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Der Israelit · 1923-08-16 · Heft 33 (16.8.1923) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
64 (1923)
Issue
Heft 33 (16.8.1923)
Date
1923-08-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
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16. August 1923 Nr. 33 Seite 5 V ' / b. „Agudas Iisroel", als beseelter Organismus des Thorävolkes: unter den Völkern hat sie den Namen ihres Einzigen zu verkünden — aber noch harrt ihrer im eigenen Innern die Aufgabe der Selb st Vollendung, die Einbeziehung aller, die das organische Band zum jüdischen Stamme nicht völlig zerrissen haben, in die aktuelle organisatorische Einheit, die potentiell durch die Geburt von einer jüdischen Mutter geknüpft ist. Wer zählt die warmen jüdischen Herzen, die in der eisigen Umklammerung der europäischen Kultur für Gott und seine Thora zu schlagen aufgehört, seitdem aus dem Gesamtkörper des jüdischen Volkes vor mehr als hundert Jahren das Leben entfloh und sein Leichnam schutzlos preisgegeben dalag, dem in seinen tausendfältigen Wirkungsformen? All die irrenden, suchenden Seelen, die aus ihrem heißen Blute die Stimme der Väter, die Stimmen Awröhoms, Izchoks und Jaakauws sprechen hören und ihren Ruf nicht verstehen können, weil ihre Sprache ihnen fremd geworden ist — für sie alle soll der sich zu neuem Leben erhebende Organismus des jüdis chen Volkes Antwort auf quälende Fragen sein. Wagen wir es nur, ir^npn tsrnin» des lebendigen Gottes Wort, zum lebenzeugenden Kraftzentrum eines Organismus zu erheben, stellen wir, wie in den Tagen der ersten Wüstenwanderung, die Lade des Gesetzes, durch „Agudas Iisroel" mächtig emporgetragen, wiederum in den alles beherrschenden Mittelpunkt des jüdisches Volkslebens, dann wird sich auch an uns das große Wunder alles organischen Lebensbaues vollziehen: aus allen Enden der Erde werden sich die wahlverwandlen Zellkeime um den neu gesetzten Lern zusammenschließen, und im innigen Anschluß an den großen lebendigen Organismus, in dessen Innerem das Licht der Thora glüht und leuchtet, lösen sich den Söhnen und Töchtern des jüdischen Volkes die sie bedrängenden Rätsel des Daseins, fühlen sie die Ströme des durch die Jahrtausende rinnenden gottverbundenen jüdischen Lebens auch in ihren Adern neue Kraft entbinden — r^1 rn: riT — und an den „klammernden Organen", des von der höchsten Einheit, von in# ",i "n. Zusammengehaltenen nationalen Organismus scheitern alle rationalistischen und triebmäßigen Versuchungen, die ihm in den schweren Jahrhunderten der Desorganisation seine Linder so oft auf Nimmerwiedersehen geraubt hatten. * Auf welchen Wegen Agudas Iisroel diese Wirkungen ihres bloßen Seins durch bewußte, nach außen gerichtete Erziehungspolitik zur verstärkten Geltung kommen lassen kann, was sie zu tun hat, auf daß der reinste, ungetrübte und unvermischte Thorageist dereinst alle Schichten des jüdischen Volkes von der Geburt bis zum Grabe durchdringe, das auch mlr in den allgemeinsten Grundzügen darzustellen, überschreitet für heute den Rahmen meiner Aufgabe. Das aber ist auch an diesem Punkte unsre tiefste, geradezu die Voraussetzung des Aguda- Gedankens bildende Ueberzeugung, daß alles Heil «der Zukunft für das jüdische Volk wie für die Menschheit von der durch Eotteswort und Geschichte eindeutig vorgezeichneten rechten Organisation der irnm abhängt. Von ^12" geführt, und gestärkt, sind wir an das heilige, furchtbare Werk dieser Organisation