzuteilen, und ich glaube, daß auch wir orthodoxe Juden den Worten des Dichters noch soviel Glauben schenken können, wie den aus Irrtum beruhenden Ausführungen des Mitarbeiters der Hatekusa. F. (Unser Artikel war auch nicht gegen Bialik, sondern gegen die Pädagogen der „Hatekusa" gerichtet, die des Dichters Namen zu ihrer erzieherischen Arbeit gegen die Religion mißbrauchen. D. Red.). Sabbat-Anfang und -Ausgang. ' N2n *0 rD!2> Ort: Mst Uhr mg Min. Sc 1923 l tum 5683 Au Uhr sg. Min. Frankfurt a. M. 6 45 25. 13. 8 15 Berlin .... 7 10 Aug. Elul 7 57 München . . . 6 45 7 60 Köln ..... 7 05 8 25 Stuttgart . . . 7 — . 8 04 Breslau.... — — — — Nürnberg . . . 6 50 7 56 Hamburg . . . — — — — Z ix w enduiigen für den Lubawitzer i") ’n") und seine 3 “ Russland und Palästina nimmt entgegen Philipp Wolff, Frankfurt a. 8M. Schwanenstrasse 6 Postscheck-Konto 55043. Der Isr a e l i t Brüder.. Und was unser Herz hei dieser endlichen Zusammenkunft bewegt, kann nur der empfinden, der ganz uns gehört und mit uns gewartet hat . . . So kam es denn, daß man in der ersten Generaldebatte neben streng sachlichen Auseinandersetzungen über diesen oder jenen Punkt der Satzungen auch ein Wort der jüdischen Lehre, der jüdischen Ethik und Moral zu hören bekam, eine Schrifterklärung, einen Mussargedankenl Man nahm es hin als Ertragabe, als Herzensstärkung mitten in der harten Arbeit. Erhebende Momente und unvergeßliche Höhepunkte brachte die von 9 bis 4 Uhr dauernde Sitzung. Zum ersten Male seit Eröffnung wurde auch der Name des Großen genannt, dessen Geist mindestens den. westlichen Teil der Kenessiomänner beseelt und mit segnend über das Ganze wacht, der Name von Samson Raphael Hirsch aus dem Munde des Sachwalters seines Erbes, Rabbiner Dr. Salomon Breuer (Frankfurt a. M.), dessen Rede durch ihre Präzisität und gemäßigte Form allgemeines Interesse erweckte. - Auch der Hilders he im er sch e Geist der Milde und Versöhnung sprach aus dem Munde des Herrn Rabbiner Dr .Esra Munk, Berlin, eine 'Milde ohne Opfer an Prinzip. Frieden mit allen Menschen, aber es bleibt der Kampf der Ideen. Höhepunkte erreichte die Tagung, als. der Gerer Rebbe unter allgemeiner Spannung und Erregung das Podium betrat, und etwas später der „ C h o f e z C h a j i m " sich wieder oben sehen ließ. Es gab eine Zeit, wo man glaubte, diese beiden Männer seien die exponierten Vertreter zweier Welten im Judentum, .(Martin Buber glaubts heute noch), hie die Welt der scharfen Dialektik und strengen askestischen Moral des Wilnaer Gaon, dort das frohgestimmte und frohbewegte Leben aus dem Geiste des Bescht. Wem aber hier bei diesem kleinen nv&i pn'p beschieden ist, diese beiden Männer zu sehen und zu hören, der entdeckt nicht die Spur von Distanz. Nicht einmal von Parallelwegen kann die Rede sein (wie sie jüngsthin ein Kenner im „Ieschurun" beweisen wollte). Beide Männer halten die Augen halbgeschlossen, wenn sie sprechen, als holten sie sich ihre Weisheiten aus einer anderen uns verborgenen Welt, aber jedes Wort berührt unsere Welt, unser Leben bis ins tiefste, einzelnste und kleinste. Der Gerer Rebbe zitiert einen alten Heiligen, Rabenu Iona und schließt ohne jegliches Pathos mit einem „Schojn"! (fertig), der „Chofez Ehajim" wird einen Gedanken, der ihm besonders am Herzen liegt, nicht mehr los und wiederholt ihn immer und immer wieder in allen möglichen Variationen, ohne den Schluß zu finden, aber beide sprechen im wesentlichen die gleiche Sprache ... Und wie die alten Tänaim in talmudischer Zeit nur ihre Lippen bewegten, und die Verdolmetschung ihrer Worte Anderen, den Amoraim, überließen, so haben auch diese beiden Großen ihren Dolmetsch, der ihre Worte mit schallender Stimme und mit eigenem Feuer noch erwärmt, durch den weiten Raum in die Herzen trägt. Dieser „Meturgeman" ist kein geringerer als der Sanoker Raw, aus dessen Organ eine Wärme ausgeht, daß man glauben muß, es gäbe keinen Juden auf dem Erdenrund, und spräche er. auch immer welche Sprache, der nicht diese jüdischen Worte verstände. Liebe und Kraft atmet jedes Wort und damit zählt er zu den wenigen, die den Kongreß beherrschen. Hiermit in Kürze der Bericht im Einzelnen. Die Sitzung beginnt gegen 10 Uhr unter Vorsitz des Rabbiner Schapiro, Sanok. Auf der Tagesordnung steht die Generaldebatte über die