Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 64 (1923)
- Issue
- Heft 34 (23.8.1923)
- Date
- 1923-08-23
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Nr. 34 denn der Geist ist ewig jung, aber die Stimme des Alters nur schwach und. brüchig. — Indes alles lauscht und berauscht sich an der Lippenbewegung und fühlt es bis ins tiefste: ein Heiliger aus einer anderen Welt spricht zu uns. Den Nahestehenden, zu denen glücklicherweise auch Berichterstatter gehört, wird ungefähr folgendes verständlich: Ein Rabbiner wurde als Großer einer Gemeinde empfohlen. Dort mit großen Ehren empfangen, konnte er keine an ihn gerichtete halachische Frage richtig beantworten. Die Ehrungen hatten ihm nicht gut getan. Auch ihm widerstrebte es, vom Podium an bbü zu sprechen. Er lehne es ab, mit den ihm zugesprochenen Eigenschaften diese Ehrenstelle zu betreten, lrQTD bv n T^y DD r6yn ab'i. Aber als und ]dd könne und dürfe er die von ihm erbetene NDDDder Versammlung nicht vorenthalten. Sein Segen ist in der rP~D enthalten, die dem Volke nach der Fertigstellung des Mischkan geworden: riTtf HMO 'T TOD «TI wn p '1. Alle Arbeit und Opfer wären vergebens, wenn nicht der „Gottesbesehl", der Wille zur Thora, das Ganze beseelte. Es geschah einmal, daß ein Mensch durch Unfall schwer verletzt wurde. Ein Dutzend Aerzte eilte herbei, deren jeder ein anderes Gebrechen konstatierte und zu heilen suchte, der eine wollte die Bewegung der §ütze, der andere die der Hände heben, der dritte die ehkraft des Auges steigern. Ein Meister der Heilkunde aber, der dazu kam, sagte: was sollen die Teilheilungen, das H <r z ist krank. Sorgen wir, daß das Herz gesundet, es wird schon von diesem allen Organen neue Kraft zufließen. Das Herz, die Seele unseres Lebens ist die Thora und es ist müßig, sich hie und da mit Teilheilungen, Teillösungen abzugeben, solange es mit dem pON, dem Lebensimpuls des Volkes, dem Thorastudium, nicht am besten bestellt ist. Der Q-nnn VV war pn "pro in die Mitte des Gartens gestellt, damit man von allen Seiten gleich bequem zu ihm gelangen konnte. Heute noch muß unser Lebensbaum im Mittelpunkte, im Zentatm unseres Tuns und Wollens stehen. Heute kamen sie aus Nord und Süd, Ost und West, um Israels nDtM zu wecken und so muß alles gelingen. Er schließt mit einer ergreifen nDpD für die Arbeiten des Kongresses und der Aguda. Nachdem sich der Jubel gelegt, verliest Herr Leo Wreschner eingetroffene Begrüßungsschreiben und Telegramme des V u n d e s Präsidenten und des Bundeskanzlers Nuntius Seipel. Das letztere Schreiben, das mit seinen warmen Tönen begeisterten Jubel auslöst, hat folgenden Wortlaut: »An den geehrten Zentralrat der Agudas Jisroel, Wien. Indem ich für die liebenswürdige Einladung zu der für den 15. d. M. angesetzten Eröffnungssitzung des ersten Kongreffes der Agudas Jisroel meinen verbindlichsten Dank sage, bitte ich zur Kenntnis nehmen zu wollen, daß rch an diesem Tage noch nicht in Wien sein werde und daher außer Stande bin, dieser Ihrer Einladung Folge zu leisten. Ich möchte aber nicht unterlassen, Ihre Der- Der Israelit einigung wenigstens auf dem schriftlichen Wege zu begrüßen und Ihren Verhandlungen einen gedeihlichen Verlauf zu wünschen. In einer Zeit, die dem aufbauenden Werk des Gottesglaubens und der Treue zur angestammten Religion weiten Volkskreisen neuerdings vor Augen geführt hat, begrüße ich es als katholischer Priester aufrichtig, wenn die Agudas Jisroel, diese Organisation des rein religiös orientierten Teiles der Iudenschaft, sich ihrerseits mit Ueberzeugungstreue für diese ewigen Ideen einsetzt. Ich danke Ihnen auch für die freundlichen Worte, die Sie in Ihrem Einladungsschreiben für das Sanierungswerk Oesterreichs fanden, dessen Regierung sich bewußt ist. den jüdischen Bürgern ihres Landes, die von der Verfassung verbürgten Rechte stets gewahrt zu haben. Gerne pflichte ich Ihren schönen Worten bei, daß' das Beispiel Oesterreichs, welches sich aus der Tiefe des Elends schnell zur freudigen hoffnungsvollen Betätigung seiner Kräfte emporrafft, Kraft und Trost für den Sieg jeder reinen Idee gibt. Kallwang, 6. August 1923. Seipel m. p." . Weitere Begrüßungen liegen vor vom Polizeipräsidenten, von-vielen