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Der Israelit · 1923-08-23 · Heft 34 (23.8.1923) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 34 (23.8.1923)
Date
1923-08-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 34 Seite 3 23.August 1923 Der Israelit spricht sephardisches Hebräisch und sagt, daß sie dort in Bagdad mit höchster Spannung (1 vto der Verwirklichung des Agudaprogramms entgegenharren; Herr Sternbuch, Basel, überbringt den Gruß der Schweizer Agudisten und streift die Summe der von den letzteren geleisteten praktischen Arbeit, wobei er konstatiert, daß eine Arbeitseinheit auf wirtschaftlichem Gebiete am Widerwillen der Zionisten gescheitert sei. Da noch 21. Begrühungsredner zum Worte gemeldet sind und die Zeit vorgerückt ist, werden diese vom Präsidium gebeten, mit Rücksicht auf die der Ausschüsse noch wartenden Arbeit ihre Ansprachen auf diekommenden Tage zu verteilen. Gegen 9 Uhr abends wird die Eröffnungssitzung von Rabb. Dr. P. Kohn mit einigen geschäftlichen Mitteilungen geschlossen. Die zweite Sitzung. Donnerstag früh gegen 10 Uhr war der Saal wieder von Delegierten und Gästen angefüllt. Ueber Nacht sind einige Maßnahmen zur Besserung der schlechten Akustik getroffen worden. Der Permanenzausschutz, der sich noch in der Nacht konstituiert hatte, hatte inzwischen fleißig gearbeitet. Er konnte gleich zu Beginn der Sitzung mit einer fertigen Liste für das Präsidium vor das Plenum treten, die folgende Namen aufweist: Oberrabb. Senator Zirlsohn, Kischinew, Rabb. Blau, Jerusalem, Oberrabb. M. M. Epstein, Slobotko, Rabb. Chajim Auser Grodzensky, Wilna, Rabb. Horowitz, Jerusalem, Jul. Holländer, Franks. M., Hurwitz, Warschau, Oberrabb. Katz, Neutra, Sejm ab geordneter Kirschbraun, Warschau, Rabbiner Dr. Pinchas Kohn, Wien, I. M. Lewin, Warschau, Oberrabb. Sejmabgeordneter M. D. Lewin, Sambor, Oberrabb .Dr. Lewenstein, Zürich, Sejmabgeordneter Rappaport, Ezortkow, Jacob Rosenheim, Frankfurt a. M., Sejmabgeordneter Oberrabb. Schapiro, Sanok, I. I. Thumim, Wien, Leo Wreschner, Frankfurt a. M. Schriftfführer: Eh. I. Eis, Zürich, Rabb. Dr. Leo Jung, New-Nork, Gottfried Goldschmidt, Halberstadt, M. Kärntner, Warschau. — Die Liste wird per Akklamation angenommen. Der zum Leiter der Tagung erwählte Oberrabbiner Senator Zirlsohn übernahm darauf das Präsidium und dankte in einer kurzen Ansprache der Versammlung für das ihm durch seine Wahl bewiesene Vertrauen. Er erteilte nunmehr das Wort Rabbiner Dr. Pinchas Kohn zur Erstattung des Geschäftsberichtes des G. A. Rabbiner Dr. Kohn überreichte mit einigen kurzen Begleitworten den im Druck vorliegenden 16 Seiten starken Bericht, aus dem in aller Kürze nur die folgende Uebersicht gegeben sei: Die Agudas Iisroel hat in den Jahren feit ihrer Gründung den größten Teil der selbständigen Orthodoxe organisatorisch vereinigt und die Gegensätze zwischen den einzelnen Ländertypen mit Erfolg zu überbrücken versucht. Auch unter der Ingeno Konnte die Idee der Agudas Iisroel in allen Ländern in weitem Matze festen Fuß fassen. Zur Förderung der jüdischen Erziehung wurden von der Weltorganisation in zahlreichen Ländern eine große Zahl von Thoralehran st alten begründet bezw. unterstützt. In großzügigster