zagenden Herzens herangetreten: zagenden Herzens, denn jeder Irrtum im Grundriß des Organisationsplans wäre ein sündhaftes Verpfuschen göttlichen Schöpfungsplanes. Die Thora, die „Lade des Gesetzes", gekrönt von den Cheruwim, den Trägern der nrow, sie hat den Mittelpunkt, den zentrierenden Faktor im Aufbau des jüdischen Volksorganismus zu bilden. Das ists, was Agudas Iisroel zwingt, ihr organisatorisches Werk ganz von vorne zu be- __Der Israelit ginnen und mitten hinein in ein jüdisches Volksleben, das in vollem Zuge der Selbstorganisation nach anderen, unsrer Ueberzeugung nach falschen Organisationsprinzipien begriffen ist, ihr "r6 D zuzurufen. Und dies, diese aus den tiefsten Tiefen jüdischer Weltanschauung fließende organisatorische Grundüberzeugung ists denn auch, was uns heute noch von denjenigen Gruppen unserer an Thora und Mizwos treulich festhaltenden Brüder trennt, die auf anderen organisatorischen Wegen, im individuellen oder fraktionsmäßigen Anschluß an Volks- oder Gemeinschaftskörper, die um andere seelische Mittelpunkte organisiert sind, die Wiedergewinnung ganz Israels für seine Thora zu erreichen hoffen. Organisches Wachstum von innen nach außen, nicht von außen nach innen, aus dem Mittelpunkte nach der Peripherie, nicht aus einer pheripherischen Sektion nach dem Zentrum hin, ist das Grundgesetz alles Werdens in Natur und Geschichte. Um den gesunden, triebkräftigen, von der Thora durchleuchteten Zellkern, den „Agudas Iisroel" in den Boden der jüdischen Geschichte senkt, hofft sie darum unter Gottes Segen in allmählichem Wachstum alle, alle zu' sammeln, die für den willigen Anschluß an diesen Lern negativ durch die Erfahrung der Zeiten oder positiv durch die Anziehungskraft des aus dem Mittelpunkte mächtig hinauswirkenden Thorageistes reif werden. Bis dahin freilich muß „Agudas Iisroel" es ihren berufenen Führern in den Ländern der jüdischen Zerstreuung überlassen, die Gesundheit des Zellkernes selber durch "enkporäre Maßnahmen, nach dem Vorbilde der mmn aller Zeiten, vor jeder bewußten oder unbewußten Gefährdung zu schützen. Aber nimmermehr wird sie jemals das Ziel aus dem Auge verlieren dürfen, daß nicht eine Partei der Orthodoxie oder ein Verein der individuell Gesetzestreuen, sondern der zum Leben wieder erstehende Organismus des durch die Thora geeinten jüdischen Volkes Inbegriff der Agudas Jisroel-Aufgabe bleibt. (Schluß folgt.) Wien. Montag, 13. August. (Telegramm unseres Berichterstatters.) Die Vorbereitungen für die Lenessio Eedaulo sind in vollem Gange. Bereits am Samstag sah man in der „Schiffschul" wie in anderen Synagogen und im jüdischen Viertel viele imposante jüdische Erscheinungen, die als Lenessio-Gäste oder Mitglieder von Kommissionen schon frühzeitig zu den Vorberatungen hierbergeeilt sind. Seit gestern Sonntag bringt jeder Zug von Ost und West neue Gäste. Ein Empfangskomitee aus den Reihen der Agudajugend ist stets am Platz, und der Auskunftsdien st funktioniert vortrefflich. Die Mitglieder des Geschäftsführenden Ausschusses sind heute früh - gegen 9 Uhr vollzählig hier eingetroffen. Montag, 13. August, nachm. 