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Der Israelit · 1923-08-16 · Heft 33 (16.8.1923) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 33 (16.8.1923)
Date
1923-08-16
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Tcuillcton- Beilage Der Israelit Nr.ZZ \m In Emirskleidern. Von Jacoö Asraek de Kaan in Aerusakem. (Geschrieben im Lager bei Amman, 27. Juni). I. Am Mittag wollen wir nach Gimbe.t Abu Dzjabu, welches im Süden von Amman liegt. Hier hat der Emir für einige Wochen fein Lager aufgeschlagen. Unser Lager, El Makar el Amiri, liegt im Norden der Stadt. Da ein interessantes Gespräch geführt werden soll, geh" der Türke Dr. Riza Tuwfik als Dolmetscher init. Und ich kleide mich wieder mit dem schönen, seidenen Oberkleid aus Damaskus, dem weißen seidenen Kopftuch („Kafie"), welches mi" einem silbernen Band, verziert mit schwarzen, gewebten Knöpfen, auf dem Kopfe festgeleg" wird. In Emirs Kleidern. II. Durch den Krieg sind so viele kleine Menschen groß geworden und so viel große klein, daß man auf Menschen wie Dr. Riza Tuwfik kaum mehr achtel. Ein Türke, dessen Vater ‘ Albanese war und dessen Mutter eine tscherkessische Frau. Seine erste Erziehung hatte er in einer jüdischen Alliance-Schule. Er kann noch ganze Stücke aus den Propheten auswendig vortragen. Und spricht flott französisch. Er hat Medizin studiert. Aber bedeutender ist er als Dichter und Sprachgelehrter. Er spricht das perische ebenso gut wie türkisch. Er hat Omar Khayyam ins türkische übersetzt und Studien über ihn geschrieben. In diesen hat er festgestellt, daß ein großer Teil der Kwartreinen, die als von Khayyam verfaßt gelten, nicht von ihm geschrieben sind. In der jungtürkischen Revolution 1908 hat er seine Rolle mit Dschemal Pascha, Enver Bey und Talaat Bey gespielt. Im ersten türkischen Parlament war er für Adrianopel und für die Hedschas Abgeordneter. In jener Zeit lernte er Paris und London kennen: Balfour und Haldane. Von Holländern kennt er Houtsma und Snouk Hurgronje. Er hat auch ein Buch über eine verloren gegangene mohammedanische Sekte geschrieben, das in Leiden erschien. Im Parlament sprach er gegen den Krieg. Er ist auch gegen den übertriebenen Nationalismus der Jungtürken. Auch die nationale Bewegung des Zionismus hat nicht seine Sympathie, obwohl er unter den Juden viele Freunde hat. Nach dem Wafffenstillstand wurde er Kultusminister, Senator und Präsident des Staatsrates. Einer der türkischen Vertreter in Sevres. Er war gegen Mustafa Kemal Pascha, da er an dessen Sieg nicht glaubte. Daß Mustafa Kemal doch gewann, beweist nichts. Erfolg ist kein Argument. Er ist nicht Pro-Deutsch. Der deutsche Darwinismus in der Politik, Macht ist Recht, patzt ihm nicht. Aber die englische Hypocrisie noch weniger. Nach den Siegen Mustafa Kemals konnte er nicht länger in Konstantinopel bleiben. Mit noch anderen türkischen Ausgewiesenen ging er nach Aegypten und Mekka. Emir Abdullah, derihn aus dem türkischen Parlament noch kennt, hat ihm den Posten (und den Salär!) eines Generaldolmetschers gegeben. In den Zelten El Makar el Amiri ist das Leben schön. Aber einsam ist es. Das ist das alte jüdische Land von Transjordanien, wodurch wir nun reiten. Ich höre, was Dr. Riza über die nationalen und religiösen Elemente im Judentum denkt. Er hält die Religiösen für das wichtigste Element. Die Frage sei nur, ob sie auf die Dauer sich halten können, ohne einer nationalen jüdischen Ansiedlung in Palästina. Die Juden in der Türkei? Merkwürdig, daß sie so wenig Erste-Klasse-Menschen haben. In Geldgeschäften sind die Griechen ihnen über. III. Wir sitzen im kühlen Zelte von Sidna Abdullah, dieses Mal auf Stühlen. Der Emir, ein als Emir Gekleideter und Dr. Riza uns gegenüber. Der Emir und Dr. Riza unterhalten sich türkisch. Zwischen uns ist die Sprache französisch. Ich soll Fragen stellen. Was an den Gerüchten mit den Wahabis Wahres sei? Keine Gefahr, sagt der Emir. Es seien keine Reibereien mit Jbn Sand, dem Emir von Neyd. Eine nicht organisierte Bande Wahabis habe ein Ueberfall auf Kirjath el Milch gemacht, welches an der Karawanenstraße nach Transjordanien liegt, drei Tageritt von Amman. Die Beni Sacher haben die Wahabis zurückgetrieben. Unser Herr Abdullah ' schaut düster drein. Es seien die jüdischen Zeitungen Palästinas, die fortwährend über Transjordanien ungünstige Berichte bringen. Wahrscheinlich aus Aerger über die Unabhängigkeit von Transjordanien. ’ Dasselbe tut auch das antizionistische Blatt „Ahram" in Kairo, das gegen König Ussein und seine Söhne schreibt, weil sie nicht antizionistisch genug seien. Der englisch-arabische Vertrag? Der Emir hat nicht mehr gesehen, als das von der palästinensischen Regierung Veröffentlichte. Der Palästina-Paragraph hätte deutlicher sein können. England ist in schwieriger Position. Es seien den Arabern wegen Palästina Versprechungen gemacht worden, die von den Arabern als Wort betrachtet werden. Und es seien den Juden' Versprechen gegeben worden, die von den Juden als Versprechen betrachtet