Weise arbeitete das Hilfswerk der Agudas Iisroel im Kriege und nach Beendigung desselben zur Linderung der Not der jüdischen Massen. Eine ausgedehnte Presse sowie ein Pressebüro steht der Agudas Iisroel zur Verfügung. In der Politik glaubte Agudas Iisroel stets die Reinheit des religiösen Wollens bekennen zu-müssen und jede Prestigepolitik zu vermeiden. Grundbedingung aller Verhandlungen bei der Zusammenarbeit mit anderen Organisationen war die Wahrung des Prinzips der Agudas Iisroel: Das Primat des Religionsgesetzes. Der Bericht des Geschäftsführenden Ausschusses umfaßte nichts, was in das Arbeitsgebiet der einzelnen Landesorganisationen sowie oer Palästinazentrale fällt, deren Berichte gesondert erstattet werden. Der Bericht, der von den meisten der Delegierten bereits im Druck gelesen war, wurde von der Versammlung mit großem Beifall ausgenommen. Sodann ergreift Herr Jacob R o s e n h e i m, Frankfurt, das Wort zu seinem großzügig angelegten Referat: „Agudas Iisroel als Aufgabe und Verwirklichung", das unsere Leser an anderer Stelle unserer laufenden Nummern im Wortlaute finden. Die dritte Sitzung. Nach längerer Mittagspause tritt man gegen 4.30 Uhr zur dritten Sitzung zusammen. Den Vorsitz hat Herr Senator Oberrabb. Zirlso hn. Es sind neue Begrüßungen eingelaufen von Rabbi Diskin, Jerusalem, dem Wisnitzer Rebbe, der Telscher Jeschiwa, der „Adas Jisroel"-Nürnberg, von Rabbi Sonne n f e l d und dem Waad h'Aschkenasim, Jerusalem, der Jerusalemer Jeschiwa, aus T ib e ri as und „Neweh-Scholaum", aus Kristiania, Kowno, New-Pork, Donkers, Amsterdam, Riga, London, Dünaburg u. v. m. Mündlich begrüßt die Kenessio im Namen der „Agudas H arabbonim" aus Amerika Rabbiner Selz er. Sodann wird die prachtvolle Gestalt des Seniors der polnischen Rabbiner Rabbi Perlmutter aus Warschau auf dem Podium sichtbar. Ein bis zum Gürte! wallender schneeweißer Bart umgibt ein fast jugendliches Gesicht, von dem man kein Augel abwenden kann. Seine Worte gehen im riesig gen Saale verloren, aber man fühlt es, wie gestern beim „Chofez Thajim", daß ein großes jüdisches Herz hier weint um Israels Golusleiden, jauchzt in froher Hoffnung im Anblick dieser Versammlung. Nunmehr ergreift vom Geschäftsführenden Ausschuß Dr.Jsaac Breuer-Frankfurt a.Nk. das Wort zu den den Delegierten im Drucke vorliegenden Satzungen. Das kurze, mit großem Schwünge wirksam vorgetragene und mit rauschendem Beifall aufgenommene Referat hat ungefähr folgenden Inhalt: Der Redner legt zuerst den Unterschied dar zwischen dem bloßen Berwaltungsrecht, das nur die Betätigung der Organisation zum Inhalt hat, und dem Dersassungsrecht, das auch das Wesen, Sinn und Ziel der Organisation darstellt. Letzteres sek nur da wesentlich, wo bereits vor der Organisation eine Gemeinschaft bestanden habe. Agudas Iisroel, die nichts als die Organisation des thoratreueN jüdischen Volkes im Eril ist, müsse sich nun eine Verfassung geben. Die Ziele der Agudas Iisroel seien dieselben wie die Ziele des thoratreuen jüdischen Volkes. Das jüdische Volk sei eine unmittelbare Schöpfung Gottes und den anderen Völkern wesensungleich. Gott sei der Herrscher, die Thora da» Recht des jüdischen Volkes. Nicht politische Konstellationen