6 Uhr. (Telegramm unseres Berichterstatters.) Die Plenarsitzung des G eschäftsführenden Ausschusses hat stattgefunden und zu guten Resultaten geführt. Die Vorarbeiten des Organisationskomitees, das in den letzten Tagen eine Riesenarbeit zu überwältigen hatte, darf als vollendet betrachtet werden. Es werden im ganzen 200 Rabbiner und Rebbes aus verschiedenen Ländern erwartet. Dienstag, 14. August, 12 Uhr mittags. (Telegramm unseres Spezialberichterstatters.) Heute morgen um 10 Uhr fand eine Tagung der Palästina-Zentralen aller Landsmannschaften statt. Es wurden wertvolle Beschlüsse gefaßt zur Vorbereitung wirtschaftlicher Kultur in Palästina. Die Stimmung wächst von Minute zu Minute. Es sind viele Pressevertreter, auch' im Aufträge politischer Tageszeitungen, eingetroffen. Um den Saal der Lenessio in der Zirkusgasse entwickelt sich bereits reges LoNgreßleben. Mittwoch, 15. August, 2 Uhr mittags. (Telegramm unseres Spezialberichterstatters.) Es herrscht unbeschreibliche, festliche Stimmung. Sämtliche Gastkarten zu der feierlichen Eröffnung, die um 5 Uhr vor sich gehen soll, sind vergriffen. Der Andrang ist groß. Unter den angekommenen großen Rabbinern werden genannt der Gerrer Rebbe, Rabbi Chajim Oser Erodsenski aus Wilna, der Radiner Raw, der Verfasser des „Ehofez Chajim", Rabbiner Dr. S. B r e u e r u. v. a. Es verlautet, daß bei der Eröffnung neben dem berühmten Schiffschulchasan mit seinem Chore auch der hier als amerikanischer Delegierte anwesende weltberühmte Kantor Jossel Rosenblatt singen wird. Die Eröffnungssitzung soll nur ein feierlicher Auftakt sein, während die eigentlichen Arbeiten der Lenessio erst am Donnerstag vormittag beginnt.. Der RabbinischeRat wird sich bereits heute abend konstituieren. Wochenrundscha«. Bialikverehrung und Sabbatentehrung. Die große Verehrung für Bialiks unvergängliche Muse teilen wir ohne weiteres, und was wir hier sagen, ist weniger gegen den in religiösen Dingen 'zumindest nicht aggressiven Dichter gerichtet, als vielmehr gegen seine blinden Verehrer, die in ihren maßlosen Huldigungen ganz vergessen, daß es in der jüdischen Geisteskultur immerhin noch Höheres und Heiligeres gibt als die hebräische Dichtkunst und daß deren Meister.nicht als anbetungswürdige Götzen über die Dinge und über das, was uns Maß aller Dinge ist, gestellt werden dürfen. Schließlich hatten wir doch einen E a b i r o l und einen I e h u d a H a l e v i, die auch was von der hebräischen Poetik verstanden und erst recht Meister waren, da sie ihr Lied zum guten Teile Gott und den von Ihm verkündeten Wahrheiten, Israels Lebensseele, weihten. Ein bekannter Warschauer Pädagoge erzählt seinen jungen Lesern in der siebzehnten Nummer der „Hatkufah" von seinem ersten Zusammentreffen mit Bialik: „An einem Sabbatnachmittage trat ich in seine Wohnung. Seine Frau sagte mir, ihr Mann arbeite gerade in Vereinssachen, aber die Störung wäre ihr gleichwohl recht, da er zu angestrengt arbeite. Ich traf ihn wirklich mit zwei Freunden am langen Schreibtische." Wohlgemerkt! Wir sind nicht so naiv anzunehmen, daß alle Dichter, die heute in heiliger Sprache Zions Berge besingen und beweinen, mit Sabbatanbruch ihre Feder hinlegen. Hier aber handelt es sich um etwas anderes: Ein jüdischer Pädagoge, der die jüdischen Schulen Polens mit Lesebüchern und Iugendschriften versorgt, erzählt seiner Jugend ohne ein TÜort der Erklärung und Kritik, wie er Bialik am Sabbat bei der Arbeit antraf. Und Bialik ist der Abgott, ist der „Prophet", ist „Jesajas" und „Iirmejas" zugleich! Und dieser Erste und Beste, dieser gottbegnadete Wegweiser, weiß so wenig von seinem Kollegen von annodazumal, der da vom Sabbat, „der Quecke des Segens" sang, „dem wir entgegeneilen" sollen: weiß auch nichts vom anderen Kollegen, dem der Sabbat ein DD^ mon

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