Gesandtschäften und Delegationen des diplomatischen Chor, d«em„Waad h'Aschkenasim" in Jerusalem, aus Afrika u. v. m. Es folgen mündliche Begrüßungen im Namen der Landesorganisationen, eingeleitet von einer geistvollen Rede des Deputierten, Rabbiner M. Schapiro, Sanok in Polen. Drei Männer, sagt er, waren es in der Geschichte, die den Titel hatten: Abraham, David und Mordechai und diese Drei hatten ihr eigenes Gepräge c^iyD pöW Drp Tier». Abrahams Wahrbild zeigte rDpn ipT auf der einen, n^inDT TirD auf der anderen Seite, also die Vereinigung von Jung und Mt; Dawids Wappen hatte „Stab und Tasche" und die Stadt Jerusalem; Mordechais Moneten wiesen »Sack und Asche" und eine Königskrone" auf. Wenn sich die Kenessio das Attribut n^TTl zulegt, dann hat sie diese drei ptroiD in ihr Programm aufzunehmen und zum Programme der Aguda zu machen: Vereisung von Jung und Alt durch Lösung der Erziehungssragen, Arbeit für Jerusalem und Palästina, unsere Aufgaben im Golus u. a. darin bestehend, bei “©kt der Welt einen Beweis unserer Landestreue zu erbringen (inD mD^D). Darauf hält Herr Rabbiner Dr. Lew enstein-Zürich in gehobenen Worten ein Referat über „ I s r a e l u n d d e r V ö l k e r f r i e d e n ", das in folgender stehend angehörter und angenommener Resolution gipfelt: „In dem geschichtlichen Augenblick, da zum ersten Male seit Beginn des Exils der Judenheit die gewählten Vertreter der thoratreuen Juden zu ihrer großen Versammlung (Kenessio Gedaulo) auf den Ruf der Agudas Jisroel aus nahen und fernen Ländern zusammengekommen sind, entbieten sie allen Völkern und Staaten einen Gruß des Friedens und einen Gruß der Versöhnung. Die Kenessio Gedaulo denkt mit tiefem Schmerze der furchtbaren Verwirrungen und Leiden, unter 23. August 1923 denen die Menschheit zusammenzubrechen droht. Sie erblickt in diesem Leide einen wirksamen Mahnruf der Rückkehr zum Vater, der Menschheit, der über alle Nationen unerschöpflicher Liebe die Hütte seines Friedens spannt. Die Kenessio Gedaulo begrüßt die Organisation des Völkerbundes in der heiligen Hoffnung, daß der Völkerbund Recht und die Gerechtigkeit zur Grundlage der Beziehungen der Völker zu einanoer gestalten wird. Die Kenessio Gedaulo spricht die Erwartung ans, daß im Lause der Entwicklung die das Leben der Völker beeinflussenden und bestimmenden religiösen Weltanschauungen innerhalb des Völkerbundes zur Geltung kommen, damit aus Völkerbund Versöhnung und Friede erwachse." Von lebhaftem Beifall begrüßt, ergreift Herr Jacob Rosenheim das Wort, um kurz den Inhalt der bevorstehenden Tagung, klarzulegen. Eine Menschengruppe, die bisher im Schatten stand, tritt ins offene Licht mit ihren Wünschen und Forderungen. Dazu bedarf es eines großen Erziehungswerkes nach innen und nach außen. Die Palästinaarbeit sei so angelegt, daß auf dem heiligen Boden des heiligen Landes heiliges Leben erblühe. Nach einer kurzen Pause folgen Begrüßungen der Landsmannschaften, Fraktionen und Institutionen. Es sprechen für die österreichische Landsmannschaft R. Jzchok Tumim und Rabbi David Rubin für Palästina. Er teilt mit, daß, als die Delegation Jerusalem verließ, die Besten der heiligen Stadt mit Rabbi Chajim Sonnenfeld an der Spitze, sie hinausbegleitete, ihr Grüße an die Kenessio auftrugen, in der zuversichtlichen Erwartung, daß sie den Interessen Erez Jisroels insbesondere ihr Augenmerk zuwendet. Rabbi M. M. Epstein überbringt den Gruß der Slobotkoer Je sch iw ah, Oberrabbiner Lew in, Sambor, spricht für Ostgalizien. Im Namen der Wiener Aguda begrüßt Herr Kommerzialrat Bondi in warmen Worten die Kenessio. Herr Senator Oberrabbiner Zirlsohn, Kischinew, erbringt in einer längeren feurigen Rede den historischen Nachweis, daß sei^ altersher, so oft das ml w«. in welcher Form auch aufflammte, um Israel von innen heraus-NOMNO^^-aufzuzehren, sich immer die Männer von Gottesgeist einfanden, die mit dem Rufe >6« ,»d das Volk in einer Agudas Jisroel wiedervereinigten. Es sprechen ferner Herr Aron Katz für Tschechoslowakei, Rabbiner Dr. Leo Jung (englisch) für Amerika, Abg. D u b i n, Riga, für Le ttland, der dem Bedauern Ausdruck gab, daß die Gesinnungsgenossen aus Sowjetrußland nicht kommen konnten, Rabbiner