haben uns in Eril gebracht und nicht solche werden uns aus dem Eril befreien. Das jüdische Volk mutz sich im Eril der Beendigung des Erils in Gottes Augen würdig machen, nur Treue zu Gott und seiner Thora führen uns dahin. In diesem Sinne harrt auch das heilige Land seiner Erlösung. DieJuden tm Eolus geistig und phyfi, ch zu stützen, das jüdische Volk und das heilige Land auf den Wegen der Thora der von Gott verheißenen einstigen Wiedervereinigung würdig zu machen, sei darum die Erilsaufgabe des jüdischen Volkes und damit der Agudas Iisroel. Die Thora sei nicht Parteisache und nicht geduldet, sondern Herrscherin. Wie das jüdische Volk nicht souverän, sondern von der Thora beherrscht sei, so stehe auch über der Kenessio Eedaulo in allen maßgebenden Fragen der Rabbinische Rat. Zu den Verwaltungsorganen der Agudas Iisroel gehört der hundertköpfige Zentralrat, der jährlich Zusammentritt, während der Kongreß von dem E. A. nur alle fünf Jahre " einzuberufen ist. Das Exekutivkomitee führt die Verhandlungen mit den politischen Mächten. Der Eeschäftsausschuß dagegen verwaltet und entscheidet nur in Verwaltungsfragen. Das Statut soll vorläufig bis zum nächsten Kongreß Gesetzeskraft haben, um einer Entwicklung der Organisation keine Hemmung zu bereiten. Die Verfassung des Statutes ser nichts Geringeres, als das organisatorische Kleid für das durch dte Thora geeinte Volk, das allein durch Kraft der Thora den Jahrtausenden standgehalten habe. Mit reinen Händen soll es ihm nun als reines Gewand gegeben werden. Es werden sodann vom P. A. die Mitglieder für die folgenden Kommissionen genannt: außenpolitische, innenpolitische, Palästina, Finanz, Organisation, Thora, Chisuk hadaß, Erziehung, soziale Arbeit, Bank, Redaktion der Anträge, u. a. m. getan, Rechtsanordnungen — sie kennen sie mit Nichten. Hallelujah." Hirsch zur Stelle: Nicht ist ihnen die Gesellschaft ein Produkt des Rechts, sondern der Rechtsbegriff ist ihnen ein Erzeugnis der jeweiligen, zeitlich und örtlich bedingten Anschauungen von dem Bediirfnis der Gesellschaft, und Zweckmäßigkeit ist die Mutter ihrer Gesetze. Daher sind Recht und Gesetz in ewigem Wandeln begriffen und aus schwankendem Grunde wanken die menschengesellfchastlichen Zustände und Beziehungen. Aber das ewige, von Gottgeoffenbarte, unter Gottes Schutz ruhende über Allem und Allen erhabene, unantastbar hohe Recht kennen sie nicht, dessen rückhaltlose Huldigung allein einst dauernden Frieden und allgemeines Heil zu bringen bestimmt ist. und als dessen Depositär für die Menschheit Gott Israel in Mitte der Völker ausgesandt hat.- Man nehme sich die Musterkarte der »ewigen" Friedensbeschlüsse bis zum Versailler Vertrag zur Hand, nnd man wird die tiefe Wahrheit dieser Darlegung voll bestätigt finden. (Schluß folgt). Kleines Feuilleton. Vor der Eröffnung.'> Momentaufnahmen. 