werden. Diese Unsicherheit in der englischen Politik sei ein gefährliches Element, das den Extremen auf beiden Seiten immer neue Gelegenheit zu Streitigkeiten gäbe. Die Juden seien unzufrieden, weil Palästina nicht kurzweg aus der arabischen Föderation ausgeschlossen wurde, wie Aden. Der Emir selbst kann aus dem Vertrag nicht herauslesen, daß England die Balfourdeklaration bestätigt. Das Wort Balfourdeklaration werde nicht genannt, jedoch sei 'von den Rechten der palästinensischen Araber die Rede, von denen auch in der Balfourdeklaration gesprochen werde. Eben- 'owenig sieht der Emir im Vertrag eine Betätigung der Balfourdeklaration durch König Hussein. Der König anerkennt zwar die besondere Stellung Englands gegenüber den drei arabischen .Mandatsstaaten: Palästina, Transiordanien und Mesopotamien. Aber die ganz besondere Stellung von England in Palästina ist von König Hussein nicht ganz besonders anerkannt. Man muß nicht vergessen, daß seit vielen Jahrhunderten Palästina ein ganz arabisches Land sei. Der Gedanke von der Einheit der arabischen Staaten und ihrer Unabhängigkeit ist sehr stark. Dies,war auch der führende Gedanke beim Aufstand gegen die Türkei während des großen Krieges. Wenn Palästina weiter überwiegend '' arabisch bleibt, wird es schwer 'allen, es später außerhalb der arabischen Föderation zu lassen. Gelingt es aber den Juden in Palästina bald, eine gesunde, finanziell-unabhängige Siedlung zu schafffen, dann mag es vielleicht glücken, Palästina außerhalb der Föderation zu belassen. . „Die Juden haben Palästina selbst in ihrer Hand", sagt der Emir: „das Los der Länder wird nicht durch Verträge, sondern durch die Menschen selbst bestimmt". Und Syrien? Auch Syrien ist arabisches Land. Und die Zukunft wird zeigen, ob Frankreich den Willen und die Macht hat, Syrien außerhalb der Föderation zu halten. Die Syrier sind gute Patrioten. Und während des Krieges war Syrien das geistige und hedschas das tätige Zentrum der arabischen Revolution. Schließlich: Palästina und Syrien sind Mandatsländer. Und bis jetzt ist noch kein großer Unterschied zwischen Mandatsland und Kolonie. Wenn erst der Völkerbundsgedanke sich ausgebreitet haben wird, dann mag auch eine Aenderung dahin eintreten und zwar zu Gunsten der Bevölkerung der Mandatsländer. Der Vertreter der arabischen Föderation im Völkerbund wird ihn alsdann sicherlich um Selbstbestimmungsrecht der arabischen Völker angehen. Und die zionistische Bewegung? Der Emir hat große Sympathien für das jüdische Volk, das so viel für die Menschheit geleistet hat und so schwere Leiden erdulden mußte. In früheren Zeiten haben Juden und Araber in Bagdad und in Spanien so sehr gut zusammengearbeitet. Vielleicht haben die Juden eine gleichartige Aufgabe innerhalb der arabischen Föderation. Der extreme Zionismus habe dem Einvernehmen sehr geschadet. Vielleicht sei die Aufgabe der gemäßigten Elemente beider Seiten nun auf Versöhnung hinzuarbeiten. Ein Ausspruch, wie der von Dr. Weizmann: „Palästina so jüdisch', wie England englisch ist", scheint dem Emir gefährlich. Vielleicht sei es nötig, für Propaganda solche Formulierungen zu gebrauchen. Aber dann müßte man auch auf den Widerhall in den arabischen Ländern. gefaßt sein. Und das Emirat über West-Palästina? Der Emir hat mit Dr. Weizmann über die Möglichkeit einer wirklichen konstitutionellen Regierung in Palästina gesprochen, wobei die Majorität der Vertretung natürlich Araber sein müßten, mit besonderen Garantien für die besondere Stellung der Juden, ohne wieder zu einem Beherrschen der Minderheit durch die Mehrheit zu kommen. In der Umgebung des Dr. Weizmann hat man den Eindruck erhalten, daß der Emir gewillt sei, sich als der Mann anzubieten, der in dieser komplizierten Form Palästina regieren könne. Augenblicklich wird über diese Angelegenheit nicht verhandelt. Und Ruttenberg? Der Emir hat Herrn Ruttenberg keine Rechte für Transjordanien gewährt. Sicherlich hat Transjordanien Geld und Menschen nötig. Und niemand soll von einer Teilnahme ausgeschlossen werden, weil er Jude ist. Aber man kann von einem arabischen Emir nicht verlangen, daß er Pläne fördere, die zu einer Beherrschung der Araber durch Juden führe. „Die Zeit ist sehr weise", sagt der Emir: „und die Zeit macht vieles wieder gut, was Menschen verdorben haben. IV. Wir haben Sidna Abdulla verlassen. Die kleinen Emirs Talal und Naif sind ausgeritten. Wir reiten durch die Stadt wieder zurück nach den Zelten von El Makar el Amiri. Ein wunderhübscher Abend, um zu träumen. Der Mond-, schein versilbert und beschattet die Hügel und Täler. Wir denken darüber nach, was wir heute besprochen haben. Eine schwere Aufgabe hat der Emir sich auferlegt. In einem Monat wird König Feissul vom Irak mit einem Flugzeug in Amman erwartet, zur Regelung ge- | meinschaftlicher Aufgaben. Das neue Leben ist ' auch nach Transjordanien gedrungen. Vor einem! Auto flüchten nur die großen dummen Kamele. Und auch die Ziegen hüpfen schnell vom Wege

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