Satzungen. Zunächst erhält Färber (London) das Wort, der England für die von jeher Juden und Judentum erwiesene Toleranz Lob und Dank ausspricht und dann für eine Vereinigung mit Misrachi, der den Frieden wünsche, plädiert. .23. Äustttst.1923, Rabbiner Lew in. Bendin, sieht als Aufgabe der Agüda u. a. darin, bei den Regierungen auf eine Besserung der jüdischen Lage einzüwirken. Sodann ergreift Rabbiner Dr. S. Breuer, Frankfurt a. M., Mitglied des Rabbinischen Rates, das Wort. Rabbiner Dr. S. Breuer knüpft an einen Satz des laufenden Wochenabfchluffes an Und erklärt das Wort imttra ijt»l nach Rabbiner Hirsch in dem Sinne, daß die Thora allein souverän im Leben des jüdischen Volkes sein und bleiben muß, was seinen restlosen Ausdruck in den Satzungen stndet. Es wäre uns in den letzten Dezennien viel erspart geblieben, wenn diese orthodoxe Weltorganisation schon früher gekommen wäre. Sie kommt spät, aber nicht zu spät. Alle die ihrer Gesinnung nach zu uns gehören, auch die von Misrachi, werden früher oder später zu uns kommen. Wir schließen niemand aus, es sei denn denjenigen, der sich selbst von uns ausgeschlossen hat. Wer unsere Grundsätze, wie sie in den Statuten zum Ausdruck kommen, anerkennt, ist uns willkommen. Redner schließt mit dem prophetischen Hoffnungsworte DiiTtfm tum* pan %\':n □’nUE. Die □'HD'itt. das sind die Verschollenen aus den „zehn Stämmen", die aber, die sich verloren haben und vom Gesetze abgeirrt sind. Und sie alle werden vomSchofar, vom Elulschosar und vom Posaunenrus der Kenessiö gesammelt werden. Nach einer geistvollen agadischen Erörterung des Rabbi Atlas Schaulen (Litauen) betritt der Gerer Rebbe, geführt von anderen Rebbes, die Tribüne. Das geführt von anderen Rebbes, die Tribüne. Das Publikum erhebt sich ehrfurchtsvoll von den Plätzen, der Redner aber winkt bescheiden und bittet, sitzen zu bleiben. Große Bewegung; die .Ehassidim drängen sich dicht an die Rampe. Der Rebbe beginnt mit der Verlesung eines ergreifenden alten Dokumentes des Rabenu Jona über die Bedeutung der Vereinigung von Frommen zum gemeinsamen Wirken. Dann spricht er frei und schlicht von den früheren „Männern der großen Synode", die, nach einem Talmudwort, den Jezer Hora des Götzendienstes ganz und den der Unsittlichkeit zum Teil aus der Welt, geschafft haben. Auch die große Kenessiö wird dahin wirken, daß die fremden Götter in jeder Form, die, wo immer, Juden von ihrer jüdischen Pflicht ablenken, stürzen und dann nach der Richtung des mToniniyos emgertj'fcne lleberstände abstellen und Besserung schaffen wird. Nachdem der Vorsitzende den Inhalt der Worte mit lauter Stimme wiedergegeben hatte: und Rabbiner Schuster aus Sokolko mit einigen Worten zum Frieden gemahnt hatte^ begrüßt Herr Schmulowitz aus Kowno die Kenessiö im Namen der Zeire Jisroel in Litauen,, die enge Ideen- und Arbeitsgemeinschaft mit der Aguda pflegen, wiewohl aus taktischen Gründen der formelle Anschluß noch nicht möglich war. Da inzwischen ein Vertreter der holländischen Gesandtschaft, der verhindert war, der Eröffnung beizuwohnen, den Saal betritt, wird er vom Präsidium aus mit kurzen, warmen Worten begrüßt. Darauf spricht Herr Friedmann, Warschau, im Namen der polnischen. Jugendorganisation mit echtem jugendlichem Feuer. Die polnische orthodoxe Jugend, gelobt er, wird sich ganz der Autorität der Alten und der Thoragrößen unterordnen, und im Gegensätze zur litauischen Jugend ist die polnische der Ansicht, daß man sich ganz und voll der Organisation einfügen muß. Nach einigen persönlichen Erklärungen des Herrn Wolf Pappenheim spricht Rabbiner Dr. Munk für die deutsche Landsmannschaft. Er betont, daß die Orthodoxie in Deutschlands eingesponnen in der Weltkultur, es weit schwieriger hat, sich zu behaupten und ihre Interessen zu vertreten, als in den Ländern des Ostens. Hauptaufgabe der Aguda wird sein, den Sinn dafür zu stärken, daß wir nicht mehr die Werte unseres Lebens aus der Fremde beziehen,, sondern alle Kräfte in uns haben und aus Eigenem aufbringen können und müssen. Nun kommt die Opposition zum mehr oder weniger scharfen Ausdruck. Rabbiner Dr. Unna. Mannheim, bemängelt den § 1. Das jüdische Volk sei nicht durch die Thora geschaffen, sondern durch die Thora geweiht. Die Aguda

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