Färber, London (englisch) für England. Herr Nissim Nach um aus Bagdad mm Aktuelles aus Hirschs Psalmenkommentar. Don A. Mannheimer in Aetteköach. Die Ileberlieserung berichtet uns, König David habe über feinem Bette eine Art Aeolsharfe hängen gehabt und wenn in mitternächtlicher Stunde oer Wind durch die Saiten strich, so daß diese sanft erzitterten, da weckte der süße Klang den König aus seinem Schlafe und er stand auf, setzte sich hin und schrieb und schrieb, während andere der Ruhe pflegten, jene herrlichen Psalmen, die heute noch eine Perle der gesamten Weltliteratur bilden und die weit hinaus über den jüdischen Kreis dringen sollten, um Herzen zu laben und Gemüter zu erbauen. Von heiligem Geiste durchweht, vom Finger Gottes gespielt, schlagen uns heute noch jene Lieder in ihren Bann und wir lauschen bezaubert ihren Tönen bei heiteren und ernsten Wendungen unseres allzu schicksalreichen Lebens. Was ists, das uns so fesselt? Warum schlägt man das alte Buch so oft und so gern immer wieder auf? Was zieht uns mit unwiderstehlicher Macht zu Davids G^nn hin? Unser Gefühl gibt die rechte Antwort auf diese Fragen. Ewigkeitswerte ruhen in den Psalmen, Ewigkeitswerte, an denen wir uns aufrichten zu allen Zeiten wie der schwache Efeu an der mächtigen Eiche. — Die traurig düstere Gegenwart läßt uns wieder geme nach Tehillim greisen, um Trost, Erleuchtung, Herzensfrieden und seelisches Gleichgewicht zu finden in diesen besonders kritischen Zeitläuften. Hirschs lichtvoller Psalmenkommentar, namentlich wo er die Wege der Homiletik betritt, zeigt uns in plastischer Schärfe die ewige Kraft jüdischer Wahrheit und Weisheit, wie sie David aus feinem gottschauenden Leben uns allen und der menschlichen Gesamtheit gekündet. Tagesfragen werden uns da beantwortet, rein Aktuelles uns gebotemtreffend und trefflich zugleich. Greisen wir nur Weniges heraus, um es unmittelbar auf uns wirken zu lasten, ganz im Spiegel der Gegenwart. Die Quelle des Antisemitismus. Psalm 83, 5. 'TDl DTTD31 TD^ T"lD«. »Sie (die Feinde) sprechen: „Kommt, wir wollen sie vernichten als Volk und der Name soll nicht mehr gedacht werden." —Zwei Verse vorher heißt es: „denn stehe, Deine Feinde'sind es, die lärmen,- über Dein Volk pflegen sie listigen Anschlag und beraten sich über die von Dir Geborgenen.-“ Hirsch hierzu: In letztem Grunde gilt nicht uns, gilt Dir der Kampf. Du stehst den Menschen und Völkern im Wege mit Deiner absoluten Herrschermacht und mit den absoluten Anforderungen Deines Sittengesetzes, für welche beide du uns als Denkmal und Herold unter die Völker gesandt. Das Judentum mit seinem unsichtbaren Gott und seinen idealen Weltuns Lebensanschauungen ward von je von all denen gründlich gehaßt, die aus die Entartung und Käuflichkeit der Menschen spekulieren. 'DT 'HD DTDDiT. Die Erscheinung „Israels" als va als Volk unter den Völkern, entblößt von allem dem, woraus die Völker ihr Volksdasein gründen, ist ein solcher Protest gegen das ganze soziale und politische System der übrigen Welt, daß dieser nichts so sehr am Herzen liegt, als Israel aus der Mitte der Völker zu streichen, damit nicht schon sein bloßer Name wie die Tatsache seines ausdauernden Bolksdafeins die alles «benagende, allem obsiegende Gottesherrschaft verkünde. Nebenbei: Die Konsequenzen dieses Judenhasses bekommen neuerdings die Christen von den Wotansjüngern unterm Hakenkreuz empfindlich zu spüren und wehren sich dagegen. So nennt Dietnch Eckart Katholizismus und Papsttum eine „jüdische Einrichtung", bezeichnet Päpste und Bischöfe als „Iudensprößlinge". Dr. Pudor schrieb ein Buch „Die Ueberwindung des Judenchristentums durch das Germanentum". Er sagt: „Das Judenchristentum als solches ist der gewaltigste Raffen- und Volksbetrug der Weltgeschichte". — Man mutz gestehen, diese Sorte Iudenhaffer find doch Leute logischer Konsequenz. DieWandelbarkeitvonGesetzundRecht. Die Weltgeschichte ist die Zusammenstellung einer fortlaufenden Reihe von Völkerbündnissen, Völkerkriegen, Verträgen, Gesetzen und Rechten, iw beständigem Wandel begriffen. 1 Im Psalm 147, V. 19, 20 lesen wir: ynDl TOD 'IDT DpyS Er Kündet sein Wort an Jakob und seine Rechtsordnungen Israel. So hat er keinem Volk