2 Uhr nachmittags: Bunte Wimpel grüßen von der Ferne. Die Fahnen aller Nationen sind vertreten. Eine große neugierige Menschenmasse vor dem Kongretzgebäude. Vor der Kassa für Eintrittskarten, trotz der Gluthitze eine feste Mauer *) Aus der Wiener „Jüdischen Presse". von Wartenden. Es sind Gerüchte im Umläufe, daß dre Eintrittskarten ausverkauft sind. Schleichhändler wagen sich langsam hervor ... Im Gebäude selbst ein ungeheurer Trubel. Die Ankunft Hunderter von Delegierten gibt Arbeit, die kaum zu bewältigen ist. Doch ist die Abwicklung der Empfangsformalitäten rasch und der Eindruck des Gesamten günstig. Ein wenig zu laut arbeitet die Maschine, aber es klappt. Besonders die kleinen und jüngsten Räderchen des Werkes lausen zu laut. Man müßte sie im Laufe der Tagung etwas ölen. Ich erfahre, daß zirka 500 Delegierte bereits angelangt sind. Der Ansturm auf die Kassen beginnt gefährliche Dimensionen anzunehmen. Polizei schafft Ordnung. Die Verkaufsstellen vor dem Eingang stören ein wenig das Bild. Aber man mußte den Leuten Gelegenheit geben, sich Erfrischungen zu verschaffen. In den Zimmern der einzelnen Landsmannschaften Zlautes, hitziges Wortgefecht. Die Präludien der großen Redeschlachten . . . 3 Uhr nachmittags: Zwer ehrwürdige Gestalten steigen aus einem Auto aus. Ein Raunen geht durch die Menge. Zwei weltbekannte rabbinische Autoritäten . . . Sonderbare Wirkungen üben diese Männer aus. Die achtungerweckenden Gestalten aus fernen östlichen Ländern lassen das Bild des alten, traditionellen und leider entschwundenen jüdischen Lebens erstehen . . . Ein älterer Delegierter bittet um eine Auskunft. Sie wird erteilt. Der Delegierte läßt sich vom Stegreif in ein Gespräch ein. Wir Westler können garnicht die Schranken der üblichen Konvention so leicht außer Acht lassen. Doch liest man auf den Gesichtern dieser Männer eine Freundlichkeit und Herzlichkeit, die das Wort: Brüder, nicht als leere Attrappe der Feierlichkeit erscheinen läßt. Es find wirkliche Brüder, die hier Zusammenkommen ... 4 Uhr nachmittags: Eine Stunde vor der Eröffnung. Der Andrang wird bereits gefährlich. Wagen auf Wagen, Auto auf Auto bringen die eben mit der Bahn in Wien angelangten Delegierten und Gäste . . . Der riesengroße Saal scheint zu klein zu sein. Die Stimmung im Hause steigert sich bis zum Siedepunkte. Auf einmal, geht ein Ruck durch die festgestaute Menge vor dem Eingänge. Das Auto des ersten diplomatischen Vertreters ist eben angelangt. Fast sämtliche in Wien weilenden Korrespondenten ausländischer Zeitungen sind bereits im Hause. Alle Wiener Zeitungen haben Berichterstatter entsendet. Die Anzahl der angelangten Delegierten und Gäste sowie der Zuschauer übersteigt alle Erwartungen. Der Saal ist eine Stunde vor der Eröffnung gesteckt voll ... / 5 Uhr nachmittags: Der Rabbinische Rat ist bereits versammelt. Das Präsidium betritt die Tribüne. K. (Vialik und der Sabbat.) Man schreibt uns: Ein in der letzten Nummer des „Israelit" unter dem Titel „Bialikverehrrkng und Sabbatentehrung" erschienener Artikel veranlaßt mich, mit der Bitte um Veröffentlichung in Ihrem w. Blatt, zu folgender Richtigstellung: Obwohl den Kennern und Bekannten des Dichters die in der Hatekufa über ihn gemachten Angaben nicht glaublich erscheinen konnten, habe ich den Dichter persönlich über sie befragt. Er bezeichnete sie als Ikyl Der Verfasser des Artikels in der Hatekufa habe ihn zweimal besucht, und habe ihn einmal bei der Arbeit angetroffen, das ser an einem Wochentag gewesen, und einmal am , da habe er nicht gearbeitet.

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